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Full text of "Altorientalische Forschungen"

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J 



J 



I 



yV76 



Tiirr. 



Altorlentalische Forschungen 



Hugo Wlnekler. 



Zweite Reihe, Band I. 

(1898.) 




LEIPZIG. 
Verlag von Eduard Pfeiffer. 



Inhalt. 

Seite 

Bruchstücke von keilschrifttexten 1 — 26 

Supria 27—52 

Bareser und Assarhaddon 53—59 

Zu semitischen inschriften 60—64 

I. Die grabinschrift yon Petra. II. Die inschrif t von Limyra (CIAr 100). 
3. CIAr 164. 

Assyrien und Tyrus seit Tiglat-Pileser III 65—70 

Sam'al unter Sargon 71—73 

Zur geschichte des alten Arabien 74—80 

II. Sanoeoen. III. Zur inschrift yon Telma. IV. Die kOnige yon 
Characene. 

Die Polyandrie bei den Minäern 81—83 

Einige semitische eigennamen 84—86 

Lot 87—89 

semed 90 

hamustu 91—102 

Die reiche von Ciiicien und Phrygien im liebte der aitorien- 

talischen inschriften 103 — 137 

Aeschylus Persae 751—767 138—142 

Zeit und Verfasser des Kohelet 143—159 

Gog 160-171 

Psalm 22 172—181 

Zur bamuätu 182 

Aus dem archiv von Ninive 183—192 

Nachträge und Verbesserungen 192 



Bruchstücke von keilschrifttexten/) 



7. S. 1444. 

1 -su-nu sa a-tiu u [da- 1 der erkorene] Anu's 

gan und [Dagans 

2 sami-]i u irsi-tim 2 der götter von himmjel 

und erde 

3 Lu-lu-b]i-i ik-su- 3. ........ die Lulubi eroberte 

ud ma um-[ma-an ... er, die 8cha]aren der 

4 K]A-Dingir-ra KL 4 bis nach BJabylon 

il-lik zog er 

5 nap-har-su-nu Bil 5 allesamt BIl [in 

seine bände gab (?)... 

6 ul-t[u 6 von 

7 KA-Dingir-r[a KI 7 bis nach Babyjlon 

ana Ili ni[i(?)-sir . . . zum ge[biete Assyriens fügteer .. . 

8 pl. gu-? 8 

9 ? ai ? 9 gentilicium? 

Die erhaltenen reste lassen noch erkennen, dass der könig, 
der sich „erkorener Anus und Dagons^'-) nannte, die Lulubi 
und ein anderes volk unterv^arf, welches als „hordeu" bezeich- 
net wird, zum vergleich hierfür haben wir die inschrift Ramman- 
niraris I. (3 — 5): ni-ir dap-nu-ti um-ma-an kas-§i-i ku-ti-i Lu- 

■y 

lu-mi-i u Su-ba-ri-i, und einen text Salmanassars I. (Rm 2, 606): 
iia-as-ku-ti umman (SAB) ku-ti-i [kaS-si-i Lu-u]l-lu-mi-i u Su- 
ba-ri-i. es wird hier kaum etwas anderes übrig bleiben als 
kag-si-i zu ergänzen, wozu stimmen würde, dass in der folgen- 
den zeile die eroberung Babylons berichtet wird, es hiess also 
wol: „die hordeii [der Kassi besiegte er und nach] Babylon zog 

') vgl. F. s. 516 tf. 

^) vgl. hierzu auch die noch nicht unterzubringende inschrift von 
Itti-Marduk-balatu. Unters, s. 139. 

Wiuckler, Forscttungen 11^ 1 



— 2 — 

er", dass damit eine eroberung Babylons gemeint sein soll, 
ist wol nicht zweifelhaft, denn ein ausdruck wie „bis vor die tore 
Babylons zog ich" begegnet in den inschriften nie. ebenso 
kann es in z. 7 nicht zweifelhaft sein, dass Babylon mit in 
das erworbene gebiet inbegriffen sein soll. 

Unter diesen Verhältnissen ist man zunächst geneigt, auf 
Tukulti-Ninib I. zu schliessen, den nachfolger Ramman-niraris 
und Salmanassars, mit deren inschriften sich die ausdrucks- 
weise der unsrigen berührt, dass wir es mit einem Assyrer^ 
könig zu tun haben, kann wol nicht zweifelhaft sein, und wenn 
statt der assyrischen namensform Lu-lu-/A//-i hier deutlich [Lu- 
lu-^]/-i gestanden hat, so wird man das auf rechnung des durch 
die eroberung Babylons stärker gewordenen babylonischen ein- 
flusses zu setzen haben. 

Ausser dieser möglichkeit bietet sich nur noch eine an- 
dere, allerdings sehr erwägenswerte, der ich sogar den vorzug 
geben möchte, wenn man annimmt, dass die Inschrift von 
Tukulti-Ninib herrührte, so würde sie nach bekanntem schemii 
gelautet haben: „T.-N., der liebling der götter etc., welcher 
die Lulubi etc. eroberte", der könig erzählt von sich selbst 
nie in der dritten person: er hat erobert, sondern stets ent- 
weder: ich eroberte, oder: der könig, welcher eroberte, nun 
zeigen z. 3 u. 4, dass hier weder erste person noch relativ- 
formen vorlagen, wir müssen also annehmen, dass in der dritten 
person erzählt wurde, dann kann der erzählende nur die taten 
eines seiner Vorgänger berichten, wofür wir nur einen hier 
heranzuziehenden fall haben: den bekannten ,,zerbrochenen 
Obelisken", liegt etwa eine ähnliche Inschrift hier vor, worin 
von der eroberung Babylons durch Tiglat-Pileser I. — denn 
an diesen würde man dann ebenso gut denken können, wie 
an Tukulti-Ninib^) — die rede war? man vgl. dazu I R 28a 38: 
i§-tu (mhz) Bäb-ili §a [mät Ak-]ka-di-i. 



') s. über T.-P. s eroberung von Babylon F. s. 387 anm. 2. — ich 
möchte vorläufig aber doch für wahrscheinlicher halten, dass in unserer 
Inschrift von Tukulti-Ninib die rede war, der doch sicher in dieser art iu- 
schriften Assurnnsirpals (?) ebenfalls erwähnt war, ebenso wie Salmanassar I. 
in dem bruchstücke des zerbrochenen Obelisken III B 4. 



— 3 — 



8. 83-1—18, 215. 

1. [Tukulti-apil-Ssarra sarru rabü 

sarru dannu] sar kissati sar (mä- 

tu) Assur 

2 Bil 

3 a.s ti 

In-ri-i-ti (1.: mu-dis?) 
4 (niritu) 

Assur sa-pan mat nakiri-su 

5 ? -lu 

(inätu) Lab-du-di 

G a-nun-ti 

7 i-]bu-su-ni 

8 na?-]3i-ku 

(ainiiu) na-ak-ni 

9 lua an 

dar nir-ti 

10 (amilu) sjii- 

par-sak-ia (amilu) pihati 
II. [Ili-sunu] as-ku-un 

1L>. [matu mätu] ßit- 

kab-si (inatu) Bit-Ha-am-ban 

13 r. . . . adi] 

(sadü) La-ina-si sadi-i 

14 (inatu) 

Bit-nia-at-ti 
i:> a-bil 



1. Tiglat-Pileser, *) der grosse könig, 
der mächtige könig,] könig der 
weit, könig von Assur, 

2. [der erkorene] Bels 

3 der er- 
neuerte (?) die tempel 

4 Assyriens, 

welcher (?) vernichtete das land 
seiner feinde 

b das land 

, Labdudi 

Ü widerstand 

7 machten 

8 den häupt- 

ling, den feind 

9 ? 

10 meinen be]- 

aniten als Statthalter 

11. [über sie] setzte ich 

12. die länder Bit- 

kabsi, Bit-Hamban 

13 , bis] zum 

gebirge Lamasi 
14. die länder 

Bit-matti 
IT) eroberte ich 



rs. 1. [amilu sii-par-sak-ia (amilu) 
pihatu] ili-su-nu as-ku-un 

2 (matu) Si- 

kib-sa. 

3 -zu-la 

(matu) Si-ir-ra aksu-ud 

4. [amilu su-par-sak-ia ami'u pi- 
hatu ili su-nuj as-ku-un 

f). [mätu a-na 

si-hir-ti-sa a-bil 

G. [amilu .su par-sak-ia amilu pi- 
hatu ilijsn-nu a.<-ku-un 

7 I (matu) 

Ar-ka-a 

S sa si|d-di 

(sadu) Am-ma-na-ua 



rs. l. [meinen beamten als statt- 
iialter] über .sie setzte ich. 
2. die länder Sikibsa 



3 -zula, 8irra er- 
oberte ich 

4. I meinen beamten als Statthalter 
über sie] selzte ich 

5. |das land ] nach seinem 

umfange eroberte ich 

G. [meinen beamten als Statthalter 

über] sie .setzte iih 
7 (las land Arkä 

S am rande des 

A uimanunagebirges 



— 4 - 

d. [aksu-ud (amilu) su-par-sak-ia 9. [eroberte ich, meiDen bearateh 

(amilu)piha]tu ili-su-nu as-ku-un als statthaljter über sie setzte ich 

10. [nist sa tamdi] iliti sa sul-mu 10. die leute vom oberen meere des 
äam-si Westens 

11. [ana misir mäti-ia u]tir-ra 11. brachte [ich zum gebiete Assy- 

riens.] 

12 subat] 12. [ihre ein wohner] Hess ich in 

ni-ih-tu u-si-sib ruhe wohnen 

13. [ina käta Sul-]ma-nu-asarid 13. Salmanassar 

14. [märi-ia? lu-u-]ma-as-si 14. [meinem söhne? unjterstellte ich 

sie.') 

1) Die belege der ergänzungen sind ohne weiteres aus den 
Verzeichnissen zu den, Tiglat-Pileser-in Schriften bei Rost er- 
sichtlich. 

2) Die auffassung der stelle kann wol kaum zweifelhaft 
sein, zu dem dann hier festzustellenden gebrauch von magü 
möchte ich zusammenhalten: ana käta umalli, wie der ge- 
wöhnliche ausdruck lautet, und mal libbi uSam^i. danach 
wird es zweifelhaft, ob dieses masü = ns:?: finden, und nicht 
vielmehr = masü reichlich sein (also syn. von malü) zu 
setzen ist. 

Dass die Inschrift von Tiglat-Pileser herrührt, sieht jeder, 
der nur eine oberflächliche kenntnis der assyrischen Inschriften 
hat, auf den ersten blick, sachlich neues bietet sie am Schlüsse, 
wo sie — die ergänzung [bul-]ma-nu-a§artdu ist als sicher an- 
zusehen — uns sagt, dass in der im jähre 738 eingerichteten 
provinz Simirra^) Salmanassar als Statthalter eingesetzt wurde, 
dass dieser der söhn Tiglat-Pilesers war, würde hieraus zu ver- 
muten sein und dementsprechend lässt der räum keine andere 
ergänzung zu. völlig gesichert wird das aber jetzt durch 
K 3500. im übrigen s. die ausführungen über „Assyrien und 
Tyrus" unten. 

9. K. 6223. bruchstück einer grossen, dicken tafel. 

1 u]l-tu 1 von 

2 ? -la u- ? 2 ? 

3 ? an tu lam (?) . 3 ? 



4 Sin(?)-8um-llsir (SI. 4 Sin-sum-lisir, mei- 

DI) amilu rab-s[ak-ia .... nen rab-sak 



') 8. hierüber zuletzt Mitteilungen der VAG. 1896 s. 203. 



— 5 



5 kujssü ab! ba-ni-ia 

sal-nii-1[s 

6 s]i(?)-hi-ri-ia ma- 

sar-tu i- 

7. ....... . -nu Nabü-ri-ih-tu 

1- 

8 (mätu) Assur (ki) 

u nisi PAL.[TIL.KI 

Sin-sar-ibni 

(amilu) su-par-sak 

10 ? ? 

Jls. nur vereinzelte zeichen. 



5. ...... . thron meines vaters 

woibehalten 

6 seit] meiner Jugend (?) 

wache wachte? 

7 ihr (? sie ?) Nabü- 

rihtu 

8 Assyrien und die be- 

wohner von (der Stadt) Assur .... 

9 Sin-sar-ibni [mei- 
nen?] beamten 

10 



K 6332. bruchstück einer dicken tafel. 



^■10 1. ? an 

2. PAL.TIL.KI 

3. ik-su-fra 

4. ana det. pers. AN, dann noch 
ein winkelkeil sichtbar (: Sin?) 

5. sa as-ku-n[u 

6. it-ti-su-nu 

7. pa-a I-dis is-[kun 

8. kabla u tahäza 

9. ina ki-bit Bil u Nabu 

SU pl. . . . 

10. Sin-sum-lisir (IS) amilu rab-sak- 
ia kima (?) 

11. sa it-ti-su 

12 

unterer rand 



1 

2. Stadt Assur 

3. bot auf (oder: versammelte) . . . 

4. dem (N. pr. vielleicht mit S i n 
beginnend) 

5. den ich gemacht hatte [zu ... . 

6. mit ihnen 

7. machte er gemeinsame sacbe . . . 

8. kämpf und sehlacht [zu liefern 



9. auf befehl Bels und Nebos . . . 

die 

10. Sin-sum-lisir, meinen rabsak, wie 



11. welcher mit ihm (ihnen?) . . . , 
12 



Beide bruchstücke gehören offenbar zu texten, welche im 
gleichen ereignisse behandelten, und sind mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit stücke von duplikaten desselben textes. das ver- 
bum ikßura in B 3 passt gut zu A 8: „die bewohner von Assy- 
rien und der hauptstadt Assur brachte er zusammen", was doch 
offenbar auf einen aufstand gegen den erzählenden zu deuten ist, 
da in B 4— 8 zweifellos von einem solchen die rede ist. eine 
weitere bestätigung dieses Versuches, eine Verbindung der bei- 
den texte herzustellen, kann man darin finden, dass der name 
in B 4 mit Sin (zum mindesten mit gottesnamen !) begann, und 
dass in A 9, welches B 4 entsprechen würde, sich richtig ein 



^ 6 — 

solcher name findet, danach würden beide texte folgenden Zu- 
sammenhang ergeben für A 9 4- B 4 ff.: „an Sin-§ar-ibni, 

meinen bearaten, , B 5 den ich [zum Statthalter o. ä. 

von .... gemacht hatte, schickten sie eine aufforderung zum 
aufstand o. ä.] B 6 mit ihnen [sich zu vereinigen o. ä. etc. 
und dieser, der Verräter o. ä.J B 7. machte gemeinsame suche mit 
ihnen [und sie (er?) zogen aus um zu liefern] B 8 kämpf und schlacht. 

In B 10 wird dann Sin-§um-li§ir als der minister genannt, 
der auch jetzt, beim kämpfe gegen die rebellen, sich treu er- 
Aveist, wie er offenbar vorher in A 4 — 6 als derjenige bezeichnet 
war, welcher dem- redenden bei der thronbesteigung nützlich 
gewesen war (A 5). was A 6 bedeutet, ist nicht klar: „er 
hatte wache gewacht" ist doch kaum im astronomischen, son- 
dern im eigentlichen sinne zu fassen, und wenngleich keine 
ähnliche stelle vorliegt, vorläufig am einfachsten im hinblick 
auf A 5 auf die bemühungen des rabäak zu deuten, dem reden- 
den den thron seines vaters zu sichern. 

Nabü-rihtu in A 7 müsste derjenige oder einer von den- 
jenigen sein, von denen der aufstand ausging, von welchem 
also, wie wir sahen, das ik-su-[ra] in B 3 ausgesagt wird, da 
in B 2 kurz vorher (A 7 würde der lücke etwa von mitte B 2 an 
entsprechen) die landeshauptstadt Assur genannt war, so kann 
das nur in dem zusammenhange geschehen sein, dass sie als 
ausgangspunkt der Verschwörung namhaft gemacht wurde, wo- 
zu dann wieder das über A 8 -j- B 3 ermittelte stimmen würde. 

Danach haben wir als mutmasslichen Inhalt und gedanken- 
gang: .... Sin-§um-li§ir, der rabSak, hatte dem redenden den 
thron gesichert (A 4 — 6), und zwar deutlich nach dem tode 
des alten königs (A 5). es entstand aber gleichzeitig in Assur 
(B 2) ein aufstand, dieser ging aus von Nabü-rihtu (A 7), 
welcher Assyrien und die bauptstadt für sich gewann und 
gegen den neuen könig in waffen brachte, es gelang ihm 
auch, einen der Statthalter, Sin-§ar-ibni (A 9 -f- B 5 — 7) für sich 
zu gewinnen, sodass er mit ihm dem beere des königs entgegen- 
zog (B 8). der könig oder sein getreuer rab-Sak Sin-Sum-liSir 
zieht darauf den rebellen entgegen. 

Es fragt sich nun, welches der könig ist, von dem die 
inschrift herrührt, und dem also der thron streitig gemacht 



^1 



( — 



wurde, der Scargonidenzeit gehört der text der schrift nach deut- 
lich an (von Tiglat-Pileser und Salmanassar wird man von 
vornherein absehen), und da uns die Verhältnisse, unter denen 
Assurbanipal könig wurde, jetzt bekannt sind,^) Sargon als 
Usurpator schon wegen A 5 nicht in betracht kommen kann, 
so bleiben nur Sanherib und Assarhaddon. soweit wir die Ver- 
hältnisse, unter denen Sanherib könig wurde, bis jetzt fest- 
stellen köQnen,2) spricht nichts von einem aufstand, den er 
erst hätte niederwerfen müssen, um sich den thron zu sichern, 
und in seinen Inschriften finden wir nicht die leiseste andeu- 
tung davon, obgleich es nicht gut denkbar wäre, dass sie fehlen 
würde, wenn irgend etwas bezügliches vorgelegen hätte. 

Bekannt dagegen ist der aufstand, der zur ermordung San- 
lieribs führte, und der von Assarhaddon dann niedergeworfen 
wurde, für Assarhaddon sprach mir auch von vornherein das 
äussere der Inschrift, ehe ich mir über den Inhalt rechenschaft 
gegeben hatte, und es kann wol als sicher angesehen werden, 
dass wir es hier mit einem bericht über die Verhältnisse, unter 
denen er könig wurde, zu tun haben. 

Den namen desjenigen sohnes Sanheribs, der durch diesen 
aufstand auf den thron gehoben wurde, glauben wir in dem 
Öar-itir-Assur in Naram-Sins brief wiederzufinden.^) dass der 
Nabü-rihtu, der hier als Urheber — oder einer der Urheber — 
des aufstandes genannt wird, der söhn Sanheribs gewesen, 
und darum jene Vermutung falsch sei, ist mir nicht wahrschein- 
lich. Nabü-rihtu ist zwar deutlich der geistige leiter des auf- 
standes, aber nichts deutet darauf hin, dass er ein bruder 
Assarhaddon 's war. es ist daher am wahrscheinlichsten, dass 
§ar-Itir-As§ur, wenn das wirklich der name des auf den thron 
gehobenen war, nur ein Werkzeug in seiner band war, sodass 
wir in ihm selbst den führer derjenigen partei sehen müssen, 
welche am hofe Sanheribs gegen den rabSak Sin-§um-li§ir und 
dessen Schützling (A 6!) Assarhaddon intriguirte. 

Verstärkt werden diese vermutunge.i endlich noch durch 
den Wortlaut des bekannten berichtes Assarhaddons über die 



') F. 8. 415 ff. 
2) F. 8. 411 ft. 
^) 8. unten. 



— 8 — 



»';,. 



■ 1' 



niederwerfung des aufstandes im prisma B 1 flf. gegenüber 
der tatsache, dass die babylonische chronik und Berossus nur 
von einem söhne Sanheribs als mörder seines vaters zu mel- 
den wissen, war es immerhin auffällig, dass Assarhaddon von 
seinen gegnern, entgegen der gewöhnlichen form, gerade hier 
immer nur in der mehrzahl spricht, unsere bruchstücke würden 
jetzt diese Schwierigkeit lösen, indem sie uns zeigen, dass min- 
destens zwei von den assyrischen grossen, wenn nicht mehr, 
die beträchtlichsten und wol am meisten zu fürchtenden gegner 
waren, und dass das beer, welches Assarhaddon in Haiiigalbat 
ereilte, tatsächlich unter mehreren führern stand. 
10. 83—1—18, 483. 



1 [mätu 

Ba-a-zu na-gu-u] sa a-sar-su ru- 

u-ku 
2 

ak-su]d ma as- 

lu-la gal-lat-su 

3. [üp-pi-is haz&nu sa (mhz) Pa- 
ar- tak-ka Sa-na-sa-na hjazänu 
sa (m{iz) Pa-ra-Di(!)-ka 

4. [Ba-ma-tl-ia hazänu sa (mhz) 
U-ra-ka-za-bar-na (mätu) Ma- 
da-]ai sa a-sar-su-nu rüku 

5 mur- 

ni-is-ki rab]üti (abnu) uknü ? 

[8adi]-su 
6. [a-na Ninua ma^äz bf-lu-ti-ia 

is-su-nim-ma u-na-aR-si-]ku »i- 

p&-ia 
7 i- 

mid-]su-nu-u-ti 
8 sa pa- 

a-]di (§adü) ßi-ik-ni 
9. [Sitirparna f parna haz]anüti dan- 

nu-ti 
10 ana mi^ir 

(mätu Assur k]i am-nu 
11 

-§u-nu . . . 



von ferner läge, 



das land Bäzu, 



eroberte ich, führte die 

beute fort. 

3. [Uppis, häuptling von Partakka, 
Sannasana, häuptjling von Pa- 
ra-ni-ka, 

4. [Ramaüa, häuptling von Ura- 
kazabarna, Medjer von fernem 
Wohnort, 

5 edle rosse, 

uknü-stein, das des ge- 

birges 

6. brachten sie nach Ninive, meiner 
hauptstadt, und küssten meine 
füsse. 

7. [tribut und abgaben etc.] legte 
ich ihnen auf. 

8. [Patusarra an der 

grenze] des Biknigebirges 

9. [Bitisparna und Eparna,] mäch- 
tige häuptlinge 

10 zum gebiete 

Assyriens] brachte ich. 
11 



rs. 1 ul-tu ^' 1 



von 



(? lu ?) ni bar-ri 



— 9 — 

2 -lu-tu 2 ? wie 

kima kis-sl . . . gurken 

3 hup-pi 3 ? pferde 

sisi (imir + kur + P*« it-ta- raubte (?) er 

n[a-bal ?] 

4 j • • • (mÄtu) 4 Kus, 

Ku-u-si (amllu)Mi-luh-hi-i-ini pl. Meluhhäer 

5 ?-sa ik- 5 welchen er 

ti-ra it-ti-su sich verbändet hatte, 

6 a-sar 6 schwieriges 

nam-ra-si terrain 

7 ? mu 7 

8 ilu fru a 8 ? 

(A + SfRü) sar tu 

9 -tjum 9 



z. 1 — 10. s. die betreffenden stellen der prismen. 

z. 3. so statt Pa-«r-/w^-ka des prisma A. 

z. 5. die prismen haben uknü ti-ib §adi(!)-§u^) „uknü, das 
produkt des (Isuffix!) gebirges (!). unser text hatte ein nicht 
mehr deutliches zeichen, von dem nur ein teil erhalten ist, der auf 
etwas ähnliches wie simu, ram o. dergl. hindeutet, es muss also das 
Ideogramm für tib gewesen sein : hat etwa GAS, was nach den 
spuren möglich, dagestanden, und ist demnach hi-ip nach II R 
27 u. 56 (Brünnow 4723) zu lesen (ebenso wie statt ti-ib libbi 
irSi)? an hipü zerbrechen kann man dann natürlich nicht 
denken. 

rs. Bezold Catalogue bezeichnet das bruchstück als „un- 
teres rechtes stück", während ich es für das obere hielt, da 
wol B. das richtige hat, so würde unsere vs. 1 die fortsetzung 
von unserer rs. 10 sein, im andern falle muss man annehmen, 
dass die ganze tafel die fortsetzung einer anderen war, da 
unsere vs. 1 nicht den anfang einer inschrift bilden kann. 



*) Falsch bei Del. HW. ti-ib niäti-su-[un]! das suffix hat hier 
wieder die von mir so oft betonte determinirende kraft, ebenso ^urasu 
ipir sadi-su (nicht mäti-su) gold, den staub (?) des gebirges (nicht: seines 
landes). übrigens erscheint es mir in diesem zusammenhange zweifel- 
haft, ob ipir *1D3? ist. hi-ip sadi bedeutet doch offenbar etwas wie „erzeug- 
nis" o. ä. und demgemäss erwartet man in f-pir etwas entsprechendes. 
Delitzsch giebt HW. ipru (1Sd< II) als unterhalt, ideogr. Sf. BA. ist ein 
wort ^ipü wachsen, sprossen, und ein syn. "iCK anzunehmen? 



— 10 — 

rs. 4. Ml-luh-hi-I-mi ist auffällig. Mi-luh-hi i-mi pl. oder 
Ml-luh-^i-i MI pl. sieht aber auch nicht sehr wahrscheinlich aus. 

6. ist doch wol von Miluhha die rede. vgl. die beschrei- 
buüg des marsches auf dem zweiten zuge Unters, s. 97 und 
Mitt VAG 1898 s. 5. 

Beziehen sich rs. 3 und 4 auf die erste Unternehmung 
Assarhaddons gegen Ägypten (674. bab. chron. IV. 10 nach 
Knudtzon's lesung)? in den berichten über den zweiten zug 
erwähnt er nichts von einer beteiligung von Miluhha, während 
hier doch offenbar davon die rede war, dass Taharka den könig 
von Meluhha für sich gewonnen (rs. 5) hatte, auch war ja 
dieser, als der zweite zug unternommen wurde, bereits gefangen 
genommen.') es könnte hier also die erste nachricht über den 
ersten zug nach Ägypten vorliegen, es ist auffällig, dass Assar- 
haddon in den prismen nichts von diesem zuge erwähnt, der 
grund liegt aber auf der band : im jähre 673 war Ägypten be- 
reits wieder verloren gegangen (chron. IV, 16. „die Assyrer 
wurden in Ägypten geschlagen: dtkü nach Knudtzon), und im 
selben jähre wurden die prismen geschrieben (limmu Atar-ilu). 

11. K. 6 303. 

1 uy-]ni-kir 1 die Inschrift] änderte 

a-na as-ri «u-nu ma (la?) u-ti- ich [nicht], stellte sie zurück 

ir 

2 inah(?)- 2 die fr]üheren (?) [für- 

ru-tu sa (niatu) Ku-un-zu-hi-i-li sten ?] von Kunzuhili, welche nije- 

sa im- mals? 



12. K. 3500 + K. 4444 + K. 10235. 

1. ? ? 

2. (ilu) Is-tar ?-ku-un 

3. (ilu) Gu-la a-zu-gal-l[a-tu -ku-nu 

4. si-im-mu la-zu Ina zu-uiur-k[u-nu su-un-ka 

5. (ilu) 8i-bit-ti iläni kar-du-ti ina kakki-su-n[u -ku-nu lis-kun 

6. (ilu) Ba-ai-ti-iläni (ilu) A-ba(ka?)-ti-ba pl. 

7. ioa käta nisi a-ki-11 -ku-nu 

8. iläni rabüti sa sami-i u irsi-tim iläni (matu) Assur(ki) iläni (mätu) 
Akkadi 



^) Dass kamü sar Miluhha könnte sich nur auf ein ereignis des ersten 
ägyptischen zug€8 vom jähre 674 oder ein früheres beziehen, s. s. 19! 



-^ f 1 _ 

3 -su(?)- :^ ihr köoig- 

nii sarru(?)-su-iiu i-ki-im u sa- tum nahm ich weg (?) und ihr 

an-gu-[8U-nu priestertum 

4 Pu-di-il 4 Pudi-il, 

a-bi sa-ak-ni Bil der vater des »tatthalters ßels 



f) Bil-uirari .sar (niätu] 5 Bel-nirari, köoig 

Assur mär Assur-uballit sar (mätu von Assur, söhn Assur-uballit'», 
[Assur . . . königs von Assur, 

ü sangü-su ili ü dessen priestertuin 

ilA-t[i-Aa rabi-ti i-ti-bu-ma ihrer (sg. fem.) grossen gottheit 

wohlgefällig war 



7 7 



z. 2. mah ? es ist nur der rest {:— sik) erhalten, die hier 
erzählten ereignisse waren auch K 2671 z. 16 erwähnt, s. F. 
s. 523, wo . . . a(?)-su-lii-U also [Ku-u]n-su(zu ?)-hi-li zu lesen 
ist. am Schlüsse der zeile ist zu ergänzen: §a im-[nia-ti ma 
la-na etc.]? 

3. einen Zusammenhang vermag ich nicht herzustellen, 
i-ki-im: „nahm ich weg*' oder: „schützte ich"? 

4. Pudi-il etc. vgl. R-n. I, 14: (Ramman-nirari) mär Pu- 
di-il sa-ak-ni Bil. der saknu Bils ist also hier Ramman-nirari. 
(„Pudi-il, mein vater, der Saknu Bils'\ ist doch kaum zu 
fassen). 

5. s. die inschriften Pudi-ils und Ramman-niraris. die 
Inschrift rührt nach dem zu z. 2 erörterten von Assarhaddon 
her. 



1 

2. Istar auch 

3. Gula, die grosse ärztin euer 

4. lähmende krankheit in euern körper ? 

5. die Siebengötter, die starken götter, möge (sg.) mit ihren (1) waffen 
eure [niederlage] machen. 

6. der gott Baiti-iläni, der gott A-ba(ka?)-ti-ba 

7. [möge] euch in die klauen eines gierigen löwen [fallen lassen]. 

8. die grossen götter von himmel und erde, die götter von Assyrien, die 
götter von Akkad, 



— 12 — 

9. ilftni i-bir näri ar-rat la oap-su-ri li-ru-ru-k[u-nu] 

10. (ilu) Ba-al-sa-ml-mi (ilu) Ba-al-ma-la-gi-i (ilu) Ba-al-sa-pu-nu 

11. 8&ru lim-nu ina llippi-ku-nu lu-sat-ba (isu) mar-kas-si-na lip-tu-ur 

12. (]8u) tar-gul-la-si-na li-is-su-hu i-du-u dan-nu ina . . . 

13. li-da-bi(?)-si-na sam-ru a-ga-u i-Ii-ku-nu li* 

14. (ilu) Mi-il-gi-su (ilu) la-su-mu-nu mäti-ku-nu a-na ha[-la-kij 

15. Disi-ku-nu a-na sa-la-li li-di-nu ultu mäti-ku-nu . . . . lu lil 
( . . . s]ab-lil?) 

16. akili (SA. pl.) loa pi-i-ku-nu ku-sip-pu ina la-ni-ku[nu] 

17. samni ina pa-sa-si-ku-nu lu-^al-li-ku 

18. (ilu) Is-tar ina ta-^a-zi dan-ni kasti-ku-nu li-]ii-la sap-l[a-an ai-bi- 
ku-nu] 

19. li-8i-8i-ib-ku-[nu] amilu nakru a-hu-u li-za-i-za 9al-[lat-ku-nu] 

20. dup-pi a-8[u-i]in (?) kun-nu Sa Ba-a-lu (m&tu) Sur-[ra-ai 

unterer rand. 

Col. II. 

1 ili(?) 

2 pl.-su-nu AAsur-ahi-iddin ^ar (mätu) Assur 

8 d]i (? S2ik?)-su ina ili-su la . . . 

4 ? -li la-ku(?)-u-ni ni at (?) ta la lu (? ib?) 

sab ? pi (?) la tu hi . . . 

5 inal muh-hi-ka as-kun u ni ? ? ni li ? 

6 -ka (amilu) par-sa-mu-ti sa mäti-ka ina ipin 

(I«) ? 

7 -u-ni (amilu) ki-i-pu i8-8i-8U-nu i- 

8 ? ilippi amilu? 

9 ? 

10 8a ina mah-ri-ka ina pi an 

11 si i SU la ta sa mi ti ku (? ma?) ba-la-at ? ? 

12. u i-gir-ti sa a-sap-par-kan-ni ina ba-la-at (amilu) ki-i-bi la ta-sa- . . 
? 

• • • t 

13. sum-ma (amilu) ki-i-pu at (? la?) gur bu ina päni-su ta-da-gal ta- 
pat-ti 18 (mil?) la a ina lib-[b]u-su-nu 

14. sum-ma ilippu sa Ba-a-lu lu (!) sa nisi (mätu) Ar-pad ina (mätu) Pi- 
lis-ti isbat (? LU) -su 

15. sa (mStu) Assur (ki) gab-bu ta-ma^-ha-su-u-ni am-mar .sa ina libbi 
ilippi ni(!) sa Assur-ah-iddin sar (mätu) Assur 

16. u nisi am-mar sa ina libbi-su-nu la i-ha-di u sumi-su-nu u-sa 

17. an-nu-ti KAR pl. girräti sa Asäur-ah-iddin sar (mätu) Assur a-na 
Ba-a-lu ?-lu-la . . . 



- 13 - 

9. die götter vom ^jenseits des flusses'^ mögen mit unlösbarem fluche 
euch Torfluchen; 

10. Ba'al-samim^ Ba'al-malakt, Ba'al-saphön 

11. lasse bösen wind in eure schiffe kommen, löse ihre taue, 

12. ihre anker mögen sie (!) losreissen, eine gewaltige flut in [das meer?] 
\3. mögen sie sie (die schifTe) tauchen (?), eine wilde Sturmflut über 

euch [bringen]. 

14. der gott Milgisu, der gott Jasumunu, mögen euer land dem [verderben ?] 

15. und die einwohner der gefangenschaft überantworten, euer land .... 

16. die speise eurem munde, das kleid an eurem körper, 

1 7. das öl bei eurer salbung mögen sie verderben lassen, 

18. Istar möge in furchtbarer schlacht euern bogen zerbrechen, zu fü[ssen 
euerer feiDde] 

19. euch sitzen hissen, der fremde feind soll verteilen euere gefangenen, 

20. tafeln ? ? Baals, des Tyrers, 



IL 

1 auf 

2 ihre Assarhaddou, könig von Assyrien, 

3 sein . . . auf ihm nicht . . . 

4 uns ? ? ? 



5 auf dich legte ich und ? 

6 dein ... die greise deines landes mit staub 



7 sie Statthalter mit ihnen 

8 schiffe 

9 

10 der vor dir in ? 

11. ? 

12. und ein brief, den ich dir geschickt habe in ? des Statthalters 
nicht sollst du 

13. wenn der Statthalter ? vor ihm sollst du sehen, sollst öffnen ? 
in ihnen. 



14. wenn das schiff Ba' als, welches leute von Arpad in Philistaea genommen 

haben (?), 
lf>. welch(e?) Assyrien ganz geschlagen haben, alles was in dem schiffe 

Assarhaddons, königs von Assyrien, 
10. und die leute, welche darinnen, nicht ? und ihre namen ? 

17. dies sind die ? der wege (od. karawanen), welche Assarhaddon, 
könig von Assur, au Ba'al ? 



- U - 

18. a-na (mahäzu) A-ku-u (mahazu) Du^*-ri ina na-gi-i (mätu) Pi-lis-ti 
? ? . . ^ . . . . 

19. u loa mahftzäni ta-hu-mi §a (mätu) Ansur (ki) sa M-di tam-dim gab- 
(?) bi? . 1^ \ 

20. u (ma^4zu) Gu-ub-lu (sadü) Lab-Da-[Du] mabäzl Ha ina sadi-i gab .... 

21. am-mar ma^azi [sa] Aasur-ah-iddin sar (mutu) As8ur Ba-a-Iu Irubü 
(?TU) 

22. (mätu) Sur-ra-ai bit-ti Aa Assur-a^-iddio .sar (inätu) As8ur i-ti- 

23. ina iibbi ilippt-ßu-nu u ara-mar i-bur-u-ni ina libbi nia^iäzi ^a det. 
pers 

24. mal)äzi-sa alu -|- KAN pl.-8U kari-8U sa a-na na- ?(da[n] ?) 

25. am-mar a(?)-^i-ta-ti-sa-na ki-i ^ ina la-bi- 

26. in-na-ga-ru-u-ni mi-mi-ni pi-ir-? 

27. ina libbi llipp!-su-nu la i-ha-di ina Iibbi niäti (?) 

28. ina na-gi-su alu + KAN pl.-su i-hab (riin kil)-tu(tam) an 

29. ki-i sa-Ja-li (?) mät (mahäzu) Si-du-[nu • . . . . 

nnterer rand. 
Rb. oberer teil col. IV. (also anstossend an vs. col. I). 
1. [bijitu sa 8ul-man-asarid sar (mutu) Assur mär(I) Tukulti(KU)- 



2 Ba-a-l]u (? od. [a]l?) sar (mätu) Sur-ri uitu det. pers. 

3 ? märu rabfi 

4 l! 



Über das eine der drei hier gegebenen stücke habe ich in 
der Gesch. Israels s. 223, anm. 1 eine kurze bemerkung go- 
geben, und danach hat Hommel in seiner „Altisraelitischen 
Überlieferung'' s. 196 nach einer copie von Pinches eine übej- 
setzung gegeben, deren Wortlaut sich soweit von dem, was 
meine copie bot, entfernte, und in so grossem gegensatze zu 
dem stand, was ich über das alter des textes (ohne es zu äussern) 
vermutet hatte, dass ich eine neue Untersuchung der tafel für 
nötig hielt, um mich zu tiberführen, ob ich gespenster gesehen 
hätte, es kann Pinches kein Vorwurf daraus gemacht werden, 
wenn das ergebnis der neuen Untersuchung zu meinen gunsten 
ausfiel, ich erkenne sogar an, dass die eine oder andere rich- 
tige lesart ihm zu verdanken ist; im grossen und ganzen muss 
aber das, wonach Hommel übersetzt hat, nur als eine copie? 
von dem gelten, was man ohne eingehendes Studium lesen kann, 
das ist auch durchaus nur das, was man verlangen kann, wenn 



— 15 - 

18. nach Akko, Dür, im gebiet von Philistaea 

19. und in den Städten des gebietes von Assyrien, welche am ufer des 
meeres liegen, 

20. und Gebal, der Libanon, die städte im gebirge all[esamt, .... 

21. alle Städte, Assarhaddon, könig von Assyrien, Baal ? 

22. Tyrier ? Assarhaddons, königs von Assyrien, ? 

23. in ihren schiffen, und so viele V in den städteu des (Personen- 
name abgebrochen: Ba'al?) 

24. seine städte, Ortschaften, Schlösser, welche zu 

25. deren ? sowie in belagerung (V) 

26. zerstört worden sind, so viele ? 

27. in ihren schiffen, nicht ? in dem lande 

28. in seinem gebiete seine Ortschaften ? 

29. als beute Sidon 

Rs. 
1 . der tribut, den Salmanas.sar, der könig von Assur, der söhn Tiglat- 

[PilesersJ 

2 Ba [al, könig von Tyrua, von (Personenname: Assarhaddon ? 

3 gross-sohn 

4 



es sicli um eine gefäliigkeit handelt, diese tafel aber kann 
nicht copirt, sondern rauss tagelang s tu dir t werden, und das 
ist nicht gut von jemand zu verlangen, der nicht den gegen- 
ständ vollständig untersucht, wer thontafeln lesen kann, ver- 
steht mich, und wer es nicht kann, dem nuiss idi pflichtgemäss 
sagen, dass ich hier gegen Pinches keinen Vorwurf erheben 
will, im übrigen aber das was ich gebe, nach sehr eingehen- 
der tagelanger arbeit festgestellt habe, nachdem ich bei ganz 
unklaren stellen, wo eine vorgefasste meinung leicht zur 
Selbsttäuschung führen konnte, stets noch das gutachten eines 
unbefangenen — J. A. Craig der im lesen von tontafeln eine 
gute Übung hat — eingeholt hatte, ich gehe danach nicht 
mehr auf jene angaben ein, der mode gewordene apparatus 
criticus, der nur bezweckt, die eigene vortrefflichkeit gegen- 
über anderen ins rechte (?) licht zu setzen, ist nicht meine art. 
Die neue Untersuchung der bruchstücke ist anderweitig 
von einem noch wiebtigeren ergebnis belohnt gewesen, denn 



— 16 — 

ich konnte die Zusammengehörigkeit mit den beiden bruch- 
stücken K 4444 und K 10235 feststellen, hiervon ist das erstere 
von mir wol viermal seit dem jähre 1886 copirt v^rorden, und 
ausser mir haben es mehrere andere versucht, es ist schv^rer 
zu lesen und aus seinem Inhalt habe ich nichts rechtes machen 
können — andere haben mir dasselbe leid geklagt, sodass ich 
wol annehmen darf, dass die lösung der einzelnen rätsei erst 
von der zukunft zu erwarten ist. durch die zusammenfügung 
mit K 3500 ist aber erwiesen, dass die tafel von Assarhaddon 
herrührt, dass also der fluch der götter vom '^nDn "inr^ durch 
diesen angerufen wird, und zwar augenscheinlich anlässlich 
seines krieges mit Ba'al von Tyrus. 

Einzelbemerkungen : 

5. Man beachte die Schreibung Si-bit-tl ; liegt hier endlich 
eine phonetische Schreibung der bis jetzt noch ziemlich rätsel- 
haften, sonst mit der zahl VU geschriebenen gottheitvor? man 
beachte auch den Wechsel von Singular und plural! 

10. Die von mir (Gesch. Isr. s. 223) vermutete ergänzung 
Ba-al-ßa-pu-[nu] statt der von Bezold (Catalogue) vorgeschlagenen 
Ba-al-za-bu-[bi] ist durch den anschluss von K 4444 als richtig 
erwiesen, es wird also wirklich ein -pD^-brn hier genannt. 

CoL n. K4444 -\- K 10235 ist mir zum grössten teile nicht 
verständlich, ich verzichte daher auf längere erörterungen und 
die anführung von Vermutungen, die jedem eingeweihten so- 
fort aufstossen. 

z. 14. in lu nach Ba-a-lu ist wol nur einedittographie zu sehen. 

19. es sind die unter assyrischer provinzverwaltung stehen- 
den phönicischen städte gemeint. 

27. i-ha-di s. auch z. 16. 

Rs. die lesung des namens war sehr schwierig, ich 
habe tagelang alle möglichkeiten erwogen, es darf jedoch das 
von mir festgestellte als sicher gelten und wurde mir aucli 
von J. A. Craig bestätigt, hier haben wir also zum ersten 
male bezeugt, dass Salmanassar IV. der söhn Tiglat-Pilesers war, 
wie man auch schon vermutet hatte, über die bedeutung dieser 
angäbe für das Verhältnis zwischen Assyrien und Tyrus seit 
Tiglat-Pileser s. den aufsatz „Assyrien und Tyrus'' und vgl. 
zu 83—1—18, 215, z. 13 (s. 4). 



- 17 - 

13. K 13225. stück der rechten seitc. 

1 ? ? 

2 ?-u ma 

3 ? a-ki-i 

4. . . . ür-ta-gisarru 

5. . . . ta?-a]m*)-ha-ra za-an-nu 

6. . . . ? ina sipä-su it-ta-suk 

7. . . . Um-Jman-ni-ga-a8 ahi-su i-na 

8 i ? di(?) ik TUR ÜT 

über den Inhalt ist nichts auszumachen.^) es kann als 
sicher angenommen werden, dass in z. 7 von UramanigaS, dem 
bruder des z. 4 genannten Urtagi (ürtaki) die rede ist, wie 
F. s. 528 vermutet wurde, das bruchstück gehört einer noch 
nicht bekannten art von texten an. es ist babylonisch ge- 
schrieben, dem inhalt nach kann es nur von Assarhaddon her- 
rühren, zu beachten ist, dass nicht nur die. schritt, sondern 
auch die Schreibweise babylonisch ist: ür-ta-gi (vgl. babyl. 
chron.) statt assyr. ür-ta-ki. 



14^. Rm 284. Von der rs. nur unbedeutende reste erhalten. 



• I 



rs. 1 ? ? 

2 *) -tak-ki-la-ni ma? 



rs. 1 

2 ermutigte mich 



3 i]z-zi-iz ina i-di-ia 3. . . . der gott ] stand mir 

zur Seite 

4 ünd(?) ? ? 

5 der grossen götter 

allesamt 



a? ? 

4. u (?) ma-ku-u-tu sa li 

ka 

5 iläni rabüti ma-la ba- 

su-u 



() t]i Assur-ahi-iddi-na 6 ? Assarhaddon, könig 



sar (matu) Assur (ki) sakajnak 

Babili 

7 iläni rabü (!) sar mäti 

i-li-tum u s[ap-li-tum . . . 



von Assur, Statthalter von 

Babylon 

7 der grosse .... der 

götter, könig des westlichen und 
östlichen landes 



') oder rest von h]u, also hu-ha-ra? 

^) z. 6: mit seinen füssen berührte er ? nasuku ponerc? (suk, kil 
mit eingeschriebenem a). 

^) Senkrechter keil erhalten, also nicht u; ta? 



WincUer, Forscbupgen, U.^ 



— 18 - 

6 loa s]a8U]Ti^) a-ga-ri-in- 8 im leibe der mutier, 

ni H-lit-ti-ia die mich geboren^), ...... 

9 ha (g]ir?) bi lu u la 9 ? ? ? 

(ti?) da ka la m&täti ma? 

10. lib-bi Assur u-zak-ki-ru ma im- 10 den sinn Assurs 

erhoben sie? 

11 (mhz) Ku-u-si sa ma- 11 Kus, wohin keiner 

am-ma-an ina abi-ia unter meinen vätern 

12 i-sap-pa-ru la i-tu-ur- 12 geschickt hatte, nicht 

ra ma zurückgekommen war [ant- 

wort? 

13 mja(?la?) a-sar is-su- 13 wohin vögel nicht 

ru la u-na-as-8a-s[u fliegen (?) 

unterer rand. 

Auch für diesen text giebt es bis jetzt keinen ähnlichen 
Assarhaddons. sachlich sind von bedeutung nur die drei letzton 
Zeilen, deren sinn offenbar ist: 11 u. 12: nach Ku-u-si, wohin 
keiner unter meinen vätern [jemals seine boten o. ä.] geschickt 
hatte, und von wo niemals [antwort, briefe o. ä.] zurückge- 
kommen war. z. IB muss eine beschreibung des weges oder 
des landes enthalten: ein ort, wo die vögel nicht hinfliegen. 

Ist hier KuS, das land Taharka's gemeint? dass mahäzu 
statt mätu vor dem namen steht, spricht nicht dafür, be 
Assarhaddon ist diese Verwechslung in historischen texten 
durchaus ungewöhnlich, da sie doch immerhin eine nachlässige 
Schreibweise bedeutet, es besteht ein weiteres sachliches be- 
denken insofern, als man kaum annehmen kann, Assarhaddon 
habe zuerst nach Napata (an Taharka) boten geschickt, da 
Taharka seit etwa 691 Ägypten besass,^) also bereits zu San- 
heribs lebzeiten, so muss man doch annehmen, dass auch 
ein diplomatischer verkehr zwischen ihm und dem assyrischen 
hofe stattgefunden hat. wenn ferner Assarhaddon das nicht so 



*) Senkrechter keil (rest von lib) erhalten + tarbasu. Hb (Sa) + 
tarbasu (tur) = sasurru. Del. HW. unter tarbasu umschreibt die parallel- 
stelle Lay 38, 3 ina lib tarbas agarinni! richtig Meissner- Kost (^Sanh. s. 2). 

'^) Die parailelstelle Lay 38, 3 (Sanherib) lautet Bilit iläni, die 
herrin der geburt» hat im leibe der mutter, die mich geboren, rite mich 
ersehen (kinis ippalsanni ma). 

«) S. zuletzt F. s. 482. (Unters, s. 108. Alttestamen tl. Unters. 
8. 33 ff.) 



— 19 — 

genau nähme — wie ja beispielsweise Sanherib (II 31) auch 
der erste gewesen sein will, der mit den Medern zu tun hatte, 
von deren besiegung Sargon und Tiglat-Pileser so viel zu be- 
richten wissen — so müsste man unsere stelle offenbar auf 
den anfang der feindseligkeiten oder sonstigen beziehungen 
zwischen Assarhaddon und Taharka deuten, dann hatte er aber 

• 

doch nicht nötig, eine gesandschaft nach Ku§ zu schicken, denn 
Taharka war in Ägypten, sogar in Memphis, selbst wenn er 
aber auch nach Napata geschickt hätte, so war das nicht viel 
mehr als eine etwas längere, aber durchaus denselben Charakter 
tragende reise, wie eine nach Oberägypten, warum also das 
geheimnisvolle wesen von der öden gegend? allerdings giebt 
Assarhaddon eine fabelhafte beschreibung seines marsches durch 
Nordarabien gegen Ägypten, da handelt es sich aber eben um 
einen heeresmarsch, und durch ein wirklich unbekanntes land, 
während wir uns doch denken müssen, dass gesandschaften von 
Palästina zur see, oder auf der gewöhnlichen karawanenstrasse 
längs der küste und dann nilaufwärts zu wasser gingen, also 
durchaus keine abenteuer zu bestehen hatten, man kann sonst 
nur annehmen, dass Assarhaddon bereits von seinem zuge — 
dann dem ersten nach Ägypten — zu erzählen beginnt, und 
dass es bei ihm geheissen habe (z. 11): nach [Ägypten und| 
Kus [zog ich], aber das ist auch wieder bedenklich, denn nach 
Ku§ ist er nie gekommen. 

So kann man herüber und hinüber erwägen, ohne zu einem 
festen ergebnis zu gelangen, die tafel ist mit ihrem abweichen 
von dem bekannten inhalte nur wieder ein beweis, wie win- 
zige bruehstücke von einer grossen fülle wir bis jetzt erst 
besitzen.^) 

lö. Rm. 283, unteres rechtes stuck. 

1 pl. u rabu-u 8a abi- l meine 

ia u-[rad-di? .... väter fügto ich hinzu 

2 ?*)-.5i-i man-da- 2 ? (n. pr. ?) ihren 

at-ti-8a !«at-ti sam l[a napark«^ (fem.!) tribut jährlich, unauf- 

hörlich 

*) 8. Die lösung der Schwierigkeiten unter: Zur Cleschichte des 
alten Arabien III. 

^) senkrechter keil erhalten. 

2* 



20 



ä i]t^)-tak-lam kima 

nasri loa sa-hat sadi-i sit-ku-na- 
at [subat-su 

4 ') -lu-nu da-ad- 

rai-su kas-rat il-Iat-su i-mu-[ki 



• • • 



5 Nabu Sin Istar Nlrgal 

a-li-ku id[ä-ai 

6 p]a (?) ti ti ti ut sab 

ni di-ku-ut a-na? 

7 -t]i (?) raa ir-su-u gi- 

nim Ina la sabat tl-i-mi im- 

su-u? 

8 li-ip?-]li-ip sarru-u-ti 

a-di gi-mir ummänäti-su ra[psäti 

9 I-biS tahazi-su a-di sisi 

pari si-mit-ti ni-[i-ri 

10 ') sarrü-ti-ia is-ba- 

tu u-sal-lu-u bilü-[ti-ia 

11 -ina-as u Ni-tiik (ki) 

sa a-sar-su-un ru-ku ma 1a su 

u l?) 

unterer rand 



3. vertraute(n) wie 

ein adler, auf dem rande des ge- 
birgs war gelegen sein (ihre) statte 

4 ? seine Wohnsitze, 

seine gesammelte Streitmacht, 
die trappen 

5 Nebo, Sin, Istar, Nir- 

gal, welche mir zur seite gehen 

6 ? ? ? 

7 verfielen sie, abgaben 

beim nichtnehmen, vergessen sie 

verstand (?) 

8 der spross (?) des kö- 

nigtums samt seinen zahlreichen 

truppen 
9 ihn zu bekämpfen mit 

rossen und maultieren, den ge- 

spannen des Joches 
10 den fu]8s (?) meines 

königtums ergriffen sie, flehten 

an meine herrschaft 
II -mas (orts-oder land- 

name) und Dilmun, deren Jage 

fern ist, nicht ? 



Auch dieses bruchstück kann bis jetzt noch mit keinem 
andern in irgend welchen Zusammenhang gebracht werden, z. 2 
scheint vom tribut einer frau die rede zu sein, von Assarhad- 
don kennen wir bis jetzt nur den der Araberkönigin, rätselhaft 
und in solchem Zusammenhang noch nicht belegt ist z. 8. der 
ausdruck liplip sarrüti, mit welchem hier doch der bekämpfte 
gegner bezeichnet sein muss. in z. 11 ist das erhaltene -ma^ 
rest eines (elamitischen ? vgl. HaltimaS) orts- oder landschafts- 
namens. Mtuk (ki) = Dilmun ist bekannt, erwähnt wird diese 
insel aber bis jetzt nur bei Sargon, dem der könig Upiri tribut 
brachte, jedoch ist an Sargon für diese inschrift kaum zu 
denken, am wahrscheinlichsten ist mir Assarhaddon, und dass 



*) SU oder rest von itV 

^) wagrechter mit 2 senkrechten keilen. 

^) sieht aus wie rest von BANU (kak). 



rest von im o. ä. 
(si)pu ? 



— 21 — 

dieser irgendwelche beziehiingeii zu Dilmun unterhalten haben 
inuss, geht aus der titulatur in K 2801 (Meissner-Rost s. 230, 
z. 28) hervor, worin er sich §ar Sarräni Dilmun (mätu) Ma-gan 
(mätu) Miluhha nennt. 






16, Bu. 91 — \ — 9, 218. bruchstück eines prismas. ^ 





















ti;^^ 







^i?^ 






4. 




■^ 22 — 

Das erhaltene ist teil eines beriohtes über einen der züge 
Assarhaddons nach Ägypten, in der linken reihe wird im 
wesentlichen die beute und die gefangenen aufgezählt, in der 
rechten die Statthalter, welche Assarhaddon in den einzelnen 
gaustädten Ägyptens einsetzte, sowie der auferlegte tribut die 
Städte werden mit ihren assyrischen, ihnen neu beigelegten 
namen genannt, sodass wir nicht wissen, um welche es sich 
handelt; bekannt ist nur (z. 6) Limmir-patlsi-A§Sur = Athribis 
(K 2675, 67. s. Unters, s. 105). Kar-bÜ-mätäti =: Sais (ib. 64) 
wird hier nicht genannt, die erhaltenen namen sind: z. 2...? 
ki pal-kusfii-i-§u. 3: Mah(§iiru? DA?)-ri-ga-ri-l-§arri. 4: A§§ur- 
na-kan-tl-i§kul. 6: Li-mir-pa-tl-si-ASSur. 7: Kar-(ilu)-ba-ni-tl 
(Assurbp. Rm I 77). 8: Bit-Marduk, §a-A§§ur-ta-ru. 11: Öa-i- 
muk-A§§ur. dass Assarhaddon nach seiner weise (vgl. Supria) 
assyrische namen statt der ägyptischen gab, wodurch ausge- 
drückt wurde, dass die betreffenden städte assyrisch sein 
sollten, bezeugt Assurbanipal ausdrücklich (prisma E. Unters. 
s. 100). Assurbanipal gab das wieder auf, zu einem einheit- 
lichen brauche konnte es überhaupt wegen der kurzen dauer der 
eroberung nicht kommen. Assarhaddon setzte bekanntlich (s. prisma 
E ib.) neben den ägyptischen gaukönigen, die uns Assurbanipal 
nennt, auch assyrische Statthalter ein. diese werden hier genannt, 
ihre namen sind assyrisch, mit ausnähme von (z. 10) U-ar- 
bi-is. 

Fraglich könnte noch erscheinen, auf welchen ägyptischen 
zug Assarhaddons sich diese angaben beziehen: den ersten aus 
seinem 6/7ten (674/3) oder den zweiten aus dem lOten jähre 
(670). über ersteren haben wir bis jetzt noch keine nachricht, 
der letztere wird in der Sendschirlistele und dem annalen- 
bruchstücke K 3082 geschildert (Unters, s. 97—99). 

Es fällt auf, dass der erste dieser beiden züge so völlig 
mit stillschweigen übergangen wird, obgleich die vollständig er- 
haltenen prismainschriften erst ein jähr nach beginn des zuges 
abgefasst worden sind (673). wenn dieser nicht gebucht wurde, so 
können wir daraus wol schliessen, dass er auch anfangs keinen 
grossen erfolg zu verzeichnen hatte, und dass der niederlageim jähre 
673 nicht erst ein erfolg vorausgegangen war, wie ihn unser text 



- 23 — 

schildert.^) wir dürfen daher diesen ohne weiteres auf den rache- 
zug vom jähre 670 beziehen, in der Sendschirlistele heisst es, 
dass gefangen wprden seien: (Taharkas) gattin, seine frauen, 
ü-§a-na-hu-ru, sein thronfolger (mär ridüti-Su), und seine übrigen 
söhne, seine töchter; hier wird das alles zusammengefasst in 
(z. 6) zir bit abi-§u = seine angehörigen, und noch hinzuge- 
fügt märi §arri mah-ru-tl, wörtlich: die früheren (siel) königs- 
söhne, was doch nur versehen sein kann für: die söhne des 
früheren königs (märt §arri mah-ri). welcher war dieser frühere 
könig? Sabako oder Sabataka? 

Zum schluss sei noch auf die höhe des jährlichen (! II. 19 : 
mandattu bllüti-§a §atti-[§am) hingewiesen : 6 talente 19 minen 
gold, 300 + ? [talente silber], 1785 ge wänder, ? + 7 imlru 
(= homer, wein?), ? -f- 27 usü-stämme, 199 (!) gegenstände 
aus tierfell (oder [elephanten]häute ?), 1000 + ? + 100 + 40 
pferde, 30418 schafe, 19 323 imiru dl§-§i-§i als satuku gi-nu 
für Assur und die grossen götter (z. 12). 

17. K. 13733. i^';;^'i ''" 

1. apjlu a-sa-ri-du sa [SiD-ahi-irbä sarru rabü sarru dannu sar kissati aar 
(mätu) Assur] 

2. bin]bin Sarru- uki[D sar kissati sar (mätu) Assur 

3. sajkauak Babili [sar (matu) §umlri u Akkadi] 

4. li-]ip-li-ip da-ru-[u sa Bil-baoi sar (mätu) Assur] 

5. ki-]sit-ti sa-a-ti [sa du-ruk-su Assur (ki] 

6. sa]kaDak Babili 

7. t]a-ml-ih sir-ri-[ti 

8. ri-a-]um sal-mat kakk[adi 

9. V. • 
1-Sl- 

1. der regierende söhn*) Sanheribs, des grossen, des mächtigen königs, 
königs der weit, königs von Assur, 

2. der enkel'') Sargons, königs der weit, königs von Assur, 

3. Statthalters von Babylon, königs von Sumer und Akkad, 

4. des späten nachkommen Bel-banis, königs von Assur, 

5. des uralten eroberers, dessen ') Assur war, 

6. der Statthalter von Babylon, 

7. welcher hält die zflgel 



^) also dasselbe verfahren wie wir es auf der Sendschirlistele mit 
bezug auf Ba'al von Tyrus feststellen konnten. F. s. 524. 



— 24 - 

8. der hirte der menschheit 

9 haben bestimmt^) 

1) Über die bedeutuDg von aplu aSaridu als „bei lebzeiten 
des vaters zum könig bestimmter und mit den regierungs- 
geschäften betrauter söhn" s. F. s. 518. 

2) bi]nbin wird zu ergänzen sein, da vor TÜR noch ein 
rest eines andern TUE zu sehen ist. 

3) an du-rug „weg" ist natürlich nicht zu denken, man 
muss auf eine bedeutung wie „wohnuug" oder „gründung" 
0. ä. raten, ich denke an darkatu, dirkatu syn. von ahrätu, ar- 
katu (s. Muss-Arnolt unter dirkatu); also etwa: uralte heimat, 
abstammungsort. 

4) man denkt an i-§i-[mu] in 8. 1079 (s. unten den aut- 
satz über Öar-e§er). 

Für die ergänzungen sind die bekannten Bel-bani-genea- 
logien Assarhaddons zu vergleichen (s. z. b. Meissner-Rost, 
s. 232). dass der text von Assarhaddon und nicht von 
Assurbanipal herrührt, kann nach dem für die ergänzungen 
verfügbaren räum wie dem Wortlaut nicht zweifelhaft sein, 
dann haben wir aber hier eine Inschrift, welche Assarhaddon 
noch bei lebzeiten Sanheribs, als Statthalter von Babylon, ab- 
fassen Hess, und der titel in z. 6 geht auf ihn selbst, wie es 
auch nicht anders denkbar ist. für alles weitere und den Zu- 
sammenhang s. den aufsatz über „§ar-e?er und Assarhaddon". 

18. K. 4740. ' ~^ 

1 

2 ? ku bit? ? 

3 ru (?) mäti-8u ü-mu ? ? ? 

4 ? ha ri 8i (?) bi 

5 un-ga-a sa (?) is-sak-nu 

6 ? U mun 

7 ? a-na sarri bi-ili-ia lu-si-bi-su 

8 ul i-mah-? 

9 ?-8i-bi.?^ 

10 ? (pl. ?) sa sarri a-na sarri bl-ili-ia 

11 ?-n]a(?) Tin-Tir-Ki 

12 -lak 

13 Tukulti-] apil-l-sar-ra 

14 ki-]rib-sa il-Ii-ku 



— 25 — 

15 ?-si 

16 i ni i ki i-tal-la-ku 

17 ki (di ?)-ti i-su-u 

18 lu TiD-Tir-Ki sa-ha-lam 

19 ? ki-di-nu-ti i-kas-sa-ru 

20 Tin-Tir-Ki u-sal-la^mu 

21 I-Bag-i]Ia u f-zi-da 

22 ? ü-mu ar-ka-ti 

23 -b]i i-sar-ra-ku-su 

24 id]di-na sarru u Za-ki-rn märu-su 

25 lu (u ?) sa-na-u XXXVI mu-an-[na pl.] 

26 Tin-Tir-Ki i- 

27 ? 

Das erhaltene stück bildet nur einen teil der rechten seite, 
sodass am anfang immer der grösste teil der zeilen fehlt, ge- 
schrieben ist es in schöner, scharfer, sehr kleiner babylonischer 
Schrift, einige stellen sind mit schmutz verklebt. 

Einen Zusammenhang herzustellen ist bei der geringfügig- 
keit der reste nicht möglich, einige punkte sind jedoch noch 
auszumachen und diese lassen es angezeigt erscheinen, wenigstens 
das wenige, was bis jetzt erkannt werden kann, festzustellen. 

Zunächst ist deutlich erkennbar, wovon in z. 19—23 
die rede war, sodass der charakter des ganzen Schreibens klar- 
gestellt wird, es handelt sich danach um eines der schreiben, 
welche von Babylon an die Assyrerkönige geschickt wurden, um 
die aufrechterhaltung der babylonischen Verfassung und Vorrechte 
zu erhalten (vgl. F. s. 469 fF.). hier heisst es — man muss an- 
nehmen, dass von den Vorgängern des betreflFenden Assyrer- 
königs die rede war — : „indem sie die Verfassung wahrten 

Babylon heil erhielten [die einkünfte 

von] Sagila und Zida [sicher stellten] für künftige 

Zeiten ihm schenkten". 

Ferner liegt es nahe in z. 17 — wie bereits vom heraus- 
geber des Catalogue geschehen — [Tukulti)-apil-l§arra zu er- 
gänzen, ein anderer name kommt kaum in betracht. gemeint 
ist dann Tiglat-Pil(5ser III. und von diesem -- und vielleicht 
seinem söhne Salmanassar — heist es z. 14, dass sie „da hinein 
kamen": nach Babylon? beide (oder Tiglat-Pileser allein) sind 
offenbar doch wol genannt gewesen als erste Assyrerkönige, 
welche auch den thron Babylons bestiegen, es war hier also 



— 26 -- 

ausgedrückt: seit Babylon unmittelbar unter herrschaft eines 
Assyrers gestanden hat, sind unsere Vorrechte anerkannt worden. 

Von den beiden namen in z. 24 wird der erste nicht als 
rest^) eines königsnamens: „x-iddina, der könig", zu fassen 
sein, sondern, wie auch Bezold im Catalogue hat, als Iddi-na- 
§arru. es wäre danach hier von diesem und seinem söhne 
Zakiru die rede; Iddina-Sarru war also wol derjenige, dem die, 
in z. 23 erwähnte Schenkung gemacht wurde. 

Z. 25: „ ? ? 36 jähre", solange haben beide sich wol 
ihres besitzes erfreut, wenn wir 36 jähre nach Tiglat-Pileser 
rechnen, so erhalten wir 729—36 = 693. das wäre das jähr, 
in welchem Nirgal-uSlzib, der elamitische Schützling, regierte 
und von Sanherib gefangen wurde, um dem Chaldäer MuSizib- 
Marduk platz zu machen, da man kaum annehmen kann, dass 
das schreiben, das in Ninive gefunden wurde, an diesen ge- 
richtet war, so ist man zunächst geneigt, in ihm eine bitte 
assyrischer Parteigänger zu sehen, die sich auf die ihnen vom 
Assyrerkönig gewährten rechte berufen, um Sanheribs hilfe 
gegen den Chaldäer anzurufen, alles das sind freilich nur 
Vermutungen und das meiste, was das erhaltene stück uns zeigt, 
ist wieder einmal, — wie viel wir verloren haben oder noch 
nicht besitzen. 



*) in betracht kämen [Marduk-aplu]-iddi-na und [Assur-ahi-] iddi- 
na; von beiden ist kein söhn bekannt, der Marduk-zakir-sum (Akises), 
der 702 einen monat lang regierte, war kein söhn Merodach-Baladans 
(königsiiste) und kann also nicht herangezogen werden. 



Zu den obigen texten ist za bemerken, dass sie, wo nicht das gegenteii angegeben 
ist, nur nach einmaligen abschriften, oft ohne vergleichung, gegeben sind, meine lesangen 
können daher keinen ansprach auf eine endgiltige feststeliang machen, da im British 
Miueam jetzt das verbot besteht die thontafein selbst zn reinigen oder mit einem g^enstand 
zu berühren, so ist es oft unmöglich, die sonst erreichbare gewissheit in zweifelhaften fällen 
za erlangen, ohne über berechtignng oder nichtberechtigung dieses Verbotes mich im ge- 
ringsten äassern za wollen, muss ich das für die benrteilang meiner lesangen mitteilen. 



i 



Öupria. 



Das bruchstück K 9662, welches ich F. s. 529 behandelt 
habe, habe ich bei einem neuen aufenthalt in London unter- 
zubringen vermocht, bei einem Studium der im „Catalogue" 
so stiefmütterlich behandelten i) tafel K 2852 stellte sich heraus, 
dass es ein stück dieser umfangreichen tafel bildet und nun- 
mehr in seinen Zusammenhang eingereiht werden konnte, es 
ist das mittelstück des oberen randes. man wird sehen, dass 
das a. a. o. s. 531/32 über den inhalt vermutete zutriflFt. 

Nachdem so die grosse tafel K 2852 gefunden war und 
sich herausgestellt hatte, was darin erzählt wird, war es nicht 
mehr schwierig auch K 7599 (F. s. 530), dessen inhaltliche 
Zusammengehörigkeit mit K 9602 bereits festgestellt wurde, 
weiter zu bestimmen, da K 2852 sich durch seinen beginn so- 
fort als zweite tafel einer grösseren erzählung kennzeichnet, 
so ist es leicht einzusehen, dass K 7599, z. 3 die flucht der 
dort erwähnten Assyrer nach Öupria berichtet, dass es also 
einen teil der ersten tafel bildet (oberer rechter teil), eben 
dazu gehört dann K 8466 (unteres rechtes stück), das im fol- 
genden mitgeteilt wird. 



') Die tafel ist recht schwierig zu lesen, auch hier gilt es zeichen 
für zeichen zu „entziffern", dem Verfasser des kataloges darf man es 
daher nicht verübeln, wenn er keine lust verspürte, den mühsam zu lesen- 
den und aus der gewohnten art so vollkommen herausfallenden text zu 
bestimmen. 



- 28 



E 8466. 

1. . . . ? mu-u 

2. . . . ri]t-ku-8u kakki-8U-un 
3 -i-ri-ti i-ha-a-la 

4. . . . i(?)-aat-tu-u mu^-ha-su-un 

5. . . . sit-ku-na-at aih-mas-tu 

6. . . . V-du-u kul-kul-li») 

7. . . . m]a(?)-8a-ru i-sah-hi-it 

8. . . . gju-lu-tl isäti (AN. BIL. 
Gl) kur-ru-nu ku-ru-un-iiu 

9. . . . -ti i-da-suun al-ka 

10. . . . suh-^u-rat ar-kat-su 

11. . . . ka]kkadi-8U i-na-sa-a ma- 
li-ta 

12. ... ? la-a ap-tal-la-hu ^arru- 

UB-8U 

13. . . . {i]a C' bis y) -ti") u-fii ina 
sa-li-ti 



1 

2. . . . waren gebunden ihre waffen 

3 V ? 

4 in dem sie tranken ihr 

scheiteP) 

5. . . . entstand aufruhr 

6. ? ? • 

7. V 

8. V 

9. . . . an ihre seite wolan 

10. . . . gewendet wurde seine rück- 
seite 

11. N. N. aber erhob?] sein haupt, 
indem er sprach .... 

12. [von AssarhaddonJ fürchte ich 
nipht die herrschaft 

13. ... zu retten das leben?] ent- 
floh er in ... . 



K 2852 + K 9662. 

1. ^u-u na-aS-pir {?)-ti §arrü-ti-ia §a ki-nia nab-li i-kani-niu-u 
ai-bi i-ku-la 

2. ka-ti-§u im-nu SU (= §urdii?) ma lib-ba-su sa-bit ma i-tar- 
ru-ra Sur-da-a-§u 

3. lu-bul-ti §arrü-ti-^u i§-hu-ut ma ba-§a-mu su-bat bll ar-ni 
1-di-ka zu-mur-§ii 

4. zi-mu-^u u-lam-ml-in ma ri-i-§i§ i-ml ma it-ti ardäni-§u im- 
nu-u ra-man-u§ 

5. ina tt-ml-ki su-iil-li-l la-ban ap-pi ka-rai-is i-Ii dur mahä- 
zi-§u 

6. 'u-a-ai sar-pi§ i-bak-ki ma pi-ta-a ub-na-a-§u u-sal-la-a bi- 
lu-ti 

7. kur-di A§§ur blli-ia u ta-nit-ti kar-ra-du-ti-ia ik-ta-nab-ba-a 

• • • • 

a-hu-lap 

8. ki-a-am i§-pur-am-ma um-ma Sarru ga an gii-li la kit-tii 
ha-ba-lu makkuri-§u-n[u? . . . 

9. ri-'-u tak-lu mu-§al-lim karagi-§u i-mu-ki ummänäti-§u §a 
ti-bu-Su la im-da-[na-ha-ru 



^2^ ^ 

14 patjar parzilli ait-ku-nu 14. . . . seh wert von eisen War . . 

ma*) li-tu 

15. . . . ip-]par-.sa ki-nia ia-su-ri 15 flog(en) er (sie) wie ein 

vogel. 
unterer rand. 

1) vgl. Assarh. prisma A col. ATI 40? 

2) kul-kul-li s. K 2852 col. II 10. 

3) [iia-bij§-ti ? salitu? an salü bitten ist dem Zusammen- 
hang nach wol kaum zu denken. 

4) ma ist wol von li-tu (litu?) zu trennen. 

Da das stück den untern rechten teil der ersten tafel bil- 
dete, während K 7599 das obere rechte stück ist, so ist klar, 
dass z. 12 wie in der Übersetzung gegeben, zu ergänzen ist, 
und dass es sich hier um werte des trotzes des fürsten von 
Supria handelt, und zwar wol solche, die er den boten Assar- 
haddons auf die aufforderung zur auslieferung der flüchtigen 
gab. eben deren flucht wird in K 7599 erzählt. 



1. Jener, meine königliche botschaft^), die wie der blitz flammt, 
die feinde frisst, 

2. als er sie mit seiner rechten ergrifft), wurde sein herz ge- 
packt, sodass er erschrak sie zu halten (= sie fallen Hess). 

3. sein königliches gewand riss er ab, in den baSämu^), 
das gewand des büssers, kleidete er seinen leib, 

4. sein äusseres verunstaltete er, machte sich einem sklaven 
gleich, gesellte sich zu seinen dienern. 

5. mit bitten und flehen und niederwerfung gebückt stieg er 
auf die mauer seiner Stadt. 

6. indem er wehgeschrei kläglich weinte, waren geöffnet seine 
hände^), flehte er meine herrschaft an, 

7. bei der macht Assurs, meines herrrn, dem rühme meiner 
tapferkeit, winselte er um erbarmen, 

8. so schickte er an mich: „der könig, welcher ungerechtes 
gefängnis, Vernichtung seiner (ihrer?) habe *) 

9. der zuverlässige hirte, welcher sein (heer)lager heil erhält, 
die kraft seiner truppen, dessen angriff nicht stand ge- 
halten wird, 



- 3Ö - 

10. mu-pir-du-u kab-li §A + PA + Ut (=pl.?) ta-ha-zi li-^u 
ib-§it Sü (=: käti ?)-... 

11. ultu (?) A§§ur kakkl-§u u-dan-nin-ni ma ili Sarräni abl-§u 
in-na-af§-gi ? . . . 

12. iim-ma (mätu) §up-ri-a mätu ih-tu-ka ana si-hi-ir-ti-§a lid- 
gu-la pa-nu-ka 

13. (amilu) §u-par-Saki-ka ili-§u-nu §u-kun ma li-§u-tu ab-Sa- 
an-ka 

14. biltu man-da-at-tu gatti-§am-ma la na-par-ka-a ki-in si-ru- 
u§-§u-un 

15. §ar-ra-ka-ku raa iiia hi-ti ah-tii-u L-a-an im-bi-i lu-mal-Ii 

16. a§-§ii i§ti-in hal-ku mun-nab-tu mär (matii) A^Sur IC-a 
ri-bi-§u lu-ri-ib 

17. a-na nap-§a-a-ti mus-är-an-ni ma ta-nit-ti ASsur lii-§a-pa-a 
[1 u ?J-§ad-lii-la kur-di-ka 

18. §a a-na A§§ur §ar iläni 1-gii-ii a-raat AS§nr-ahi-iddin §ar 
kiSSati bili-§ii la i-i^im-mu-ii 

19. hal-ku mun-nab-tu §a (mätu) A§§ur a-na blli-^u la u-ta-ru 
ioa kätä-ia li-l-mur 

20. um-ma ru-bi-1 ma-li-ki-ia sur-ra-a-ti la §al-ma-a-ti id-bu-bu 
it-ti-ia 

21. hi-it-tu dan-nu a-na A§§ur ah-tu-u ma a-mat ^arri blli-ia 
ul a§-mi 

22. märt (mätu) A§§ur ardäni-ka ul u-tir-r[a|-kani-ma täbtu ana 
ram-ni-ia ul l-bu-u§ 

23. ma-mit iläni rabiiti Sa 1-ti-ku a-mat sarru-ti-ka ^a a-ml-§u 
ik-§u-dan-ni ia-a-ti 

24. ag-gu lib-ba-ka li-nu-ha-am-ma ri-l-ma ri-sa-an-ni ma pu- 
tur in-nit-ti 

25. ana-ku (?) A§§ur-ahi-iddin Sarru dan-nu §a ki-bit-su la in- 
ninu-u (PAL-u) la u§-tam-sa-ku a-mat ru-bu-ti-§u 

26. §a ra[a-har (?)] kakki pl-tu-ti u ti-ib tahäzi dan-ni a-na arki- 
§u la i-tu-ru 

27. §a raa-ti-ma ina Sarräni kul-lat na-ki-ri la fis-]hu-ru la i§- 
nu-u ka-bal-§u Sarru man-ma-an 



i 

I ^ 31 - 

iO. der des kampfes, der ®) der schlacht, 

kundig des werkes der 

11. seit (da) Assur seine (des angeredeten!) waflfen stark ge- 
macht hat über die der könige seiner väter, 

12. folgendes: „bupria, das land, das sich gegen dich ver- 
gangen hat, soll sich dir zu eigen geben. 

13. deine beaniten setze über sie, sie sollen dir gehorsam 
leisten. 

14. tribut und abgäbe jährlich, unaufhörlich, erlege ihnen auf. 

15. ich bin ein dieb: wegen des vergebens, das ich begangen, 
will ich 50-fach busse zahlen. 

1(). wegen eines davongelaufenen Assyrers will ich hundert^) 
ersetzen^). 

17. zum leben lass mich laufen, den rühm Assurs will ich ver- 
künden, will (?) preisen deine macht. 

18. wer gegen Assur, den könig der götter, sich vergeht, auf 
das wort Assarhaddons, des königs der welt,^) seines herrn, 
nicht hört, 

19. einen da\rongelaufenen Assyrer seinem herrn nicht zurück- 
giebt, will ich mit meinen bänden 

20. denn meine fürstlichen rate haben unheilvollen verrat mir 
geraten, 

21. schweres vergehen gegen Assur habe ich begangen, habe 
dem werte des königs, meines herrn, nicht gehorcht, 

22. die Assyrer, deine Untertanen, dir nicht zurückgegeben, 
mir selbst nachteiliges getan. 

23. der eid der grossen götter, den ich übei'schritten (gebrochen), 
dein königswort, das ich misachtet, hat mich ereilt. 

24. dein zürnender mut möge sich beruhigen, gnade gewähre 
mir, löse meine schuld." 

25. ich, Assarhaddon, der mächtige könig, dessen befehl nicht 
geändert, dessen fürstenwort nicht erschüttert wird, 

26. der vor drohenden waffen und dem angriff der gefährlichen 
Schlacht nicht zurückweicht, 

27. der nie vor den königen der gesamten feinde sich gewandt 
hat, dessen kämpf kein könig widerstanden hat,^^) 



- 3^ -^ 

28. [la iz-]zi-zü rüah-ru-ii§-§u ai-um-ma mal-ku ga-ab-ra-§u a-§ar 
ta-ha-zi 

29. [ki-]a-am ak-bi-Su ma um-ma im-ma-tl-ma-a tal-tl-mf a-mat 
Sarri dan-ni a-di Sani-Su 

30. u a-na-ku §arru dan-dan-nu a-di §al§i-§u a§-pur-kam-raa la 
ta^-ma-a zi-kir §ap-ti-ia 

31. . . . §i(?l-i-gi na-pi^-ti-ia la tap-lah-u ma(?) a-iia §i-pir-ti-ia 
la ta-da-a li-it-ka 

32. . . . (?) kabla u tahäza tu-§a-ra-ni ma kakki ASSiir iz- 
zu-ti ta-ad-ka-a iiia §ub-ti-§u-un 

33. [gu-]ul-li-l-§u ul a^-ml un-Di-ni-§u lü al-ki ul am-hu-ra su- 
up-pi-§u 

34. . . . -zu ki-§a-di ul *u-tir-ra§-§um-[nia] ul ip-i5ah-§u iz-zi-tu 
ka-bat-ti 

35. ag-gu lib-bi ul i-nu-uh ma ri-f-m\i ul ar-§i-§u ma ul ak-bi- 
§u a-hu-lap 1 1 

36. [u] (mahäzu) Ub-bu-mi mahäz Sarrü-ti-§u §i-[ir] gadi-i dan- 
ni kima urpati ^it-ku-na-[at maj 

37. a-ram-mu ina ä-pik ip-ri-1 u abni (Ml z::i plur.) mar-gi-is 
pa-a§-ki-i§ [uSakbis] 

38. §a (??) dür (?) mahäzi-§u a-na ? at(?)-bl-i-{5u a§-kun .... 



Rest der columne (grosses stück) abgebrochen. 

II. 1. a-di a-na-ku ina ki-rib na-gi-1 §u-a-tu at-ta-al-la-ku Sal- 
ta-nig 

2. a-ram-mu hia lli (mahäzu) Ub-bu-mi mahäz §arru-ti-su u- 
§ak-bi-su 

3. ina (arhu) Kislimu ümu XXI (kan) ümu hul-gal i-pi-§i 
lim-nu i-lit-ti a-§ak-ki 

4. ina ZIR-ti mu-§i a-ram-mu [§u-]a-tu ab-tu is-si-nis ma id- 
du-u iSatu (NI) 

5. ina ki-bit Marduk sar iläni i-[z]i-kam-ma iltanu ma US 
bil iläni ta-a-bu 

6. liSän li'bi (iy BAR) mun-na-ah-[zji a-na (mahäzu) Ub-bu- 
ml u-sa-hir ma 



- u - 

28. dem kein fürst entgegen getreten ist als gewachsen ^^) in 
der Schlacht, 

29. also sprach ich zu ihm : „hast du je^*^) vernommen das 
wort eines mächtigen königs zweimal? 

30. und ich, der grossmächtige könig, habe dir drei mal ge- 
schrieben, ohne dass du auf das wort meiner lippe hörtest. 

31. [den z]orn (?) meiner seele hast du nicht gefürchtet, vor 
meiner botschaft nicht abgelegt deinen stolz. 

32. kämpf und schlacht hast du mich erregen lassen^^), die ge- 
waltigen wafPen Assurs hast du aufgestört aus ihren ruheplätzen. 

33. auf seine bitten hörte ich nicht, nahm nicht an sein flehen, 
gewährte nicht seine bitten, 

34. das des nackens wandte ich ihm nicht zu, nicht 

beruhigte sich mein ergrimmtes gemüt, 

35. mein zorniges herz ward nicht ruhig, nicht gewährte ich 
ihm gnade, sprach ihm nicht vorzeihung zu. 

36. [Und] Ubbumi, seine königsstadt, war auf einem gewaltigen 
f eisen wie eine wölke gelegen. 

37. einen dämm mittels aufschüttung von erde und steinen 
unter Schwierigkeiten und mühsam lies ich gangbar machen 

38. ? mauer seiner Stadt zu machte ich . . . 



II. 1. während ich in diesem lande siegreich herumzog, 

» 

2. (während dessen) der dämm, den ich gegen übbumf, seine 
königsstadt, gebaut hatte: 

3. im monat Kislev, am 21ten, dem unheilvollen tage, dem 
bösen geschöpfe, dem spross des a§akku (dämonen), 

4. in der der nacht, jener ge te^*) dämm 

plötzlich legten ie feuer (an ihn). 

5. auf geheiss Marduks, des königs der götter, wehte der nord- 
wind, es te^^) der gütige herr der götter. 

6. die zunge des gefrässigen feuers wendete er gegen übbu*- 
ml, 

Winckler, Fonchungen II>. 3 



^ U - 

?. a-ram-rau ul düri-äu ik-mu ma u-§l-ml ti- 

tal-li§ 

8 a-nla I-bi§ kabli u tahäzi-i§ ai i- 

ku ib-bal-kit-u-ni 

9 taha-z]i-i§ it-bu-Su-nu ma i§-ku- 

nu tah-ta-§u-un 

10 ? -§u-nu ma kul-kul-li-gu-nu ir- 

gi-pu di-ma-ti-iS 

11 i-lu-lu ma il-mu-u si-hi-ir-ti mahä- 

zi-§u-un 

12 it-ti-ia ak-§u-du ma am-^u-u mal 

libbi-ia 

13 at-jtal-kam-ma ili (mahäzu) Ub- 

bu-mi a§-ta-kan ii§-ma-ni 

14. u (? od. ki) , u a-ram-mu §a ili-§u u-§ak- 

bi-su .... ?-ma (iz=i-[m]ur ma?) 

15. §a mi-lik (?) im-ta]l-li-ku ma u-hal-li-ku nap- 

§at-su 

16. a-na a-(?)- rji (? od. hu) i-tu-ru raa u-§ah-ri- 

bu da-ad-ml-§u 

17. u ? ma u-par-ri-ru ka-sir il-lat-su 

18. §a-lam u-]Sl-bi§ ma u-hal-li-pa ba-§a-a-mu 

19. bi-ri-[tu id-di-§u ma si-mat ardu-u-ti 

20. i-ru? r]i (??) u §a abnu btt ma §a l-bi§ 

har-ra(?? od. ma ?)-ki-ti 

21. tam-gil ma-§ak KJLRtÖ (=z ^arpu) huragi 

ru§§a-a i§-hu-ut ma 

22. ina kätä Öi-ir-is(?)- ? in-gi-ti-Su-nb märi-äu 

i^-kun ma 

23. a§-§u ra-§i-i r[i-i-ma u itir]na-pi§-ti-§a u-SI-gu-ni ina mah- 
ri-ia 

24. ki-a-am ik-bu-nim hi-bil-ti la a-ma-ta ana §ir 

a-gak-ki §u-k[un ?] 

25. a-na da-li-li lu-dal-liil i-da-nu (? ?) 

26. ia-a-ti li-['-u ka-§i-idj kul-lat na-ki-ri mul-tar-hi 



^ ä5 - 

■ 7. den dämm [ergrifif es] nicht, seine mauer verbrannte feö 
Hess es in flammen aufgehen. 

8. [und meine trappen zu] kämpf und schlacht zögerten^^) sie 
nicht (?), brachen hervor, 

9. [die feinde mit schla]cht griffen sie an, schlugen sie. 

10 ihre . . ., ilire kulkuUu^') bauten 

sie pfeilern gleich 
11 hingen sie auf, umgaben rings 

ihre Stadt. 

12. [nachdem ich die länder, die abgefallen waren] von mir, 
erobert hatte, erreicht hatte den wünsch meines herzens, 

13. [wandte ich mich, dorthin] zog ich, gegen übbural schlug 
ich mein lager auf. 

14 und den dämm, den ich gegen sie 

(die Stadt) aufgeworfen hatte (= sah er ?) 

15. welche(r?) [Übeln?] rat gegeben hatte(n?), verdorben hatte(n) 
sein leben 

16. zu kehrten sie zurück, verwüsteten seine 

(ihre: der Stadt?) wohnsitze 

17. und zersprengten seine gesammelte 

Streitmacht 

18. ein bild liess er machen, bekleidete es mit 

dem büssergewand 

19. fesseln [aus eisen] legte er ihm an, sklavengewandung 

20. ? ? von = stein, dem werke von 

Steinmetzen 

21. wie haut . silber, rotes gold riss er herunter 

22. in die bände von Sl-ir-is (?)- ? und . . . -in-gi- 

TlSub, seiner söhne, legte er es. 

23. um bewiiligung von gnade und Schonung seines lebens 
brachten sie es heraus zu mir 

24. und sprachen folgendermassen: schaden, unsäg- 
lichen (?), auf den ? lege 

25. zu ehren will ich preisen den fürsten (?). 

26. was mich anbetrifft, der weise, der besiegt alle feinde, der 
erhaben ist 

8« 



- 3Ö - 

27. la kan-§u-ti-gu IJa pa-li-hu-ti lip-la-hu bf- 

lut-ka 

28. ki-a-am aS-pur-äu u (?) .... an(?)-Du(?)-ti 

lu(?) ina mah-ri ma-gi(?)-ru bu mal (u§?) at-f-an (=§ir?) 
. . . mi-i-DU ? 

29. ki-i lil- a arki niki-ka ta-ra-muk ml 

30. ki-i a (?)- ar-ki a-na AN AN (= Sarnl?)-! 

ta-§a-az-na-an za-bu 

31. pa(hat?)- ul ka-bi a-mat (ilu) a- 

nu-ti a-di II- §u 

32. üml [imtalü -ka ik-Su-dam-ir. a uk-ku-ba a-dan-ka 

33. u(?) u-Sa-aS-.^i-i iläni ^u-pur (? felht 

in der copie; §ami ir^iti (AN. KI) 

34 ? ? it-ta-sa-a sa-pa-ah mäti-ka 

35 i]t-tak-ka-ru ik-ka-bi 

§a-lal ni§i-ka 
36 1 kun ni§ ma a-gar §a ul In- 

ni(?) 
37 mu-Di-ih lib-bi A§§ur 

38 ul i-tu-ra ar-ka-ni§ (?) 

39 ? gi-it pi-§u-un 

40 ul ak-bi-§u ma 

a-hu-lap 
41 ut gur bat 

ilu ... II 

abgebrochen. 

UL der obere teil der tafel fehlt 

1 r]i (?) §a 

platz für mehrere zeilen frei. 

2 -lu-lu . . . 

3 iz-z]i(?)-ta hu-bu-us-su 

4 a-di mah-ri-ia u-bil-u-ni 

platz für einige zeilen frei, dann abteilungss trieb. 



i 



— 37 — 

27. über die sich ihm nicht unterwerfenden, [alle?] unehrerbie- 
tigen sollen ehren deine herrschaft. 

28. mit folgenden werten sandte ich zu ihm: ? 



29. wie nach, deine opfer du sprengst 

Wasser 

30. wie nach auf ? du giesst 

güsse^^) 

31. ? nicht wird gesagt das wort der 

gottheit zweimal, 

32. die tage sind erfüllt, deine [stunde] ist gekommen, deine 
zeit herangenaht 

33 ? die götter von himmel und 

erde 
34 aus seinem (ihrem ? der götter) munde] 

ist hervorgegangen die Zerstörung deines landes 
35. [durch seinen (od. ihren) befehl, der nicht] geändert wird, 

ist befohlen die gefangenschaft deiner Untertanen 
36 ? 

37 , welcher beruhigt das herz 

Assurs 

38 kehrte nicht rückwärts (?) 

39 die äusserung ihres mundes 

40 nicht sprach ich ihm zu 

Verzeihung 
41 ? 



m. 

1. 



2 

3 seine gewaltige beutö 

4 brachten sie vor mich 



— 38 — 

5 ? Sa lli 1-ri-bi ma-a-tum (? ?) 

6 al-tu ki-rib (mäta) Sup- 

ri-a ana mätu A§§ar ? 
7 ? a-na AäSur Bllit (Nin-lil) 

Sl-ru(?)-u.a 
8 Ninib Gu-la Nlrgal IStar §a Ninua 

Ktar §a Arba-il Nusku 
9 -ia mu-gam-^u-u mal lib-bi-ia ana 

§i-rik-ti a§-ruk 

10. ina l[li? -ti mun-kas-gi i-bi§ kabli u ta-ha-zi 

11.? a-hi-lit a-bir ma ana ki-sir §arra-ti-ia 

[ak-]9ur 

12. ina Üi ? am]llu (?) narkabti mutlr (GUR) ar 

(üb ?)t( um-ma-ni (amllu) bat-hal muttr ar-tl (amllu) §ak(SA)- 
nu-tt ma-'-si 

13. (amllu) §akü [amllu kit-]kit-tu-u (amllu) um-ma-ni (amllu) 
kal-la-pu 

14. (amllu) a-ki-*) .... (amllu) da-ai-ku (amllu) IriSu (amllu) 
ri*u amllu zikar kiri 

15. 1-li i-m[u-ki] ASSur gab-§a-a-tl u ki-^ir Sarräni abi-ia mah- 
ru-ti 

16. ma-'-di§ [u-rad-d]i ma (mätu) A§§ur a-na si-hir-ti-§a kima 
i§-pa-ti u-mal(?)-li (?) 

17. si-it[-tu-tl-§u-nu] a-na ikalläti-ia (amllu) rabüti-ia li-pit Ikal- 
li-ia 

18. u [märt N]inua (mahäzu) Kal-ha (mahäzu) Kak-zu (mahd^u) 
Arba-ilu kima gi-l-ni u-za-*-iz 

19. hal-k[u munnabtu? ma-l]a blli-Su-nu u-ma§-§ir-u ma ana 
(mätu) §up-ri-a in-nab-tu 

20 -§u-nu u-kar-rit ap-pu 1-nu uz-nu 1-kim- 

§u-nu-ti 
21 ma-l]a(?) ana mäti §a-ni-tim-ma la in- 

na-bi-du (!) I-mid-su-nu-ti hi-tu 

*) mftr Sipri leuchtet in diesem zusammenhaDge nicht ein, auch ist 
die lücke nicht breit genug um eine neue berufsbezeichnung enthalten zu 
haben; sodass das weggebrochene zeichen wol zu a-lfi gehörte. 



— 39 — 

5. welche(s) ,zum betreten des landes (?) 

6 aus Supria nach Assyrien 

7 an Assur, Bllit, Slru'a 

8 Ninib, Gula, Nirgal, Istar von Ninive, Istar 

von Arbael, Nusku 
9. [den grossen göttern] meinen [herren], welche mir zu teil 

werden liessen den wünsch meines herzens, zum geschenk 

schenkte ich. 
10. zu der zerschlagenen (?) lieferungen von kämpf 

und Schlacht 
11 erforschte ich, suchte ich, zu meinem 

königsheere hob ich aus 
12. hinzu zu wagenkämpfer, welche ? , reiter, 

welche ? , hauptleute (?) ? , 



« 



13. officiere, kitkittu-, ummani-, kallapu-leute, 

14. ? -leute daiäku-leute, ackerbauer, hirten, gärtner, 

15. zu den massigen Streitkräften Assurs und dem beere der 
könige, meiner Vorgänger, 

16. in menge fügte ich hinzu. Assyrien in seinem umfange wie 
einen köcher füllte ich an. 

17. die übrigen von ihnen in meine paläste, an meine grossen, 
welche in meinen palästen bedienstet sind, 

1 8. und die bürger von Ninive, Kalhi, Kakzu und Arbael*) wie 
Schafe verteilte ich. 

19. [die davongelaufenen, welche] ihre herren verlassen hatten 
und nach Supria geflohen waren, 

20 ihre schnitt ich ab, nase, äuge und 

ohr nahm ich ihnen. 

21 welche nach einem andern lande nicht ge- 
flohen waren, denen erlegte ich busse auf 

*) man vermisst Assur: war dieses von seiner empörung her in Un- 
gnade? 8. 8. 5 ff. 



- 40 — 

22 ? ma (?) ih-du-u i-ri-Su ik-tar-ra-bu 

§arru-u-ti 
23 pl. tl (mät ?)?,.. (mätu) Urarta-ai §a uUu ki- 

rib (mätu) ürarti ana (mätu) Sup-ri-a in-nab-tu 
24. [§a ? U]r-sa-ai §ar (mätu) Ur[arti] ina Ili iS-pur-u ma la 

i§-mu-u ki-bit-su 
25 -ri (?) ana na-da-ni ul-l[a]-kam |ik-ßi-i§ i§-pur-§u ma 

u (!)-tap-pa-lu zi-ra-a-tu 

26. [u]l-tu (mätu) §up-ri-a ina tukul-ti A§§ur blli-ia ak-§u-du 
ma ni§l-§u am-nu-u §al-la-ti§ 

27. aä-§u a-di-i na-§ia-rim-ma . . .*) -tu u mi-§a-ri i§-ruk-(!)in- 
ni iläni rabüti 

28. [ina] muh-hi ni§t gu-a-tu-[nu] ag-al u-gi-ig a-hi-it a-bi-ir ma 

29. mun-uab-tu (mätu) Urarta-ai iSti-in ul ak-la i-du ul 1-zib 
ana mäti-§u-nu u-tir-§u-nu-ti 

30. ? hi.a (= plur.). alpi kirrl (LU) ana niki bili-ia u nap-tan 
§arru-ti-ia ina (mätu) A§§ur ri-i-tu ta-ab-tu 

31- u-§a-az-nun. 



IV. fehlt der obere teil der tafel. 

1. bu-un-nu (nu- ? wie zir) du 

2. mahäzäni §u-a-tu-nu §a ina 1-muk i[l . • • 

3. ab-bu-lu ak-ku-ru i-na makluti afk-mu 

4. M-i ki-bit ASSur blli-ia u-tir ma na-d[i (? -§u ?) 

5. mahäzäni §a-tu-nu ul-tu iSdäti-Su-nu a-di tah-lu-b[i-§u-nu 

6. §a (ma^^äzu) Kul-im-ml-ri (mahäzu) Mar-ku-ha (mahäzn) Eal 
(? KAK)-ba (mahäÄU) 

mehrere zeilen frei. 

7. §umi-§u-nu ma^-ra-a u-nak-kir ma a-na IS-Su-ti az-ku-ra 
ni-bit-[sun] 

*) kit, das man erwartet (kittu misaru) hat sicher nicht dagestanden, 
das erhaltene (vom ein ?nnkel, hinten ein senkrechter) deutet auf gal. 



- 41 — 

22 freuten sich, jauchzten, segneten mein 

königtum, 
23 die von Urartu, welche aus ürartu nach 

Supria geflohen waren, 

24. [betreffs derer U]rsai (!), könig von Urartu geschickt hatte, 
die aber seinem befehle nicht gehorcht hatten, 

25. ...... zu geben verneinend, rebellisch hatte er ihm (ant- 

wort) geschickt, feindselig erwidert; 

26. nachdem ich in das innere von Supria im vertrauen auf 
Assur, meinen herrn, eingedrungen war und seine einwoh- 
ner zu gefangenen gemacht hatte: 

27. da die grossen götter die gesetze zu schätzen (recht ?) und 
gerechtigkeit mir verliehen haben, 

28. so hielt ich nach jenen menschen nachfrage, forschte, blickte'*®) 
und suchte. 

29. nicht einen davongelaufenen ürartäer hielt ich zurück, 
keinen liess ich aus, in ihr land schickte ich sie zurück. 

30. ? (beutestücke), rinder, schafe zum opfer meiner herren und 
für meine königliche tafel in Assyrien treffliche speise 

31. besorgte ich. 



IV. 

1. ? 

2. jene städte, welche ich mit der macht [der götter etc. . . . 

3. zerstört, verwüstet, verbrannt hatte diese] 

4. nach dem geböte Assurs, meines herrn, stellte ich her die 
reinen (?) 

5. jene städte von ihren fundamenten bis zu ihren dächern 
[baute ich 

6. der städte KuUimlri, Markufea, Kalba, 



7. ihren ersten namen änderte ich, benannte sie neu. 



— 42 — 

8. niSl hu-bu-ut ka§ti-ia §a tam-tim 1-li-ti gap-li-ti ina lib-bi 
u-Sa-a9-[bit] 

9. ma-a-tu §a-a-§u a-na si-^-ti-Sa a-na II-§u a-zu-uz ma 

10. II (amllu) §u-par-§ak-ia a-na (amüu) plhu-u-tl lli-§u-nu a§- 
kun 

platz für etwa 10 zeilen, dann abteilungsstrich. 

11. li-§a-a-nu ri-§l-l-ti determ. pers. pul-pul rest der zeile 
nicht beschrieben. 

12- eingerückt, a-na A§§ur blli-ia ul-tl-bi-la rest der zeile 
unbeschrieben. 

13. i§ti-ln (amflu) bfl narkabti 11 amllu §a bat^hal III (amllu) 
dan-dan pl. di-l-ku 

14. hi-is-sa-a-ti-§i-na (klein unter die mitte der vorigen 
zeile geschrieben). 

platz für ein paar zeilen frei. 

15. (mhz) ASSur-mät-su-utlr (mhz) Man-nu-§a-nin-A§§ur (mhz) 
A§gur-man-n u-i-§a-na-an 

16. (m^) A-bit-A§§ur-la-tI-ni (mhz) A-bit-§arri-la-tl-ni (mhz) 
Man-nu-li (lies ka (?)-§i-is-su 

17. (mhz) Ku-nu-u§-la-kan-§u (mhz) Li-nir-ai-im-di (mhz) A-mir- 
§u li-ig-lu[d] 

18. (mfez) Mu-§ak(?)-gid-n[a-k]i-ri (mhz) Ka-Sid-su-lil-biir (mhz) 
Sa-bit-su-li-k[un] 

19. (m!^z) Lil-bur-mu-ni-ih-lib-A§gur (mhz) Dür-A§äur-ah-iddin 
(mhz) Öa-ni-ni-ai-ir-r[u-ub] 

20. (mhz) Ar-ku- ? -mi-a-mat-Sar-kiggati (mhz) Pl-lufe-ma-mäti- 
ka-§al-lim 

2 1 . (mhz) §u (La ?)-luh-lu-mät-8u-ih-pi (mhz) A§§ur-i-nar -ga-ru-u-a 

22. (m]^z) A§§ur-ni-ir-§u-u-rap-pi§ (mhz) A§§ur-ni-ir-ka-rap-pi§ 

Aussenrand: linke hälfte fehjt. 6 zeilen meist unleserlich: 

1 ina(?) su-ki-l-§u ha-du-u ul ?-par(?)-'- ? l-bi§ ni-gu-tu 

ul ip-pa-lam (?) 

2. . . . ul-tu ? ? ? ? ? ap-ru-us 

3. ? ? ? pl.-§u-nu ina (!) l§-Su-u-ti §I-la-bu u bu-gu?-nu-nu 
ki . . . 

4—6 



— 43 — 

8. die leute, beute meines bogens, vom west- und ostmeer 
siedelte ich darin an. 

9. jenes land nach seinem umfange zum zweiten male ver- 
teilte ich. 

10. zwei meiner beamten als Statthalter über sie setzte ich. 



11. zunge der des N. N. 

12. Assur, meinem herrn, brachte ich. 

13. ein oberster der streitwägen, zwei der reiterei, drei danda- 
nuti-leute wurden getötet. 

14. ihr angedenken. 



15. (Städtenamen in Übersetzung:) Assur hat sein land wiederge- 
wonnen, Wer ist Assur gewachsen?, Wer hält stand (Assur)?, 

16. Das wort Assurs wankt nicht, Das wort des königs wankt 
nicht. Wer sie?, 

17. Unterwirf den nicht unterwürfigen. Er möge unterwerfen 
nicht , Wer sie sieht, soll erschrecken, 

18. Unterwerfend die feinde, Ihr eroberer soll alt werden, Ihr 
gründer soll dauern, 

19. Es soll alt werden der Assurs herz beruhigt hat, Assar- 
haddonsburg. Ein gegner soll nicht eindringen, 

20. Es das wort des königs der weit, Wenn du 

gottesfürchtig (? ?) bist, erhältst du dein land, 

21. ? zerstört sein land, Assur wirft nieder meine feinde, 

22. Assur hat ihr joch vergrössert, Assur vergrössere dein joch, 

Aussenrand. 

1. ... in seinen Strassen freuten sich, nicht aus- 

übung von musik wurde nicht 

2 hemmte 

3 ihre neu 



— 44 — 

1) naSpirtu kann kaum etwas anderes sein als „botschaft^^, 
wenngleich die epitheta nicht sehr geeignet erscheinen, gemeint 
ist der brief, den er vor schreck fallen lässt (s. zu z. 2). 

2) SU = radü. dass so zu fassen ist, beweist das folgende 
Sur-da^a-hc, welches entspricht, bedeutung muss sein: fassen, 
halten, also syn. von ^abätu. dann wird man hierher dierede- 
wendung urha uSardi (uStardi) = harrä^u uSagbit zu ziehen haben ; 
wie die bedeutungsentwicklung von radü „gehen" (= gabätu?) 
sich dazu stellt, bleibt dahingestellt. (Del. HW. nimmt irrig 
uSardt ,,fliessen lassen" hierzu: im I). 

3) baSämu wird hier erklärt, bei Del. HW. s. 190a. unter 
baSämu an zweiter stelle (= BAR) angeführt, zu trennen von 
dem andern baSämu, syn. von §ak-ku = hebr. pis! (erklärung 
einzutragen bei Del. HW. s. 687a unter äakku). 

• 4) s. Zimmern, Surpu s. 59. 

5) diese zeile ist mir unverständlich; man muss doch wol 
annehmen, dass Assarhaddon schmeichelnd angeredet wird, 
dann würde man auf eine ergänzung, wie: der ungerechtes ge- 
fangnis etc. [nicht kennt] o. ä. raten, hinter Su ist der anfang 
eines wagerechten keiles (also n[u] möglich) und dahinter der 
obere teil eines anderen Zeichens sichtbar, eine passende er- 
gänzung finde ich nicht. 

6) Ml wird in dieser Inschrift auch als pluralzeichen ver- 
wandt, vgl. I 37. 

7) beachte das ai hinter IG ! 

8) rlbu. vgl. i-ri-ba tuktl = uttir (u'attir Og von ^m nicht 
utir s. ni B 61 b 22 ut-tar-ru tuk-tu-u) tuktl dem synonym 
von utir(!) gimillu. 

9) man beachte, dass Assarhaddon hier (und dementspre- 
chend in dem städtenamen in lY 20) als §ar kiSiati bezeichnet 
wird, es handelt sich hier um den machtbereich des ehe- 
maligen Sar ki§§ati nach meiner auffassung! man kann unmöglich 
einen zufall annehmen, Assarhaddon wird nicht als §ar A§§ur, 
sondern mit dem titel angeredet, der zunächst in betracht kommt 
für die herrschaft über diese gegend. besonders ist dabei zu 
beachten, dass ja diese provinzen assyrische kolonisten zuerst 
unter Salmanassar I. (dann wieder unter Assurnasirpal und 
Salmanassar IL) erhalten hatten, also gerade alsdieAssyrer- 



^ 46 - 

könige §ar kiSSati wurden, im übrigen beachte man hierzu 
das über bar-e^er unten ausgeführte, und bedenke, dass wir 
noch nicht wissen, was es mit den Ursachen des aufstandes 
von bupria für eine bewandnis hat wenn er nicht in unmittel- 
barem zusammenhange mit dem unternehmen von Sar-e§ier 
stand, der ja in ürartu rückhalt gesucht haben soll, so muss 
er doch eine mittelbare folge davon gewesen sein, seine nieder- 
werfung und die besiegung des feindlichen bruders liegen nur 
zehn jähre auseinander, dazwischen liegen aber noch lange 
Verhandlungen (dreimalige botschaft!), da Assarhaddon offen- 
bar nicht gleich einschreiten konnte, man muss den anfang 
des aufstandes also noch früher ansetzen. 

10) §anü also syn. von Sanänu. 

11) beachte die Schreibung ga-ab-ra, es ist also wirklich 
gabrü als lehnswort gebräuchlich gewesen, und gab-ri nicht 
ständig mahi-ri zu lesen, der accusativ erklärt sich als häl. 

12) im-ma-tl-ma-a: das a steht als ausdruck der frage, nicht 
nur angehängtes u, sondern auch die Verlängerung des betreffen- 
den endvocals dient als frage, für i (1) s. die beispiele in den 
Sonnenorakeln bei Knudtzon (z. b. 1, 13. 12, 13. im-man-ni-i 
ni von manu). i-giab-ba-tu-ni-I 49, 8. 

13) Si von T\1^. 

14) -jn« ? 

15) ü§ = Imid: es nahte heran ? man erwartet ein syn. 
von izil^. 

16) la l-gi VR 64 a 38 ? zu tahäziS vgl. Sp. 153 passim ? 

17) kul-kul-li s. K: 8466, 6. fehlt bei Delitzsch HW. aus 
d^n zwei bei Meissner, Supplement 28 b angeführten stellen 
vermag ich für die bedeutung an unserem orte nichts zu ent- 
nehmen. 

18) [ultu mätäti §a ibbalkitü] itti-ia. 

19) za-bu wasserguss. die wurzel mr „fliessen" (hebr. mr), 
welche Delitzsch (s. HW. s. 251) aus dem flussnamen (!) Za-ba 
erschliessen zu dürfen glaubte, ist hier belegt im übrigen s. 
Tallquist, Maqlü. 

20) Y""^ 0^6^ p^i das hapax legomenon y^st^a Cant. 2, 9 
findet hierin seine stütze, a-bi-ir vgl. III, 11 a-bir; also bäru 
neben barü „sehen", wie mä§u neben maiü „vergessen", wenn* 



~ u ^ 

sich freilich gleiche erscheinungen häufen, so würde zu er- 
wägen sein, ob es sich hier nicht um eine syntaktisch (aus 
dem satzton zu erklärende eigentümlichkeit der verba tertiae 
jöd handelt, für alle diese falle also nur stamme tertiae jöd an- 
zusetzen sind. 

Zum Inhalt ist, soweit die tafel vollständig ist, nicht viel 
zu bemerken, es ist jetzt klar, dass in tafel 1 eine flucht 
assyrischer (und urartäischer) Untertanen nach Supria berichtet 
war, und dass der dortige fürst deren auslieferung dreimal 
verweigerte, worauf dann der „grossmächtige*' könig nicht gut 
anders konnte als ein beer gegen ihn auszuschicken, schwer 
scheint es ihm gefallen zu sein. 

Wir kennen das jähr, in welches diese expedition fällt: die ba- 
bylonische Chronik bucht sie unter dem achten jähre Assarhaddons 
(672), wo durch ein versehen des dupsars Sup-ri-?a-ai steht.^) 

Der name des widersetzlichen fürsten von Supria wird 
nicht genannt, der mit Tl§ub zusammengesetzte name des 
einen seiner beiden söhne (II 22) beweist, dass die herrschende 
bevölkerung damals „urartäisch" (alarodisch) war. 

Das bringt uns auf die frage nach der läge von bupria 
mit den hauptstädten Ubbural und KuUimlri. bereits Knudtzon 
(Sonnengebete s. 151) schlug vor, es mit dem gewöhnlich Ru- 
ri(a) gelesenen lande gleichzusetzen, das bei Assurnasirpal und 
Salmanassar IL erwähnt wird und etwa am nord(west)abhange 
des Tur-Abdin lag. die tatsache, dass wir es hier mit „Ala- 
rodiem" zu tun haben, sowie die nachbarschaft Urartus, dessen 
einwohner nach Supria flüchteten, beweist, dass diese Ver- 
mutung richtig war, obgleich sie auf falschem wege geraten 



') Schreibfehler, oder wol besser lesefehler, durch undeutUchkeit 
des oder der archetypa entstanden, hat die chronik mehrere, so in der 
folgenden zeile (IV 21) Uruk statt Ninua, denn natürlich muss es 
heissen: ,,die beute traf in Ninive ein'' (s. über den verbleib der ge- 
fangenen unseren text). erwiesen wird die gleichstellung des 8up-ri-sa-ai der 
chron. mit Supria durch das annalenbruchstück Assarhaddons K 3082, 
welches den Zug nach Ägypten im zehnten jähre erzählt (s. über Musri 
Mitteil. VAG. 1898, s. 5). in der zeile vor dem beginn dieses berichtes, 
also unter dem 9. jähre wird nämlich dort Kui-Ii-im-ml-ri genannt, und 
2 Zeilen danach findet sich der satz [nagi s]u-a-tu a-di II-su a-[zu-uzj, 
wofür man IV 9 unseres textes vergleiche. 



- 4? - 

wurde, zur bestimm ung der läge von Kullimiri und Ubbumf, 

welche der text Knudtzon 48 als hauptstädte von Su-up-ri-a 
erwies, hatten wir nämlich nur einen anhält: die nachricht 

Assurbanipals über den glücklichen widerstand der einwohner 
beider Städte gegen Andaria, den pehä d. h. natürlich nicht 
einen assyrischen abgefallenen Statthalter, sondern den häupt- 
ling von Lubdi. von der bestimmung der läge dieses Lubdi 
hing also auch die von UbbumI und damit von Öupria ab. 
keinen anhält hierfür bot die nennung bei Ramman-nirari I., 
der „von Lubdi bis Rapiku" als ausdehnung seiner eroberungen 
angiebt, ja auch hiernach musste man eher auf eine läge öst- 
lich von Assyrien schliessen, wie man das unbedingt aus der 
aufzählung bei SamSi-Ramman I. 48/49 tun musste, wo unter 
den andern abtrünnigen assyrischen provinzen genannt werden: 
Zaban, Lubdu, Arrapha, Arbael. zwischen Zaban und Arrapha 
musste man danach die provinz Lubdi suchen, und hat man 
sie daher auch gesucht, aber nicht am nordabhange des Tur- 
Abdin, wo das Ru(Öup)-ri Assurnasirpals lag. 

Nach unserem texte kann jedoch an dieser gleichstellung 
jetzt kein zweifei mehr sein, so dass Lubdi daher zwischen 
oberem Tigris und Euphrat, nördlich vom mons Masius oder 
dessen westlicher fortsetzung zu suchen ist. die aufzählung bei 
Öamäi-Ramman — man wird kein zweites Lubdu annehmen 
wollen — hat also die reihenfolge verlassen und ist irre- 
führend. 

Wir haben nunmehr einen interessanten beitrag zur ge- 
schichte der assyrischen besitzungen in jenen gegenden ge- 
wonnen, zum so und sovielten male kann ich darauf hin- 
weisen, wie meine anschauungen über die entstehung des assy- 
rischen reiches bestätigt werden, noch zuletzt habe ich die 
angaben Ramman-niraris über seine besiegung der Subari in 
einer wol etwas von der gewöhnlichen abweichenden weise er- 
klärt (F. s. 397 ff.) und seine nennung von Lubdi bestätigt das jetzt, 
bestätigt wird nebenbei wieder einmal meine auffassung des 
titeis gar ki§gati, denn wir sehen nun, dass die durch die von 
Scheil veröffentlichten Inschriften an die band gegebene auffassung 
(s. den nachtrag F. s. 551) richtig ist, wonach Ramman-niraris erfolge 
gegen die Öubari (Mitani) bereits grösser waren, als ich auf 



— 48 — 

griind der bis dabin YorliegendoD Zeugnisse annehmen konnte, 
und dass auch Assur-uballits siege gegen die Subari — deren 
gleichsetzung mit Mitani dadurch bestätigt wird — bedeutender 
waren, als man vermuten konnte, die assyrischen erfolge hat 
dann Salmanassar I. — immer im sinne meiner auffassung 
von der entwicklung des assyrischen reiches, wonach man zu- 
erst das reich der kiSäati sich sichern wollte! — durch assy- 
rische kolonisirung dieser gegenden zu befestigen gesucht diese 
kolonien hatten unter dem niedergang der assyrischen macht 
zu leiden, als derjenige teil der „hethitischen" einwanderung, 
welcher die Kummuh- und Urartubevölkerung brachte, in der 
zeit vor Tiglat-Pileser I. und nach diesem sich über jene länder 
ergoss, behaupteten sich aber teilweise bis auf Assurnasirpal, 
der die verstreuten assyrischen kolonisten wieder sammelte und 
neu kräftigte, die folgezeit bis auf Tiglat-Pileser III. brachte 
dann die erstarkung des reiches von Urartu und trotz aller sieges- 
berichte und züge nach Urartu ist hier, zwischen Euphrat und 
Tigris die assyrische grenze nie mehr so sicher und so weit 
vorgerückt gewesen, selbst nicht unter Tiglat-Pileser und Sar- 
gen: unter letzterem wird Kummuh und Malatia provinz, im 
gebiete zwischen den beiden Aussen scheint aber die nördlichste 
grössere provinz Amid gewesen zu sein, denn hier hatte der 
kronprinz Sanherib sein hauptquartier und beobachtete die Vor- 
gänge in Urartu und die herannahende Kimmeriergefahr. unter 
Sanherib erfahren wir gar nichts von vergangen an dieser 
grenze, und unter Assarhaddon spricht dann endlich unsere 
tafel und beweist, dass man längst darauf verzichtet hatte, das 
unter Assurnasirpal neu assyrisirte gebiet von Supria zu be- 
haupten. Assarhaddon hat hier nach seinem siege neue assy- 
rische kolonien angelegt, von einer wirklichen besetzung mit 
Assyrem in grösserem umfange kann dabei natürlich keine 
rede mehr gewesen sein, der Staat der Ramman-nirari I. und 
Salmanassar I. mochte eine überschüssige bevölkerung haben, 
die kolonisiren konnte, der Assurnasirpals schon nicht mehr, 
und am allerwenigsten der militär- und raubstaat der Sargo- 
niden. 

Beachtenswert ist dabei das verhalten von Urartu zu die- 
sen geschehnissen. während unter Tiglat-Pileser III. und Sar- 



^ 49 -- 

gon TJrartu stets der anstifter aller unruhen in diesen gegeii- . 
den ist, handelt es sich hier um das selbständige vorgehen 
eines einheimischen fürsten — wie wir sahen „alarodischer" 
nationalität — sich auf eigene faust einen Staat zu gründen und 
Assyrien wie Urartu in gleicher weise abbruch zu tun. allzu- 
viel brauchen wir nicht dahinter zu suchen, es ist nur eine 
der kurzlebigen Unternehmungen gewesen, wie sie in diesen 
gebirgsländern zu allen zelten immer wieder aufgetaucht sind, 
für uns wichtig ist aber die tatsache, dass Urartu und Assy- 
rien einmal einig sind in ihrem bestreben, den unbequemen 
nachbar zu unterdrücken. 

Die neubegründete provinz wurde bald darauf durch einen 
neuen streich bedroht. Andaria, der fürst von Lubdi, versuchte 
die beiden hauptstädte Kullimlri und Ubbuml bei nacht zu 
nehmen, wurde aber von den neu angesiedelten „Assyrern" er- 
schlagen und sein haupt nach Ninive geschickt. Assurbanipal 
erzählt das in seinem prisma B zwischen dem feldzuge gegen 
Man und dem gegen XJrtaku von Elam.^) wir haben bereits 
früher festgestellt, dass der letztere zug, wie aus seiner ein- 
reihung folgt, 668 oder 667 stattgefunden haben muss, also um 
die zeit des regierungsantiittes Assurbanipal s, daher teilweise 
noch in die letzten tage Assarhaddons fällt. 2) der versuch 
Andarias hat also nur um 6 jähr nach der neuordnung der 
dortigen Verhältnisse stattgefunden. 

Das legt eine Vermutung nahe: Assarhaddons bericht ent- 
hält nichts über das Schicksal des empörers, dessen namen wir 
nicht wissen. II 41 bricht damit ab, dass ihm die erbetene 
Verzeihung verweigert wird, es ist sehr wol möglich, dass in 
dem fehlenden, etwa ein drittel der tafel betragenden stücke 
von einer eroberung der belagerten Stadt (Ubbuml) und der 
abschlachtung des besiegten fürsten die rede war, andrerseits 
ist es ebenso wol denkbar, dass es diesem gelang zu entkom- 
men, in diesem falle würde man sofort vermuten, dass der 
Andaria von Lubdi, von dem Assurbanipal spricht, derselbe ist 
wie der gegner Assarhaddons, und dass es sich also um einen 
erneuten versuch, Supria zu besetzen, gehandelt habe, dass 

') 8. KB II 8. 179. 

^) F. 8. 478. man beachte anm, 2! 

Winolüer, Fonohangen II>. gedruckt im janoar 1898. i 



^ 50 -- 



^ Aüdaria als pichatu, als „Statthalter" von Lubdi bezeichnet wird, 
hat, wie wir sahen, nichts weiter zu sagen, als dass Assurba- 
nipal ihm nicht den titel „könig" geben will, und soll etwa 
unser „häuptling" bezeichnen von der art eines heutigen Kurden- 
häuptlings derselben gegenden. 

Eine auskunft könnte uns das Sonnenorakel Enudtzon 48 
geben — wenn es nicht verstümmelt wäre und selbst nicht ein 
paar rätsei enthielte, es behandelt einen angriff auf Supria, 
und wenn wir nicht einen dritten^) uns unbekannten annehmen 
wollen, so kann es nur der Andarias sein, der text lautet: 



L [8amas bilu rabu-u sa a-sal-lu- 
ka an-]na k[ina] a-pul-an-ni 

2. [ultu ü-ml an-ni-1 ümi . . . kan 
sa arhi an-ni-1 arahj >ii8ani 
a-di ümi I kan sa arah Düzu 
sa satti an-ni-ti 

3. . . . ümäti . . . musäti annäti 
si-kin a-dan-n]i a-na ipi-is-ti 
ba-ru-ti i-na si-kin a-dan-ni su- 
a-tu. 



Ja-ai i-ka-bu-nii-su-un-ni 



sa] 



1. Warnas, grosser herr, wonach ieh 
dich frage, darauf gieb mir ge- 
treuliebe antwort. 

2. von der jetzigen zeit, d. i. dem 
. . . tage dieses monats, d. h. 
des Nisan, bis zum ersten tage 
des monats Tammuz des lau- 
fenden Jahres, 

3. das heisst für die nächsten . . . 
tage und nachte, die dauer der 
für die Veranstaltung des Orakels 
festgesetzten zeit: während der 
dauer dieses Zeitraumes 

4. [werden da 

, den man Ja-ai 

nennt. 

5. [und 

den man könig von 

nennt, plane schmieden 

und Unternehmungen planen, 

6. wird mittels oder 

mittels rat seiner rate, entweder 
er selbst samt seinen truppen 

7. [oder die KJimmerier oder seine 
sonstigen bundesgenossen, von 
dem orte, wo sie sitzen auf- 

8. brechen, um waffen, kämpf und 
Schlacht zu liefern, um zu toten, 
zu plündern, gefangene zu ma- 

chen nach fcJupria, 

') für den wir auch nicht weiter herabgehen dürfen, da diese orakel 
alle aus Assarhaddons zeit und dem ersten oder den ersten iahren Assur- 
banipals stammen I 



5 sa] sarru 

sa m&tu P[a- 

i-ka-bu-nis-su-un-nii-sar-ri-i-ml 
i-ka-pi-id-di 

6. [lu-u ina lu-u 

i]na mil[ki malik]l-su lu-u su-u 
a-di (amilu) imüki-su 

7. [lu-u (amilu) G]i-mir-ra-ai lu-u 
ki-d[ar]-ru mal it-ti-su ul-tu a- 
sar as-bu ur-ha ^ar[ra-na 

8. [i-§ab-ba-tu-n]i-l a-na ipi-is kakki 
kabli u [tah]äzi a[na däki habäti 
saläli a-na (mätu) iSu-up-ri-a 



- 51 



9. pu-u a-n]a (mbz) ßu-u-mu lu- 
u a-na (mhz) Kul-la[m]-m[i-]ri 
lu-u a-na (mhz) bi-ra-na-a-tu 
sa (mätu) Öu-up-ri-a 

10. [illaku-ni-Ji sa däki idakkü-u sa 
habäti ihabatü-u sa saläli isalalü- 
u ultu lib-bi (mhz) bi-ra-na-a- 
tu sa (mÄtu) Su-up-ri-a 

11. [lu-]u i-sa-a-ti lu-u ma-'-da-a-ti 
ik-k[im-m]u-u a-na sa ra-ma-ni- 
su-nu u-ta-ru-u 

12. ilu-ut-ka tidi-i etc. 

rs. 5. a-sal-ka Warnas bilu rabu-[u 
ki-i ultu] ü-mi an-n[i-I ümi . . . 
kan sa arhi an-ni-i arah Nisan- 
ni a-di ü-mi I kan sa arah Düzu 



6. sa satti an-ni-i det. per». 



sa-a sarru sa 



0. und zwai' nach den Städten "Bii- 
mu oder nach Kullamlri oder 
den (sonstigen) festungen von 
Supria 

10. ziehen, und dort töten, plün- 
dern, gefangene machen, aus 
den festungen von fciupria 

11. weniges oder vieles rauben, sich 
aneignen ? 

12. deine gottheit weiss es. etc. 

rs. 5. Ich frage dich, o ISamas, 
grosser herr: von der jetzigen 
zeit d. i. dem . . . ten tage des 
laufenden monats Nisan bis zum 
Iten Tammuz 
6. des laufenden Jahres wird det. 
pers. . . . -sa-a könig von . . . 



^. ultu a-sar as-bu ur-[ha] harr an a 
is-sa-ba-tu-nim-ma a-n[a (mhz) 
öu-up-ri-a illakü] 

8. Ina libbi aläni sa (mhz) 8u-up- 
ri-' sa däki idakkü sa habäti 
ihabatü sa saläli isalalü ultu 
Ubbi 

9. alä]ni sa (m^) SSu-up-ria lu-u 
l-su-[u-ti lu-u maMüti ikkimü 

10. a-na sa r]a-ma-ni-su-nu u-ta-ru 



7. vom ort, wo sie sitzen, aufbre- 
chen, nach Supria ziehen, 

8. in den Ortschaften von ^iupria 
töten, plündern, gefangene ma- 
chen, aus 

9. den Ortschaften von 8upria we- 
[nige oder viele rauben 

10. sich] aneignen? 



Ich habe meine bedenken über die lücken dieses textes, 
welche sich natürlich gerade wieder da finden, wo die han- 
delnden personen genannt waren, bereits F. s. 531/32 kurz 
angedeutet, ich vermutete dort noch, dass es sich um diesel- 
ben ereignisse wie in K 7599 handele, während jetzt, nach auf- 
findung der grossen tafel, ich die sechs jähr später stattgefun- 
denen versuche von Andaria heranziehen möchte, dass es sich 
um ein ereignis aus der zeit nach 674 handelt, geht klar 
daraus hervor, dass Supria und seine „festungen" deutlich assy- 
rische einwohner haben müssen, also die Ordnung der dinge 
von 674 vorausgesetzt wird, da man jedoch mit solchen an- 
fragen nicht kargte — die tempel wollten auch ihr teil an der 



— 52 — 

politischen constellation verdienen — so ist es sehr wol mög- 
lich, dass unsere tafel eine von mehreren anfragen enthält, 
welche um 668 vom Sonnengott beorakelt werden, und dass 
darin nicht unmittelbar von Andaria die rede war, wenn auch 
die dabei berührten Verhältnisse mit seinen planen im zusammen- 
hange standen, mögen sie nun kurz vorher oder kurz nachher 
liegen. 

Im einzelnen ist noch zu bemerken, dass die ergänzung 
der namen in z. 4, 5 und rs. 6 nach wie vor rätselhaft bleibt. 

z. 4. „für N. N., welchen man Ja-ai nennt" — so zu 
fassen, wenn der bei Knudtzon als personendeterminativ gege- 
bene keil nicht etwa rest eines andern Zeichens ist, in welchem 
falle man zu fassen hätte N. N., der .... ?-ia-äer (gentilicium) 
— würde man zunächst auf Andaria selbst raten, aber eine 
solche doppelbezeichnung bleibt vorläufig rätselhaft und die Ver- 
mutung daher mehr als zweifelhaft. 

z. 5. über „N. N., den man könig von P[a nennt" 

oder: „N. N., könig von P[a , den man . . . nennt" 

ist keine Vermutung möglich. 

rs. 6. ist die bereits von Knudtzon vorgeschlagene ergän- 
zung [ür]-sa-a könig [von Urartu] naheliegend und verlockend, 
aber 1) ist in dem zweiten teile dieser anfragen sonst immer 
von denselben personen die rede, wie im ersten, wir müssen 
also hier die (beiden) namen von z. 4 und 5 (und zwar ohne 
die Zusätze „welchen man nennt") erwarten, es ist aber nicht 
gut möglich, wie Knudtzon in richtiger erkenntnis dieser tat- 
sache tat, in dem auch Ja-ai genannten mann IJrsa zu finden. 
2) war 674 Rusas von Assarhaddon freundschaftlich behandelt 
worden, sollte er jetzt feindlich gegen ihn gehandelt haben? die 
politik wechselt allerdings leicht, aber hier finden wir zweimal 
dieselbe politische Sachlage, auch wird hier ein zusammengehen 
des betreffenden feindes mit den Kimmeriem bezeugt, und in 
allen fällen, wo sonst von diesen die rede ist, werden wol 
Madai und Mannäer als mit ihnen zusammen vorgehend ge- 
nannt, aber nie Urartu, dessen natürliche gegner sie ja waren, 
diese punkte bleiben also vorläufig noch dunkel. 



i 



Öareser und Assarhaddon. 



III R 16, 2. 

1. A-bit märat sarri a-na 

2. (amiltu) As§ur-sar-rat 

3. a-ta-a dup-pi-ki la ta-sat-ti-ri 

4. im-bu-ki la ta-kab-bi-i 

• 

5. u-la-a i-gab-bi-u 

6. ma-a an-ni-tu-u a-hat-sa 

7. sa (amiltu) §iru 'a-i-tl-rat 

8. märtu rabi-tu sa bit ridü-ti 

9. sa Assur-itil-ilSni-uki-in-ni 

10. sarru rabü sarru dan-nu sar 
(mätu) Assur 

11. u at-ti ma-rat kal-lat bilit bit 
sa Assur-bani-apli 

12. mär sarri rabü sa bit ridü-ti 
18. sa Assur-ah-iddin sar (mätu) 

4 V V 

Assur 



1. äusserung der tochter des kö- 
nigs an 

2. (frau) Assur-sarrat: 

3. wenn du deinen brief nicht 
schreibst 

4. und dein vergehen*) nicht be- 
kennst (?) 

5. wird man dann nicht sagen: 

6. „Ist diese (wirklich) die Schwester 

7. der blru'a-itlrat, 

8. der grosstochter des serails 

9. von Assur-itil-iläni-ukin-ni, 

10. des grossen, des mächtigen ko- 
nigs, königs von Assur? 

11. und du bist die tochter dei 
jungen frau, der hausherrin As- 
sur banipals, 

12. des grosssohnes des serails 

1 3. Assarhaddons,königs von Assur' ' 



1) im-bu = imbü in K 2842 I, 15 ? es wäre dann syno- 
nymon von hittu, das ebensowol die bedeutung „vergehen" wie 
„busse, strafe" hat, und würde, während es a. a. o. „busse" heisst, 
hier in der andern bedeutung stehen. 

Der brief ist seit lange bekannt, auch oft wegen der deutung 
des königsnamens in z. 9 auf den vorletzten könig von Assyrien, 
erwähnt worden, eine erklär ung des inhaltes ist mir jedoch nicht 
bekannt, ich fasse ihn vollkommen verschieden von den bisheri- 
gen erklärungen auf. der sinn der werte ist zunächst: die tochter 
des königs schreibt an eine frau Assur-§arrat. diese dürfte eine 



— 54 ^ 

amme sein, da es sich doch offenbar um zweifei über ihre, 
der schreiberin, geburt handelt, die amme soll ihr vergehen (?) 
einsehen und bezeugen, dass die absenderin nicht die tochter 
Assurbanipals von dessen hauptgattin, sondern die Schwester 
der „grosstochter" Assur-itil-iläni-ukin-nis ist (beachte z. 1: 
tochter des königs, 6—8: Schwester der grosstochter, beides 
geht auf die absenderin), in z. 11 „und du bist etc." geht das 
„du" ebenfalls auf die absenderin des briefes, bedeutet also 
neben „ist diese" in z. 6 ein aus der rede fallen der an ihrer 
geburt zweifelnden, wie es häufig ist. 

Sieht man nun in dem könig z. 9 den vorletzten Assyrer- 
könig, den söhn und nachfolger Assurbanipals, so ergiebt sich 
eine Schwierigkeit, welche, wie ich vermute, bisher alle abge- 
halten hat, sich über die Sachlage, welche das schreiben voraus- 
setzt, rechenschaft zu geben, wie sie mich selbst oft genug 
verhindert hat. es ist nämlich doch offenbar undankbar, dass 
ein zweifei darüber herrschen kann, ob eine erwachsene frau 
— also doch mindestens eine 15jährige — tochter vom kron- 
prinzen Assurbanipal, die also spätestens 668 geboren sein 
kann, oder von dessen bereits regierendem söhne ist, also nach 
625 schreibt, denn das wird deutlich zum ausdruck gebracht: Assur- 
banipal wäre noch kronprinz, und noch nicht könig, gewesen, 
als die betreffende tochter geboren worden wäre, da kann man 
sich drehen und winden, wie man will, die altersgrenzen bis 
aufs äusserste verschieben, die älteste tochter Assur-itil-ilis 
muss immer noch an die 30 jähre jünger gewesen sein als 
eine vor 668 geborene tochter Assurbanipals, und kann zum 
mindesten nicht um 668 geboren worden sein, sodass eine 
Unterschiebung hätte stattfinden können. 

Wenn wir also auf diese art nicht in den Stiefel hinein- 
kommen, versuchen wir es einmal von der andern seite : wenn 
unsere combination zu Unmöglichkeiten führt, vielleicht ist sie 
dann — falsch, und der könig von z. 9 ist gar nicht der nach- 
tolger Assurbanipals, Assur-itil-ili ? 

Mir ist von jeher eins verdächtig gewesen: in seiner eige- 
nen backsteininschrift wird dieser Assur-itil-il! genannt, nun 
ist es ja denkbar, dass eine abkürzung des namens stattfinden 
kann, aber doch nun und nimmer in einer officielleu in- 



-- 55 — 

Schrift, während in einem privaten briefe sich die volle form 
(Assur-itil-ili-ukin-ni) fände, das umgekehrte wäre sehr wol 
denkbar, aber diese Sachlage ist von vornherein mehr als be- 
denklich. 

Nun bezeugt uns die bekannte, unmittelbar neben unserem 
briefe veröffentlichte tontafel, früher wol auch misverständlich 
„das testament Sanheribs^^ genannt, dass Assarhaddon einmal 
den namen Assur-itil-mukin-apli angenommen hat. die Ur- 
kunde lautet: 






III R 16, 3. i)[i '':'^^ .'' n^-^ ;■. 

1. Sin-ahi-irbä sar kis-sa-ti 1. Sanherib, könig der weit, 

2. sar (mäta) Assur {^arri ^rasi 2. konig von Assur: goldene ringe 
tam-lit sinni etc. mit elfenbeinauslegung (?) etc. 

6. 1*/« nia-(»a) 2^/^ siklu sukulti- 6. 17» rainen 2V2 sekel schwer 



sii-nu 



7. a-na Assur-ahi-iddin märi-ia sa 7. habe ich Assarhaddon, meinem 
arka söhne, welcher nachher 

8. Assur-itil-maktn-aplu sumi-su 8. Assur- itii-muktn-aplu mit namen 

9. na-bu-u ki-i ra-'-a 9. genannt wird,al8namensgebungs- 

geschenk (?) 

10. a-din kisit-tu Bit-A-muk 10. gegeben, beute von Bit*Amuk- 

kan (?) 

11. . . . nir-gai nu ka nu ur ani 11. ? (vgl. Vß 33, VIII, 40 schluss 
Nabu der inschrift Kakrimes). 

Die beiden namen sind nicht vollkommen identisch, und 
so hat mich von einer gleichsetzung beider vor allem immer 
das bedenken abgehalten, ob denn Assarhaddon den neuen 
namen in Wirklichkeit geführt hat. dass, wenn dieses der fall 
war, eine ungenauigkeit bei einem aus vier bestandteilen zu- 
sammengesetzten, ungewöhnlichen namen, unterlaufen konnte, 
würde ich schon eher für möglich halten, da ja doch alle die 
langen namen im praktischen gebrauch (vgl. die bürgerlichen 
Urkunden) abgekürzt zu werden pflegen. 

Nun zeigt uns aber ein neues bruchstück einer inschrift, 
dass Assarhaddon seinen zweiten namen doch eine zeidang ge- 
führt haben muss. es lautet: 



— 56 ~ 



S. 1079. 



n - < V . 






1. ? . . . slb 

2. iläDi (mätu) Sumiri u Akkadi 
har-ra-[an . . . 

3. kim-mu-ri-i an-hu-ti sa U- 
ani . . . 

4. ina puhri-(n g i n - n i -)8U-nu is-tl- 
nis '-[al-du . . . 

5. sit-ra-^a . . . 

6. ia-a-ti A§sur-ah-iddin sumu det. 
pere. (il[u) . . . 

7. i-si-mu . . . 

8. ma ul'Si ri-§a-a-ti a-na Bab-[iii 



V • • 



9. ina kar Babili i-dis (od. 1- 

« ml ?) . . . 

10. nu (bl ?) pat kirü pal gi ? . . . 

11. sa r-kar-za-gin(KüR)-na . 



2. die götter von Samer und Ak- 
kad den weg 

3. die zerfallenen ruinen^), wo 
die gotter 

4. allesamt miteinander gebo- 
ren sind ... 

5. (wo sie) sich wol befanden') . . 

6. mir Assarhaddon den namen 
A[ssar-itil-muk!n-apli 

7. haben sie mir bestimmt . . 

8. in Jubel und freude nach Ba- 
bylon [zog ich . . . 

9. in der citadelle von Babylon 
? . . . 

10 

11. gehörig zu f-kar-zagin . . . 



13. ina si-pir abkal ka lu^ ut da 13. in der kunst des boten 

pa (?)... 

14. ma-har kakkabi (?) sa-ma-mi an 14. vor den Sternen'') des himmels 
9 



• • • • 



1) kimmuri vgl. karaäru niederstürzen? man erwartet 
jedoch hier eine bezeichnung für tempel, kultstätten, an 
ki-i muräni (also kima mu-ri-1) King, Magic and Sorcery 18, 11 
ist wol nicht gut zu denken (wie winselnde (anähu) junge tiere). 

2) doch wol verbum. 

3) das original hat AB + AN nicht NAB + AN (= kak- 
kabu) : ma-har ab iläni ? 

Der text lehrt, dass Assarhaddon tatsächlich den andern 
namen eine Zeitlang geführt haben muss, denn die ergänzung 
von z. 6/7 darf doch wegen des §umu als sicher angesehen 
werden, es wird darin berichtet, * dass Assarhaddon in Baby- 
lon eingezogen wäre, das kann nicht nach seiner thronbestei- 
gung in Assyrien gewesen sein, denn von da an hat er sich 
nur noch A§§ur-ah-iddin genannt, wie die inschriften aus sei- 
nem ri§ Sarrüti zeigen (Meissner-Rost, bauinschriften s. 258). 
ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen,^) dass er noch 



») Unters, s. 11, anm. 1. F. s. 418. 



r 



— 57 — 

zu lebzeiten Sanheribs als Statthalter in Babylonien eingesetzt 
gewesen sein muss, und ich glaube, man kann in unserem texte 
eine neue bestätigung dafür finden, und diesen also mit der 
a. a. 0. erwähnten löweninsehrift in die zeit dieser Statthalterschaft 
setzen, dazu würde stimmen, dass Assarhaddon hier augenschein- 
lich nicht als könig bezeichnet war,^) und dass offenbar die ersten 
massnahmen zur Wiederherstellung babylonischer tempel nach 
dem grossen schlage von 689 berichtet werden. 

Betrachten wir mit diesen ergebnissen den brief der „königs- 
tochter" an ihre vermutliche amme, so können wir eine durch- 
aus einfache und verständliche Sachlage herstellen, wenn wir 
annehmen, dass der Assur-itil-iläni-ukin-ni eben Assarhaddon 
ist, denn dann ist es sehr wol denkbar, dass ein zweifei bestehen 
konnte, ob ein während der zeit, wo er diesen namen führte, 
geborenes kind von ihm oder seinem söhne Assurbanipal her- 
rührte, wenn er zuerst mit seinem zweiten namen genannt 
wird, an zweiter stelle aber mit seinem dann wieder angenom- 
menen ursprünglichen namen Assur-ah-iddin, so erklärt sich 
das sehr einfach: es wird zunächst zwar im tone einer offi- 
ciellen Urkunde gesprochen, und das kind als tochter'Assur- 
itil-iläni-ukin-nis bezeichnet, weil der vater zur zeit der ge- 
burt diesen namen führte, dann aber, wo dieser in der gegen- 
wart genannt wird, erhält er seinen gegenwärtigen namen. 

Das wird endlich zur gewissheit erhoben durch die be- 
zeichnung Assurbanipals nur als königssohn, aber nicht als 
könig. der brief ist eben unter der regierung Assarhaddons 
geschrieben, also zwischen 681 und 668. 

Nun wird aber weiter Assur-itil-iläni-ukin-ni (= Assarhad- 
don) bereits als könig von Assyrien darin genannt: damit ist die 
geburt der in rede stehenden tochter ziemlich genau festge- 
stellt, denn es ist klar, dass Assarhaddon seinen alten namen 
sofort wieder annahm, als er unumschränkt könig war, d. h. 
nachdem er den aufstand seines rebellischen bruders, des mör- 
ders Sanheribs, niedergeworfen hatte, die geburt wird damit 
also als in den letzten monaten 681 stattgefunden bezeichnet. 



^) Ygl. hierzu die ausführuDgen über K 13733 oben unter ,,Bruch- 
stücke" No. 17 (s. 23). 



— 5^ — 

Eine weitere bestätigung dieser auffassung kann vielleicht 
in einem bruchstück eines anderen briefes gefunden werden, 
welches die ganze reihe der von mir bisher gezeichneten Ver- 
hältnisse bestätigen und, durch sie ihr licht empfangen würde, 
selbstverständlich hat der tückische zufall von der an und für 
sich schon schwer verständlichen Urkunde — es ist ein brief 
— nur wenig erhalten, sodass kein Zusammenhang herstellbar 
ist, und auch sonst noch ein paar steine des anstosses in den 
weg gestreut, es ist das bruchstück 82—5—22, 106 (schrift neu- 
babylonisch), von welchem ausser der einleitungsformel nichts 
zusammenhängendes mehr lesbar ist diese formel lautet: 

1. [a-]na sar EAB mät Ag(DIL) 
r 2. [slar kis-sat sar matftti bi-ili-ia 

\ß^ \ -'(' ^* [ard]u-ka Na-ram-Sin 

4. [iluj Nabu u (ilu) Nusku 

5. [ana bil] sarräni bili-ia lik-ru-bu 

Hier ist zunächst verdächtig, dass hinter a-na in z. 1 kein 
personenkeil steht, während es vor dem namen Naram-Sin in 
z. 3 nicht fehlt, trotzdem liegt keine andere möglichkeit vor, 
als dass wir es mit einem eigennamen zu tun haben, welcher 
also als §ar-ltir-(mätu)Assur zu lesen ist. wer ist dieser neue 
gar kiäSati, der einen assyrischen namen führt und der, wie 
die schrift des briefes zeigt, nur der neuassyrischen zeit ange- 
hören kann? es giebt während dieses ganzen Zeitraums keine 
lücke in der assyrischen königsreihe, nur ein name fehlt uns 
noch in der inschriftlichen Überlieferung: der von Assarhaddons 
bruder, welchen er im jähre 681 vertrieb, und nun möchte 
ich darauf hinweisen, dass ich von jeher die Verhältnisse so 
geschildert habe, dass dieser bruder von Ninive durch Assar- 
haddon vertrieben — wie Bibel und keilinschriften bestä- 
tigen — sich gegen nordwesten zurückzog, dass er also in dem- 
jenigen teile des reiches, an welchem der titel §ar 
ki§§ati haftete, sich am längsten behauptete, ist es zufall, 
dass hier derjenige titel — in von der regel etwas abweichender 
formeP) — gesetzt wird, den man nach einer ohne kenntnis 

1) denn der name des königs wird sonst in diesen brief en gewöhnlich 
nicht genannt, wenn das also geschieht, so wollte der Schreiber keinen 
zweifei aufkommen lassen, wen er als könig anerkannte, auch das weist 
also auf die angenommene Sachlage hin. 



- 5d - 

dieses briefes gezeichneten Sachlage erwarten würde? dann ist 
es wol auch zufall, wenn in dem gegenstuck dazu der zu er- 
wartende titel — fehlt, denn in dem briefe der „königstochter'' 
wird der Assur-itil-iläni-ukin-ni bezeichnet als §arru rabü §arru 
dannu §ar ASSur mit auslassung des gar kiggati. und recht 
merkwürdiger weise in einer titelform, wo er sonst stets steht, 
denn wenn gar ASSur ohne sar kigSati gesetzt wird, so fehlt 
der regel nach sonst auch das §arru dannu (s. F. s. 389 
anm. 1). und um schliesslich die zufalle für diejenigen, die 
sie noch immer annehmen wollen, zu häufen, sei bemerkt, dass 
der an den könig Sar-ltir-ASSur gerichtete brief Verhältnisse von 
Bit-Za-ara-ma-nu (z. 9 genannt) behandelt, also von einer in den 
von Assarhaddons bruder noch behaupteten gebieten gelegenen 
landschaft, die zum interessengebiete des „reiches der kigSati" 
gehörte!^) 

Endlich noch eine bemerkung über den namen des sohnes 
Sanheribs.2) nach der Bibel war er Sar-eser. man kann be- 
treffs des daneben genannten Adrammelech zweifelhaft sein, ent- 
standen ist dieser letztere name offenbar in erinnerung des 2. Kön. 
17, 31 genannten Adrammelech. vermutlich wird er daher ganz 
zu streichen sein, der name Sar-eger ^ssö^-- i^ aber könnte sehr 
wol aus ("ic&^)-^üN-^'ü entstanden sein, wobei noch zu berück- 
sichtigen wäre, dass Itir und usur im assyrischen synonyma 
sind, bestärkt wird man in dieser meinung noch dadurch, 
dass ein name §ar-ußur(e@er), oder ein assyrischer name, woraus 
dieser entstellt sein könnte, in der familie der Sargoniden ebenso 
wenig bezeugt ist wie §ar-ltir-A§gur, sodass die verlässlichkeit der 
Überlieferung gerade in der ungewöhnlichkeit des namens eine 
stütze hat 



') zur läge von Bit-Zamäni vgl. Salm. Mon. II 40 ff: von Kar- 
Salmanassar (== Til-Bursip = Biredjik) brach ich auf, durch Sumu, stieg 
Dach B.-Z. hinab etc., Euphrat aufwärts, vgl. Sahn. Ob. 143, also zwi- 
schen Euphrat und Tigris, genauer am Euphrat (Arsanias) unterhalb der 
Anzitene (fnziti). 

') über einen söhn als urheber des aufstandes nach der Über- 
lieferung der inschriften und demgemäss bei Berossus s. meinen aufsatz 
in ZA II. 



Zu semitischen inschriften. 



1. Die grabinschrift von Petra« 

«:«^)a nb« ö^'n^jin a^m d^n nb« «'^-inNS n ö^bst« bs n'^'iNttJi 3 

cnbD N'^nbNi ö^tt^i^n nrimTai 
•^15 ••'1 dnbD N-^nbö^i näm?3i N^-cin -pnpDD dtiä "«id V'^'^n "»nüttDü 4 

NSttJn'^ Nbi ns^^n'^ i:« &^'«?:^n nü^:: 
nbD «313« n3T N^rips ^ripn'^ «bi ds^n:?: dnn ''n bs p yissn*^ «bi 5 
dby n:> 13N N'^^-in -»^üttis ^äp?3 N3n nb 5^"lD «^n 173 ^nb 

1. Die grabanlage und der grosse saal und der kleine saal, 
der nach innen davon liegt, in welchem (letzteren) sich befin- 
den die grabhöhlen, und die arbeit der sarge, 

2. und die umhegung, welche vor ihnen ist, und die Säu- 
len (?) und die gebäude, welche darinnen sind, und die gänge 
und die Überdachung des ganges, und die wasserbrunnen 
und die Wasserbecken und die Umfassungen (der Wasser- 
becken) 

3. und der rest des ganzen, welcher sich an diesen 
statten befindet, sind heiligtum und eigentum des Dusarä, 
des gottes unseres herrn, und seiner gattin, der gehei- 
ligten, und der götter allesammt. 

4. in den Schriften der heiligtümer, so wie es in ihnen 
steht, haben bestimmt Dusarä und seine gattin und die 
götter allesamt, dass, so wie es in jenen Schriften der heilig- 
tümer steht, getan werden soll, und dass nichts unterlassen 



— 61 - 

5. und nichts weggenommen werden soll von alledem, was 
in ihnen steht, und dass nicht begraben werden soll in diesem 
grabe irgend einer, ausser der, für welchen eine begräbnis- 
bestimmung verzeichnet ist in jenen Urkunden der heiligtümer. 
In ewigkeit. 

Die seit lange in einer copie bekannte Inschrift ist von 
Vogü6 im Journal Asiat. 1896 p. 304 ff. und nach einem neuen 
abklatsch ib. p. 485 ff. behandelt worden, danach von Barth 
im American Journ. of Semit, lang. a. litt. Xm p. 267 — 78.^) 

1. vnsp?: will Barth nicht mit Vogü6 als Part, pass., son- 
dern als „grab" fassen, ,und vergleicht Nn^sp?: CI 196, 1 und 
181. "ima = kimahhu grabkammer oder sarg, dann kann ich 
unter nT^^a^ mir nichts anderes denken als die arbeit am sarg 
(an der grabkammer) d. h. deren architektonische oder künst- 
lerische ausschraückung. 

2. Wir haben uns die begräbnisstätte als eine art gehöft 
zu denken, nach art einer islamischen begräbnismoschee. ich 
stimme daher mit Vogü6 gegen Barth überein, dass von gär- 
ten nicht die lede sein kann, ö^sid ist die „mauer", die das 
ganze umgiebt. es braucht keine geschlossene mauer zu sein, 
sondern sie kann aus säulen mit offenen Zwischenräumen be- 
stehen^ NniDiy als säulen nimmt Vogü6 nur nach dem phö- 
nicischen an, es bleibt also fraglich, die NTä sind die ein- 
zelnen bauten im bereich des durch den n5*id umschlossenen 
raumes, sie werden in den beiden folgenden werten näher an- 
geführt, das Verhältnis ist also hier das gleiche wie in z. 1. 
„der grosse saal" und „der kleine saal" zu N^sp. was n*^::! sind 
ist schwer zu sagen, an gärten mit Barth zu denken erscheint 
mir sachlich nicht möglich, offenbar liegt dasselbe wort als nomen 
unitatis in 2<D72D n^j* vor. samak heisst arabisch dach (auch 
decke, plafond), ich vermute daher, dass wir es mit einem 
Säulengang zu tun haben, dessen einzelne teile als N'>5a bezeich- 
net werden, und der etwa in der mitte eine art mittelbau mit 
einem dach hat, welches also gewissermassen ein tempelchen 
bildet, von welchem aus die n*^::! um den ganzen räum herum 



') Bei der correctur konnte ich noch NÖldekes behandlung der In- 
schrift in ZA XII benutzen (zu z. 4). 



— 62 — 

laufen, dass »'^'tiü nicht felsen sein können, ist natürliches er- 
gebnis dieser auffassung. arab. tür bedeutet ho f. wenn daher 
die brunnen und die Wasserbecken, d. h. die zu den brunnen 
gehörigen bassins und darauf die i^-'m:: genannt werden, so 
möchte ich in diesen die gemauerte einfassung der becken 
sehen. 

3. «biSN Barth will es als arab. a9lan „ganz und gar, durch- 
aus" fassen, mir scheint es mit arab. a9ilat „gesamtheit, ganze 
habe" gleichbedeutend zu sein, wenn es adverbiell stände, 
würde ich rrbD, mit dem suffix, erwarten, also: „das ganze 
gesamte", :i'nn ist arab. harg '„eigentum", über welches man 
zu Glaser 891, 7 (Die sabäischen Inschriften der zeit Alhan 
Nahfans s. 21) sehe. NUJ'^'in kann nur epitheton zu nnm?: 
sein, als eigenname kann es nicht gefasst werden, denn sonst 
raüsste n davor stehen, auch vergl. z. 4. D. u. M. und die 
götter allesamt, für die bedeutung wüsste ich nichts besseres 
als arab. hrs, also : die geschützte ? dass rtnm?^ n. pr. (dann = 
arab. mautabatun) ist, glaube ich übrigens nicht.^) mir scheint 
vielmehr ein appellativum mit dem suffix der 3 sg. vorzuliegen, 
also: mit seiner mautab, der geschützten, von vornherein könnte 
man dann nur auf eine bedeutung raten wie: Dusara und seiner 
gattin,'-^ der geheiligten, und dann bietet sich ungezwungen 
zum vergleich das äthiop. wasaba IV (awsaba) heiraten, sowie 
hebr. Tä-> hiph. Esr. 10, 2. 10. 14. etc. Neh. 13, 23. 27. in der 
gleichen bedeutung, dessen directe ableitung von M'i „woh- 
nen" natürlich unzulänglich ist. vgl. zu nsm?: CI Ar. 198, 314. 
der stamm ist 'nrw 

4. "inps nach Nöldeke Substantiv: so ist bestimmung D's. 
— die richtige lesung Nsisr."^ ist von Nöldeke erkannt, ebenso 
12« hier und z. 5. 



*) ebenso möchte ich umgekehrt In ^"'^'^p, das sich in ähnlicher 
weise wie tl^niTS bei Dusara, bei Manawat findet, ein appelladv der be- 
deutung „ihr gatte" sehen. (CI Ar. 197, 5.) dem scheint jedoch CI Ar. 
209, 9 zu widersprechen, wo NlS'^p mit N steht, jedoch ist nicht ausge- 
schlossen, dass die bezeichnung in ihrem appellativen sinne gefasst wurde 
und gelegentlich auch als n. pr. gehandhabt wurde, auf jeden fall würde 
nuJ'T? (= Kaisatun) als fem.-form, neben NC"*p Schwierigkeit bieten. 

') eine äusserliche bezeichnung des fenu ist nicht nötig, vgl. müdi'un 
yiamme*' etc. 



- eä - 

5. &^3n erklärt Barth als mischnisch -«Nsn, jorus.-targ. nssn, 
syr. "^^sn „clausel, Verabredung'' etc. — ist es etwa das nsn. der 
assyrisch-aramäischen contracte? (mit der zu erwartenden ver- 
tauschung von n und n), also : contract, Schriftstück ? 



2. Die Inschrift von Limyra. (CIAr. 100). 

[^QTi[iag i^QoaTCiog Al^vqbvq' ^u4\QTL[^ag KoQ\vda- 

kkeojg 7iQ07ta7tTcog [avTOv 7CQ]oKaT€a'A£vaaaTo rov racpov [rovrov 
f]avr(L) "Aai zoig iyyovoig 

[Artimas, söhn von Arzapi aus Limyra. A]rti[mas, söhn des 

Korjydalläers (N. pr.),sein urgrossvater, hatte [dieses] 

grab früher gebaut (ist noch zu ergänzen: „auf seine kosten" 
da die lücke breiter zu sein scheint?) für sich und seine 
nachkommen. 

So viel ist aus dem griechischen klar, dass der urgross- 
vater des jetzigen eigentümers Artimas, dessen namen uns die 
aramäische Inschrift giebt, die anläge früher bereits gebaut 
hatte, Artimas hat sie also wieder in benutzung genommen, 
nachdem er sie neu hatte herstellen lassen, man erwartet 
eine beziehung auf diese tatsache auch in der aramäischen In- 
schrift, die deutung von deren letzten werten : „einer von den 

m "ist schwerlich richtig, statt nn^ würde man, wie 

das CI richtig bemerkt, "in erwarten, und das "^t, ja auch das 
•p wäre völlig überflüssig, ich lese daher -in&^ und fasse: „dieses 
rjD'nnnoM hat [AJrtim, söhn von Arzapi, gebaut, nachdem, dass 

es m " abgebrochen sind dann werte, welche über den 

früheren bau, oder dessen verfall berichteten. 



-^ 64 - 



3. Clir. 164. 

72btt5 «373« rrtö''äy lä ri'D 

drifzog 6 tuv Oßaiarjvtov ereiiirfiev MaXeixa^av MoaiCQOv 
v7ceQOiy,o3oiÄifiaavr[a] to iegov agerrig ze yxxi elaeßeiag xclqlv. 

Das CI fasst uqov als wiedergäbe von «ni'^n, und findet 
das «rrby durch vtceq in vTreQOiycodo/^riaavra ausgedrückt, so- 
dass sie übersetzen: „qui effecerit templum altius/' ich glaube 
es ist zu fassen: 

Dieses ist die bildsäule, welche errichtet hat die gens Obaisah 
Malikah ben Mo'airu ben Malikah, 
deswegen weil er erbauen Hess das obere Stockwerk. 
Kaddu aus der gens Obaisah war der künstler. heil. 

v7ceQor/,oäofÄriaavva to icqov kann nur heissen: „weil er über- 
baute das heiligtum". icqov ist im aramäischen nicht ausge- 
drückt, dafür aber der name des erbauten teils genannt. «ni"'a 
muss danach etwas auf den eigentlichen tempel aufgesetztes 
sein, ein Stockwerk (aufbau) oder ein türm, man kann aber 
auch an assyr. birit „Zwischenraum, bereich^' denken, wenn 
man sich für „Stockwerk*' (das nur ein zurücktretender aufsatz 
sein würde) entscheiden will. 



Assyrien und Tyrus seit Tiglat-Pileser IIL 



Es ist mir gelungen in der letzten zeit manche einzel- 
heiten über das so dunkle Verhältnis von Tyrus zu Assyrien 
in der zeit Assarhaddons und Assurbanipals festzustellen und 
zwei der jetzt neu veröffentlichten texte geben, wie ich glaube, 
nun endlich den Schlüssel für das Verständnis der oft behan- 
delten ereignisse seit Tiglat-Pileser IIL, also seit beginn der aus- 
dehnung dos neuassyrischen reiches, als Assyrien nach längerer 
schwäche wieder anfing den westen zu unterwerfen. 

Bekanntlich haben wir die nachricht Menanders bei Jo- 
sephus über die assyrischen kriege gegen Tyrus, während bis 
jetzt eine nachricht der Assyrer über solche Unternehmungen 
vor dem zuge Sanheribs vor 701 gänzlich fehlten, zuletzt hat 
über diesen bericht und seine deutung W. v. Landau in Bei- 
träge zur Altertumskunde des Orients s. 1 ff. gehandelt und 
eine reihe richtiger ergebnisse gewonnen, an welche im folgen- 
den angeknüpft werden soll, es ist zweifellos richtig darin 
erkannt worden, dass die letzte bälfte des berichtes auf die 
belagerung von Tyrus durch Assarhaddon und Assurbanipal 
geht, der bericht bei Josephus (Arch. 9, 283) lautet: 

Der Assyrerkönig [es ist vorher von Salmanassar die rede] über- 
zog mit krieg ganz Syrien und Phönicien. der name dieses königs ist 
aber in den aufzeichnongen der Tyrier überliefert [hierher der Zu- 
satz gehörig: d-efi^vtjv avrtp Ilvag (var. Ilvkug) ovofiu: welche ihn 
Py(l)a8 nennen], er zog nämlich gegen Tyrus, als Elulaios dort re- 
gierte, das bezeugt auch Menander, der Verfasser der chronik, der 
die tyrischen auf Zeichnungen ins griechische übersetzt hat. 

Dieser berichtet: Elulaios d-efj,ev(ov avT(i) JIvug ovofia regierte 
36 jähre, dieser unterwarf die Kittier wieder, als sie abgefallen waren, 
unter ihm überzog Selampsas [so ed. Niese, die lesart ist bekanntlich 

Wlnokler, ForsohiuiKen U*. gedruckt im man 18dS. 6 



- 66 - 

gesickert durch das Salmanassar der versio Latina] der Assyrer- 
konig ganz Phönicien, und zog wieder ab, nachdem er yerträge und 
frieden mit allen geschlossen hatte, es fiel aber ab von den Tyriem 
Sidon, Arka, Alttyrus und viele andere städte, welche sich dem Assyer- 
könige übergaben, als daher die Tyrier nicht botmässig blieben, kehrte 
der Assyrerkonig sich wieder gegen sie, indem die PhÖnicier ihn mit 
60 kriegsschifien und 800 ruderknechten unterstützten, gegen diese 
fuhren die Tyrier mit 12 schiffen aus, zerstreuten die schiffe der geg- 
ner und machten 500 kriegsgefaugene. hiernach begann in Tyrus . . 

'). deswegen zog der Assyrerkonig ab, nachdem er 

Wachposten am flusse und den Wasserleitungen aufgestellt hatte, welche 
die Tyrier verhindern sollten wasser zu holen, das ertrugen sie fünf 
jähre hindurch, indem sie aus cisternen tranken, das ist es, was in 
den aufzeichnungen der Tyrier über Salmanassär, den Assyrerkonig, 
berichtet wird. 

Landau hat den schluss von Menanders angaben von „des- 
wegen zog der Assyrerkonig ab" an zweifellos richtig auf die 
belagerung unter Assarhaddon und Assurbanipal, welche 668 
beendet wurde, gedeutet, dass der vorausgehende abschnitt 
(„es fiel aber ab von den Tyriern'' etc.) auf die ereignisse vom 
jähre 701, die Vertreibung Luli's durch Sanherib geht, hat man 
bereits früher gesehen und darum das ganze auf 701 beziehen 
wollen, indem man einen irrtum von Josephus oder einer seiner 
quellen annahm. 

Weiter schlägt Landau vor, den satz d-e^eviov avTii) llvag 
ovofia an der angegebenen stelle einzuschieben, da er offen- 
bar an seiner jetzigen stelle ohne sinn ist, und es sich um 
Pulu — den andern namen Tiglat-Pilesers handelt, es bliebe 
sonst nur übrig, einen ausfall mehrerer worte hinter Elulaios 
anzunehmen, auf jeden fall dürfte richtig sein, dass in irgend 
welchem zusammenhange auch von Pulu = Tiglat-Pileser die 
rede war. 

Dann ist klar, dass hier sämtliche Unternehmungen der 
Assyrer von Tiglat-Pileser bis auf Assurbanipal erzählt werden, 
dass Salmanassar IV. nicht zeit gehabt hat, um eine mehr- 
jährige Unternehmung gegen Tyrus auszuführen, ist bei Landau 
richtig nachgewiesen, wie andererseits eine Unternehmung Tiglat- 
Pilesers in den letzten jähren bei diesem erwähnt wird (gegen 
Mltlnä, den Vorgänger Lulis). wenn wir nun die angaben der 



*) Der griechische text scheint nicht in Ordnung zu sein. 



- 6? -- 

beiden neuen Inschriften 83 — 1 — 18, 215, wonach T^iglat-Pileser 
eine phönicische provinz eingerichtet und diese seinem söhne 
Salmanassar übergeben hat, und die andere auf der rückseite von 
K 3500, wo von dem von Salmanassar Tyrus auferlegten tri- 
bute die rede ist, vergleichen, so werden wir hier des rätseis 
lösung haben, es ist in der tat Salmanassar gewesen, der als 
Statthalter der phönicischen provinz, vermutlich in einer aus- 
nahmestellung, denn darauf lässtTiglat-Pilesers aussage schliessen, 
also als eine art vicekönig,^) in den letzten jähren Tiglat-Pilesers 
die angelegenheiten im westen leitete, und den vertrag mit 
Tyrus schloss, wonach dieses sich zu einer tributzahlung ver- 
pflichtete, wenn daneben Tiglat-Pileser noch von einer Sen- 
dung des rabSak berichtet, so handelt es sich hier eben um 
einen feldzug, den dieser general ausführte, der leiter der west- 
lichen angelegenheiten war Salmanassar, und da bald darauf 
Tiglat-Pileser starb, so hatte man tatsächlich seit Salmanassars 
einsetzung mehr mit diesem als mit Tiglat-Pileser selbst zu 
rechnen gehabt, der thronwechsel bedeutete also für den westen 
keinen herrschaftswechsel. 

Noch eine richtigstellung der Menanderschen angaben ist 
jetzt vielleicht möglich und alsdann eine noch weitere fest- 
legung der ereignisse. er lässt Elulaios 36 jähre regieren, das 
ist aber zweifellos falsch, denn wir wissen jetzt, dass er 701 
auf Cypern, wohin er geflohen war, starb, und dass 729 der 
ziig des rabSak noch gegen Mitlnä gerichtet war. wir werden 
demnach 26 jähre zu lesen haben, sodass Elulaios 727, im 
todesjahre Tiglat-Pilesers zur regierung gekommen und abge- 
fallen wäre, solche versuche, sich anabhängig zu machen, 
pflegen in die regierung neuer herrscher zu fallen, dann 
wären massregeln Salmanassars gegen ihn tatsächlich in der 
zeit des regierungswechsels, also auch schon unter Salmanas- 
sars alleiniger regierung anzunehmen, das würde also 727 statt- 
gefunden haben, denn für das jähr 726 berichtet der assyrische 



*) es ist hiermit vielleicht auch zasammenzubringeii; dass Tiglat-Pileser 

die zwei letzten jähre (729 — 28) als könig von Babylon in Babylon war; 

und möglicherweise dort Salmanassar in ähnlicher weise zum könig hat 

krönen lassen^ wie das Assarhaddon 668 mit Assurbanipal tun musste 

(F. 8. 415 ff.). 

5* 



-- Ö8 - 

kanon keinen feldzug.^) auf die ereignisse von 727 ff. bezieht 
sich hiemach in Menanders bericht der satz von „unter ihm 
überzog" bis ,^eschlossen hatte". 

Die nächste nachricht über Tyrus erhalten wir durch Sar- 
gons kurze angäbe, „welcher ruhe verschaffte Kul und Tyrus", 
an deren aufklärung ich mich schon verschiedene male ver- 
sucht habe.') es ist woi soviel sicher, dass es sich dabei um 
eine Zurückweisung anderweitiger angriffe von einem unter 
assyrischen schütze stehenden gebiete handelt, ich habe aus 
dem Zusammenhang der betreffenden angäbe gefolgert, dasd es 
sich vermutlich um angriffe von Griechen auf tyrische besitzungen 
gehandelt habe.^) von bedeutung kann das ereignis kaum ge- 
wesen sein, denn Sargon erwähnt es in seinen übrigen In- 
schriften nicht mehr, man würde hieraus aber dann zu fol- 
gern haben, dass Luli während Sargons regierung einen bruch 
mit Assyrien vermied, und, von anderer seite bedrängt auch 
alle Ursache dazu hatte. 

Der neue regierungswechsel, der zu dem allgemeinen auf- 
stand des Westens und Sanheribs zuge von 701 führte, hatte 
dann auch ihm neue hoffnung gemacht, war doch Sargon, dem 
bisher nichts widerstanden hatte, im kämpfe gefallen.^) der 
erfolg dieses aufstandes ist bekannt: Lull musste nach Cypern 
fliehen, er verlor sein gesamtes festländisches gebiet, mit aus- 
nähme der inselstadt Tyrus, und das vereinigte reich Tyrus- 
Sidon wurde getrennt: in dem von Sanherib besetzten gebiete 
mit der hauptstadt Sidon wurde Ithobal (TubaUu) eingesetzt, 
während Tyrus Lull verblieb, damit waren die alten noben- 
buhler, welche vorher eine zeit lang vereinigt gewesen waren, 
wieder selbständig neben einander gestellt, und das entstehen 
eines für Assyrien gefährlichen, phönicischen grossstaates ver- 
hindert. 



^) zum mindesteD Elulaios' abfall muss 727 stattgefunden baben, 
eine gegenunternehmung Salmanassars (in Verbindung damit die be- 
lagerung von Saniaria 724—21 ?) kann von 725 an ins werk gesetzt wor- 
den sein. 

*) die an^be nur Cyl. 21. -^ zur deutung s. Sargon I, s. XXV, 

anm. 5. s. auch jetzt den aafsatz über „Oilicien and Pbrygien" unten. 
•) F. 8. 364. 
*) F. 8. 413. 



— 69 — 

In Sidon folgte auf Sanheribs Schützling Ithobal Abd- 
milkot, der unter Assarhaddon sich empörte, worauf Sidon zer- 
stört und sein gebiet assyrische provinz wurde.^) 

Luli starb nach Sanheribs angäbe bald nach seiner flucht 
auf Cypern. das nicht eroberte Tyrus behauptete sich, worüber 
Sanherib natürlich schweigt, und ebenso verblieben ihm selbst- 
verständlich die cyprischen besitzungen (Kition), der nächste 
könig von Tyrus, der genannt wird, ist Ba'al, den wir im kämpfe- 
mit Assarhaddon finden. Ob er der unmittelbare oder zweite 
na^hfolger Lulis war, muss dahingestellt bleiben, dagegen ist 
die poIitik, die ihn zum kämpfe mit Assyrien trieb, klar, auf 
Cypern, welches ja jetzt den wertvollsten teil der tyrischen be- 
sitzungen bildete, hatten die griechischen Staaten anscbluss bei 
Assyrien gesucht und gefunden, und bedrohten Tyrus natur- 
gemäss hier, auf dem festlande verhinderte die eifersucht ein 
zusammengehen mit Sidon, sodass Assyriens politik hier den 
gevmnschten erfolg hatte und beide Staaten getrennt vorgingen 
und demgemäss unterlagen. 

So blieb für Tyrus nur Ägypten, und als dieses unter 
Taharka wieder gegen Assyrien vorging, schloss Ba*al sich ihm 
sofort an. es kam zum kriege mit Ägypten wol schon unter 
Sanherib, worüber wir aber nur die bekannten angaben der 
Bibel und Herodots haben. 2) über den verlauf dieses krieges 
ist nichts näheres bekannt nach der Bibel und Herodot ist er 
gänzlich unglücklich für Sanherib gewesen. Assarhaddon ging 
dann aufs neue gegen Ägypten vor, besetzte es auf einem 
ersten zuge in seinem sechsten jähre, worauf ein aufstand aus- 
brach, der zu einer niedermetzlung der assyrischen besatzung 
im folgenden jähre führte, im zehnten jähre erfolgte die neue 
eroberung Ägyptens, wobei Tyrus zu lande eingeschlossen wird.®) 
wir haben Assarhaddons bericht hierüber, und beziehen den 
einen teil der erzählung Menanders hierauf, als Taharka aus 
Ägypten vertrieben ist, muss Ba'al die hoflfnung aufgeben, sich 



') F. 8. 440. 

') Alttest. Unters, s. 36 ff. 

') vielleicht schon etwas früher, die worte Assarhaddons machen 
ganz diesen eindruck. und die „fünt jähre" Menanders führen auf 673 
für den beginn der belagerung (ende 668). 



- 70 — 

zu behaupten, er unterwirft sich infolgedessen, da er aber sein 
ganzes gebiet auf dem festlande, das somit assyrische provinz 
wird, aufgeben muss, so schliesst er sich, als Taharka zurück- 
kommt, diesem wieder an, um nach dessen abermaliger Ver- 
treibung sich aufs neue dem mittlerweile zur regierung ge- 
kommenen Assurbanipal zu unterwerfen i). es bleibt ihm also 
nur die inselstadt Tyrus. die cyprischen besitzungen sind 
bereits seit Assarhaddon verloren gegangen. Tyrus selbst hat, 
glücklicher als Sidon, stets seine Selbstständigkeit behauptet, die 
assyrische provinz Tyrus umfasst nur sein ehemaliges gebiet 
auf dem festlande. 



«) 8. hierüber F. s. 524-26. 



Sam'al unter Sargon. 



Die älteste erwähnung Sam'als als assyrische provinz liegt 
uns in dem Sargonbruchstück K 1672 (Winckler, Sargon I, s. 
45) vor, eine stelle, die weder ich noch sonst jemand bis jetzt 
beachtet hat. bisher hatte ich nur einen Statthalter von Sam*al im 
jähre 681 als eponym bemerkt (F. s. 22). das bruchstück lautet: 

1 

2 s]a mätu Ta-b[al? 

3 amilju su-par-saki-ia 

4 mahä]zu Sa-am-al-la 

5 (mfez) H]a-am-ma-tu (mhz) Di-mas-ku 

6 a-]di (imiru) bat-hal-li-ia 

7 i-na ki-rib (mätu) Ha-ma-at-ti 

8 us-zi-z[u . . . 

9 al (?) gub sa 

10 ? ? 

1 

2 vom land Ta-bal (?) 

3 meine beamten 

4. [die Statthalter von] Sam'al 

5 Hamatb, Damaskus^ 

6 samt meiner reiterei 

7 im gebiete von Hamath 

8 aufgestellt hatte(n ?) . . . 

9 ? 

10 

Es ist offenbar die rede davon, dass die betreffenden Statt- 
halter zu einem feldzuge aufgeboten werden, in z. 5 würde 
man zur ergänzung zunächst an Simirra denken, z. 6: „[ihre 
truppen?] samt meiner reiterei. 7 [und ] im ge- 
biete von Hamath. 8. [versammelte ich]'' kann man sich un- 



- 12 — 

gefähr als Zusammenhang denken, gegen wen der zug gerichtet 
war, ist zweifelhaft in z. 2 ist von dem landesnamen Ta- er- 
halten und dahinter der beginn eines Zeichens, das bal gewesen 
sein kann, aber gegen Tabal wäre doch schwerlich ein beer 
in Hamath versammelt worden, zunächst würde ich an die 
einziehung von Gurgum denken, als Muttalu seinen vater Tar- 
hulara entthront hatte, und er nach eroberung von Markasi 
(Mar^aS) mit seiner familie (Bit-Pa*alla) gefangen und Gurgum 
zur provinz gemacht wurde. (Pr. 83—89. A. 209 ff.) dazu 
würde stimmen, dass es Pr. 15 heisst: „in meinem zorn zog 
ich mit meinem leibstreitwagen und meiner reiterei, welche 
stets um mich herum sind (die garde) eilends nach Markasi.^^ 
hiermit würde nämlich die betonung der reiterei in z. 6 unseres 
bruchstückes gut zusapimenpassen. Sargon zog nicht mit dem 
beere, sondern nur mit der reiterei aus und bediente sich nur 
der truppen der benachbarten prorinzen. für sein unternehmen 
gegen Mar^a§ lässt sich Hamath als ausgangspunkt denken — 
nicht die Stadt, sondern die landschaft, die sich ziemlich weit 
nach norden^) erstreckte! es könnte freilich immer noch zu 
weit südlich gelegen erscheinen, aber ein gleiches verfahren der 
angriffe mit der reiterei (und nur geringen truppen) erwähnt 
Sargon ausser gegen Muttallu nur gegen Asdod, und für diesen 
zug ist uns der bericht der prismen vollständig erhalten, sodass 
wir unser stück nicht hineinschieben können. 

Mehr liegt uns, solange wir nicht grössere stücke haben, 
wol an der erwähnung von Sam'al als sitz eines assy- 
rischen Statthalters, ich habe bereits früher vermutet (F. s. 
16/17), dass wir in dem Jaudi, dessen Unterwerfung Sargon 
in seiner Nimrudinschrift erwähnt, das •^n«*^ des'Amk zu sehen 
haben, und ich glaube wir dürfen jetzt von allen bedenken 
absehen^) und annehmen, dass diese Vermutung richtig ist, 
dass es also Sargon war, der nach einziehung von Jaudi und 



man beachte was Tiglat-Pileser unter denjlS Städten aufzählt, 
die zu Hamath abgefallen waren, und die dazu wol hier mit als ,4and 
Hamath" gelten können (zum teil das gebiet des *Aml:). 

*) auch die a. a. o. geäusserten bedenken dagegen, dass Sam'al wirk- 
lich der Stadtname von Sendschirli war, glaube ich jetzt aufgeben zu 
können. 



-- 73 — 

Sam^al die assyrische provinz Sam'al einrichtete, wir haben 
danach für die regierungszeit des letzten königs von Sam'al: 
732 bis kurz nach 722. 

Die Verhältnisse, die wir bis jetzt feststellen können, wären 
also: Fanammü der ältere ist fürst von Jaudi; seine familie 
wird durch Azrija^u^) bedrängt, der 738 von Tiglat-Pileser ent- 
thront wird, der grösste teil von Jaudi wird assyrische provinz 
(EuUani). unabhängig bleibt S^m^al, das Panammu der jüngere 
erhält, mit Gerdschin, das vielleicht zu Jaudi gerechnet wurde 
(F. s. 18), wenn nicht Sam'al damals überhaupt als unterteil 
von Jaudi galt. 732 stirbt Panammu vor Damaskus, sein söhn 
Bar-rekab wird könig von Sam^al. er beteiligt sich wol an 
dem aufstände von Hamath 720, und auch Sam^al wird 
damit provinz. 2) 



') C. Niebuhr. vgl. F. s. 307, anm. 1. 

^) über die verbrannte statae, welche vermutlich von Sargon bei 
der gründung der provinz errichtet wurde, s. F. I^ s. 22 f. 



Zur geschichte des alten Arabien.^) 



IL Saracenen. 

Saigon Annalen 162—164: (medische gaue) „ferne gebiete, 
welche an der grenze des östlichen Aribi gelegen sind, und 
das land Nagira, [gehörig zu, od. an der grenze] der gefähr- 
lichen Mandai, welche das joch Assurs abgeworfen hatten und 
in gebirge und steppe lagerten wie ^arraku (sar-ra-ki§). 

Sargon Ann. XIV 11/12. „Jamani von Asdod fürchtete 
meine waffen. seine frau, söhne, töchter verliess er, nach der 
grenze von Mugri, welches an Miluhha stösst, floh er, wie §ar- 
raku wohnte er." 

Der Zusammenhang beider stellen zeigt, dass es sich um 
ein wohnen in der wüste oder einsamkeit handelt, denn das 
gebiet, nach welchem Jamani flieht, ist das nordarabische 
Mugri, die gegend von der grenze Judas bis zum Hedschäz. 
§arraki§ kann nun bedeuten: (er wohnte dort) wie ein §arraku 
oder: in einem §arraku, also muss der sinn ungefähr sein 
wie ein wüstenbewohner oder: in der wüste, auf die 
heranziehung von §rk stehlen^) müssen wir verzichten, „wie 
ein dieb" kann hier der sinn nicht sein, wenn nun §arraku, 
wie zunächst wahrscheinlich ist, den wüstenbewohner und 
nicht die wüste bedeutet, so muss der stamm §rk „einsam, 
öde sein" heissen. 



') vgl. F. 8. 463. 

') Delitzsch HW. dagegen liegt sarraku dieb vor in dem texte F. 
s. 256 (StroDg Journ. Boy. As. See. 1892) II, 1 : Ina sad musi kima sar- 
ra-ki-is im dunkel der nacht wie diebe. 



— 75 — 

Dieser stamm ist auch anderweitig belegt, und wenn man 
in der Bibelerkiärung statt rabbinistisch zu etymologisiren ein 
wenig gewicht auf sinn und geschmack gelegt hätte, hätte man 
ihn längst feststellen können, denn das hebräische hat deutlich 
ein npit:, welches „einöde" bedeutet es ist das bekannte wort, 
welches stereotyp in der redewendung np^ttjbn n^db "ins wieder- 
kehrt, die bedeutet „zur wüste und einöde" machen, und 
nicht, wie es dem exegetengeschmack möglich erschienen ist, 
„zur wüste und zum pfeifen", wenn man besonders die stellen 
heranzieht, wo noch ein weiteres wort dazu tritt, so wird das 
vollends klar, abgesehen davon, dass eine ausdrucksweise, wie 
sie die erklärer den propheten zugetraut haben, bei menschen, 
welche überhaupt sich ausdrücken können, unzulässig ist. man 
vergl. z. b. Jer. 25, 18: „sie zu machen zur wüste (nn^n assyr. 
huribtu), Verödung (nTs-d), einöde (npnu:) und verwünschtem land 
(nbbp)". ebenso Jer. 29, 18, welches lediglich eine andere les- 
art des vorigen verses ist: „und ich werde sie machen 

zur ruine (rts^nr) zum fluche (j-ibN var. statt 

nbbp) und zur Verödung (Tiu'd) und zur wüste (1. nn'nn 
statt siBin nach dem vorigen)." hier sind die vier letzten werte 
ausführung von ns^iT „das erschüttern, der Umsturz", und dem- 
gemäss heisst es 2. Chron. 29, 8: machen zu ruine (tiyiT), zu 
Verödung (n?3tD) und einöde (np^d). die übrigen stellen be- 
stätigen das. dieser ausdruck ist beliebt und berühmt gewor- 
den durch einen auspruch, der offenbar auf Jeremia zurück- 
geht, da er sich bei diesem oft findet, und da die verschiedene 
Wiederholung in seinen aussprüchen in verschiedener lesart 
nichts anderes ist, als der beweis dafür, dass man diesen be- 
rühmt gewordenen ausspruch bei der Sammlung von Jeremia- 
reden in verschiedenem Zusammenhang vorfand, und demgemäss 
buchte.^) dieser ausspruch hat aber in seiner ursprünglichen 
gestalt einen Wortlaut gehabt, der uns ebenfalls noch erhalten 
ist, und der erklärt, wie man zur falschen deutung gekommen 
ist. Jer. 25, 8: „ich werde machen die stadt zur nwiö und 
rrp'i'ä^ jeder der dabei vorbeigeht, wird sich entsetzen (ü'ä'^) und 

1) zum gedankengang und der parallele der altarabischen dichtung 
ist das in meinem aufsatze über Musri Meluhha-Ma in s. 34 ausgeführte zu 
vergleichen. 



— 76 — 

den Schreckensschrei ausstossen (p^d*^)." es handelt sich hier 
um Wortspiele zwischen p^ti wundem und Dti"^ sich entsetzen, 
zwischen npiTi: einöde und p^-d"^ „zischen, schrecken" als laut 
des entsetzens. der ausdruck ist von Jeremia geprägt worden 
und hat durch das dem semitischen geschmack so zusagende 
Wortspiel seine berühmtheit erlangt.^) 

Das assyrische wort Sarräku ist doch offenbar eine bildung 
fa"äl, seine bedeutung, die wir vorläufig noch dahin gestellt 
sein Hessen, ist also aller Wahrscheinlichkeit nach : der wüsten- 
bewohner, nicht die wüste, wofür wir, entsprechend dem he- 
bräischen, etwa ein Surikat (Suriktu vgl. huribtu) o. ä. erwarten 
würden, damit gewinnt es für uns ein neues interesse, denn 
wir haben nun endlich die erklärung der so lange rätsel- 
haft gebliebenen namens der Saracenen, es sind die wüsten- 
bewohner. 



III. Zar Inschrift von Teima. 

Dass in der Teimastele (CIAr. 113) sich zwei verwaltungs- 
technische Worte aus dem babylonisch-assyrischen erklären, habe 
ich bereits früher bemerkt (F. s. 183). ein weiteres ist die 



') ich glaube ein weiteres wort für ,, Verödung, Verwüstung^' liegt vor 
1. Kon. 9, 8 in pb^: ,,die8er tempel soll dann IT^by werden, jeder der 
daran vorübergeht, wird sich entsetzen und den schreckensruf ausstossen/' 
dass in ^l'^bs^ ein wort für „ruine" o. ä. steckt, sieht man sofort, und bat 
man auch angenommen, indem man b'^'^3^ dafür lesen wollte, die Über- 
lieferung wird aber gesichert durch Hiob 27, 23: „er wird darüber zu- 
sammenschlagen seine bände und den schreckensruf ausstossen (p^^) über 
I72lp7372 l'^bs^. hier ist das erste ^2 zu 1'*b3^ zu ziehen, und wir erhalten 
dann dasselbe wort wie 1 Kön. 9, 8 — ob es nun p'^br oder &1'^b3'* heisst 
— mit der bedeutung „Verwüstung'', sodass der sinn ist: „wird den schreckens- 
ruf ausstossen über die Verwüstung seiner statte." ich vermute, der 
stanun ist &b3^ und wir erhalten dadurch die erklärung von Nah. 3, ] 1 : auch 
du wirst zu gründe gehen und wirst verwüstet (tlTdbs^S) sein." denn 
„du wirst trunken, wirst umnachtet werden" bringt nur ein Bibelexeget 
vom alten schlag fertig. 



- 7? - 

bezeichnung für die stele selbst: «mo d. i. assyr. asumitu^), 
das wort für solche stelen und inschriften. dass Arabien in 
der zeit, aus welcher diese inschrift rührt, vollkommen unter 
babylonisch-assyrischem einflusse gestanden hat, würde uns 
nun die stele duich das blosse aussehen, wie durch den Wort- 
laut ihrer inschrift, wie durch den namen ihres Urhebers Salm- 
uSlzib beweisen, wir können es aber jetzt auch historisch 
deutlich genug erkennen.^) die bereits a. a. o. angezweifelte 
deutung des namens ^0:23 als Pet-Osir ist natürlich jetzt sicher 
aufzugeben, man hat sich dabei, wie bemqrkt, durch die ara- 
mäischen inschriften Ägyptens und durch phönicische namen 
späterer zeit leiten lassen, wenn man aber in Norarabien seit 
dem 7. Jahrhundert aramäisch schrieb, so konnte man die Schrei- 
ber oder die nötige bildung nur von dort beziehen, wo sie zu 
hause waren: aus Assyrien und Babylonien, und wo uns neben 
assyrischen Schreibern (für die offiziellen Schriftstücke) auch 
die aramäischen (für den geschäftlichen verkehr) bezeugt 
werden^), von da, wo man sie am nächsten hatte, und wohin 
man den regsten verkehr unterhielt. 

Zu den politischen beziehungen zwischen Aribi und Assy- 
rien seit Tiglar-Pileser III. s. den aufsatz über Mugri in den 
Mitteil, der VAG. 1898. s. 16. Aribi ist Assyrien tributpflichtig! 
(vgl. F. s. 465.) 



17. Die könige von Characene. 

Die liste der könige der Characene (Mesene) ist von Wad- 
dington (Revue de numismatique 1866 p. 303 — 333) und Long- 
pörier (b. 1874 — 77 p. 136—143) folgendermassen hergestellt 
worden : 



*) von Delitzsch H W wunderlicherweise unter as&mu (&Dn) verzeichnet, 
mit NmO vergleichen Hoffmann und Barth (im American Joarnal of 
Sem. Lang. XIII p. 283 anm.) arab. juwwat grabmal. 

') 8. über Aribi und Assur den aufsatz über Musri-Meluh^a-Ma in 
Mitt. VAG. 1898 1, a. 25, 27. 

') Knudtzon; Gebete an den Sonnengott; 109, 9. 



- t8 ^ 

1. Hyspaoaines. bezeugt durch münzen 124 v.Chr. Lucian Makrob 16: 
regierte 85 jähre. 

2. Apodakus. 109 v. Ohr. 

3. unbekannt. 

4. Tiraios. Lucian Makrob 16: „dritter nach Hyspaosines. regiert 92 
jähre." münze: 51 oder 48. 

5. Attambelos I. bezeugt durch münzen 20 v. Chr. — 5 n. Chr. 

6. Abinerglus 9 n. Chr. 

7. Adinnerglus. 21 n. Chr. 
8 

9. Attambehis II. 51—60 n. Chr. 
10 

11. Artabazos. Lucian, Makrab. 16: „siebenter nach Tiraios, regiert 86 
jähre und wird von den Parthern abgesetzt." 

12. Attambelus IIL 100 n. Chr. 

13. Theonneses. 109—111. 

14. Attambelus IV. erwähnt bei Dio Cassius (68, 28) im jähre 116. 

15. Theonneses wieder könig? 119 oder 122. 

16. Attambelus V. zeit ungewiss (münze). 

17. Obodas. lücke? bezeugt 146—166. 

Für 12 — 13 rauss aügenotnmen werden, dass Theonneses 
wieder könig wurde, wenn die erwähnung von Attambelus bei 
Dio Cassius richtig ist. ich glaube jedoch, dass in 12 — 15 es 
sich um eine person handelt, welche nur einen gräcisirten 
namen neben einem semitischen führte, sodass die reihe dieser 
langlebigen könige, welche Pseudolucian drei beiden für seine 
Makrobioi lieferte, um drei nummern verringert werden kann, 
soweit ich zu beurteilen vermag, zeigt die münze bei Wad- 
dington (pl. XII, 14), welche Attambelus III. darstellen soll, 
auch den köpf desselben mannes, wie die beiden von Theon- 
neses (ib. 15. 16). es liegen nur verschiedene Stempel vor, wie 
wir denn doch auch wol annehmen müssen, dass die doppelte 
namenführung bei diesem tönig politische Ursachen hatte.^) 

Wenn die angäbe Pseudolucians über 11 richtig ist, so ist 
es klar, dass ebenfalls in den vorhergehenden nummern strei- 



*) Der gräcisirte name spricht für grössere abhängigkeit von den 
Parthern? dafür würde auch der typus der beiden Theonneses-münzen 
sprechen, die griechischen habitus zeigen, während die Attambelusmünze 
barbarisch, mit babylonischer haar- und barttracht ist, also für Unab- 
hängigkeit der f ürsten des altbabylonischen gcbietes mit dem babylonischen 
namen spricht. 



chungen vorzunehmen sind, eine niimmer kann aber meines 
erachtens von vornherein ausgeschaltet werden, denn wennLueian 
sagt, dass Artabazos der „siebente nach Tiraios" gewesen sei, 
so zählt er natürlich Tiraios mit, wenngleich der ausdruck da- 
gegen zu sprechen scheint.^) wenn man aber eine königsreihe 
August I — VII hat, so würde man wol auch sagen: August VII. 
war der siebente nach August I. also ist die von Waddington 
angenommene lücke 8 oder 10 zu streichen, ob der name Ar- 
tabazos dann in ähnlicher weise wie Theonneses zu beurteilen 
ist, bleibt dahingestellt, wenn man aber an Lucians angäbe 
festhalten will, so wird nichts übrig bleiben, als diesen par- 
thischen namen mit no. 9 Attambelus II. gleichzusetzen, da- 
gegen würde freilich Lucians angäbe, dass er der siebente nach 
Tiraios" war, sprechen, wenn wir aber diese identificirung zu- 
lassen und die sogleich zu besprechende Streichung von no. 3 
vornehmen, so würde sich ergeben, dass dieser Attambel II. 
= Artabazos der siebente könig der ganzen reihe, also der 
„siebente nach Hyspaosines", dem begründer der dynastie, war. 

Dass Lucian wirklich bei seiner angäbe den „könig a quo" 
mitzählte, beweist weiter die angäbe über Tiraios, denn auch 
dieser ist „der dritte nach Hyspaosines" nur in dem sinne, dass 
Hyspaosines mitgezählt wird, denn nur wenn no. 3 und die 
lediglich aus der angäbe über Artabazos erschlossenen 8 und 10 
gestrichen, und 11 =z 9 gesetzt wird, können wir mit den an- 
gaben Lucians über die dauer der regierungen von 1, 4, 11, 
die ja allein 263 jähre betragen haben sollen, auskommen. 

Danach würde die reihe nun aussehen: 

1. Hyspaosines. 

2. Apodakus. 

3. Tiraios. 

4. Attambelus L 

5. Abinerglus. 

6. Adinnerglus. 

7. Attambelus II. = Artabazos. 



*) übrigeDS durchaus nicht unbedingt: o^ct' .... tqitos (iß^ofzog) 

ßnatkivaag: der nach als dritter (siebenter) könig wurde, vgl. 

auch unten die Aeschylustelle aus den Persern : Cyrus der dritte untwiov 
(^Kyaxares). 



— 80 — 

8. Attambelus III. = Theonneses. 

9. Attambelus (IV. ? bei WaddiDgton V.). 
10. Obodas. 

Die namen sind, mit ausnähme des noch nicht durchsich- 
tigen Tiraios, gut semitisch, und zwar, wie die herausgeber des 
CIAram (zu no. 72) richtig betonen, und wie man jetzt nach 
bekanntwerden der inschrift von Hadad-nädin-ah sofort sieht, 
noch babylonischer bildung: das Bei in Attambelos, namen 
wie Abinerglus = Abi-Nergal, Adinnerglus = (N ?)ädin-Nergal, 
bedürfen keiner erörterung, und dass in Apodakus ein ah 
„bruder" steckt, beweist eben der name von Hadad-nädin-ah. 
in Hyspaosines (Spaosines, Spasinos) vermuten die heraus- 
geber des CIAr zweifellos richtig als zweiten bestandteil Sin}) 

Der vater von Hyspaosines wird bei Plinius (Hist. nat. VI 
138) als Saggonnadocus oder Sagdodonacus gegeben, dass wir 
es hier mit einem namen zu tun haben, der aus einem gottes- 
namen -^nädin -\- ah zusammengesetzt war,braucht jetzt kaum noch 
ausgesprochen zu werden, nur das bleibt fraglich, welcher der 
betreffende gottesname gewesen sein könnte, der doch offen- 
bar verderbt vorliegt, an üagon kann man nicht gut denken, 
in betracht käme nur ein alter babylonischer, oder ein aramäisch- 
arabischer name;2) war es etwa Hadad, und ist dieser X-nädin- 

ah eben der nN-nrmn-^dofdVadtyaxi/s'? welcher in Telloh 
(CIAr. 72) gebaut hat? 



') Vogu^ setzt ihn gleich dem palmryen Ischen "pSOit: auch in Pal- 
myra ist ja babylonischer einfluss noch deutlich in spräche und namen 
erkennbar, ist Attambel ^ :n\-!"'N (Nabat. Madaba). CIAr 196, 3? 

') Die herausgeber des CIAr sind sich über die oatur dieser namen 
vollkommen im klaren, die inschrift von Telloh ist seit 1886 bekannt, 
der betreffende bogen des CI ist im marz 1888 gedruckt, wenn daher 
V. Gutschmidt „Geschichte Irans" s. 42 anm. 1. die namen der altern 
arabischen könige" als „nicht arabisch sondern indogermanisch" (I) ansiebt, 
so hat Nöldeke, als er den druck überwachte, diesen verzeihlichen lapsus 
wol nur aus scheu, an dem eigentum des verstorbenen etwas zu ändern, 
stehen lassen. 



Die Polyandrie') bei den Minäern. 



Halevy 504. 

N:m 72-m bx^a'^n'^ "»rnn Tin-^-dn b^nn^^L^i b^n-id-'T bN?2nn"' 
72-ni ±npi ^nrr «bc r'-nc 7:n 72^« :":7:ibnN iz-riN-^i ^^ditiz :n 2. 

in-n rpt n:52 ""rn Tsni: ^.n^m "rn?: hz- p^n-in -rnri n'-Dri 
72"CNboi ::c"':pNi 7:iL'ii'2:Nn 72C3iN55 brfi 2r72 nbisb^ :-72i briN 3. 
b:m rn^ b^non ■i7rcNn73 n-ii^n 72t"'NDt'i 7rii'-:r)b"^'i :n ^ci::'^::^:«^ 
:nnp 2b72 ni-'.tT' bb-« -nd 'i;N'^7: m :r -: sb-: -d'» rE'^bx 

Ji§rah-il, solin von Il-da', und seine söhne Jihram-il und 
Härim und MaMi-karib und Z>ara^-karib; ferner ll'äa\ söhn 
von Jihram-il und Ji§rah-il; ferner Öarhi-il und Sarhi-wadd, die 
beiden söhne von Jihram-il und Uarim; ferner Häni. 

2. söhn von Ma*di-karib und Z>ara'-karib, die von Dham- 
ran, die leute des Wadd von Sahir, haben geweiht dem A/tar 
von Kabdh und Wadd und Inkirah und dem A/tar von Juhrik 
den ganzen bau und die ausschmückung (?) des turmes Ta'ram, 
in der mauer von Ja/il, und es haben gestellt 

3. die von Dhamrän in den schütz der götter von Ma'in 
und Ja/il, ihre Untertanen, sich selbst, ihre habe, ihre weihung 
und ihre Inschriften vor jedem, der sie ändern 2) und wegschaffen 
könnte, zur zeit ihres herrn Wakiha-il Jati' und seines sohnes 
U-jafa' Ja§ür, königs von Ma'in und zur (zeit) seines^) herrn 
Sahir Jdläl Juhargib, königs von Kataban. 



') vgl. den vorstehenden aufsatz, s. auch Zeitschr. für Ethnologie 
1898 Janaarsitzung. 

*) man mag dieses ^^sein'' auffassen wie man will, als Schreibfehler 
statt „ihrer" (der weihenden) oder als richtig, so bleibt doch auf jeden 
fall eine berrscbaft des königs von Kataban über Ma'in bezeugt. 

Winckler, Forschungen H', gedruckt im mftrz 1S08. 6 



- 8ä - 

Bereits Hommel, Sabäische Chrestomathie ist aufgefaÜei^, 
dass die genealogie, wenn man sie im gewöhnlichen sinne auf- 
fasste, Widersprüche ergeben miisste. mir war seit 1893, wo 
ich auf Hommels ausführungen aufmerksam wurde, klar, dass 
nur die annähme von polyandrie die Schwierigkeiten lösen 
könnte, ich habe jedoch meine ansieht, die ich mündlich ge- 
legentlich mitteilte, nie zu veröffentlichen gewagt, da die mög- 
lichkeit nicht ausgeschlossen war, dass copiefehler vorlagen 
und ein berichtigter text eine der gewöhnlichen genealogien 
ergeben würde. 

Nun hat jüngst Glaser unabhängig davon (Münchener All- 
gemeine Zeitung 1897. 6. Dezember) auf grund neuer, aus Süd- 
arabien in abklatschen erhaltener Inschriften d ie Polyandrie 
bei den Sabäerrn feststellen können, und da er mir bestätigte, 
dass die lesungen Halevys im allgemeinen richtig seien,^) so 
ergiebt sich damit die richtigkeit meiner auffassung. die ab- 
stammungsfolge der genannten mitglieder der adelsfamilie von 
Dhamran ist: 



I 



Il-da 
Jisrah-ii 



Jihram-il Hftrim Ma'di-karib Dara*-karib 



Il-da Sarhi-il, Sarhi-wadd 

HÄni' 

Über die polyandrie bei den Minäern macht Strabo (713) 
raitteilungen, welche zu unserer inschrift passen: „alle haben 
einen besitz, über welchen als herr der ältere gilt, auch haben 
alle eine frau, zu der den zutritt hat, wer zuerst kommt und 
einen stab, den alle tragen, vor die tür legt, bei nacht ist sie 
beim ältesten, daher sind alle brüder aller.-) auch mit ihren 
müttern^) haben sie verkehr, für den ehebrecher ist die strafe 
der tod. ehebrecher ist aber nur der, welcher aus anderem ge- 

^) Die berichtigUDgen der eigennamen im obigen sind nach einer 
initteiluDg Glasers, der einen abklatsch besitzt, gegeben. 
') yybruder'^ daher = ebegenosse. 
'} vgl. Jisrah-il und Jihram-iL 



- ää - 

schlecht stammt.'^ hieran schliesst sich noch eine erzahlung, 
wie er eine frau angestellt habe, um stets mit einem bestimm- 
ten von einer anzahl „brüder*' ungestört verkehren zu können. 
Stoff und erzählungsweise ist echt arabisch. 

Es werden zweifellos noch mehr falle von polyandrie sich 
in den Inschriften nachweisen lassen, solange aber Olaser nicht 
die revision der Halevyschen copien nach seinen abklatschen 
gegeben hat, ist es wenig verlockend, danach zu suchen. 



Einige semitische Eigennamen. 



Ich habe stets angenommen, dass namen wie 'Ammi-el, 
Abijahu etc. zu fassen ist, sind als "^Amm ist gott", „A^) ist 
Jahu", der beweis ist jetzt gegeben, wenn Glaser aus süd- 
arabisehen inschriften nachweisen kann^), dass *Amm als gottheit 
verehrt wird, es fragt sich wie wir uns die entstehung dieses 
brauchs zu denken haben, da wir es hier doch zweifellos mit 
ursprünglichen appelativen zu tun haben, ich glaube es 
kann keinem zweifei unterliegen, dass nur ursprünglicher ahnen- 
kult die erklärung giebt. auf einer gewissen kulturstufe gilt 
bekanntlich als noch näher verwandt als der „vater'^ der bruder 
der mutter, welcher als der nächststehende und am meisten 
verehrte verwandte angesehen wird, daraus erklären sich die 
zahlreichen namen mit D3^, welche wohl noch häufiger sind als 
die mit 2N gebildeten. 

Hieraus ergiebt sich, dass namen die aus im oder q; und 
einem gottesnamen (oder 'el) zusammengesetzt sind, zu fassen sind 
als „Ab (d. h. die gottgewordene vätergeneration) ist Jahn (ist gott)" 
etc. nicht „mein vater (oheim) ist Jahu. wenn das bekannte 
1 zwischen die beiden bestandteile tritt, so kann es daher in 
solchen fällen nicht als pronomen gefasst werden, das zeigt 
uns deutlich der name n^a« Abner d. i. „Ab ist Ner", welcher 
gleichsteht mit den zahlreichen aus zwei götternamen, z. b. 
Malki-Sedek, assyr. §am§i-Ramman , aramäisch-assyrisch Bir- 
Ramman, gebildeten personennamen. Ner ist darin der name 
einer gottheit, und kann niclit etwa, wie man das wol tut, als 
ner „leuchte" erklärt werden, entsprechend ist rr»"*: Nerija = 



>) Hommely israelitische Uberiieferuog. 



— 85 ~ 

„Ner ist Jahu". das gegenstück haben wir in dem namen des 
königs von Berut in den Tel-Amamabriefen, Aramii-nira d. i. 
•n:-öy ,'Amm ist Ner". 

Einer jüngeren, also fortgesohritteneren kulturstufe gehört 
die deificining des begrififes des Schwiegervaters (vaters des gatten) 
an, wovon uns namen wie bsi^tn zeugnis ablegen, dass Ham, 
der Sohn Noahs nichts anderes ist als die heroisirung dieses 
deificirten begriffes ist selbstverständlich, sein bruder Sem ist 
uns als gottheit und heros bezeugt durch namen wie Samuel*) 
d. i. bN-i72iL' „Sem ist gott". (die erklärung von yizxi ist natür- 
lich Volksetymologie.) 

Aus der polyandrie erklärt sich der name Ahab a«nN. bei 
polyandrischer lebensweise sind alle derselben generation ange- 
hörigen mitglieder einer gens ehegenossen, sie heissen als solche 
brüder. die ältere generation ist die der väter. herrscht 
nun ehegemeinschaft zwischen vater und söhn d. h. zwischen 
angehörigen der beiden generationen, so wird dadurch der „vater" 
zum „bruder" (d. h. ehegenossen) seines sohnes oder der söhn 
zum „bruder" des vaters. als ein Überbleibsel solcher zustände 
erklärt sich asn«, d. h. „bruder (ehegenosse) des vaters", d. h. 
ein mann, der in gleichen ehe Verhältnissen lebt, wie sie uns 
in der minäischen inschrift Halevy 504 von Ji§rah-el und sei- 
nem söhne Jihram-el bezeugt sind.*) der name ist nicht etwa 
als Ahi-ab d. i. „mein bruder ist (mein) vater" oder „der bruder 
ist vater" (wie Malki-gedek d. i. Melek ist (der gott) Sedek) zu 
fassen, sondern die bestandteile stehen in idhaphe zu einander, 
wie diemassoretischevocalisation noch richtig zum ausdruck bringt, 
man kann also hier die beiden teile nicht etwa als die deifi- 
cirten begriffe n« und :}« fassen, wie in den erwähnten namen, 
wo a«, Dy, Dn mit gottesnamen zusammengesetzt sind, das be- 
weist zum überfluss mit völliger Sicherheit das assyrische gegen- 
stück zu diesem namen. eine tochter Sargons führt den namen 
Ahat-abi-§a „Schwester d. i. ehegenossin ihres vaters". das ist 
das weibliche gegenstück zu a«n« und das suffix lässt hier 



') Gesch. Isr. 8. 130, anm. 3. 

^\ 8. hierzu „Die polyandrie bei den Minäern". 

') 8. aber diese F. s. 365, anm. 3. (E. 181. IV. R. 54, 3.) s. 56. 



•— 86 — 

keinen zweifei über die deutung zu. selbstverständlich beweist 
dieser name für die Urzustände der assyrischen stamme das- 
selbe was A^-ab für die der hebräischen erweist: das bestehen 
polyandrischer lebensweise. 



Lot. 



Abraham — d. h. eine figur der orientalischen sage, deren 
rolle neben anderen dem numen von Hebron aufgepfropft ist 
— und Lot sind die Dioskuren: Kastor und Polydeukes^). 
von diesen ist Polydeukes ein söhn von Zeus, während Kastor 
menschlicher abstammung (Tyndareus) ist. Lot wird von Abra- 
ham aus der gefangenschaft gerettet, Kastor von Pollux aus 
der unterweit befreit, von vornherein wird man daher an- 
nehmen, dass Abraham Polydeukes, Lot Kastor entspricht, da- 
mit stimmt überein, dass beide eine Schwester haben, welche 
ebenfalls tochter von Zeus ist, also Polydeukes nälier steht: 
Helena, die irau, welche im hebräischen mythus beiden nahe- 
steht, ist ebenfalls eine Schwester Abrahams, denn Sara ist ja 
bekann thch ursprünglich seine Schwester (Gen. 20, 12). be- 
achtenswert ist dabei, dass Lot ursprüglich keine frau hat, denn 
es wird keine genannt, die eine rolle gespielt hätte: Gen. 12, 5: 
„da nahm Abraham sein weib Sara und Lot, seines bruders 
söhn, und alle ihre habe." Lot ist hier deutlich ohne frau ge- 
dacht, und diejenige, welche später zur salzsäule erstarrt, ist 
namenlos und hat ihre rolle von der ursprünglichen mutter 
Lots entlehnt, denn sie entspricht der versteinerten Niobe, welche 
ihrerseits mit Leda, der mutter der Dioskuren identisch ist. 2) 
Lot steht also Abraham, wie Kastor Polydeukes gegenüber nicht 
gleichberechtigt da, er ist gewissermaassen in dem göttlichen 
geschlecht ein aufgenommener, wie er in die familie Abra- 
hams aufgenommen ist. nichts anderes bedeutet sein name, 
denn arabisch heisst lata im 8. stamme: einen in die familie 



^) Stucken, Astral mythen II. Lot. 
^) Stucken j s. 83 anm. s. 110. anm. 




— 88 - 

aufnehmen. Ibn Hi§äm 63/64: „'Auf ihn Lueij zog mit einer 
karawane der KureiS aus. als er nun im lande des Ghatafän 
b. Keis b. 'Ailan war, verspätete er sich einmal, sodass seine 
leute ohne ihn weiter zogen, da kam zu ihm Ta^laba b. SaM 

und behielt ihn bei sich, gab ihm eine frau^), nahm 

ihn in seine familiengemeinschaft auf (iltata-hu) und 
machte ihn zu seinem bruder.'' 

# 

Sara als Schwester Abrahams entspricht Helena, beide 
haben denn auch das bevorstehende motiv gemeinsam, denn 
beide werden den gatten geraubt und zurückgegeben (Genesis 
12 und 20. Helena von Theseus geraubt und von Paris). 

Sara ist Schwester und gattin des einen Dioskuren. dem- 
nach steht zu vermuten, dass der gatte von Helena ebenfalls 
ein Dioskur ist, dass also die brüder Menelaos und Agamem- 
non Kastor und Polydeukes sind, die Dioskurensage tritt ja 
im Peloponnes besonders hervor, und Menelaos und Helena sind 
specifisch spartanisch. 

Agamemnon und Menelaos stellen eine Verbindung zwischen 
Lakonien und Argos dar. nach der hebräischen form der sage 
zu urteilen — da Schwester und gattin dasselbe ist — ist der- 
jenige der beiden Dioskuren der hervorragende, zu welchem 
die Schwester und gattin gehört, in Sparta würde das also 
Menelaos sein. Agamemnon spielt aber im der sage diesem 
gegenüber die bedeutendere rolle, darum wird er für Argos 
dasselbe gewesen sein wie der spartanische Menelaos, also 
Polydeukes-Abraham. dass wird bestätigt dadurch, dass nach 
einer überliefenmg Klythemnestra ebenfalls eine tochter der 
Leda und Schwester der Dioskuren ist. wenn diese Über- 
lieferung sie zur tochter von Tyndareus macht, also menschlicher 
abkunft sein lässt, so ist die Ursache dafür lediglich die parallele 
zu Kastor-Polydenkes und das Vorhandensein von Helena, in 
Wirklichkeit entsprechen Agamemnon und Klythemnestra, Mene- 
laos und Helena, Abraham und Sara, bei Agamemnon findet 



') zawwaga-hu. auffällig ist, dass zawwaga ohne nennung der zur 
ehe gegebeueo frau steht, wird als selbstverständlich vorausgesetzt, dass 
das iltäta durch die ehe mit einer Schwester stattfindet? 



- 89 — 

sich daher auch das probe- oder kindesopfer-motiv^). Aga- 
memnon opfert seine tochter Iphigenie, welche durch ein opfertier 
ebenso wie Isaak ersetzt wird. 

Ruth wird von Stucken (s. 110) Taraar gleichgestellt, beide 
sind männermordend und teils Dioskurenmutter, teils -gattin 
(vgl. Leda und Lots frau). auch Klythemnestra ist mann er- 
mordend, und die parallele geht weiter, denn auch sie hat 
wie Ruth und Tamar bereits früher einen anderen gatten ge- 
habt (nach Euripides, Iphig. Aul), ist Thyestes ihr Jugendgemahl, 
der von Agamemnon getötet worden ist. Thyestes und Atreus 
weisen aber (ebenfalls als Dioskuren und ?) als söhne von Pe- 
lops und enkel von Tantalos wieder nach der Dioskuren sage 
hin.2) 



^) Stucken, s. 104 ff. 
') ib. 8. 111. 



semed. 

• 

Jes. 5, 10 „denn zehn giemed weinberg werden einen eimer 
(bath) ergeben, und ein homer samen wird geben ein epha". 
homer und epha sind trockenmasse, bath ein flüssigkeitsmass. 
der parallelisraus und der gesunde menschenverstand lehren, 
dass dann das sehr einfache Verhältnis sein muss: gemed zu 
bath wie homer zu epha, d. h. dass auch gemed einjmass, und 
zwar ein flüssigkeitsmass, verdeutscht also tonne s6in muss. 

Das ist so einfach und selbstverständlich, dass man dazu 
keiner weiteren beweise als der normalen Überlegung bedarf, 
was machen aber unsere exegeten daraus? „gemed heisst joch, 
zehn joch weinberg ist soviel, wie man mit zehn joch ochsen 
pflügen kann." das muss ein hübsches stück weinberg sein, 
zu dessen umpflügung man 10 Ochsengespanne nötig hat. es 
ist vermutlich derjenige, in dessen mitte eine festung angelegt 
wird (F. s. 350). 

Ziun überfluss können wir jetzt aber erweisen, dass gemed 
wirklich eine massbezeichnung ist. im babylonischen ist ga- 
mädu synonym von Sakälu, bedeutet bezahlen, ursprünglich 
abmessen, es verhält sich also gamädu zu Sakälu wie gemed 
zu Siklu. Bu 91—5-8, 2185. z. 10—12: I Uttu (LED) bu-ur- 
ta-am bi-iU at-ta §u-bi-lam-ma V mana kaspi lu-uß-mi-id ma 
„wenn du mir eine kuh schickst, werde ich dir 5 minen silber 

zahlen", ib. 20: V mana kaspi-' a-sa-am-mi-dam-ma. 

41. V mana kaspi a-sa-am-mi-da-am-ma.^) 



^) Peiser macht hierzu auf die j^kappadokischen" tafeln Golenischef 
5, 9; 6, 12 etc. aufmerksam, wo Delitzsch u-za-ab liest, es ist zu 
lesen: VI ma-na u-sa-mad (mid). 



hamustu/' 



Der gebrauch der präposition n im phönicischen in der 
bedeutung „von*' statt hebräisch: 172, den ich F. s. 62 — 69 fest- 
gestellt habe, lässt sich jetzt erklären und durch entsprechen- 
de beispiele aus andern sprachen belegen, von vornherein 
ist zu vermuten, dass, wenn bi für „von" steht, die präpo- 
sition, welche hierfür gewöhnlich verwendet wird, in irgend 
welcher weise in ihrer bedeutung durch diesen Sprachgebrauch 
beeinflusst worden ist. das einfachste ist dann zu vermuten, 
dass, wenn bi „von" ist, dieses wort für „von" statt ,4^" ge- 
braucht wird, dieses zu vermutende Verhältnis liegt vor 
in assyrisch i§tu, denn dieses ist äthiopisch westa, welches 
natürlich nicht als wa§t „mitte" erklärt werden kann, wenn 
man es auch allgemein -tut. das w in westa giebt zugleich 
die erklärung der nebenform ultu, die man ja wol sogar von 
iStu hat trennen wollen.^) 

Ein weiterer fall, der ein licht auf die vertauschung der 
beiden präpositionen wirft, ist der ständige assyrische Sprach- 
gebrauch, welcher agü («:&"«) mit ina, nicht mit iStu verbindet, 
hierbei könnte ja man an erscheinungen wie französisches boire 
dans denken, aber weitere beispiele zeigen, dass es sich wirk- 

^) Ich habe dienen aufsatz ohne jede hilfsmittel für die darin be- 
rührten fragen der Zeitrechnung niederschreiben müssen, nicht einmal 
Ideler stafad mir zu geböte, es lag mir nur daran den begriff der hamustu 
festzustellen und seine bedeutung für die erklärung der babylonischen 
Zeiteinteilung in das rechte licht zu setzen, nicht aber die nachrichten 
und bisherigen anschauungen über diese zu verfolgen, alles worauf ich 
davon bezug nehme, beansprucht nichts zu sein, als allgemein bekanntes 
wissen. 

*) Delitzsch,lGramm. s. 222 (Froll. s. 132 ff. 141 aom.). ^ 



— 92 - 

lieh nicht um eine vereinzelte erscheinung handelt, und dass 
auch in diesem falle der Wechsel im gebrauch der beiden worte 
nicht ein innerassyrischer, sondern gemeinsemitisch ist. 

Gleiche erscheinungen liegen nämlich mehrere in den Tel- 
Amarnabriefen vor: 

50, 3. §a ahu-§u i-na bäbi ittasuk-§u, den sein bruder 
aus dem tore (der stadt) vertreibt. 
Umgekehrt i§tu in fällen, wo sonst assyrisch ina stehen 
würde: 

84, 11. 1.2: i§-tu kakkari .... i§-tu tamdi (assyr. ina 

tamdi u nabali). 
16, 34: i^-tu pani-ia „vor mir". 

Bu 88—5—12,212,10: i§-tii §u-mi a-bi-ia ka + TA (?) 
Sin Mar-Tu i?-zu-ru.^) 
Man wird geneigt sein, in diesen fällen einen einfluss des 
phönicischen anzunehmen, und der mag wol auch mitspielen, 
weitere erscheinungen zeigen jedoch, dass es sich dabei nicht 
um eine beschränkung dieses gebrauches auf kanaanäischen 
boden oder kanaanäisches Sprachgebiet handelt. 

Bekannt ist, dass im assyrischen die präpositionen ina 
und iStu, wenn ideographisch geschrieben, durch dasselbe 
zeichen TA ausgedrückt werden, in den zweisprachigen texten 
ist das häufig, in reinassyrischen texten der klassischen zeit 
wird jedoch TA stets nur für iStu verwendet, und oft ist sogar 
eine besondere form dafür entwickelt, für ina wird hier be- 
kanntlich stets der wagrechte keil als Ideogramm gebraucht. 

Hiemach liegt am nächsten anzunehmen, dass diese Ver- 
wendung von TA sich aus dem sumerischen erkläre, wo „von" 
und „in" durch ta ausgedrückt gewesen wäre, allein die bis 
jetzt festgestellten fälle lassen doch auch schon die Vermutung 
aufkommen, dass der semitische Sprachgebrauch hier in anschlag 
zu bringen sein könnte. 

Diese Vermutung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn wir 
beachten, dass bei Assumasirpal, dessen Schreibweise ja für 



^) „meinen vater mögen Sin und Mar-Ta sehr (= apponal) Bchütasen'^ 
Wiedergabe von b3^, b», n *n73«^ od. bK 'n:&3. dagegen 'n!^ oder "yfS^ mit 
]73 ,,8chützeQ vor"! vgl. zu der spräche dieser briefe der ersten dynastie 
von Babylon unten s. 94, anm. 



- ö^ - 

sich steht und sich von der mit seinem nachfolge! Salma-: 
nassar IL beginnenden klassisch^ assyrischen scharf abhebt, TA 
ganz gewöhnlich für in a verwendet findet, dass Assumasirpals 
Schreibweise unter sumerischem, d. h. also gekünstelt gelehr- 
tem, einflusse stände, wird niemand behaupten wollen, das ge- 
rade gegenteil ist der fall, wie aber erklären sich seine eigen- 
tümlichkeiten ? die annähme der Ungeschicklichkeiten seiner 
Schreiber ist ausgeschlossen, es handelt sich hier deutlich um 
eine besondere sprech- und Schreibweise, die durch eine be- 
stimmte schule vertreten ist. wer allmälig verstanden hat, 
wie sich das assyrische reich entwickelt hat, und was die zeit 
Assumasirpals für Assyrien bedeutet, wird sofort einsehen, 
worum es sich handelt: wir haben hier die Schreibweise der 
alten mesopotamischen schule, des „ki§§atireiches" vor uns, denn 
unter Assurnasirpal ist Mesopotamien endgiltig von Assyrien 
wiedergewonnen worden, und der Schwerpunkt des reiches liegt 
damit hier. Babylonien besteht noch für sich und gleich- 
berechtigt neben Assyrien, mit Salmanassar II. kommt dann 
Babylonien in abhängigkeit von Assyrien, und damit begegnet 
uns in Assyrien eine Schreibweise, welche sich an die baby- 
lonische schule anlehnt, die zahlreichen eigentümlichkeiten 
der Schrift und spräche, welche Assumasirpals und der früheren 
Assyrerkönige (Ramman-nirari L, Tiglat-Pileser I.) Inschriften 
zeigen, stehen also als mesopotamisch den später üblich ge- 
wordenen babylonischen gegenüber, entsprechend den beiden 
von mir angenommenen kulturkreisen, wie ich sie zum ersten 
male in meiner „Geschichte Babyloniens und Assyriens" fest- 
gestellt und seitdem durch zahlreiche beispiele weiter belegt 
habe. 

Bei Assurnasirpal findet sich also noch eine erinnerung 
an den von uns verfolgten wechselgebrauch der beiden prä- 
positionen ina und i§tu. wir müssen auch jetzt noch dahin- 
gestellt sein lassen, und wollen die fi'age, bis weiteres material 
vorliegt, überhaupt auf sich beruhen lassen, ob wir es hier mit 
einem einfluss des „kanaanäischen" zu tun haben, d. h. mit 
einer spraeherscheinung, welche sich aus der Überschwemmung 
Mesopotamiens durch die zweite von mir angenommene grosse 
semitische einwanderung, die kanaanäische (drittes Jahrtausend) 



- §4 ^ 

erklärt oder mit erklärt, diese frage kann erst entschieden 
werden, wenn weiteres material vorliegt, dass diese „kanaa- 
näische^ einwanderung auch in Babvlonien eine Zeitlang die 
Schrift und spräche beeinöusst hat zeigen jetzt die briefe der 
Hammurabidynastie, mit ihrer kanaanäischen, an die Tel-Amarna- 
briefe anklingenden ausdrucks weise. ^) 

Wichtiger ist vorläufig der weitere nachweis des gebrauchs 
von ina für „von" und i§tu für „in" in texten; und wenn 
unsere Vermutungen ihn uns dort suchen lassen, wo der meso- 
potamische Sprachgebrauch — in dem soeben entwickelten sinne 
— massgebend gewesen sein muss, so werden wir auch wirk- 
lich durch den tatbestand in diesen Vermutungen bestärkt, 
denn dieser gebrauch lässt sich in der tat in texten nach- 
weisen, welche aus gegenden herstammen, die nur unter meso- 
potamischem, also nicht unter babylonischem einflusse gestan- 
den haben, wir können ihn nämlich in den tafeln feststellen, 
welche aus Kappadocien herrühren sollen, und die zweifellos 
aus einem gebiete stammen, das nicht zum babylonisch-assy- 
rischen bereich im engeren sinne gerechnet werden kann. 



') vgl. über semed s. 90, über istu s. 92 anm. ferner ßu 11—5 — 9, 
2185, 2. 3 — 26. bl-ili at-ta i-Da-an-ni-tim ka-ak-ga-di ku-ub-bi-id ma 
i-oa bi-ri-it a-a^-hi-ia ka-a^-ga-di la i-ga-al-li-il : „o harr jetzt ehre mein 
haupt, inmitten meiner brüder sei mein haupt nicht gering geachtet.^' 
ebenso dito 354, 35: ga-ga-di-ka tu-ga-la-al ma ku(?j-ub(?)-bi-id ma. zu 
n»-%p vgl. Tel-Am. 196, 38. 39. ßu 91-5—9, 290,8—13: i-na-an-na 
Ben(TUB)-abullu dup-pa a-na bi-ili-ia ka -f TA(?) us-ta-bi-lam ki-ma 
bi-ili at*ta tu-ka-al-li-da-an-ni su-bi-lam-ma u la ki-ma it-ti-ka ka-lu-u 
lu-§a-ak-ri-ba-ak-ku „jetzt schicke ich ßen-abul an dich mit einem briefe 
(ka -{- TA(?) entspricht in diesen briefen dem appuna der Tel-Amarna- 
briefe). wenn du mir geneigt bist, dann fertige ihn ab und halte ihn 
nicht bei dir zuröck. dann werde ich dich segnen/' man beachte die un- 
assyrische construction : u la kima (?) itti-ka kalül tu-ka-al-li-da-anni 
späthebr. I^bp (cf, heb. k27p72 asyl) annehmen, aufnehmen, statt assyr. 
mag&ru. ßu 88—5—12, 207, 7.8: ilu na-sL-ir-ka ri-is-ka a-na da-mi- 
ik-tim li-ki-il. desgl. 212, 6. 7: ilu na-si-ir a-bi-ia ri-is da-mi-ik-ti a- 
bi-ia li-ki-il. ßu 9i— 5— 8, 354, 7.8: ilu na-si-ir-ka ri-i^ da-mi-ik-ti-ka 
li-ki-il. ib 13: si-am i-na ga-ti-ka ki-il. kälu ist liebr. biD- man be- 
achte das Vorhandensein eines schutzgottes der person (hausgott, teraphirn), 
die in babylonien sonst nicht erwähnt, ferner in diesen briefen die gruss- 
lormel: lü salmata lu baltata als wiedergäbe von n'^nn pTH* 



- 9^ -. 

ich nehme das beispiel für ina „von" aus äusserlichen 
Ursachen voraus, obgleich die richtigkeit der auffassung ihre 
bestätigung erst durch den nachweis von iStu „m'" erhält. 

Golenischefif Tablettes Cappadocimus 8: 

1- ina II ma-na kaspu 2. ga In- Von zwei minen geldes, welches 

iiam-Malik 3- a-na A-sir-rabi. 4- ha- fn-nam-Malik an Asur-rabi schul- 

bu-lu-ni 1/, inani &• kaspu is-du det, hat eine halbe mine geld in 

<^* ha-nriu-us-tim7.sa A-sur-bi-la-ma- der hamustu von Assur-bil-m&ti — 

tim 8- kaspu u zi-ba-ti-su 9- I-ra-da- kapital samt zin8en(genu88)— Irada-il 

ilu 10. ii-ln Ili-ba-ni n- is-kui 12. gu- gekauft. Ili-bani hat es zur aus- 

ma A-sur-rabi ^3- a-na Ili-ba-ni i-du- Zahlung gebracht (angewiesen I).wenn 

a-ar u-ba-ab-su !*• I-ra-da-ilu 16- p&n Assur-rabi gegen Ili-bani klage er- 

A-sur-malik ^7. pän Istar-la-ba hebt, wird Irada-ilu ihn decken. 

IB. pän .... zeugen: Assur-malik, I»tar-laba, 



Die sachliche erklärung des verzwickten Inhaltes ver- 
danken wir Peiser; zu gründe liegt danach folgendes geschäft: 
Assur-rabi besitzt eine hypothek o. ä. von 2 minon, die ihm 
In-nam-Malik schuldet, hiervon kauft trada-ilu einen anteil in 
höhe von V2 niine. dieser kauf wird vermittelt durch Ili-bani 
als bankier, der den betrag „auszahlt", d. h. offenbar nur an- 
weist, er hat also die hypothek jedenfalls in Verwaltung, wenn 
nun Assur-rabt, der eigentümer, einen anspruch wegen der 
halben mine an den bankier Ili-bani machen sollte, so erklärt 
trada-ilu, dass er dafür aufzukommen hat. 

Häufiger ist i§tu „in" nachweisbar, so ist es wol zu fassen. 
20, 19: i§-du za-al-ba i-ru-ba-am, wo es doch offenbar für 
assyrisches ina . . . Irub steht, am häufigsten begegnet es 
aber in den werten „i§-du ha-mu-u§-ti N. N." der sinn dieser 
öfter wiederkehrenden wendung kann durch eine vergleichung 
der einzelnen tafeln mit völliger Sicherheit festgestellt werden, 
sie findet sich in folgenden fällen: 

4, 4: i§-du ha-mu§-tim §a Bi-lä-ah-A-§ur mär Ga-di arhu 
(kam) MAT§a-ra-ni li-mu-um Uu-rabi a-na LXX ha-am- 
§a-tim i§a-kal 

6, 4: (Geld ist geliehen von N. N.) i§-du ha-mu-u§-tim §a 

A-Sur-malik u In-na-zu-in a-na X ha-mu-§a-tim i-§a-kal 

7, 6: iS-du ha-Qiu-u§-tim Sa A-§ur-bi-ll-ma-tim u A-ku(?)-za 

a-na X ^a-am-§a-tim i-§a-ka-lu 



- 96 — 

8, 5: s. oben. 

9, 7 : i§-du ha-mu-u§-tim §a Li-lu-si-im arhu (kam) ? ka-ma^ 

ar-ta li-mu-um A-ad(?)-di 

10, 5: i§-du fea-mu§-tim §a A-§ir-ma-lik mär 8u-ga-!i-a arhu 

(kam) MAT §a-ra-ni a-na arhi (kam) i-§a-kal 

11, 8: i§-du arhu (kam) zi-zu-im iSakal. 

Was das Verständnis dieser angaben bisher verhindert hat, 
ist lediglieh die auffassung von i§tu.^) jetzt, wo wir wissen, 
dass dieses „in" bedeuten kann, löst sieh jede Schwierigkeit, 
und wir sehen sofort, dass es sich stets um die Zeitangabe 
handelt, wo das geliehene geld geliehen ist, oder zurückgezahlt 
werden soll, kurz um eine datirung. in 11 heisst es also: im 
monate zi-zu-im wird er es zahlen, und in den übrigen fällen 
(6. 7. 8) in der hamuStu des N. N. und N. N. (ist das geld 
geliehen, nach zehn hamuStu soll er es zahlen), oder (4. 10) in 
der hamuStu des N. N. im monate X. im eponymat (limmu) 
von N. N. (ist das geld geliehen), im monat Y. soll er es 
zurückzahlen, oder (9): in der hamuStu des Li-lu-si-im im 
monat ? ka-ma-ar-ta, im eponymat von A(?)-ad-di, söhn von 
BÜ-ah-Assur. (sc. ist das geld geliehen), ^j^ minen 7^/3 SeJtel 
wird er nach 13 hamuStu zahlen, 2/3 niinen 7^/3 Sekel nach 
20 hamuStu. 

Hiernach fragt es sich nur noch, was hamuStu bedeutet, 
dass 'es mit „fünf' etwas zu tun haben muss, ist klar, und die 
Stellung in der datirung: hamuStu — monat — jähr, beweist, 
dass es eine Unterabteilung des monats ist. wir haben ge- 
sehen, dass die spräche und Schreibart dieser texte sich an 
die mesopotamische^) anlehnt, und so müssen wir auch an- 



*) Der „semitischen" Sprachvergleichung will ich lii^r eine be- 
merkuDg unterbreiten, die ich nicht weiter verfolgen kann: was assyr. 
iätu recht, ist hebr. JC billig, niinäisch-sabäisches 31 = arab.-hebr. 
min (vgl. F. s. 66) ist man geneigt mit der bcdeutung 3 = „von" 
in Zusammenhang zu bringen, ist es entstanden aus bi-ina, und min 
dementsprechend aus mi-ina? die grundform mi würde dann vorliegen 
in solchen fällen, wo im bebräischen mö entsteht, dieses ina (na ?) würde 
aber kaum die präposition ina (wenigstens nicht als solche) sein, sondern 
sich im äthiop. 'emna neben *em finden. 

*) wolverstanden : ich spreche hier von geschichtlicher zeit, soweit 
sie es eben bis jetzt ist. wie sich diesea sexegesimalsystem erklären 



— 97 - 

nehmen, dass ein gleiches von dieser datirungsart gilt, denn in 
den babylonischen Urkunden wird bereits im 3. Jahrtausend 
nach tag, monat, jähr (z. b. 1 Nisan des Jahres . . . .) datirt. 
Den Schlüssel zu der bedeutung von hamuStu trägt 
noch heute jedermann in der tasche: es ist unsere uhr mit 
ihrer einteilung von zwölf stunden, denn diese zwölf, wie 
so manche zwölf, die sich noch vor kurzem in europäischem 
mass- und gewichtssystem fand, oder auch noch findet, stellt 
nicht eine einteilung des tages in zwölf stunden tages- und 
ebensoviel nachtzeit dar, sie giebt vielmehr die einteilung des 
ganzen tags in zwölf doppelstunden wieder, die einteilung 
in tag und nacht mit je zwölf stunden ist, worauf noch zurück- 
zukommen sein wird, erst in zweiter linie eingeführt worden. 
Als beweis hierfür braucht nur auf die doppelstunde oder 
meile (kaspu) als einheit des wegemasses verwiesen zu werden, 
denn es ist klar, dass diese einheit bei der einheitlichkeit alles 
babylonischen masssystems auch einer zeitlichen einheit, also 
der doppelstunde, entsprechen muss. 

Die wähl dieser doppelstunde als einheit für die Zeitmessung 
erklärt sich aus den alten wolbekannten Überlieferungen über 
die babylonische berechnung der tageszeit. diese geht bekannt- 
lich aus von der bestimmung des scheinbaren sonnendurch- 
messers beim Sonnenaufgang, welcher der 360ste teil des 
himmelsgewölbe ist, und im 720sten teile des gesamttages, d. i. 
in zwei minuten durchlaufen wird, das heisst mit anderen 
Worten die einteilungseinheit ist die doppelminute, welche so- 
mit der doppelstunde des tages von 12 doppelstunden ent- 
spricht, in 24 stunden ist der (ganze) tag nie eingeteilt 
worden. 

hamuStu muss etwas mit „fünf" zu tun haben, soviel war 
klar, fünf und zwölf sind die beiden grundzahlen des sexa- 
gesimalsystems. wenn nun der tag zwölf stunden hatte, dann 
liegt die folgerung nahe, dass hamuStu die nächst höhere ein- 
wird, wenn einmal die grenze unseres geschichtlichen wissens weiter nach 
vorn gerückt ist, ist eine andere frage, es liegt natürlich sehr nahe, 
dieses System als sumerisch, das auf den mondumläufen (tag, woche, 
monat) und deren ausgleich mit dem sonnenjahr (12 monate schaltmonat) 
beruhende als semitisch anzusehen. 

Winckler, ForBchtmiren 11'. gedraokt im märz 1898. 7 



^ .98 — 

heit ist,^) d. h. die einheit von 5 X 12 = 60 doppelstunden oder 
fünf tagen, dass es also ein Zeitraum ist, welcher in der auf 
den mondumläufen beruhenden Zeiteinteilung der „siebenheit" 
oder wo che entspricht. 

Unsere texte beweisen, dass für diese „fünfheiten'' beson- 
dere eponymen bestellt waren — selbstverständlich priester — wie 
für das jähr die limu. natürlich müssen dann für jene ebenso wie 
für diese besondere listen geführt worden sein. no. 7. 8. 10 
sind ja nur nach der hamuStu datirt. beachtenswert ist noch, 
dass es sowol zwei (no. 6. 7) als einen eponymen für die ein- 
zelne hamu§tu gegeben hat 



Haben wir somit die grundlage einer sexagesimalen Zeit- 
einteilung fragelos praktisch im gebrauch, so liegt es nahe, nach 
analogie des gleichförmigen babylonischen mass- und gewichts- 
systems zu vermuten, dass diese rechnungsweise auch auf 
grössere Zeiträume ausgedehnt wurde, denn von vornherein 
ist klar, dass die monatseinteilung etwas diesem System 
aufgepfropftes fremdartiges ist, und dass ursprünglich das ganze 
jähr in 72 solcher „fünfheiten" zerfiel, unsere texte beweisen 
klar, dass sie einer Übergangsperiode angehören, denn sie be- 
stimmen den rückZahlungstermin bald nach hamuStu (7. 9 etc.), 
bald nach monaten (10), wie sie auch gelegentlich die hamu^tu 
woglassen und nur den monat nennen. 

Wenn wir das einteilungsprincip der tage auf die jähre 
übertragen, so erhalten wir eine jahreshamaStu, die wir etwa 
lustrum nennen können, ihren gebrauch kann ich vorläufig 
noch nicht nachweisen, und ein eingehen auf das kalender- 
wesen der übrigen Völker muss aus dieser den nachweis der 
ersten grundlagen gewidmeten Untersuchung ausgeschlossen 
werden, wenn aber dieses lustrum der hamuStu entspricht, so 
würde der doppelstunde der 60ste teil davon entsprechen, das 
ist aber wenn man das jähr zu 360 tagen rei^hnet 360 X 5 
= 1800: 60 = 30, d. h. wir erhalten auf diese art die lösung 
des rätseis des dreissigtägigen monats, wie ja das jähr von 



M Man beachte wie im sexagesimalen züfernsystem eins wie sech- 
zig durcb 1 ausgedrückt wird. 



/ 



— 99 — 

.360 tagen, dessen 12ter teil er ist, diesem erstem system ebenfalls 
angehört, denn es ist der fünfte teil der jahreshamtigtu(lustrum). 

Wie nun das jähr der fünfte teil des lustrums ist, so 
erhalten wir, wenn wir es mit der andern hauptzahl des sexa- 
gesimalsystems teilen, den Zeitraum von 150 tagen oder fünf 
monaten. diese ist ebenfalls als eine einheit angesehen worden, 
denn jetzt verstehen wir, was es mit den 150 tagen in der 
Sintflut (Gen. 7, 24; 8, 3) auf sich hat, die sich bisher trotz 
allen aufgewendeten Scharfsinns nicht erklären Hessen, denn 
wenn man darin fünf monate sah, so blieb immer rätselhaft, 
was die fünf darin sollte, die doch sonst nie eine rolle spielt, 
man hätte, wenn es sich um monate handelte, nur sieben 
monate erwarten können (vgl. die sieben tage, die Noah zwi- 
schen dem aussenden der vögel wartet), ist somit ein unter- 
teil des lustrums (der jahreshamuStu) nachgewiesen, so kann 
wol auch dessen existenz als sicher gelten. 

Wie stellt sich nun hierzu die einteilung des tages in 
2 X 12 stunden, d. h. die Übertragung des einteilungsprincips, 
welches auf der doppelminute beruht, auf die hälfte der ent- 
sprechenden Zeiten? die ganze einteilung, welche auf der 
doppelminute und hamuStu beruht, ist ein versuch, das sexa- 
gesimalsystem auf die natürlichen Zeiteinheiten herzustellen, 
diesem Schema fügt sich aber die eine dieser zeiten : der monat, 
insofern er durch den mond bestimmt wird, nicht, denn die 
einteilung: doppelstunde — tag — hamuStu würde auf einen 
Zeitraum von 12 hamuStu = doppelmonat als nächst höhere 
einheit führen. 

Eine solche einheit hat aber in der natur keinen anhält, 
während der monat eine solche bietet, dadurch wird ein neues 
einteilungsprincip in jenes hineingetragen, w^elches in der hal- 
birung der durch jenes festgestellten teile beruht, es findet 
seine anwendbarkeit nicht nur beim monat als durch die natur 
gegebene hälfte des aus 12 hamuStu bestehenden doppelmonats, 
sondern auch in der natürlichen (psalm 74, 16. 17) teilung des 
gesamttages von 12 doppelstunden in tag and nacht, und 
endlich in der des jahres in die zwei im Orient unterschie- 
denen Jahreszeiten: sommer und winter.^) 

*) |^'^p"C)'in: südarab. dithä*-harif, arab. 8aif-sitä'(=arain.8atw&,inC, 



— 100 — 

Wie sich dieses einteilungsprincip oder seine einführung 
historisch zu dem aDdern stellt, muss dahingestellt bleiben, es 
ist denkbar, dass jenes einmal für sich bestanden habe, bis 
das praktische bedürfnis dieses hineintrug, ebenso gut kann man 
sich denken, dass beide zugleich zu einem verschmolzen ein- 
geführt wurden, worauf es uns vorläufig nur ankommen kann, 
ist diese zweite einteilung in ihren einzelnen teilen und die 
art ihrer verquickung mit dem andern nachzuweisen. 

Da ergiebt sich dann sehr einfach: die natürliche, durch 
halbirung des doppelmonats gewonnene einheit, umfasste sechs 
einheiten oder hamuStu. dieselbe einteilung auf den gesamt- 
tag angewandt ergab ebenfalls sechs teile, welche, soweit der 
lichttag in betracht kommt, ihre stütze ebenfalls in der natur 
fanden, der gesamttag zerfällt in: morgen, mittag, abend und 
die drei nachtwachen, der halbtag von 12 stunden also in 
je drei. 

Damit haben wir wieder die erklärung einer bis jetzt 
rätselhaften erscheinung der alten Zeitrechnung gefunden: es 
ist die in der Bibel bezeugte zehnheit^) von . tagen, diese 
entspricht der einteilung des halbtages in drei oder des ganzen 
tages in sechs teile, denn sie ist das drittel des monats oder 
das sechstel des doppelmonats. 

Dasselbe einteilungsprincip auf die stunde übertragen 
giebt endlich aufschluss über eine andere bis jetzt rätselhaft 
gebliebene angäbe: nach einer talmudischen nachricht zerfällt 
die stunde bekanntlich in 1080 teile, das erklärt sich jetzt 
sehr einfach folgendermassen : es ist natürlich nur noch die 
rede von der einfachen stunde, diese ist als einheit behandelt 
wie der monat gegenüber dem doppelmonat. eingeteilt ist sie 



Cant. 2, 11). — die Jahreszeiten zerfallen ihrerseits wol wieder in Hrei 
teile, welche für den r|^n wenigstens bezeugt sind: frühregen (möreh), 
winterregen (ge§em), spätregen (malkös). 

1) -nby Gen. 24, 55: ,,sie soll bei uns bleiben Ü'>12'' IN IWy. dass 
Ü'^12'^ nicht „einige tage" heissen kann, ist klar {'0^12'^ yp?2 Gen. 4, 3, auf 
das zum vergleich verwiesen wird, heisst ganz etwas anderes, nämlich 
nach einer ganzen reihe von tagen, nach geraumer zeit), es wird 
also wol mit der Pesito Ü'^12'^ '»ZJ^n zu lesen sein: sie soll noch bei uns 
bleiben einen monat oder (wenigstens) 10 tage. — man führt für 
mty noch an Ex. 11, 3. Lev. 16, 29. 



- iöl - 

"wie das jähr in 360 teile, jeder dieser teile aber, wobei die 
natur der stunde als hälfte der ehemaligen doppelstunde zu 
tage tritt — also entsprechend dem halbtag — in drei weitere 
unterteile, oder anders ausgedrückt: das jähr hat 180 doppel- 
tage, welche den bei zu grundelegung der einfachen stunden 
als solchen eikennbaren doppel stunden entsprechen, diese 
werden wie der tag in sechs teile zerlegt. 



Nach dieser einteilung zerfällt das jähr in 72 hamuStu. 
man fragt sich, ob nicht irgend wo in der mythologie sich eine 
erinnerung an diese einteilung erhalten hat. mir fielen dabei 
sofort die Septuaginta, in Wirklichkeit bekanntlich 72 Übersetzer 
der griechischen bibel ein, eine durchsieht des bekannten 
Aristeasberichtes über den angeblichen hergang bei dieser Über- 
setzung hat ein verblüffendes ergebnis gehabt: 

Ptolemaeus wendet sich an den hohenpriester um Über- 
setzer und dieser schickt ihm 72 mann. Die erklärung, dass 
je sechs von den zwölf stammen genommen seien, ist natürlich 
später hineingetragen, wir vermuten, dass wir es, da aus 72 
hamuStu das jähr besteht, mit einem Jahresmythus zu tun 
haben, da stossen nun sofort die geschenke auf, welche Pto- 
lemaeus bei dieser gelegenheit übersendet: ein grosser kost- 
barer tisch, 2 mischkrüge, 30 becher. das sind der himmel, 
sonne und mond (oder was dasselbe ist, der ganze tag, tag 
und nacht) und die 'öO monatstage. dann kommen die Über- 
setzer nach Ägypten und werden von Ptolemaeus feierlich auf- 
genommen, er schickt alle, die auf eine audienz warten, nach 
hause, um die Juden zu empfangen, auch hier begegnet eine 
merkwürdige angäbe: die in geschäften auf audienz wartenden 
mussten fünf tage warten, gesandschaften einen monat. hierauf 
wird ein grosses avfiTtoaiov veranstaltet, das zwölf tage dauert^) 
— es ist das grosse babylonische neujahrsfest, das bekanntlich 
im himmel wie auf der erde mit einem grossen male gefeiert 
wird, und wobei sich die himmlischen betrinken „bis sie tau- 
meln", die germanischen zwölf nachte, nachdem die Übersetzer 



^) Josephus Arch. 12, 100. 



I 



— i02 -^ 

dann ans werk gegangen sind, vollenden sie es in 72 tagen 
— das sind die 72 hamuStu, aus welchen das jähr besteht. 

Nun entsteht aber ein bedenken: wenn wir es hier mit 
einem Jahresmythus zu tun haben, so kann der ursprüngliche 
sinn nur gewesen sein, dass die 72 hamuStu durch fünf tage, 
aber nicht durch 72 vollendet werden, man muss also an- 
nehmen, dass die ursprüngliche gestalt des mythus fünf Über- 
setzer und nicht 72 gehaWt hat. diese einfache Überlegung findet 
eine schlagende bestätigung und löst ein weiteres altes rätsei: 
es giebt eine jüdische Überlieferung, wonach thatsächlich die 
Übersetzung durch fünf älteste ausgeführt worden sein soll,^) 
eine Überlieferung, deren Zusammenhang mit der Aristeaslegende 
nunmehr sicher ist, und deren Verlegenheitserklärung durch 
die fünf bücher Mosis damit wegfällt. 

Es bedarf keiner ausführung mehr, dass die ganze Aris- 
teaslegende nichts ist als ein ägyptisches gegenstück zu der in 
Susa spielenden Esthererzählung, gehen beide auf einen mythus 
zurück, so sind sie sich auch beide gleich in den nicht gerade 
bescheidenen ansprüchen, welche das Judentum auf achtung 
bei den mächtigen dieser weit stellt, es ist ein geist, der bei- 
den ihre gestalt verliehen hat. in einem freilich unterscheidet 
sich das ägyptische gegenstück vorteilhaft: es fehlt der unver- 
hüllte ausdruck der wünsche des Judentums gegen seine anders- 
gläubigen mitbürger, in welcher die Estherlegende in so ab- 
stossender weise schwelgt. 



*) Tractat Sopherini 1, 8. — ehrlich währt am längsten, und wenn 
einem das wissen durch andere kommt, soll man es sagen: ich verdanke 
die kenntnis dieser tatsache Königs Einleitung in das AT s. 104. anm. 



Dtack Toti Adoph tfehnert, Lei^g^ KOtügutt. 



Die reiche von Cilicien und Ptirygien 
im lichte der altorientalischen Inschriften/) 



Die ausdehn ung der assyrischen macht bis in die Taurus- 
länder im achten und neunten, und, wie weniger bekannt, be- 
reits im 13. Jahrhundert, hat uns eine anzahl von nachrichten 
über jene länder gebracht, welche uns in stand setzen, einige 
einblicke in die geschichte des östlichen Kleinasiens in einer 
zeit zu tun, bis zu welcher die griechische Überlieferung nicht 
hinaufreicht. ma]a hat die betreffenden angaben, seit in der 
letzten zeit so manche neue quellen und grundlegende an- 
schauungen gewonnen worden sind, noch nicht im zusammen- 
hange betrachtet, sodass es an und für sich lohnen würde, 
alles erreichbare festzustellen, um, wenn nicht die brücke nach 
dem im bereiche der griechischen Überlieferung liegenden zn 
schlagen, so doch diese vorzubereiten, bei diesem unternehmen 
hat sich mir aber ergeben, dass diese brücke tatsächlich vor- 
handen ist, und dass es sich nur darum gehandelt hat, die 
assyrischen nachrichten richtig zu verstehen, um das Vorhanden- 
sein der berührungen sofort zu erkennen. 

Es hat sich jüngst herausgestellt, 2) dass die längst bekannte 
und unmisverständliche nachricht Assurbanipals über seine 
durch den Kimmeriersturm veranlassten beziehungen zu Gyges 



*) Der aufsatz war ursprünglich zur Veröffentlichung an anderer 
stelle bestimmt, es sind daher einzelne punkte darin ausführlicher be- 
handelt, welche den lesern der „Forschungen" bekannt sind, da das thema 
jedoch auch für manchen auf diesem gebiete weniger bewanderten von 
interesse ist, so ist eine Streichung der Wiederholungen unterblieben. 

») F. 8. 484 ff. 

Winckler, Forschangen Il>, gedrackt im juni 1898. 8 



Von Lydien dahiD vervollständigt werden kann, dass es sich 
um eine Umfassung des ganzen vordem Orients durch die assy- 
rische politik handelt, soweit dieser durch die grosse indo- 
germanische einwanderung, deren teilerscheinung der Kimme- 
riersturm bildet, betroffen wurde, das Bild, welches wir da- 
nach gewinnen, zeigt uns im 700. Jahrhundert eine östliche 
gruppe: die Meder im bunde mit Babylonien (erst seit 625 
wieder selbständig), die ASkuza — Herodots „Skythen", soweit 
diese gegner der Kimmerier sind — unter ihrem könig Bar- 
tatua, dem IlQiorodvrig Herodots — im einverständnis mit Assy- 
rien bereits zwischen 680 und 670, und die Kimmerier, zuerst 
im gebiete von Ürartu-Armenien und später westwärts ziehend, 
wo einer ihrer fürsten Tuktararal, der Avydafxig (1. Jvydafiig) 
der griechischen Überlieferung, seinen tod in Cilicien findet, 
auf diesem zuge haben sie Lydien über den häufen gerannt, 
nachdem Gyges ihnen eine Zeitlang glücklich widerstand ge- 
geleistet hatte, ihnen aber endlich erlegen war. sein söhn Ardys 
— dessen namen Assurbanipal nicht nennt — stellte dann, ver- 
mutlich eben nach dem tode von TuktammUJvydafitg^ das 
lydische reich wieder her. 

Ein weiteres hinausgreifen der politik des erben Assyriens, 
Nebukadnezars, bis in die griechische Inselwelt, habe ich in 
einem kleinen bruchstück feststellen zu können geglaubt, auf 
welchem meines erachtens von Pittakos von Mitylene die rede 
war.i) 

Assyrische heere sind dagegen nie weiter als bis Eappa- 
docien und Cilicien vorgedrungen, und zwar fällt das weiteste 
vorrücken Assyriens in dieser richtung in die zeit unmittelbar 
vor dem vordringen der Bammerier nach westen, besonders 
unter Sargons regierung, zwischen 718—707. da gegen ende 
dieser zeit bereits das auftreten der Kimmerier, welche Ürartu- 
Armenien bedrängen, von Assyrien aus mit aufmerksamkeit 
und besorgnis verfolgt wird, so haben wir einerseits einen der 
gründe, warum das weitere vorrücken Assyriens nach westen 
aufhört, andererseits gewähren uns gerade Sargons angaben, 
wenn wir sie richtig verstehen, die erwähnte anknüpfung an 

*) F. 8. 511. 



die griechische Überlieferung und damit eine mittelstufe iut 
das hinübergreifen assyrischer politik von Eappadocien und 
Cilicien nach Lydien. 

Mit der eroberung durch die Eimmerier und die nach- 
drängenden verwandten stamme, deren einwanderung eine gleiche 
erscheinung der indogermanischen einwanderungen bUdet wie 
ein paar Jahrhunderte später die keltische, haben, soweit wir 
bis jetzt sehen können, die nicht am ägäischen meere gelegenen 
landschaften Kleinasiens zum ersten male eine indogermanische 
bevölkeruDg erhalten, wie das gleiche auch für Armenien der 
fall ist die zeit unmittelbar vorher bildet also bis zu einem ge- 
wissen grade den abschluss der vorindogermanischen zeit und 
geschichte Eleinasiens. 

Wir sind in der läge diese älteste, bis jetzt geschichtlich 
festlegbare zeit, wenn auch noch nicht völlig klar zu stellen, 
so doch durch allerhand bestimmte nachrichten aufzuhellen, 
welche wenigstens die grossen züge der entwicklung der nach 
Osten zu liegenden landschaften erkennen lassen, und wie wir 
auf grund der so gewonnenen anschauungen sehen werden, auch 
ein licht nach den westlichen werfen, wir müssen also uns ver- 
gegenwärtigen, was die altorientalische Überlieferung über die 
betreffenden gegenden erkennen lässt 

Es handelt sich hauptsächlich um die landschaften Comma- 
gene, Melitene, Armenia. minor, Cappadocien, Cataonien, Cilicien, 
zum teil auch wol noch Lycaonien. hiervon sind die südöstlich 
des Taurus gelegenen und die von der gabelung des Taurus 
und Antitaurus eingeschlossenen naturgemäss am meisten dem 
einfluss der Mesopotamien beherrschenden mächte ausgesetzt, 
und die geschichte, soweit wir sie verfolgen können, gestattet 
uns auch für voraufgehende zeiten ohne weiteres den schluss, 
dass groBsmächte, welche Mesopotamien beherrschten, das nörd- 
lichste Syrien besassen. unsere geschichtliche kenntnis für diese 
gegenden beginnt etwa im 15. Jahrhundert und etwas früher 
in den ägyptischen nachrichten; die richtigkeit unserer an- 
schauung wird aber erwiesen durch die eine tatsache, dass die 
altbabylonische kultur, wie wir sie jetzt bis schon ins 4. Jahr- 
tausend hinein verfolgen können, für die länder vom Halys bis 
zum Tigris in der höhe vonNinive die eine bezeichnung hat, welche 

8* 



- 106 - 

am grössten teile diese länder hängen geblieben ist und sich 
auch dort noch in späterer zeit nachweisen lässt, wo sie hinter 
neuen benonnungen mehr zurückgetreten ist. das ganze gebiet 
fasst der alte Babylonier zusammen unter dem namen Suri, 
d. i. Syrien, uns so die erklärung für die früher fälschlich 
als Verkürzung von Assyrien gefasste bezeichnung gebend, und 
zugleich zeigend, was es mit den (weissen) „Syrern" am Halys 
auf sich hat.^) 

Wir wissen aus den ägyptischen nachrichten der 18. und 
19. dynastie, und können es aus den Tel-Amamabriefen sowie 
aus den wenig späteren assyrischen nachrichten feststellen, dass 
etwa seit dem 15. Jahrhundert die vielbesprochenen Heta oder 
Hatti aus den ländern nördlich des Taurus nach Syrien hin 
vordringen, das ursprüngliche Chetaland der Ägypter und auch 
der ältesten Assyrer liegt nördlich vom Taurus, also in den 
Halyslandschaften^) — wobei wir auf eine bestimmung der aus- 
dehnung nach westen hin verzichten müssen, in den Tel- 
Amarnabriefen (um 1420) sind die Hatti bereits in Syrien ein- 
gedrungen, denn es wird mehrfach gemeldet, dass der Hattikönig 
in NuhaS^l — d. i. der landschaft von Aleppo — stehe, und 
weiter südlich gelegene gegenden bedrohe, dass das vordringen 
weiter nach süden tatsächlich erfolgt ist, ist bekannt, da im 
12. Jahrhundert unter ßamses 11. Heta und Ägypter bei Kade§ am 
Orontes zusammenstossen. seit dieser zeit ist dann das eigent- 
liche Syrien zum Hattiland bei den Assyrem geworden, nach- 
dem im gebiete nördlich des Taurus die Hatti durch neue 
Völker verdrängt worden waren, bekannt ist auch, dass in 
Syrien Karchemish der hauptplatz der Hatti blieb und sich bis 
zuletzt (717 unter Sargon) hielt. 

Die Verdrängung der Hatti aus ihren älteren sitzen erklärt 
sich sehr einfach durch die Völkerbewegungen, welche wir nicht 



*) lieber Suri (und ADzan!) s. die erÖrteruDgen an den verschiedenen 
stellen in den Forsch. I. — Für uns ist Aramäer und Syrer identisch, die 
Aramäer sind jedoch erst in verhältnismäsäig späterer zeit in Syrien und 
die Euphratländer eingewandert (etwa seit 1600 v. Chr.) s. Gesch. Babyl - 
Assyr. s. 176—80. und die Forsch, passim. 

') Für die ägyptischen nachrichten hierüber s. Müller, Asien und 
£uropa s. 321. für die assyrischen F. s. 87 anm. 



— 107 — 

lange nach ihrer grössten machtentfaltung in den uns beschäf- 
tigenden gegenden feststellen können, sowie durch einen ver- 
gleich mit der bereits von ihnen vorgefundenen bevölkerung. 
vor ihrem eindringen in Syrien hat nämUch dieses im wesent- 
lichen unter mesopotamischer herrschaft gestanden — dem 
reiche von Naharna der Ägypter, dieses reich von Naharna 
tritt uns in den Tel-Amamabriefen als Mi tan i entgegen, wie 
es nach dem damals herrschenden volke genannt wird, es um- 
fasste damals ganz Mesopotamien, angefangen von Ninive, um 
welches es mit dem eben aufkommenden Assyrien kämpft, bis 
an den Euphrat; ihm gehört Melitene, und deutlich auch noch 
das gebiet zwischen Taurus und Antitaurus. namentlich Melitene- 
Hanigalbat gilt als fester besitz, und mit seinem namen wird 
es daher öfter bezeichnet, so besonders von dem Assyrer, der 
natürlich Mesopotamien als ihm gebührend ansieht, i) mit San- 
har, worunter eben das gebiet zwischen Taurus und Antitaurus 
zu verstehen ist, das die Assyrer Mu9ri nennen,*) bezeichnet es 
der könig von AlaSia, dem Cypem und die cilicische küste 
gehören. 

Sind diese benennungen von den landschaften genommen, 
so ist die bezeicbnung Mitani, welche die könige selbst in ihrem 
titel wählen, die des herrschenden volkes. dessen rassenzuge- 
hörigkeit können wir aus seiner spräche, die uns in dem einen 
grossen Tel-Amarnabrief vorliegt, sowie den namen von göttern 
und personen bestimmen, es genügt, dass TlSub der hauptgott 
ist, dessen kult für dieses volk, sowie für alle diejenigen, 
welche wir von nun an in jenen gegenden vorfinden, charak- 
teristisch ist es ist derselbe, der in der klassischen zeit als 
Jupiter Dolichenus, als Zeus mit dem blitz dargestellt wird, 
er ist sowol hauptgott der Mitani als der später dort vorge- 
fundenen Kummuh, welche der Commagene ihren namen ge- 
geben haben, wie endlich für Armenien sein kult noch in der 



') 0. Niebuhr, Studien und Bemerkungen zur Gesch. d. alten Orients 
S. 85. weiteres darüber s. F. s. 395—400 und passim. 

•) 8. F. 8. 240, Anm. 1, 390, Anm. 3. das Sangara der Ägypter 
liefert ebenfalls pferde, wozu das unten tiber Kuf und Musri (Thogarma) 
bemerkte zu vergleichen ist. 



— 1Ö8 — 

zeit der blute des staatee von Urartu (von etwa 850 bis zum 
Kimmeriereinfall) als eines hauptgottes bezeugt ist. 

Von den Hatti wissen wir nun so gut wie nichts um ihre 
etwaige Verwandtschaft mit diesen TlSubvölkem zu erweisen, 
jedoch glaube ich, dass das. vorkommen zweier eigennamen 
uns einen anhaltspunkt gewährt, der nicht zu unterschätzen ist. 
der name Hetasar, welchen im 12. Jahrhundert der Chetakönig 
führt, mit dem Ramses 11. kämpft und seinen berühmten vertrag 
schliesst, ist auch der eines Kummuhhäuptlings, dessen vater 
einen mit TfSub gebildeten namen führt, i) zur zeit Tiglat-Pilesers I. 
um 1100, und Arame heisst noch unter liglat-Pileser IH. (um 
740) der fürst eines syrischen Staates,^) den wir an den ab- 
hängen des Taurus nach seiner gablung mit dem Antitaurus 
suchen müssen, und ist auch unter Salmanassar 11. (um 850) 
der name des letzten königs von Urartu, welcher der TlSub- 
bevölkerung in jenen gegenden angehört, und der durch die 
dann offenbar derselben rasse angehörende bevölkerung, deren 
hauptgott Haidia ist, dort ersetzt wird, ist also von vornherein 
anzunehmen, dass wir es bei dem einrücken der Mitani, Hatti 
und der weiteren zu besprechenden Völker mit einer grossen 
Völkerwanderung in ihren verschiedenen Schüben zu tun haben, 
so wird das durchaus durch die allerdings nicht zahlreichen, 
aber doch schwerwiegenden anhaltspunkte bestätigt wir können 
also als zwei schichten dieser Wanderung bis jetzt Mitani und 
^tti ansehen. 

Die nächsten nachrichten erhalten wir durch Tiglat-Pile- 
sers I. feldzüge in den in betracht kommenden gegenden um 
1100. zu deren Verständnis ist zu bemerken, dass Assyrien 
schon einmal hier hinübergegriffen hatte, nach 1300 unter Sal- 
manassar I., der Melitene und Mu^ri (das gebiet zwischen Tau- 
rus und Antitaurus) besetzte, aber dann wieder zurückgegangen 
war.^) Salmanassar und seine Vorgänger, Bamman-nirari L 
sowie Assur-uballit hatten also die Mitaniherrschaft vernichtet. 



^) 8. Winckler, Gesch. Isr. s. 135 anm. F. s. 460 und in den MitteiL 
der Vorderasiatischen Gesellschaft 1896 s. 194. 

*) Arame mär Gusi (Agusi). Salm. Mon. Bs. 83. Ab. 86. 
*) C^esch. Babyl. Assyr. s. 160 und F. passim. 



— 109 — 

wie wir jetzt aus Tel-Amamabriefen und den eigenen nach- 
lichten dieser könige feststellen können, angaben über die be- 
Yölkerungsverhältnisse enthalten diese kurzen, nur die länder 
aufzählenden berichte jedoch nicht, mit dem tode von Salma- 
nassars I. söhn Tukulti-Ninib I. war alles wieder verloren ge- 
gangen (zwischen 1275 — 50) und die nachfolger mussten von 
vom anfangen, Mesopotamien und die weiter westlich liegen- 
den gebiete zu erobern. Tiglat-Pileser I. ist nun der erste, 
der uns ausführlichere nachrichten giebt, die uns auch einen 
einblick in die bevölkerungsverhältnisse gestatten, er kennt 
zunächst auf beiden ufern des Euphrat eine bereits im festen 
besitz befindliche bevölkerung, die er alsKummuh bezeichnet.^) wir 
haben sie schon als Verehrer des TlSub kennen gelernt, sie hat 
dem gebiete auf dem rechten ufer den namen Gommagene ge- 
geben, wir haben in ihr, wie die namen der fürsten beweisen, die 
ebenso wie die der Mitani mit verliebe mit dem des gottes 
Tßub gebildet sind,*) eine mit der früheren in engem zusam- 
menhange stehende schiebt, während uns andererseits der name 
eines ihrer fürsten, HatuSar, die Verwandtschaft mit Hatti .ver- 
bürgte. 

Diese Kummuhbevölkerung ist ganz deutlich fest ansessig 
und wird daher von Tiglat-Pileser unterworfen, ein anderer 
Völkerschub, der um dieselbe zeit in das gebiet der Kummu^ 
eingedrungen war, wird dagegen noch vor der Unterwerfung 
des landes von Tiglat-Pileser wieder hinausgedrängt, diese 
werden Muski genannt ^j und aus Tiglat-Pilesers erzählung geht 

') TigL.Pil. I 89—11 62. 

^ Ueber KaU-Tigab, Kili-Tisub, gadi-Tlsab s. Gesch. Isr. s. 185 
etc. gatu-Sar oben s. 108. 

') Die namen der vier Mitfinikönige, welche wir kennen, — Artatama, 
Artaiumara, Butarna, Dusratta — sind nicht mit Tisub gebildet, wenn das 
nicht Zufall ist, so könnte man daraus entnehmen, dass umgekehrt die 
Kummuhbevölkerung in diesen gegenden älter iot als dio ihr verwandte 
Mitanigruppe und nur eine Zeitlang von dieser besiegt war. wenn ein 
Würdenträger Dusrattas Ar-Ti§ub heisst, so könnte dieser auch der älteren 
bevölkerung angehören Tfsub wird auf jeden fall als oberster gott auch 
von Mitani angesehen, (man vgl. Ar-T!sub mit Ar-tasumara, was ffir 
Mitani als ältere gruppe sprechen würde), diese frage kommt für unser 
jetziges interesse jedoch nicht in betracht. 

*) Tigl. I 62—88 



— 110 — 

deutlich hervor, dass. es sich um einen neuen schub einer 
grossen Völkerwanderung handelt, der hier gleich bei seinem 
ersten versuche zurückgewiesen wird, es seien 20000 mann 
unter fünf fürsten gewesen, die vollkommen vernichtet wurden. 
Mit diesem schlage waren die Muski von hier vertrieben,^) 
und wir erfahren vorläufig nichts mehr von neuen angriffen, 
wir werden sie später sehr viel weiter westlich in Kleinasien 
wiederfinden, daraus dürfen wir also nach analogie der späteren 
Wanderungen — so der Kimmerier — schliessen, dass sie von 
hier abgewiesen sich westwärts nach Kleinasien hineinzogen, 
wir haben keinerlei nachrichten über die dortigen zustände, 
wenn aber von dem Hattireich, das am Halys im 15. Jahr- 
hundert bestanden und von dort aus Syrien erobert hatte, noch 
etwas übrig war, so muss es jetzt von diesen Muski gestürzt 
und besetzt worden sein, selbst wenn aber diesen ihre auf- 
gäbe durch stammverwandte Vorgänger erleichtert worden ist, 
so sind sie auf jeden fall erben jener ehemaligen Hattiherr- 
lichkeit geworden, das ist festzuhalten, um das zu verstehen, 
was sich uns über sie später noch herausstellen wird. 



^) Scheinbar widerspricht die erwähnung von Muski bei Assuroasirpal 
I. 74. der köuig erzählt dort, dass er nach betreten des linkseuphra- 
tensischen Kummuh tribut von diesem und von Muski erhalten habe, 
das ist nichts weiter als eine erinnerung an die inschriften Tiglat-Pilesersl., 
die ja gerade Assurnasirpal (s. den zerbrochenen Obelisken) hatte aus- 
ziehen lassen, ein Muski oder Muskäer giebt es damals in der dortigen 
gegend nicht mehr, und dass etwa von einem Muskikönig damals geschenke 
geschickt worden seien, ist kaum anzunehmen, würde aber unserer auf- 
fassung nicht mehr widersprechen. II 87 ff. weiss von Muski nichts, 
ebensowenig Balmanassar II., bei dem wir sonst eine erwähnung finden 
mÜBsten. Muski ist also in dem sinne Tiglat-Pilesers I. gebraucht, als 
allgemeine bezeichnung jener gegend. ebenso spricht Assurnasirpal von 
königcn von Hanigalbat (II 22) mit der ausdrucks weise Tiglat-Pilesers I. 
und seiner Vorgänger, um einen zusammenfassenden namen für das zu 
ceiner zeit in einzelne kleinstaaten zerfallene gebiet anzuwenden. (Bal- 
manassar II. nennt dafür die namen: Lalli von Malatia etc. Ob. rs. 
83, wo sonst Muski genannt sein müsste.) Assurnasirpal fühlte sich eben 
als Wiederhersteller der von Assyrien unter 8almanassar I. und nachfolger 
und dann unter Tiglat Pileser I. errungenen macht, daher die auszüge 
aus deren inschriften und die aufzahlung von ihren mit den seinigen 
sich deckenden kriegszügen, daher auch seine anlehnung an deren aus- 
drucksweise. 



- 111 - 

Soweit ergiebt sich ihre rolle mit völliger Sicherheit, frag- 
lich könnte aber erscheinen, welcher rasse sie angehörten. Tiglat- 
Pileser nennt uns keinen naraen, sodass wir keinerlei festen 
anhaltspunkt für die bestimmung ihrer Völkerzugehörigkeit 
haben, und auf ein urteil auf grund der allgemeinen Sachlage 
angewiesen sind. 

In betracht kommen kann zunächst nur zweierlei: Tßub- 
völker, also stammverwandte der Hatti etc. oder Indogermanen. 
in letzterem falle würden wir dann in diesen gegenden in 
ihnen die ersten Indogermanen zu sehen haben, also Vorgänger 
der Kimmerier, die Kleinasien schon vor diesen indogermani- 
sirt hätten, letzteres scheint mir nicht wahrscheinlich, wir 
können den weg, den die Muski genommen haben, feststellen. 
Tiglat-Pileser sagt, dass sie 50 jähre lang Alzi und Puruhumzi 
gebiete, die früher bereits unter assyrischer herrschaft gestan- 
den hatten, besetzt gehalten hatten und von dort nach Eum- 
muh „hinabgestiegen" waren. Alzi ist das gebiet am linken 
Euphratufer oberhalb von Samosata. die von den Muski besetzt 
gehaltene landschaft entspricht also ungefähr Gumathene. dessen 
frühere Zugehörigkeit zu Assyrien ist bezeugt, denn Salmanassar I. 
hatte (nach 1300) hier assyrische kolonien angelegt, von hier 
sind die Muski also stromabwärts „hinabgestiegen" und mussten 
demgemäss in das linkseuphratensische Kummuh gelangen, 
ohne weiteres dürfen wir hiernach wol annehmen, dass der 
gang ihrer Wanderung im wesentlichen von norden nach Süden ge- 
richtet war, also ganz dieselbe richtung nahm, wie sie die Kimmerier 
— mit demselben erfolg — auch einzuschlagen versuchten. 

Soweit würde nichts gegen Indogermanen sprechen, aber 
auch nichts gegen TfSubvölker, denn deren Wanderungen er- 
weisen sich deutlich als gleichen Ursprungs und gleicher rich- 
tung mit den späteren indogermanischen, dagegen scheinen 
mir einer indogermanischen rassenangehörigkeit der Muski auf 
grund der übrigen Sachlage bedenken entgegen zu stehen, so 
viel ist nämlich klar, dass die Völkerwanderung der Tf§ubgruppe 
mit dem vordringen der Mitani, Hatti, Kummu^ noch nicht er- 
schöpft war. die Tabal und Kasku, denen wir später in Ar- 
menia minor und Cappadocien begegnen, ferner die bevölker- 
ung der Melitene bis ins 8. Jahrhundert als Indogermanen an- 



— 112 — 

zusehen, unterliegt schweren bedenken, und wenn sie nicht 
Indogermanen waren, so können wir sie doch nur als ver- 
wandte — nähere oder fernere — der Tfgubbevölkerung an- 
sehen, alles was wir an anhaltspunkten hierfür haben, sind 
die paar eigennamen der fürsten der betreffenden landschaften. 
unter diesen gewähren wiederum einen anhält nur einige 
wenige, da bei der mehrzabl natürlich ein versuch zu etymo- 
logisiren ins blaue hinein erfolgen müsste, aber auf erfolg nur 
aussieht haben könnte, wenn man wenigstens einen fingerzeig für 
die in betracht kommende indogermanische sprachgruppe hätte, 
vollkommen durchsichtig in ihrer bildung sind nur zwei der 
uns vorliegenden eigennamen : Tarhunazi und Tarhulara, 
beide mit dem namen eines aUch sonst für Eleinasien 
charakteristischen gottesnamens Tarhu gebildet, die träger beider 
leben unter Tiglat-Pileser III. und Sargen, und sind der eine 
fürst von Gurgum (landschaft von Mar'aS), der andere von 
Melitene, das zu dieser zeit als mit den Tabal zusammenge- 
hörig angesehen wird, beide namen sind sicher nicht indo- 
germanisch, sondern gehören der altern kleinasiatischen schiebt 
an, die wir als verwandte der TlSub Völker, wenn auch als eine 
andere gruppe — man kann sie also Tar^ugruppe nennen — 
ansehen müssen, zu ihnen dürften die Lukki der Tel-Amama^ 
briefe gehören.^) der einzige anhält, den die sicher erklärbaren 
namen bieten, spricht also gegen Indogermanen in diesen gegen- 
den bis zur spätassyrischen zeit, imd auch die weniger durch- 
sichtigen namen bestätigen das. so Panammü (fürst von Sam*al- 
Sendschirli unter Tiglat-Pileser) und der offenbar gleichgebildete 
Tutammü (häuptling von Et unda inTabal-C appadocien)und ähnliche. 

Wenn aber die Tabal und Kasku keine Indogermanen sind, 
dann können es auch die Muski, ihre Vorgänger, schwerlich 
gewesen sein. 

Weiter scheint mir die entwicklung der armenischen ge- 
schichte dagegen zu sprechen, um 850 haben wir dort den 
letzten könig der alten TiSubbevölkerung, dessen name Araml 
uns bereits als beweis für die beziehungen zu der nordsyri- 
schen bevölkerung beschäftigt hat. auf diesen folgt Sarduri L, 



^) B. über diese F. s. 462. 



— 113 — 

der erste könig eines neuen herrscherhauses, das wir als führer 
einer neuen gruppe der alten TlSubbevölkerung ansehen, welche 
wir nach ihren) gotte als Hai di gruppe bezeichnen können, mit 
dieser herrscherfamilie beginnt eine periode der armenischen 
geschichte, die bis zum Eimmeriereinfall dauert, und innerhalb 
deren Armenien-Urartu alle in betracht kommenden länder be- 
herrscht hat und ein grosses reich bildete, das sich im norden 
etwa bis an den Araxes, im westen bis an den Halys erstreckte, 
und in Nordsyrien erst durch Tiglat-Pileser III. und Sargon 
zurückgedrängt wurde, eine einwanderung indogermanischer Völ- 
ker wäre also in dieser zeit nicht möglich gewesen, da sie erst 
dieses ürartureich hätte stürzen müssen, wie denn tatsächlich 
die einwanderung der Kimmerier diesem den rest gegeben hat 
und erst möglich wurde, nachdem Urartus macht durch Tiglat- 
Pileser und Sargon gebrochen worden war. alles was wir über 
die bevölkerung von Tabal und Easku d. i. Gappadocien und 
Armenia minor uns zurechtlegen können, spricht daher von 
Osten aus betrachtet für eine Zugehörigkeit zu einer Tarhu» 
TlSubgruppe. möglich, dass von westen aus dieser frage einmal 
in anderer weise beizukommen sein wird, wenn wir uns erst über 
die bedeutung der Muski klar geworden sind, und wenn neue 
einblicke in das wesen der nicht unter griechischem einfluss 
stehenden bevölkerung Eleinasiens vor dem 7. Jahrhundert sich 
uns erschliessen ; von hier aus können wir aber nicht anders folgern. 
Damit verlassen wir zunächst die Muski, denen wir bei 
Tiglat-Pileser I. zum ersten male begegnen, um sie dann erst 
wieder bei Sargon erwähnt zu finden, und zwar von Assyrien 
getrennt durch das gebiet der Tabal, die Gappadocien besitzen, 
nördlich von diesen sitzen in Armenia minor bei Tiglat- 
Pileser ni. die Kasku. der name dieser letzteren begegnet 
ebenfalls zum ersten male bei Tiglat-Pileser I. dieser erwähnt, 
dass sie kurz nach dem Muskieinfall unter assyrischer herrschaft 
stehende städte besetzt hätten, das würde mit dem einfalle 
der Muski zusammengehalten sich sehr gut erklären, und wenn 
beide Völker obendrein noch als Hattileute bezeichnet werden, 
SO könnten wir ihre eigentlichen sitze auch schon etwa 
in Armenia minor suchen, das ja altes Hattigebiet ist. selbst- 
verständlich würde es bei der geringen zahl der eingefallenen 



— 114 — 

sich nur um einen vereinzelten vorstoss handeln, allein die sache 
wird bedenklich dadurch, dass gerade in der in betracht kom- 
menden gegend noch Assurnasirpal ein gebiet Uruml^) kennt, 
und dass in einem paralleltexte Tiglat-Pilesers der name des 
andern volkes nicht Kas-ka-ai, sondern. Kas-P-la-ai heisst, wobei 
der lautwert des zweiten Zeichens nicht bekannt ist*), endlich 
sagt die bedeutung „Hattileute" auch nicht viel, denn hattu 
ist allgemeiner begriff mit appellativer bedeutung^). es liegt 
also die möglichkeit vor, dass der Schreiber der einen In- 
schrift den namen des einen der beiden Völker verlas und 
daraus die Easku machte, das würde jedoch immer nur be- 
weisen, dass wir es eben in dem gegebenen falle nicht mit einem 
Kaskueinfall zu tun hätten, der ja auch vollkommen unbedeu- 
tend gewesen wäre, das Vorhandensein und die bedeutung der 
Kasku ist dadurch aber doch erwiesen, denn der Schreiber konnte 
den Irrtum nur begehen, wenn die Easku schon bekannt und 
zwar wolbekannt waren, über ihre sitze können wir in dieser 
zeit dann freilich nichts folgern, aber soviel ist aus ihrer spä- 
teren erwähnung zweifellos, dass sie mit den Tabal und der 
Melitenebevölkerung in engem Zusammenhang stehen, und wenn 
sie nicht vor den Muski eingewandert sind — was doch ihre 
östlichere läge nicht annehmen lässt — so müssen sie und die 
Tabal eben deren unmittelbare nachfolger gewesen sein, auch 
die politische Sachlage giebt das an die band, denn für eine 
solche einwanderung war die geeignete zeit zwischen Tiglat- 
Pileser I. und dem aufkommen Urartus, also zwischen 1100 —850, 
und zwar mehr nach 1100 hin als gegen das 9. Jahrhundert. 

Durch diese einwanderungen sind die Taurusländer der 
mesopotamischen herrschaft natürlich entzogen worden; war ja 
doch die ganze einwanderung nur möglich in zeiten, wo von 
keiner grossmacht hier ein starker einfluss ausgeübt wurde, 
es ist charakteristisch, und erweist weiter die richtigkeit un- 
serer auffassung dieser ganzen einwanderungen, dass der assy- 

*) Das aber vielleicht nach s. 110 anm. zu beurteilen ist? 

*) Ob das £a-sal-la (also Eas-sal-lu) der Bargonsomina hierin 
steckt? 

') Vgl. F. 8. 548. Hattü kann wol in einer bedeutung wie sonst 

kutü stehen, und brauchte hier nicht vielmehr zu heissen als „Elein- 

asiaten^'y wie kutü ,yArmenier" mit dem entstprechenden nebensinne. 



^ ll5 - 

rischen eroberung nach der Mitanizeit, welche ja ihrerseits nur 
eine fortsetzung des alten zustandes der Zusammengehörigkeit 
von „Suri" bildete, auch die Taurusländer sogleich im anschluss 
an die besetzung Mesopotamiens zufallen, sobald aber durch 
Kummuh, Tabal etc. der Zusammenhang mit Mesopotamien ge- 
lockert ist, müssen auch die Tauruslandschaften einzeln er- 
obert werden, wir haben bereits erwähnt, dass Assyrien eben 
zur Tel-Amamazeit unter Assur-uballit sich zu regen beginnt, 
bereits dieser hat gegen ende seiner regierung den Mitani den 
besitz von Mesopotamien streitig gemacht, sein urenkel Bamman- 
nirari hat ihre herrschaft dann endgiltig beseitigt. dessen 
söhn Salmanassar I. besetzt dann die weiteren provinzen des 
ehemaligen Suri und Mitani : Melitene und das gebiet zwischen 
Taurus und Antitaurus, das er, wie Tiglat-Pileser I., Mu9ri 
nennt, nach dem Verluste aller dieser eroberungen einschliesslich 
Mesopotamiens selbst, nach dem tode Tukulti-Ninibs I. (um 
1275), beginnt Assyrien die eroberung von neuem, besetzt Me- 
sopotamien wieder, in dessen besitz wir es bereits unter Tiglat- 
Pileser I. finden, dieser greift nach Unterwerfung der Kummuh 
sofort über den Euphrat hinüber und unterwirft die Melitene 
und Mu9ri. er nennt zum ersten male hier das bergvolk der 
Kumani, welches die bevölkerung von Mu9ri unterstützt hatte: 
es ist dasjenige volk, dessen name an dem heiligtum und 
priesterstaate Comana im Antitaurus bis in die klassische zeit 
sich erhalten hat. 

Ganz anders gestalten sich diese Verhältnisse aber, nach- 
dem Tabal und Kasku festen fuss gefasst haben und das neu 
emporstrebende urartäische reich eines Sarduris und seiner 
nachfolger hier seinen einfluss geltend zu machen beginnt, als 
nämlich Assyrien diesmal anfängt das nach Tiglat-Pilesers tode 
wieder verlorene von neuem zu besetzen, geht es nicht mehr 
auf dieser nördlichen linie gegen Syrien vor, sondern bedeu- 
tend weiter südlich. Assurnasirpal (881—68) hatte Mesopo- 
tamien zum grössten teile wieder gesichert, und ging einmal 
über den Euphrat. er geht aber nicht mehr am obern Euphrat 
hinüber, sondern überschreitet ihn bei Karchemish, dem reste 
der Hattiherrlichkeit, und zieht darauf durch den 'Amk (staat 
Patin) südwärts über den Orontes nach dem nördlichen Phö- 



nicien.i) alles nördlich vom gebiete Karchemish gelegene lassi 
er unberührt, wenn er auch tribut von „allen" ländem, die er 
aber nicht nennt, empfangen haben will. 

Ebenso geht sein söhn und nachfolger Salmanasser 11. zu- 
erst vor. auch er versucht, nachdem er Mesopotamien end- 
giltig unterworfen und durch züge Euphrataufwärts auf dem 
linken ufer gegen Armenien hin gesichert hat, zunächst das 
eigentliche Syrien mit seiner vormacht Damaskus zu unter- 
werfen, erst nachdem er zwanzig jähre hindurch dieses ziel ver- 
geblich erstrebt hatte, musste er darauf verzichten, den directen 
weg zum Mittelmeer und zu seinen haupthäfen in seine ge- 
walt zu bringen, und machte sich nun wieder an die weniger 
lohnende aufgäbe durch die Taurusländer sich den weg nach 
dem meere und der cilicischen küste zu eröffnen. 

Durch ein paar züge (840, 836, 835) sichert er sich Kul, 
das östliche Cilicien mit der hauptstadt Tarsus, ferner Tabal 
(838) und Melitene (837). am festesten hat er dabei fuss in 
Kul gefasst, dass ja auch für ihn wichtig war als nachbarland 
des Amanus, den er, da er den Libanon nicht haben konnte, 
für seinen bedarf an cedem so nötig hatte, und dessen bedeu- 
tung in dieser hinsieht aus den häufigen berichten über züge 
dahin hervorgeht. Tabal und Melitene haben nur tribut ge- 
zahlt, und hörten damit natürlich auf, sobald ihnen kein assy- 
risches beer mehr drohte. 

Das war der fall in den letzten jähren Salmanassars, als 
durch den aufstand Assurbanipals wol die hier errungenen er- 
folge verloren gingen, nach dessen niederwerfung scheint 
§amSi-Bamman kaum erfolge in diesen gegenden gehabt zu 
haben, und dementsprechend beginnt TTrartu unter Ispuinis 
seinen einfluss geltend zu machen. Ramman-nirari III. ist im 
kämpfe mit Damaskus erfolgreicher gewesen, dieses wurde ihm 
tributpflichtig und damit war ihm der weg zum Libanon und 
der phönicischen küste frei, ganz Palästina bis Sidon hinab 
zahlte tribut. von erfolgen gegen Kleinasien hin erwähnt er 
nichts, und ebenso wenig von kriegen mit IJrartu, das unter 



*) Assurnaeirpal III. 56—92. 



^ li^ - 

Menuas jetzt immer mehr erstarkt, er scheint also auf die jetzt 
weniger wichtigen kleinasiatischen länder verzichtet zu haben. 

Mit seinem nachf olger Salmanassar HI. tritt dann wieder der 
rückgang Assyriens ein, dem erst durch Tiglat-Pileser III. 
(745 — 28) ein ende gemacht wird. Eummuh, Melitene, Kasku, 
Tabal kommen vollständig unter armenischen einfiuss, und als 
Tiglat-Pileser wieder über den Euphrat geht, muss er erst 
SardurisII. vonürartu, der bereits die huldigungen der syrischen 
Staaten bis fast nach Aleppo hin erhalten hatte, von dort ver- 
treiben und sogar einen angriff auf Mesopotamien selbst ab- 
wehren, erst nachdem der einfiuss Armeniens hier gebrochen, 
und Sarduris wieder nach Urartu zurückgeworfen war, mussten 
die in betracht kommenden landschaften sich wieder an Assy- 
rien anschliessen. es werden von diesen genannt: Eummuh, 
die landschaften des ehemaligen Patin (Sam'al, Gurgum etc.), 
Melitene, Kasku, Tabal (dazu gehörig: Tuna, Tufean-Tyana? 
Btunda, HuSimna, Kul). 

Unter Sargon, dessen regierungsantritt mit inneren er- 
schütteruQgen des reiches und im gefolge davon mit bedrohung 
des äusseren besitzstandes verbunden gewesen war, versuchte 
sofort Rusas 11. von Urartu das unter Sarduris 11. verloren ge- 
gangene wieder zu erlangen, in Sargons ersten regierungs- 
jahren steht er, und später sein nachfolger Argistis, bei allen 
abfallsversuchen von Kummuh, Melitene und Tabal im hinter- 
grunde, wobei aber jetzt noch ein anderer helfer als gleich- 
berechtigt neben Urartu tritt: Mita von Muski. Sargon ist in 
allen fällen erfolgreich gewesen, und die aufstände der einzelnen 
landschaften, die Tiglat-Pileser nur tribut gezahlt hatten, endeten 
damit, dass sie zum teil ihre Selbstständigkeit einbüssten und 
assyrische provinzen wurden, zum mindesten aber endgiltig in 
abhängigkeit von Assyrien kamen, so wird Tabal, wo Sargon 
versucht hatte, unter Ambaris, dem er eine tochter zur frau 
gab, sich einen ergebenen grenzstaat schaffen, nach dessen ab- 
fall als provinz eingezogen, ebenso Kul. Kummuh, das er unter 
Muttallu mit Melitene in gleicher absieht vereinigt hatte, unter- 
warf sich nach einem aufstand, der auf veranlassung des neuen 
ürartukönigs Argistis unternommen war, noch rechtzeitig, um 
die Einziehung zu vermeiden. 



-- 118 -- 

Der assyrische machtbestand ist danach bei Sargons tode: 
Ostcilicien (Kul) mit der hauptstadt Tarsus provinz, Cappadocien 
(Tabal mit Unterabteilungen) provinz, femer eine provinz Tul- 
garimmu (biblisches Thogarma) mit Eummanu d. i. das ehe- 
malig Mu^ genannte gebiet mit Eamani (= Comana); auch 
Kasku scheint provinz geworden zu sein; in den uns erhaltenen 
berichten wird darüber nichts erzählt, jedoch spricht der aus- 
druck, der davon in den zusammenfassenden erzählungen ge- 
braucht wird, dafür; Kunmiuh mit Melitene vereinigt Vasallen- 
staat 

Sanherib kann die assyrische macht nicht weiter ausge- 
dehnt haben, über seinen zug zur Sicherung der provinz Tabal 
wird noch zu handeln sein. 

Aus Assarhaddons Inschriften erfahren wir nichts über 
Unternehmungen nach dieser seite. gegen ende seiner regierung 
machten sich die Banunerier bemerklich, wir haben aus dieser zeit 
orakelanfragen, welche auskunft über das verhalten des königs 
Mukallü von Malatia verlangen, dieser unterwirft sich sogleich 
nach Assarhaddons tode Assurbanipal, der ihn als könig von 
Tabal bezeichnet, wir werden über die auf Schlüsse, welche 
diese orakelanfragen geben, besonders zu handeln haben. 

In Cilicien hat Assarhaddon im beginn seiner regierung 
einen der dort zu allen zeiten sich wiederfindenden räuber- 
fürsten aufgehoben, das unternehmen ist weniger durch seine 
bedeutung als durch den ort, welcher die festung des besiegten 
büdet, für uns wichtig. Sanduarri, könig von Kundi und Sizü, 
hatte sich zu einem bündnis mit Abd-mükuti von Sidon zu- 
sammengetan und teilte daher dessen geschick. aus der tat- 
sache, dass er mit Sidon zusammengeht, müssen wir folgern, 
dass er einen platz an der cUicischen küste — nur Cilicien 
kommt in betracht — besessen haben muss. andererseits muss 
dieser auf einem berge gelegen haben, denn Assarhaddon sagt 
ausdrücklich, er habe den könig von Sidon wie einen „fisch 
aus der mitte des meeres herausgeangelt" (Sidon war bis dahin 
insel), und Sanduarri habe er „wie einen vogel vom berge 
herunter gefangen", und „auf steile berge" habe dieser „sein 
vertrauen gesetzt", wir werden demnach in Kundi das alte 
Kvivda, die bürg von Anchiale, wieder zu erkennen haben. 



— 119 — 

den ort, wo man noch zu Alexanders zeiten eine assyrische 
oder „hethitische" stele zeigte. 

Seit Assurbanipal hören alle monumentalen nachrichten 
über jene gegenden auf. dass die angäbe der Chronographen 
über den tod des Kimmerierkönigs Jvydafiig'TukisLmmi in 
Cilicien inschriftlich bezeugt ist, ist bereits erwähnt, ebenso 
wie die berührungen zwischen Lydien und Assyrien infolge der 
gemeinsamen gefahr. 

Die neubabylonische zeit giebt uns bis jetzt noch keine 
aufschltisse. bekannt ist die angäbe Herodots (I, 74), dass in 
dem kämpfe zwischen Alyattes und Kyaxares Nebukadnezar 
und Syennesis von Cilicien einen frieden vermittelt hätten, wo- 
nach man also ein reich Cilicien festzustellen hat, das nörd- 
lich bis an den Halys reichte. 

Man hat angenommen, dass es sich hier um eine grün- 
dung handelt, die von Cilicien, wo später der sitz der CiJicier- 
könige in Tarsus ist, ausging und sich über den Taurus nach 
norden ausbreitete, sodass also nach dem stürz von Ninive die 
assyrische provinz Tabal (mit Tulgarimmu etc.) damit vereinigt 
worden wäre.^) man geht dabei von der annähme aus, dass der 
name von„Cilicien" ^bn sich auf münzen aus der Perserzeit findet, 
und dieser selbe name als Hilaku und Hiluku bei den Assyrern 
erwähnt wird, wo er im gegensatz zu Kul, dem östlichen Cili- 
cien, das westliche, das „rauhe Cilicien'' der Griechen be- 
zeichne. 

Merkwürdig ist dabei, dass der westliche, gebirgige teil 
der späteren landschaft Cilicien dem ganzen lande den namen ge- 
geben haben soll, während die hauptstadt Tarsus in Kul lag, 
dessen hauptstadt sie schon vor der assyrischen besetzung und 
auch während der provinzverwaltiing, von Sargen bis zum ende 
des reiches, war. der westen ist nie etwas anderes gewesen 
als der sitz von räuberischen bergvölkern, die zu keinen zeiten 
einer herrschaft gehorcht haben. 

Man würde vielleicht einwenden, eben dieses merkwürdige 
Verhältnis lasse einen schluss zu auf den Ursprung der königs- 



>) Ed. Meyer, G«8ch. d. Altertums I § 465. 
Winckler, Forachangen IIP. gedraokt im jani 1898. 



- 120 — 

familie, welche den neuen Staat begründet hatte, man könne 
gerade hieraus schliessen, dass es eroberer aus der Trachaiotis 
gewesen seien, die sich in Tarsus festgesetzt hätten und von 
dort über den Taurus vorgedrungen wären, soweit wir aber 
sehen können, sind solche bandenführer immer stolz darauf 
gewesen, könige eines kulturlandes in alten königssitzen zu 
werden, haben aber den namen ihrer barbarischen heimat 
nicht dorthin getragen, ausserdem erscheint es merkwürdig, 
dass dieses bergland, das selbst später nie recht einer regierung 
botmässig war, eine einheit mit einem anerkannten herrscher 
gebildet haben sollte, von dem wir zudem so auffällig wenig 
bei den Assyrern vernehmen, während Kui durchaus das ge- 
wöhnliche Schicksal aller anderen kulturländer hat. warum 
blieb die assyrische eroberung in Kui stehen, wenn die 
Trachaiotis eine einheitliche landschaft bildete, die man durch 
Unterwerfung ihres herrscherhauses erobern konnte? 

Sehen wir uns einmal die erwähnungen dieser merk- 
würdigen landschaft bei den Assyrern näher an. das erete 
mal wird sie im jähre 859 von Salmanassar IL. erwähnt,^) der 
als bundesgenossen des königs Sapalulml von Patin aufzählt: 
Ahuni von Bit-Adini (am oberen Balih und über den Euphrat 
greifend), Sangar von Karchemisch, Hainu von Sam'al, KatI von 
Kui, Pi-hi-ri-im (?) von Hi-lu-ki, BuranatI von Jasbuka, und 
wie es scheint, noch einen, dessen name verstümmelt ist. hier 
würde die nennung hinter Kui sehr für eine gleichung Hiluka 
=z Trachaiotis sprechen; was Jasbuka ist wissen wir nicht, da 
es nie wieder erwähnt wird; es muss ein gau gegen Cappa- 
docien hin oder eben dort gewesen sein, wenn wir keine vor- 
gefasste meinung hätten, so würde unsere stelle jedoch nichts 
über die läge von Hiluka aussagen, ausser dass es eben im 
bereiche der uns beschäftigenden gegenden gelegen haben muss. 
erwähnt wird es von Salmanassar nicht wieder, und das erregt 
bedenken, da wir doch wenigstens bei den verschiedenen 
Zügen, auf welchen Katl von Kui zuerst bekämpft, seine 
hauptstadt Tarsus erobert und er schliesslich durch seinen 
bruder Kirrt ersetzt wird, entweder eine nennung von Hiluka 



») Mon. Va. 54. 



-- 121 — 

als tributzahlend, oder aber als ebenfalls unterworfen er- 
warten würden. 

Das ist die einzige erwähnung in dieser periode der assy- 
rischen geschichte, und auch nach einbruch der neuen wird 
unter Tiglat-Pileser IIL wol Tabal und Kul als tributzahlend 
genannt, Hilakku aber mit keinem worte erwähnt, erst Sargon 
nennt es wieder, und die art wie er davon spricht, lässt uns 
keinen zweifei wo wir es zu suchen haben, bereits Tiglat- 
Pileser nennt als könig von Tabal, der ständig seinen tribut 
zahlt, HuUi, * und Sargon (Pr. 29 fif.) berichfet über dessen 
söhn: 

Ambp.rjs (oder Amris), der Tabalaer, den ich auf den thron Hullis, 
seines vaters, gesetzt hatte, meine tochter mitsamt der landschaft gi- 
lak-ku, die nicht zum gebiete »eines vaters gehört hatte, ihm gegeben 
und so sein gebiet vergrössert hatte: jener aber bewahrte nicht die treue 
und schickte an Urs^ von Urartu und Mitä von Muski botschaft mein 
gebiet wegzunehmen. Ambaris, samt seiner ianiilie und den edlen seines 
landes etc. brachte ich nach Assyrien. Assyrer, getreue Untertanen, sie- 
delte ich dort an, meinen beamten als Statthalter setzte ich über sie. 

Etwas ausführlicher lautete der bericht der annalen, er 
ist jedoch verstümmelt, alles, was er uns in seiner jetzigen 
erhaltung noch lehrt, ist der name des gaues von Tabal, wel- 
cher die hausmacht von HuUi und Ambaris („das gebiet seines 
vaters") bildete: Bit-Buriti§, d. h. der gau des ßuritiS, in 
welchem wir den Stammvater der familie zu sehen hätten, 
dies, sowie die angäbe von Salmanassar, der von 24 „königen" 
der Tabal spricht, beweist uns, dass in Tabal wie im syrischen 
Patin-Sam'al eine anzahl von häuptlingen sassen, die jeweilig 
einen oder den andern als ihr Oberhaupt anerkennen mussten, 
wobei dann in der regel die entscheidung dem herrscher des 
gerade massgebenden grossstaates anheimfiel. 

Also einem der fürsten von Tabal, dem er eine vorherr- 
schende Stellung sichern will, hat Sargon Hilakku gegeben, 
Hilakku, von dessen eroberung nie etwas erwähnt wird, weder 
früher noch bei Sargon selbst! ehe es verschenkt wurde, hätte 
es doch zum mindesten erobert werden müssen, es ist klar, 
dass wir dieses Hilakku nicht südlich, sondern nördlich vom 
Taurus zu suchen haben, und dort ist es auch wolbekannt: es 
ist die landschaft von Mazaca am Argaios, die noch Strabo 

9 



— 122 — 

unter dem namen Cilicien kennt, und das gebiet der „Cilicier' 
Herodots (I 72), durch welches der Halys fliesst. nur diese 
landschaft kann hier gemeint sein, und das ist die einzige, die 
überhaupt bei den Assyrem unter diesem namen genannt wird, 
denn nun wird man auch bei Saimanassar nicht mehr an die 
Trachaiotis denken. 

Sanherib berichtet^) als seinen fünften feldzug (zwischen 699 

und 693): 

„In meinem fünften feldzuge hatten die leute der städte Tu-mur-ri, 
§a-ru-um (Var. Sa-ar-ma), f-sa-ma, Ka-na, welche wie das nest des adlers, 
des fürsten der vÖgel, auf der spitze des gebirges Ni-pur liegen, sich 
mir nicht unterworfen, am fasse des Ni-pur schlug ich mein lager auf, 
mit meiner leibgarde wie ein grimmiger bergstier zog ich gegen sie. täler, 
Schluchten, abhänge, schwer passirbare gebirgsbäche erkletterte ich in meiner 
sanfte'), wo es für die kaufte zu steil war, stieg ich auf meine eigenen 
füsse herab, wie ein Steinbock auf hohe bergspitzen ihnen entgegen 
kletterte ich. wo für meine kniee ein ruheort sich bot, setzte ich mich 
auf das felsgestein, und trank das kalte wasser der schlauche für meinen 
durst. auf bergeshöhen setzte ich ihnen nach, schlug sie, zerstörte ihre 
Städte, dann machte ich kehrt und zog gegen Ma-ni-ia-i, könig von Uk-ki 
im lande Da-ia-i, der sich nicht unterworfen hatte, unerschlossene wege, 
steile pfade, wohin wegen der steilen berge vor mir keiner meiner Vor- 
gänger gedrungen war: am fusse der mächtigen berge A-na-ra und Up- 
pa liess ich mein lager schlagen, ich selbst drang auf einem sessel (ge- 
tragen) mit meinen tapferen kriegem in ihre engen passe mühsam ein, 
mühselig erklomm ich steile bergspitzen, als Ma-ni-ia-i aber den staub 
der füsse meiner truppen sah, verliess er Ukku, seine hauptstadt, und 
floh in die ferne. Ukku eroberte ich'' etc. 

Hierzu lautet ein kürzerer parallelbericht:^) 

„Die leute von Tu-mur-ri, welche steile berge bewohnten, schlug ich 
mit der wafie. die Stadt Ukku samt allen gebäuden vernichtete ich wie 
einen sintfluthügel. die einwohner von Hi-lak-ki, welche in den bergen 
wohnen, unterwax-f ich, zerstörte ihre stadte. die Stadt Tul-ga-ri-im-mu, 
welche an der grenze von Tabal liegt, eroberte und verwüstete ich." 

Im zweiten der beiden berichte wird das von Sargon mit 
neuen ansiedlern besetzte und in assyrische Verwaltung ge- 
nommene Tulgarimmu (Thogarma) zerstört, er bestätigt uns, 
was von vornherein zu vermuten war, dass wir Ukku und 
Tumur in Cappadocien, im bereiche von Hilaku zu suchen haben. 



^) Prisma III 66-IV 20. 

') Nicht wie sonst auf dem Streitwagen. 

") Inschr. von Constantinopel 16 — 18^ 



— 123 — 

deutlich gehören im ersten Tumur und Ukku zwei verschiedenen 
landschaften an. für die erstere von beiden ist man geneigt auf 
Garsauritis zu schliessen, von wo rückwärts ziehend San- 
herib Ukka zerstört, das wir danach wol am Argaios suchen, 
also mit Mazaca gleichsetzen müssen. 

Die richtigkeit meiner anschauung wird endlich noch durch 
die Orakel anfragen aus Assarhaddons zeit erwiesen, in denen Ta- 
baläer und Hilakäer stets zusammen genannt werden, und deren 
eine einen gemeinsamen einfall beider in Kul befürchtet 
(Knudtzon 60, 11, s. unten). 

Den namen Hilaku für die Tracbaiotis kennen die Assyrer 
also, wie wir nun weiter folgern können, nicht, und damit 
fehlt für uns jeder grund, anzunehmen, dass diese landschaft 
überhaupt diesen namen je im eigentlichen sinne geführt hat. 
er haftet offenbar nur an der landschaft Mazaca, und hier hat 
das gleichnamige Tabalvolk gesessen. 

Wie der name von dort über den Taurus gewandert ist, 
erklärt sich sehr einfach, und hier hat bereits Kiepert in seinem 
Handbuch der Alten Geographie § 95 das richtige gesehen, das 
cilicische reich von Syennesis, welches uns zur zeit von Alyattes 
und Kyaxares entgegentritt, und welches zweifellos Kul mit um- 
fasst hat — unter Assarhaddon fürchtet man ja bereits einen 
angriff für dieses — ist durch die Meder und dann in der 
Perserzeit einfach über den Taurus zurückgedrängt worden, 
und wenn die landschaft südlich des gebirges von nun an den 
namen Cilicien führt, so ist das eine Übertragung des namens 
der Stammlandschaft des herrscherhauses auf den rest seines 
reiches, der name Cilicien ist dabei in erster linie sogar auf 
das assyrische Kul mit der hauptstadt Tarsus — den teil, der 
ja überhaupt nur wert besass — übertragen worden, die an- 
gebliche bezeichnung der Trachaiotis als ^bn beruht lediglich 
auf der irrtümlichen festlegung des assyrischen Hilaku. die Tra- 
chaiotis hat eben diesen namen — der natürlich aus der alten 
landessprache zu erklären ist, und dessen deutung als „das rauhe" 
nur eine griechische Volksetymologie ist — oder auch den andern 
bekannten jBTijrtg geführt, und ist erst später mit unter „Cili- 
cien" einbegriffen worden. 



— 124 —, 

Über die entstehung des reiches Cilicien, das uns unter 
Syennesis entgegentritt, sind wir nun in der läge den assyrischen 
nachrichten so viel zu entnehmen, um daraus wol den gang 
der ereignisse uns im allgemeinen herstellen zu können, wir 
sahen, dass unter Sargon die eine landschaft BuritiS mit ^i- 
laku an die spitze von Tabal gesetzt wurde, und dass Sargon 
hier sich eine ergebene grenzmacht zu schaffen versuchte, nach 
dem abfall von Ambaris wurde Tabal mit Hilaku assyrische 
provinz, Thogarma (das ehemalige Mu9ri) mit Comana des- 
gleichen. Melitene wurde mit Kummuh vereinigt und behaup- 
tete sich als Vasallenstaat, ob es das auch unter Sanherib blieb, 
ist unklar, jedenfalls treten uns hier unter Assarhaddon in 
den mehrfach erwähnten orakelanfragen neue Verhältnisse ent- 
gegen, denn diese kennen bereits wieder einen könig von Tabal 
und zeigen uns, wie Malatia von einem manne erobert wird, 
der von da an die hauptrolle in dieser gegend spielen wird, 
ehe wir das sämtliche bis jetzt veröffentlichte material über 
diesen punkt, das sehr verstümmelt ist, ansehen, sei voraus 
die frage wenigstens berührt, ob wir es jetzt, wo es sich deut- 
lich um neue angriffe auf dem besitzstand Assyriens handelt, 
die mit besonderer energie und mit erfolg geführt werden, be- 
reits mit Indogermanen zu tun haben, oder ob auch die führer 
des neuen vergebens noch angehörige der alten bevölkerung 
sind, es ist die zeit, wo bereits die Kimmerier die assyrischen 
grenzen bedrohen, und dieselbe reihe von orakelanfragen, welche 
uns über Tabal und Hilaku unterrichtet, spricht auch von den 
angriffen der Kimmerier, Saparda und der übrigen Indo- 
germanen. es wäre daher durchaus möglich, dass in den trägem 
der bewegung in Tabal ebenfalls bereits Indogermanen zu er- 
kennen seien, an einem beweise dafür fehlt es aber noch, und 
ebenso wie wir sehen, dass durch die indogermanischen stamme 
die alte bevölkerung von Man am ürumiyasee wieder gegen 
Assyrien in bewegung kommt, so kann es auch hier gewesen 
sein, die paar namen, die wir haben, können als keinerlei be- 
weis weder für die eine noch für die andere meinung in an- 
spruch genommen werden. 

Die Orakel lauten: 



— 125 — 

Koadtzon 55. 

1. bamas, grosser herr, wonach ich dich frage, darauf antworte mir ge- 
treulich : 

2. Muk-kal-lum samt den kriegern , welche mit ihm 

sind] 

3. welche jetzt gegen M[i-li-di (Malatia) und im gebiete] 

4. von Militi ihr lager aufgeschlagen haben : wenn der rab-sak Assarhaddons, 

5. königs von Assyrien, samt den kriegern und Streitkräften, welche mit 
ihm sind, nach Militi 

6. gegen ihn zieht: wird er Muk-kal-lu samt den kriegern 

welche 

7. mit ihm sind, von der mauer von Militi wegjagen, sodass jener 

8. den aussenwall verlassen muss ? 

9. Deine grosse gottheit weiss es etc. 

Hier ist klar: Malatia, offenbar mittlerweile assyrische 
provinzstadt geworden, wird durch Mukallu belagert, dieser 
kann sowol ein sprosse des alten fürstenhauses von Melitene 
sein, wie ein neu eingewanderter Indogermane. jedoch ist 
ersteres wahrscheinlicher, nach der art zu urteilen, wie sonst 
von den Kimmeriern etc. gesprochen wird, die anfrage be- 
trijfft den erfolg eines geplanten entsatzes. die antwort, die 
uns der Sonnengott nicht giebt, erteilen uns die nächsten orakel- 
anfragen: 

Knudtzon 56. 

1. äamas, grosser herr, wonach ich dich frage, darauf antworte mir ge- 
treulich: 

2. IskaUü, der Tabaläer 

3. welcher mit*) Mukallu, dem Müitaer 

4. und die Stadt Is-ti-a-ru (?) 

5. streit gemeinschaftlich 

6. plane und streit, den mit 

7. werden sie plane schmieden 

lücke. 

11. werden sie töten, plündern das herz Assarhaddons, 

konigs von Assyrien 

12. betrüben, kränken? etc. 

Bs. 1. Ich frage dich, Hamas, grosser herr, wenn vom heutigen tage, dem 
ersten des laufenden monats, des Ijjar, 

2. des laufenden Jahres, bis zum zehnten des Sivan des laufenden jahreSj„ 

3. innerhalb von 30 tagen und 30 nachten, dem betrag dieser zeit Sa- 
Nabu- sti') 



*) KI statt DI ? 

') So nach Knudtzon 57 wol zu ergänzen. 



— 126 — 

4. Streitkräfte, zahlreiche, starke, aufbietet mit 

5. UDd (mit) den grossen und den Streitkräften Assyriens, welche bei ihm 
sind 

6 ') Mukallu 

7. werden sie schlagen, plündern das herz Assarhaddons, 

des königs von Assyrien 

8. betrüben, kränken ? . . . 

Die Sache, um die es sich handelt, ist schwer festzustellen, 
da gerade die wichtigsten angaben abgebrochen sind, mir 
scheint von einer geplanten Unternehmung gegen iSkallu und 
Mukallu die rede zu sein, gegen welche der assyrische 
Statthalter, welcher mit dem von Knudtzon 57 gleich sein 
dürfte, ausser seinen stehenden truppen noch andere (Rs. 4; 
also socii auxiliares) aufbieten soll, um ihnen entgegenzutreten, 
für unsere frage ist dieser Zusammenhang unerheblich, denn 
das eine ist klar: Mukallu wird „der Militäer^^ genannt, er ist 
also jetzt im besitze von Malatia, das er vorher erst zu er- 
obern im begriflfe war. er ist weiter jetzt im bündnis mit 
ßkallü von Tabal: also diese provinz Sargons und Sanheribs 
hat sich wieder losgerissen. 

Dieselbe angelegenheit scheint eine weitere noch ver- 
stümmeitere anfrage zu betreffen, 
Knudtzon 57: 

1. Samas, grosser herr, wonach ich dich frage, darauf gieb mir getreulich 
antwort: 

2. Sa-Nabü-8Ü, der (assyrische) edle, der [rab-sak 

3. — 6. abgebrochen. 

7. (wenn) er zieht und sein lager au&chlägt 

8. wird entweder Mukallu 

9. oder Iskallü von Tabal oder 

10. oder irgend ein anderer feind, sei* es am hellen tage, sei es im dunkel 
der nacht 

11. etwas erdenken und aussinnen, über 

12. Sa-Nabü-sü und die truppen, welche bei ihm sind, herfallen, 

13. sie schlagen und plündern das herz 

14. Assarhaddons, königs von Assyrien, betrüben und kränken ? etc. 



^) Knudtzons bir-ti giebt die autographie als unsicher; mir scheint 
nicht von einer geplanten erober ang einer festung M.'h die rede zu sein, 
sondern von einem offenen kämpf, in welchem für die assyrischen truppen 
eine niederlage gefürchtet wird. 



— 127 — 

Eß. 1. (wird) entweder Mukallü „der Militäer", oder 

2. oder Iskallü, der Tabaläer, oder 

3. oder irgend ein anderer feind, über 8a-Nabü-sü und die truppen, die 
bei ihnen äind, 

4. herfallen, sie schlagen und plündern ? etc. 

Einen versuch Mukallü's, der bereits im besitze von Ma- 
latia ist, sich mit Assyrien auf guten fuss zu stellen, betrifft 
die anfrage Knudtzon 54. da hier der name des Assyrerkönigs 
abgebrochen ist, so kann man schwanken, ob nicht bereits die 
von Assurbanipal berichtete Unterwerfung Mukallu's gemeint 
ist. allerdings wird er bei Assurbanipal als könig von Tabal 
und hier als Militäer bezeichnet, indessen würde das nicht not- 
wendig dagegen sprechen, und diege auffassung erscheint mir 
vorfäufig wahrscheinlicher, als die sonst am nächsten liegende, 
dass es sich um einen ergebnislos gebliebenen versuch gehan- 
delt habe, der etwa zwischen no. 55 Änd 56. 57 fiele. 54 wird 
also wol die jüngste dieser tafeln sein und etwa aus den 
Jahren 668 oder 667 herrühren: 

1 . Samas, grosser herr, wonach ich dich frage, darauf antworte mir getreulich : 

2. der böte, den Mukallü, der Militäer, vor (Assurbanipal oder Assar- 
haddon), könig von Assyrien 

3. um sich zu unterwerfen geschickt hat : 

4. wird nach deinem göttlichen bcfehl, o Warnas, und deiner sichern ent- 
scheidung 

5. jener böte, der vor Assurbanipal (oder Assarhaddon), könig von Assy- 
rien, gekommen ist. 

6. auf befehl Mukallüs, des Militaers, 

7. Mukallü, der Militäer 

8. wird er seine worte erfüllen? etc. 

Wird also diese tafel den beginn des friedens mit Assur- 
banipal, wovon noch zu handeln sein wird, bedeuten, so geben 
einige andere auskunft über weitere angriffe der verbün- 
deten- auf assyrisches gebiet, dabei wird der führer nicht mehr 
genannt, oder die namen sind nicht mehr erkennbar erhalten, 
ob in der einen davon ISkallü von Tabal genaniit war, ist 
nicht ganz sicher, sie lautet Knudzon 54: 

1. Ich frage dich, o Samas 

2. [wird entweder I-]8ik(?)-ka-lu-u der Tabaläer [oder Mukallü der Militäer] 

3. etwas ersinnen und erdenken 

4. . «. . . . werden sie ausziehen 

5. um kämpf und schlacht zu liefern ? 



— 128 — 

Offenbar, ist hier hinter dem Tabaläer auch noch der Mili- 
täer erwähnt gewesen, da deutlich von mehreren die rede ist, 
und die anfrage kann also mit 56 und 57 zusammengestellt 
werden, anders verhält es sich jedoch mit den folgenden. 

Knudtzon 60. 

1. [Samas, wonach ich dich frage etc.] 

2. wird vom heutigen tage, dem zehnten des laufenden monats, des . . . ., 
bis zum . . . des monats 

3. des laufenden jahres, dreissig tage und dreissig nachte, als betrag 
der zeit, 

4. werden im verlauf dieser zeit, entweder 

5. oder die Tabaläer, oder die Hilakäer, etwas ersinnen 

6. oder erdenken? werden sie vom orte, wo sie stehen, sich aufmachen 

7. nach Kui ziehen? •. . 

8. deine grosse gottheit weiss es 

\d. von Eu-uz-zu-ra-ak*) 

1(X entweder die Tabaläer od«r Hilakäer . . . 
11. nach Kui 

• 

Es handelt sich um einen einfall der Tabaläer und Gilicier 
— deren sitze also hier deutlich mit den für die Sargonzeit 
ausfindig gemachten identisch sind — über den Taurus in das 
gebiet der assyrischen provinz Kuf. 

Etwa gleichlautend muss Knudtzon 62 gewesen sein, wo- 
von nur erhalten ist: 

Bs. 2 Samas, grosser herr, 

3. [wenn vom etc des laufenden monats] Ab 

4. [bis zum etc. des la]uf enden Jahres 

5. [entweder ] oder die truppen der Hilakäer 

6. [ oder die truppen der Tjabaläer 

Recht wichtige aufschlüsse hätte uns endlich die tafel 
Knudtzon 62 — 63 geben können, da sie führer namhaft machte : 

1. Samas, grosser herr, wonach ich dich [frage, darauf gieb mir getreulich 
antwort: 

2. vom heutigen tage, dem 26ten des [laufenden monats, des , 

des laufenden jahres, 

3. bis zum 26]ten tage des monats Tasrit [des laufenden jahres 30 tage 
und 30 nachte als betrag der zeit: 



*) Als Personenname bezeichnet, in der z. 4 entsprechenden zeile 
der rs. war ein volksname genannt, der Ku-u]s .... beginnt, der 
herausgeber der tafeln will daher hier das det. pers. als fehler ansehen 
und in z. 4: amilu Ku-uz-zu-ra-ak-ka-ai lesen. 



— 129 — 

4. weoD im yerljaufe dieser [zeit Assarhaddon (oder Assarbanipai), könig 

von Assyrien, plan und entschluss fasst] 
5 welche bei den .... äern*) 

6. [wenn Assarhaddon (oder Assurbanipal) etc. plan und entschluss fasst, 
(zu ihnen) schickt 

7. [wird dann ......... -sa-at-tu*' und seine truppen 

8 -ni, der söhn von Kan-da-a und seine truppen, 

9 die äer und die gilakäer 

10 die deine grosse gottheit kennt, 

abgebrochen. 

Das Yolk, welches mit den Hilakäern zusammen genannt 
wird, werden wol die Tabaläer gewesen sein, wer aber der 

häuptling war, dessen name . . . -§a-at-tu-' lautete, und -ni, 

söhn von Kandä, waren, darüber fehlt vorläufig jeder anhält, 
so g^m man auch gerade hierüber auskunft haben möchte.^) 

Ziehen wir das ergebnis aus den einzelnen bis jetzt fest- 
gestellten angaben, so werden wir anzunehmen haben, dass bei 
allen Unternehmungen in diesen gegenden ofienbar Mukallü 
di(5 treibende kraft ist. er erobert Malatia, verbündet sich 
dann mit ISkallii von Tabal und beunruhigt mit diesem zu- 
sammen die assyrischen gebiete, alles das findet noch unjlbr 
Assarhaddon, also um 675 statt, wenige jähre darauf, sogleiqh 
nach Assurbanipals regierungsantritt huldigt er Assurbanipal, 
aber er heisst jetzt „könig von Tabal'^ und von ISkallü ist 
keine rede mehr, dessen gebiet besitzt er also jetzt, mag er 
es nun auf friedlichem wege — er könnte ja ein verwandter 
von Kkallu gewesen sein — oder durch gewalt genommen 
haben, auch vorher werden zweifellos die beunruhigungen des 
gebietes von Kul, das noch assyrisches gebiet ist, erfolgt sein 
die deutlich schon von dem herrn von Tabal und Hilaku aus- 
gehen, als welchen wir nur Mukallü ansehen können, ob er 
bereits damals £ul besetzt hat, kann dahingestellt bleiben, auf 

^) Best eines völkernamens; erg. also: die äer, welche 

bei den äern stehen? 

^) Die namen sehen lydisch aus. man vgl. die namen auf -(oti}; 
und Kandaules. in Kandä den letzteren zu sehen, wäre historisch mög- 
lich, da sein nachfoiger Gyges etwas später unter Assurbanipal genannt 
wird, dieser als Usurpator würde dann röckhait bei Assyrien gesucht 
haben, während Kandft-Kandaulcs sich feindlich gestellt hätte, dessen 
Stellung unter Assarhaddon würde dieselbe sein, wie dieMitä*s unter Sargen. 



— 130 — 

jeden fall ist das geschehen, sobald Assyrien nicht mehr im 
stände war, diese grenzen zu schützen, und das dürfte ziem- 
lich früh eingetreten sein, wol spätestens mit dem aufstände 
§ama§-§um-ukins oder noch früher, jedenfalls macht sich ein 
schwinden des assyrischen einflusses in £leinasien sehr bald 
nach Assurbanipals triumphbericht über die annäheruog von 
Gygös geltend, da dieser die Verbindung wieder aufgiebt, und 
dafür den abfall Ägyptens unter Psammetich unterstützt. 

Ob daher Kul schon besetzt war, als Mukaliü etwa 667 
seinen frieden mit Assyrien machte, das seinen besitzstand 
gegen die tributpflicht anerkannte, oder erst etwas später, so 
viel ist für uns jetzt klar: wir sehen in diesen nachrichten das 
cilicische reich, das uns zu Nebukadnezars zeit unter dem 
Syennesis Herodots entgegentritt, entstehen. 

Das einmal festgestellt, brauchen wir uns auch nicht mehr 
zu wundern, wie seine herrscher dazu kamen, sich könige von 
Hilaku d. i. der landschaft am Halys zu nennen, das ist die- 
jenige landschaft, welche den natürlichen mittelpunkt ihres 
neuen reiches bildete, wenn sie Melitene, Tabal, wol auch Tho- 
garma (das ehemalige Mu9ri mit Gomana) und Kul besassen, 
so erklärt es sich auch, wenn in den letzten orakelanfragen 
die Hilakäer hervortreten, die in den ersten noch nicht genannt 
werden, möglich ist auch, dass Hilaku der heimatsgau Mu- 
kallüs war, über dessen herkunft wir nichts feststellen konnten. 

Mit der ohnmacht Assyriens nach Assurbanipals tode (626) 
und mit dem fall Ninives im jähre 606 war natürlich dieser 
neue Staat in eine vorteilhafte läge gerückt, weder die Meder 
noch Nebukadnezar haben sich an ihm vergriffen; ganz deut- 
lich beschränkt sich Nebukadnezar, als er im jähre 605 die 
ihm zugefallenen provinzen besetzt, darauf, sich nur Syrien zu 
sichern, also die Damaskusroute der Assyrer einzuschlagen, 
das Hilakureich von Malatia bis an den Halys und Tatasee und 
im Süden bis ans meer, rührt keiner von beiden an. am Halys 
und im westen ist aber das lydische reich dessen nachbar, und 
so begreift es sich, wenn bei der friedens Vermittlung nach 
der Schlacht am Halys der friede zwischen Alyattes und Kya- 
xares als gleichberechtigte mächte Hilaku und Babylonien er- 
scheinen, in der tat gehörte diesen vier damals der vordere 



— 131 — 

Orient mit Kleinasien, und bei der Vermittlung trat natur- 
gemäss Bäbylonien für seinen nachbarn und verbündeten Me- 
dien ein, während Hilaku im gleichen Verhältnis zu Lydien stand. 
Das war im jähre 585; unter Astyages wird sich an diesem 
Verhältnis nichts geändert haben, erst unter Gyrus wurde 
Medien-Persien übermächtig, ehe Cyrus den auf seiner künst- 
lich geschaffenen inseU) vorläufig unangreifbaren aber isolirten 
Nabunid angriff, sicherte er sich den übrigen Orient. Lydien 
leistete widerstand, von dem reiche Cilicien verlautet kein 
wort, das .beweist, dass es sich ohne weiteres unterwarf, d. h. 
dass der könig sein reich von Persien zu lehen nahm und sich 
dadurch seinen besitzstand im wesentlichen sicherte, allmälig 
ist dann dieser Vasallenstaat auf das südlich vom Taurus ge- 
legene gebiet mit der hauptstadt Tarsus zurückgedrängt wor- 
den, wie viel ihm etwa schon unter Cyrus genommen wurde, 
muss dahingestellt bleiben, bei Herodot (III, 90) scheinen aber 
in der tribuüi&te, wie sie unter Darius festgestellt wurde, unter 
KiXivKov noch das zur ehemaligen Assyrerzeit als Kul und 
Mu9ri bezeichnete gebiet, das damals wie jetzt pferde stellen 
musste, verstanden zu werden.^) 



Wir sind bei Sargon dem früher nur bei Tiglat-Pileser L 
vorgefundenen namen der Muski wieder begegnet, jetzt aber 
in einer weise, die es uns ermöglichen muss, die sitze dieses 
Volkes zu bestimmen, das um 1100 eatweder noch nicht sess- 
haft war, oder von dem doch nur eine verlorene rotte im links- 
euphratensischen Kummuh mit den Assyrem in berührung trat, 
die örtliche festlegung der Muski Sargons ist bis jetzt aus- 
nahmslos noch nicht richtig erfolgt, und zwar hauptsächlich des- 
halb, weil man sich nicht zu weit von dem orte entfernen wollte, 
wo man sie bei Tiglat-Pileser I. erwähnt fand, und ferner, 
weil man sie dort in enger Verbindung mit den Kasku genannt 
zu finden glaubte. Dazu kam die Zusammenstellung Kasku, 
Tabal, Muski mit Kolcher, Tibarener, Moscher, sodass man sie 

*) F. 8. 509. 

') vgl. obeD 8. 107 anm. 2. Kui und Mupri werden in der Bibel als 
bezngsqnelle für pferde unter Salomo genannt: 1 K5n. 10, 28, wozu 
Alttestamentliche Untersuchungen s. 173 nachzusehen ist. Thogarma 
(Tilgarimmu ^ Mu9ri) liefert pferde £z. 27, 14. 



— 132 - 

im allgemeinen in Cappadocien unterbrachte, wobei sich aber 
allerhand Schwierigkeiten ergaben, ein eingehen hierauf ist 
nicht mehr nötig, wenn wir mit den bis jetzt gewonnenen er- 
gebnissen die angaben der Inschriften selbst ohne vorgefasste 
meinung verhören: 

la. SargoD, Annalen 46: „Im fünften meiner regieningsjahre (717) 
verging sich Pisiris von Gargamis (Karchemisch) gegen die geböte der 
groBsen götter und schrieb an Mitft, könig von Muski, feindseligkeiten 
gegen Assjnen*' etc. 

Ib. Ann. XIV, 41 lautet ebenso, und fügt hinter „feindseligkeit 
gegen Assyrien" hinzu: ,,nahm die iehnshoheit an'^ 

Ic. Nimrudinschr. Jl: (Sargon) der (die bevölkerung von der stadt) 
Sinuhtu (aus ihrer heimat) losriss, Kiakki, den könig von Tabal nach 
seiner Stadt Assur brachte, dem lande Muski sein joch auflegte.'^ (ge- 
schrieben im jähre 717, nach der einnähme von Karchemisch, bezieht sich 
auf dasselbe ereignis wie la). 

2. Ann. 12 — 94. anfang abgebrochen: . . . ., welches am meere 

liegt, welche seit fernen tagen Kul geschlagen 

hatten, ans meer hinunter jagte ich. 

die Städte Harrüa, Uänanis, Ab*?- . . . ., zu Kui gehörig, welche Mita, 
könig von Muski, weggenommen hatte, eroberte ich, ihre beute erbeutete 
ich.'' dasselbe ist gleich darauf noch einmal wiederholt, Ann. 99/100: 
„Mita, könig von Muski, in seinem gebiete [eine niederlage')] brachte 
ich bei, die stadte Harrüa und Usnanis(8o!), festungen von Kui, welche er 
(man) seit lange mit gewalt genommen hatte, gewann ich zurflck"[imjahre7 15]. 

3a. Ann. 171 ff.: (Ambaris von Tabal = Bit-Buritis empörte sich, 
obgleich ich Hulli, seinen vater, — den schon Tiglat-Pileser nennt — 
auf seinem throne bestätigt hatte.) 171. die einwohner von Bit-Buritas 
hatte ich versammelt und ihm (Ambaris) in seine band gegeben, zur 

zeit Hulli *s, seines vaters 172. hatte ich ihm geschenkt, meine 

tochter samt Hilaku ihm gegeben, sein land vergrössert. ^73. jener aber, 
ein unruhiger') köpf, der die treue nicht wahrte, hatte an CJrsä von 

Urartu und Mitfi von Muski ^74. [ ?] von Tabal wegzunehmen 

mein gebiet geschrieben" etc. 

3b. Pr. 29 ff. s. oben s. 121. 

4a. Ann. 178 ff. In meinem 10. regier ungsjahre (712) Tarhunazi 
von Milid (Malatia), 179. der den namen der grossen götter nicht fürchtete : 
das ausgedehnte land Kammanu, welches den eid ulid dienst Assurs, 
meines herm yer[schmäht] : Gunzinanu] 180. ihr[en könig,] hatte ich 

vertrieben wie , ihn selbst (Tarhunazi) auf den königsthron 

gesetzt, [das land Kammanu I8i. hajtte ich ihm unterstellt, die herrschaft 

^) Der text ist verderbt, der sinn jedoch sicher. 
') Aber [ba]-at*tu-u s. F. s. 548, wozu man jedoch jetzt den Zu- 
sammenhang von s. 137 nehme; vgl. s. 114. 



— 133 — 

[ausgedehntjer Ifinder ihm anvertraut, seine gedanken [in bosheit o. ä.] 
182. auf] feindschaft gegen Assyrien [richtete er. im] grimme meines 
heraens daes land Kammanu nach seiner ausdehnung [besetzte ich] 
1^- Milida, seine hauptstadt, wie topfe zerschmetterte ich, seine Unter- 
tanen wie schafheerden i^- trieb ich zusammen, jener aber, um sein 
leben zu retten, begab sich nach Til-garimmu. diese Stadt i^- wie wöl- 
ken umzog ich, die furchtbarkeit meiner waffen fürchteten sie, (unter- 
warfen sich')). Tarhunazi, ^86. ihren fürsten, samt seinen kriegern in 
eiserne fesseln warf ich, seine frau, seine söhne, ^87. peine töchter samt 
5000 gefangenen seiner krieger, nach meiner Stadt Assur brachte ich. 
die Stadt Til-garimmu ^88. begründete ich neu, kriegsgefangene siedelte 
ich dort an. ganz Kammanu 189. besiedelte ich, unterstellte es meinem 
beabaten. Steuer und frohn wie unter Gunzinanu i^- legte ich ihnen 
auf. zehn starke festungen an seiner grenze errichtete ich, und sicherte 
(dadurch) seinen einwohnern die ruhe, i^i- (von diesen zehn:) Luhsu, 

Bnr-dir (?), Anmurru, Ki , Anduarsalia 192. gegen Urartu als 

grenzwacht befestigte ich. Usi, U-si-an (?), Uargin, i^s. an der grenze 
von Muski gründete ich, so dass niemand heraus konnte; lUibir id4. und 

Sindarara gegen die einwohner von [gründete ich 

Ml-[lid-]du (Malatia), seine hauptstadt i^^. samt dem gebiete [welches 
dazu gehört an] Muttallu von Kummu^ [gab ich]. 

4b. Pr. 72—83: Tar^unazi von Mflid sann auf Widerspenstigkeit, 
die geböte der grossen götter verachtete er, verweigerte sein geschenk. in 
meinem zorn Milid, 80. seine hauptstadt, samt den Ortschaften in der 
Umgebung wie topfe zerschlug ich, ihn selbst samt seiner frau, seinen 
söhnen und töchtern, allen schätzen seines palastes. 81. mit 5000 gefange- 
nen seiner krieger aus Til-garimmu, seiner festung, führte ich heraus und 
schleppte ich in die gefangenschaft. 82. Til-garimmu besiedelte ich neu, 
Suti-leute, meine gefangenen siedelte ich in ganz Kammanu an, erweiterte 
das gebiet. 83. jenes land unterstellte ich einem meiner beamten, Steuer und 
abgäbe, wie unter Gunzinanu, dem früheren könig, legte ich ihnen auf. 
5a. Ann. 372 ff. (während ich in Babylonien beschäftigt war (im 
jähre 7 10 ff.) und gegen £lam kämpfte :) hatte mein Statthalter von Kui 

den ich über das land [ , welches an der küste des meeres 873. 

des Untergangs] der sonne gelegen ist, gesetzt hatte, und der dort regierte : 
in das gebiet Mitä's von Muski dreimal 874. günstiges terrain im Streit- 
wagen, schwieriges zu fuss, hatte er einfalle gemacht'); 1000 krieger 
87.5. streitrosse, nahm er; die waffenfähigen, welche wider- 
stand leisteten, erschlug er, seiner festungen / « 

877. den rest?] Hess er leben. 2400.? -leute und sklaven schleppte er 



^) text verderbt, sinn sicher der obige. 

') si-il-pu illik. der sinn muss ungefähr der gegebene sein, das 
wort Silpu ist mir nur hier bekaj^nt: es ist noch nicht erklärt, bei De- 
litzsch, Handwörterbuch fehlt es. 



/ 



— 134 — 

aus dem lande (od. gebirge) fort, die festen etadte sammt den Ortschaften 
ihrer Umgebung 378. eroberte und zerstörte er. seinen boten mit der 
freudenkunde samt 1000 mann kerntruppen nach Irma'mi an der grenze 
von Elam 379. [an michj schickte er und erfreute mich, jener aber, Mitä 
von Muski, der sich meinen Vorgängern nicht unterworfen, nicht gebeugt 

hatte 3S0. seinen sinn: die heldentaten, die mir Assur, der gott 

und Marduk, geschenkt hatten am meere des Ostens, 38i. meine [erfolge], 
die Zerstörung seines landes, die gefangennähme seiner beute, die Unter- 
werfung von Uplri, dem könig von Dilmun, das inmitten des meeres 

liegt, -^' inmitten seines landes Verwüstung 

vernahm er,] seinen boten, der seine Unterwerfung 

nebst tribut und geschenken überbringen sollte, 383. zu mir schickte er 

5b. Pr. 150 ff. (während ich im osten kämpfte): mein beamter, der 
Statthalter von Kui, in das gebiet Mitä's l^i- von Muski, dreimal machte 
er einfalle (si-il-pu illik), seine städte zerstörte er, schwere beute machte 
er. i^'^* jener aber, Mitä von Muski, der sich meinen Vorgängern nicht 
unterworfen, nicht gebeugt hatte seinen sinn, seinen boten um lüs. seine 
Unterwerfung nebst tribut und geschenken zu überbringen nach dem 
meere des Ostens schickte er. 

6. Ann. XIV, 16 nebst parallelstellen der kleineren inschriften : ich 
führte aus dem lande fort Kaskn, Täbal, Hilaku, ich trieb zurück 
Mitä, könig von Muski. 

7. Als grenze der eroberungen wird bei den aufzählungen angegeben : 
von Jatnana (Cypern) im meere bis zur grenze von Musri (das arabische 
Mu5ri-Midjan etc.) und Muski : 

Was diese angaben zur bestimmung und läge der rolle 
von Muski gewähren, ist folgendes : No. 1 beweist, dass Muski 
eine grossmacht gewesen sein muss, wenn der zweifellos weit 
von ihm entfernt liegende Staat von Karchemisch bei ihm hilfe 
sucht, um von der bis dahin stets anerkannten assyrischen 
Oberhoheit loszukommen, zu beachten ist, dass im jähre 717 
Sargons einfluss im nördlichen Syrien noch nicht wieder ganz 
hergestellt ist, dass also jetzt ein westlich vom Taurus gelegener 
Staat seinen einfluss dort geltend machen kann, ebenso wie 
unter Tiglat-Pileser III. es Urartu getan hat, und auch um 
diese zeit wieder versucht. 

No. 3. Tabal, unter Tiglat-Pileser gefügig, sucht jetzt rückhalt 
bei Urartu und Muski. aus dem, was wir über Urartus durch Tiglat- 
Pileser IIL vernichtete machtentfaltung in Syrien wissen, haben 
wir zu schliessen, dass es sich um auch sonst bezeugte versuche 



•- 135 — 

ürsäs handelt, diese wieder herzustellen, dann folgt aber 
für Muski selbst daraus, dass es eine gleiche bedeutung ge- 
habt haben muss, d. h. dass es eine ebenbürtig neben 
Urartu, und bis zu einem gewissen grade neben Assyrien 
selbst stehende grossmacht war. wir haben es also hier in 
einer gleichen rolle, wie wir sie für die reiche von Cilicien 
und Lydien um 585 festgestellt haben, das ist auch ganz 
selbstverständlich, denn nur bei einem grossstaat konnte ein 
Vasallenstaat rückhalt finden, alles das bestätigt und ergänzt 
also das aus no. 1 gewonnene ergebnis. 

No. 4 beweist, dass es sich bei Cappadocien und Melitene 
darum handelt, es vor dem einfluss von Urartu im nordosten 
und von Muski im nordwesten zu schützen. Melitene und das 
gebiet zwischen Taurus und Antitaurus (Thogarma, Mu9ri) 
werden durch festungen geschützt, von denen fünf gegen 
die urartäische, also gegen die nordöstliche grenze, gegen 
den Kara-Su hin, gerichtet sind, während die drei gegen 
Muski gerichteten, da der süden, wo Tabal liegt, nicht in be- 
tracht kommt, sich gegen die obere Halyslinie kehren.^) der 
Halys ist also hier ganz deutlich die grenze des grossstaates 
Muski. bis dahin, wo dessen lauf sich nach norden wendet, 
ist das linke ufer — Tabal-Hilaku — unter assyrischem ein- 
fluss, also eben so weit, wie das spätere Cappadocien reicht, 
während das rechte Muski gehört. 

No. 2 und 5 zeigen uns den könig von Muski an einem 
ganz anderen ende tätig, und liefern damit den endgültigen 
beweis, dass wir es hier in der tat mit einem grossstaat zu tun 
haben, zwar ist beide male der name abgebrochen, der die 
landschaft selbst bezeichnete, es ist jedoch völlig klar, dass es 
sich in no. 2 um am meere gelegene platze der westlichen 
grenze von Kul, also um solche der Tr&chaiotis, handelt, ob 
das auch in no. 5 der fall ist, bleibt unklar, da dort (in 
zeile 376) das „am meere" freie ergänzung ist. das kann uns 
jedoch gleichgiltig sein, denn wenn nicht um die Trachaiotis, 



*) die dritte front, die durch die zwei festungen verteidigt wird, 

und gegen die ^^leiite von ** gerichtet ist, kann nur gegen norden 

direct gehen, gegen gebirgsvölker im westlichen rAndgebirge von Arme- 
nia major. 

Wiockler, Forschunt^eu IP. 1(/ 



— 136 - 

so kann es sich nnr um die südlichen teile von Lykaonien, 
also die landschaft von Iconium handeln, auf jeden fall ist 
klar, dass nach no. 2 sich der könig von Muski im westlichen 
Cilicien festgesetzt hatte und aus den besetzten städten ver- 
trieben wird, während in no. 5 ein paar jähre später die As- 
Syrer sein eigenes gebiet angreifen. 

Aus alledem geht hervor, dass wir es mit einem Staate 
zu tun haben, der sowol am oberen Halys, wie am Taurus 
nach Osten vordringt, und dessen grenze also von norden nach 
Süden um das spätere Cappadocien herumläuft, ein blick auf 
die karte zeigt dann, dass er am mittleren Halys dessen beide 
ufer besessen haben muss, also die spätere landschaft Galatien, 
und dass ihm Lykaonien gehört hat. die geographie und die 
weitere geschichte lehrt aber dann weiter, dass das allein noch 
kein Staat gewesen sein kann, sondern dass zu Lykaonien un- 
bedingt Phrygien mit gehört haben muss, wo ja die landschaft 
von Iconium selbst als phrygisch stets gegolten hat (Xenophon, 
Anab. I, 2), und wenn wir so über ausdehnung und be- 
deutung dieses Staates, der deutlich zu Sargons zeit dieselbe 
rolle spielt, wie unter AssurbanipaJ Lydien, uns klargeworden sind, 
und uns den namen seines königs ansehen, dann finden wir, 
dass es laut für laut^) ein wolbekannter ist: Midas. Mitä von 
Muski, bei Sargon bezeugt von 717 bis etwa 707, wo er seinen 
frieden mit Assyrien macht, ist Midas von Phrygien, ver- 
mutlich derselbe, der später beim andringen der Kimmerier 
(nach der Überlieferung um 696 oder 676) den Zusammenbruch 
seines Staates erlebte und sich selbst den tod gab. 

Nun bestätigt sich auch, was wir aus der natürlichen ent- 
wickluog der dinge folgern mussten : wenn die Muski nach westen 
gedrängt wurden, so mussten sie die erben der Hatti am Halys 
und soweit d^ren macht und kultur sichnach westen er- 
streckt hatte, werden. Mita von Muski besitzt die landschaften 
am mittleren Halys mit dem alten „Hethiter"-sitz Pteria und 
das kulturland am Sangarios, und — ist es zufall oder eine erinne- 



^) Da ein m im namen ist, so muss assyrisches t einem d ent- 
sprechen, da bei einer liquida im worte muta und tenuis wechseln : Sarru- 
ukin, hebr. Sargon, Tuktammi Jvy^afus, Tukulti-apiMsarra Tiglatpileser. 



— 137 — 

rung an alte Überlieferung?: an den erben des Hattireiches, an 
denjenigen, der dasselbe für jeden „Hattäer" ist, was damals 
der Assyrer für jeden Semiten der Euphratniederung, an diesen 
„könig von Hatti", wie er neben seinen anderen titeln zweifel- 
los sich ebenso genannt haben dürfte, wie Sargon sich die alten 
babylonischen königstitel „könig von Sumer und Akkad" etc. 
beilegte, an diesen wendet sich der könig des letzten Hatti- 
staates in Syrien, als er von der assyrischen Oberhoheit los- 
kommen will, es kann ja zufall sein, und zum mindesten hat 
eine solche Überlieferung nicht den ausschlag gegeben, aber 
auffällig bleibt, dass Urartu, das näher lag, und erst von Tiglat- 
Püeser aus Syrien vertrieben worden war, gerade beim abfall 
von Karchemisch nicht genannt wird, und wenn auch solche 
Überlieferungen naturgemäss in politischen fragen nicht den 
ausschlag geben, so pflegt man sie in solchen fällen doch vor- 
zusuchen. auch in Karchemisch, i) das ja ausdrücklich bis zuletzt 
als Hattistaat bezeichnet wird — im gegensätz zu allen übrigen 
mittel- und nordsyrischen der Assyrerzeit — hat man natürlich 
die geschichte für die 6 — 700 jähre gekannt, welche seit der 
eroberung Syriens durch diejenigen Hatti verflossen waren, deren 
sitz am Halys die babylonischen und assyrischen nachrichten 
des 3. und 2. Jahrtausend kennen. 



^) Aus diesem zusammenhange heraus wird sogar die bezeichnung 
von Karchemisch als gatiiland gerade unter Sargon zu erklären sein. 



Dezember 1897. 



Aesehylus Persae 751—767. 



MrfSog yaq r^v 6 nqonog riye^itov axQajov 
ttkXog (f ixeivov netig toö Igyov iipvas' 
(fQ€v€g yag avrov d-vfiov oinxoajQOffow. 
jQiJog (f'«7i* avrov Kvgog evötuficjv -civriQ, 
ttQ^ag Id-rixe naatv ffgrivrjv ffikoig' 
Av^fov (ff Xitov x(u ^Qvyojv ixTriattro, 
^[(oviav Se naaav iiXuatv ßi^. 
&€og yaQ ovx rJx^OQ^'^f wf evffgwv iqv. 
KvQov ^e naig rtraQjog ltf-vv€ argcciov. 
TiifjLnrog di Maq^og r,Q$ev, aia^^^^l tihtq^, 
&oovoun T ttQ^fuoiai' rov &t aw Soko) 
4(na(f>Qfvr}g ^xxHviv iad-Xog iv Sofioig, 
^w av&QttOiv (f'iXoiaiv, otg TO<f* r^v /Qtog. 
ixTog (f(E Magaifig, kßSofiog r* * AqraifqivYig, 
xdya) naXov S^ixvgaa jovthq ri^eXov, 
xaneaTguTSvait noXXa avv noXXq) OTQnjtp, 

Die stelle ist bekanntlich die älteste griechische äusserung 
über die persischen könige. dass sie über Kyros und Kambyses 
in Übereinstimmung steht mit der allgemeinen Überlieferung, 
wie sie namentlich bei Herodot vorliegt, braucht nicht weiter 
wunder zu nehmen, und ebenso wenig, dass auch über Maqdoq 
d. i. Bardiya dasselbe urteil gefällt wird, das Darius in der 
Behistuninschrift giebt, das also das officielle des persischen 
hofes war. zu beachten wäre allerdings hier schon, dass bei 
Herodot über den angeblichen Magier^) auch züge berichtet 
werden, — so die art, wie er die Völker für sich gewann 
(Herodot III 67), — von denen Darius natürlich nichts ver- 
lauten lässt. es ist ganz natürlich, wenn Aesehylus Darius 
äusserungen in den mund legt, welche eben mit der persischen 



^) B. Orieotal. LitteraturzeituDg 1898, Heft 2, Sp. 40. 



— 139 — 

officiellen meinung sich decken ; je mehr seine worte aber dabei 
an Darius^ eigene inschrift erinnerten, um so mehr muss es auf- 
fallen, dass dann noch ein sechster und siebenter herrscher vor 
Darius aufgezählt werden, von denen sonst nicht die rede sein' 
kann, und deren erwähnung man als typisch fabelhaft ange- 
sehen hat.^) 

Das ist sehr auffällig, und v^ird es immer mehr, je mehr 
man den Wortlaut der stelle mit Darius' urteil über den Magier 
vergleicht, und sich fragt, woher denn Aeschylus, der sich 
deutlich von der Herodotischen Überlieferung auch in bezug 
auf die beiden ersten Mederkönige entfernt, seine angäbe ge- 
nommen haben kann.^) beachtenswert dabei ist, dass Bardiya 
als könig gezählt wird, während die spätere officielle königs- 
reihe, wie sie uns in den babylonischen königslisten und dem 
ptolemäischen Kanon vorliegt, seine regierungszeit einfach Darius 
giebt, von ihm also nichts mehr wissen will, so viel ist also 
klar, hier erwähnt Darius noch einen rebellen, der später nicht 
mehr als könig anerkannt wurde. 

Wenn aber in diesem falle ein gegner, der später als 
rebell behandelt wurde, noch als gleichberechtigter herrscher 
angesehen wird, so ist nichts einfacher, als für die beiden fol- 
genden dasselbe zu vermuten, in betracht kommen können 
dabei naturgeraäss nur solche von den zehn gegnern, von denen 
Darius in der Behistuninschrift berichtet, welche in Persien 
und in Susa anerkannt wurden, und wenn wir nun nach- 
sehen, so finden wir, dass in der tat ausser dem „Magier" noch 
zwei andere sich auf Persien stützten und dort sowie in Susa 
ein zeit lang als könig galten, es sind Martiya (II, 3), der in 
Persien sich erhebt, sich für einen nachkommen des alten 
susischen königshauses ausgiebt, und in Susa sich kurze zeit 
behauptet, und Vahyazdata (III, 51), der sich in Persien als 



*) Meyer, Gesch. d. Altert. I, § 412 anm.: „zu weiteren ausbau dieser 
geschichUconstructionen sind Mar Apas Katina und Aeschylus Persae 
7G5 ff. mit den königen Maraphis und Artaphrenes bestens zu empfeblen." 

') der ausweg, dass der vers glosse sei, ist denn doch zu wolfeil. 
woher hätte ein glossator seine, mit der allgemein bekannten Überlieferung 
im Widerspruch stehende Weisheit genommen? 



Bardiya ausgiebt, und iu „Peilen die herrschaft ausübte^. 
von den übrigen kommt feeioer in betracbt, da m nur in 
anderen reichsteilen anerkannt wurden, aber eine anschauüng, 
die den „Magier" aufzählt, musste ganz ebenso diese beiden 
berücksichtigen, denn beide waren ja tatsächlich ebenso wie 
jene berren von Fersien (resp. Subh) gewesen, dass die namen 
nur verstümmelt vorliegen können, bedarf keiner erwiUinnng, 
aber der erste von beiden, Maraphis, sieht seinem urbJlde Mar- 
tiya zum mindesten so ähnlich wie IHaßdog dsm Bardiya, und 
dass bei der Überlieferung des zweiten mehr als blosse »er- 
scbreibungen in anscblag zu bringen sind, wird durch das 
vorkommen desselben namens zwei verse vorher an die band 
gegeben. 

Diese erklärung wird mir nun noch wahrscheinlicher durch 
eine tatsache, in der ich jetzt keinen blossen zufall mehr zu 
sehen vermag, ich habe, ohne je an Aeschylus zu denken 
(Unters, z. altor. Gesch. s. 124), ausgeführt, dass Darius als 
ersten könig der Meder Kyaxares ansehe, dass er also von 
einem Pbraortes und Deiokes nichts wisse, die damals auf 
grund einer angäbe Nabonids aufgestellte auffassung von Astya- 
ges als „Skythen", nicht als Meder, hat sich seitdem so erklärt, 
dass Nabonid überhaupt in seinen inschriften die archaistische 
bezeicbnung (¥anda) für die barbarenvölker des nordostens für 
die Meder mit verwendet, sodass jetzt nichts im wege steht Astyages 
als söhn von Kyaxares anzusehen : dann haben wir aber bei 
Aeschylus auch hier dieselbe auffassung, wie sie Därius in 
seiner Inschrift vertritt, die also doch auch die richtige war. 
ich kann dem g^enilber nichts anderes annehmen, als dass 
wir in der tat bei Aeschylus eine ansieht vorliegen haben, 
welche der ofSciellen persischen der Dariuszeit entspricht, eine 
tatsache, welche doch auch wahrlich bei einem Salamiskämpfer, 
der bei persischen gesandten oder gefangenen sich unterrichten 
konnte, nichts auffälliges hat 

Im anschluss daran möchte ich noch einen dritten punkt 
berühren, welcher diesen nunmehr als durchaus glaubwürdig, 
und vor der übrigen griechischen Überlieferung zu bevorzugen- 
den angaben eigentümlich ist, wenngleich wir auf eine bestä- 
tigung durch die inschriften hier noch verzichten müssen, man 



— 141 — 

nimmt gewöhnlich an, das phrygische reich sei mit dem tode 
Midas' gelegentlich des angriflfes der Kimmerier vernichtet wor- 
den und nachher nicht wieder erstanden, das gebiet sei dann 
im wesentlichen an Lydien, als dieses unter Ardys sich wieder 
von dem erhaltenen schlage erholte, gekommen, sodass wir 
Croesus im besitze von Kleinasien bis an den Halys finden. 

Nun liegt bei Herodot eine Überlieferung vor, welche mir 
bis zu einem gewissen grade dieser auf grund eben seiner 
gesamtanschauung gewonnenen ansieht zu widersprechen scheint, 
in der bekannten erzählung (I, 34 ff.) von dem tode von Croe- 
sus' söhn Atys können wir natürlich nichts als einen an seine person 
geknüpften mythus sehen, aber gerade die geschichtliche an- 
knüpfung, weil sie mit der übrigen anschauung Herodöts sich » 
kaum verträgt, scheint eine gute Überlieferung zu enthalten: 
der unfreiwillige mörder ist nämlich Adrastos, söhn von Gor- 
dias, söhn von Midas, ein „Phryger, aus königlichem geschlechte", 
welcher mit blutschuld belastet, weil er unfreiwillig seinen 
bruder getötet hat, aus Phrygien entflohen ist und von Croesus 
entsühnt wird, nun kann man ja nachkommen des phrygi- 
schen königsgeschlechtes auch noch annehmen, nachdem Phry- 
gien selbst nicht mehr selbständig ist, aber mir scheint dem 
doch die ganze zu gründe liegende Überlieferung zu wider- 
sprechen, was ich daraus entnehmen würde, wäre, dass es 
sich um einen phrygischen prinzen handelt, der bei dem be- 
nachbarten nebenbuhler schütz sucht und bereitwilligst findet, 
warum flieht er nach Lydien, wenn seine heimat Croesus ge- 
hörte? streng beweisend ist hier freilich nichts, die natür- 
lichere auffassung, wenn man noch keine bestimmte meinung 
hat, liegt aber zweifellos in dieser richtung. 

Soweit hatte ich mir meine meinung über diesen punkt 
unabhängig von diesem zusammenhange gebildet, nun hat sich 
herausgestellt, dass die Aeschylusstelle eine bessere kenntnis 
der persischen Verhältnisse zeigt, als sie Herodot besass. darin 
wird aber neben dem lydischen als erobertes reich auch das 
phrygische genannt, dass es sich hier um eine blosse an- 
führung der massgebenden landschaften — Lyder, Phryger, 
Jonier — handelt, halte ich nicht für möglich, eine gewisse 
selbständige existenz muss für Phrygien auf jeden fall daraus 



— 142 — 

geschlossen werden, es mag unter lydischeni einflusse, auch 
zeitweise unter seiner Oberhoheit gestanden haben, es muss 
aber bei der persischen eroberung Cyrus in eben der weise 
selbständig gegenüber getreten und ebenso gefallen sein, wie die 
ionischen städte. die herodotische Überlieferung, die nichts von 
Phrygien weiss, ist kein zeugnis dagegen, wenn Croesus mit 
Cyrus am Halys zusammenstösst, so scheint das allerdings da- 
gegen zu sprechen, allein hier könnte ja Phrygien nur ge- 
zwungen folge geleistet haben; auch wäre eine ausdehnung 
Lydiens nach osten denkbar, ohne dass wenigstens das ganze 
Phrygien ihm gehört hätte, zu beachten ist auch, dass die 
herodotische Überlieferung über den lydisch-persischen krieg 
manches fabelhafte enthält. 

Dezember 1897. 



Drack tod Adoph Mehnert, Leipzig, KOnlgftitt. 



Zeit und Verfasser des Kohelet. 



Dass Eohelet aus der grandschrift eines pessimistischen, 
den gang der dinge von rein weltmännischem Standpunkte aus 
ohne jede anlehnung an anschauungen der jüdischen religion 
beurteilenden Verfassers besteht, dessen aussprüche durch spä- 
tere bände abgeschwächt und zum teil direct widerlegt werden, 
ist eine tatsache, die sich jedem vorurteilslosen leser sofort 
aufdrängt,^) und welche dunkel bereits von der älteren er- 
klärunganerkannt wurde, indem diese Widersprüche im buche fand, 
bekannt ist, dass der schrift die aufnähme in den kanon bis 
in nachchristliche zeit bestritten worden ist, was weiter nicht 
sonderbar ist, wenn man aussprüche darin liest, deren kühle 
beurteilung menschlichen getriebes allem widerspricht, was eine 
orthodoxe religion je gelehrt hat, und was der modernste der 
modernen nicht schärfer ausdrücken könnte. 

Man fragt sich, wie es unter diesen Verhältnissen möglich 
war, dass ein buch, dessen grundstock eben in einer polemik 
gegen alles bestand, was das wesen derjenigen lehren aus- 
machte, die eine berechtiguug zur aufnähme in den kanon 
verliehen, trotzdem überhaupt einen anspruch erheben konnte, 
mit den Schriften der Orthodoxie gleichgestellt zu werden, man 
kann sich die judäische litteratur nicht so arm denken, dass 
überhaupt alles, was zu einer gewissen zeit vorhanden war, 



1) Ich verweise im allgemeinen auf die quellenscheidung bei Sieg- 
fried , Prediger und Hobeslied (Handcommentar z. A. T. hg. von 
Nowack), der drei interpolatoren unterscheidet: einen ^^Epikuräer^', welcher 
dem Pessimisten gegenüber die freuden des lebens verteidigt, einen weisen 
(chakam)y welcher die resignirende Weisheit gegenüber dem getriebe 
der t hören zur geltung bringt, und einen glossirenden frommen (chasid). 
vgl. meine ausführungen in der Orientalistischen Litt.-Zeit. 1898, 314. 

Winckler^ Forschungen 11^. gedruckt im october 1898. 11 



— 144 — 

in eine orthodoxe Sammlung aufnähme finden musste. wir müsset! 
uns doch zweifellos vorstellen, dass eine grosse anzahl von 
Schriften verloren gegangen ist und darunter solche, welche 
im kanon gar nicht vertretene geistfesrichtungen und Wissens- 
gebiete behandelten, ebenso wie die Schriften derjenigen pro- 
pheten, welche gegen die hierarchie seit den zeiten eines Ma- 
nasse auftraten, verloren gegangen sind, weil sie die äusser- 
ungen „falscher propheten" waren, so musste das geistig reg- 
same Judentum, welches babylonische Wissenschaft aufgenom- 
men hatte und kleine reste von seiner Vertrautheit damit in 
stücken wie Genesis 14, in der herstellung der Chronologie der 
königsbücher u. ä. hinterlassen hat, auch eine umf augreiche 
litteratur hervorbringen, welche von den lehren der Orthodoxie 
sich entfernte und oft in unmittelbarem gegensatz dazu stand, 
warum sollte aus dieser menge heraus gerade das kleine schrift- 
chen des Kohelet aufgenommen worden sein, während so vieles 
von vornherein als „weltlich" nicht in betracht kam? 

Den Vorzügen der polemik, welche in den verschiedenartigen 
Zusätzen, und besonders in denen von späterer band, gegen die 
ansichten der Urschrift zum ausdruck kommt, ist das schwer- 
lich zuzuschreiben, abgesehen davon, dass sie meist herzlich 
schwach ist und bis auf den heutigen tag den äusserungen des 
alten Skeptikers ihren reiz nicht zu nehmen vermocht hat, ist 
ja diese polemik eben erst durch die tatsache hervorgerufen, 
dass dem buche aus irgend welchen gründen eine beachtung 
geschenkt wurde, welche es unmöglich machte, es kurzer band 
bei Seite zu schieben, wie man es mit so manchem andern 
ketzerischen erzeugnis gemacht hat. wenn man die in dieser 
polemik zum ausdruck kommenden lehren in den kanon 
aufnehmen wollte, so hatte man sicher andere gelegenheit da- 
zu, und ebenso wenig wie moderne Orthodoxie einen mangel- 
haft interpolirten Heine oder Darwin als katechismus ihrer 
glaubenslehre verwenden wird, ebenso wenig würde das die 
Orthodoxie etwa des letzten vorchristlichen Jahrhunderts getan 
haben, wenn nicht irgend ein zwingender grund dazu vorlag.') 

') Aehnliches dürfte für die andere scbrlft gelteD, deren aufnähme 
in den. kanon so grosses befremden erregt: das Hohelied, über dessen 
abfaasungsort und ungefähre zeit man F. s. 292 ff. vergleiche. 



— Üb - 

Wenn -wir aber diesen grund nicht in der schritt selbst — 
weder in ihrer ursprünglichen noch in ihrer letzten gestaltung 
— zu finden vermögen, dann bleibt kaum etwas anderes übrig, 
als ihn in der person des Verfassers zu suchen, es ist zum 
mindesten aus diesen erwägungen heraus wahrscheinlich, 
dass der Verfasser eine person gewesen ist, dessen Stellung es 
ihm möglich machte, seine schrift, im sinne von litterateu- und 
gelehrtenklüngeln gesprochen, in einer weise zu „lanciren", 
dass sie schlechterdings von der Orthodoxie nicht totgeschwiegen 
werden konnte, eine solche Stellung kann aber unter den 
Verhältnissen jener zeiten nur eine politisch einflussreiche ge- 
wesen sein; das ansehen eines blossen geistesheroen würde dazu in 
einer zeit, welche buchdruck nicht kannte, nie genügt haben. 

Alle diese erwägungen führen also darauf, dass der Ver- 
fasser eine massgebende person im Staate gewesen sein muss, 
eine person, welche über die macht verfügte, der Orthodoxie 
so lange schach zu bieten, bis eine einfache beseitigung ihrer 
schritt nicht das Schicksal so mancher andern ähnlichen zu 
teilen brauchte, eine solche person kann aber nur die leitende 
im Staate selbst gewesen sein, also ein könig oder hoherpriester. 

Diese feststellungen führen uns nun aber zu einem ergeb- 
nisse, welches mit den angaben der schrift selbst in vollkom- 
menstem einklang steht, der Verfasser selbst sagt ja, dass er 
ein „könig in Israel" war. man könnte unter andern Verhält- 
nissen darin nur eine erscheinung erblicken, wie sie in den 
pseudepigraphien der in betracht kommenden zeit uns ent- 
gegentritt, und wenn uns nicht unsere hiervon ganz unab- 
' hängigen gründe zur gegenteiligen auffassung führten, würden 
wir auch von vornherein geneigt sein, das zu tun. so aber 
bleibt uns keine wähl, als in diesen angaben, welche ja auch 
den grundklang aller ausführungen der Urschrift bilden, eine 
tatsächliche angäbe zu sehen, welche den Zeitgenossen den Ver- 
fasser in poetischer weise genau bezeichnete, und damit der 
vernichtenden kritik von anathema, feuer und vornehmem 
beiseiteschieben einen riegel vorschob, „deshalb weil das 
gebot des königs die gewalt hat" (7, 4) und „auch in deinen 
gedanken fluche nicht dem könig .... denn das gevögel des 
himmels trägt die rede fort" (10, 20 meint einer der weisen 

11* 



^ 146 — 

Polemiker! ein „söhn Davids und könig in Israel" bedeutet in 
der in betracht kommenden zeit einfach einen angehörigen des 
königsgeschlechtes. dass er sich könig genannt hat, ist nicht 
nötig, er kann ebenso gut hoherpriester geheissen haben in 
einer zeit, wo es keinen könig gab. so viel ist aber sicher, 
es war das Staatsoberhaupt selbst, das hier seine der Ortho- 
doxie entgegengesetzten ansichten zum ausdruck brachte. 

Damit sind wir auf eine ziemlich geringe anzahl von per- 
sonen beschränkt, nur einer der könige aus dem Herodiani- 
schen hause oder einer der ketzerischen hohenpriester vor der 
herrschaft der Hasmoniden kann der Verfasser gewesen sein, 
denn dass wir nur in der zeit von 200 v. Chr. an abwärts zu 
suchen haben, darüber ist man sich längst vollkommen einig. 



Nach diesen feststellungen können wir die von jeher hier- 
für benutzten stellen ansehen, um aus ihnen einen anhält für 
die zeit der schrift zu gewinnen, es sind vor allem die beiden 
4, 13—16 und 10, 16. 17, welche deutlich anspielungen auf 
politische ereignisse aus der zeit des Verfassers enthalten, die 
man zu deuten hoffen kann, und deren man sich auch stets 
zu diesem zwecke bedient hat; freilich bis jetzt ohne einen er- 
folg zu erzielen, der irgendwie hätte befriedigen können. 

Zunächst macht das wörtliche Verständnis der ersten stelle 
keine Schwierigkeiten: „Besser ist ein jüngling, der arm und 
weise ist, als ein könig, der alt und thöricht ist und sich nicht 
mehr belehren lässt. denn aus dem gefängnis entfloh jener, 
um könig zu werden, obgleich er unter seiner regierung (?) 
arm geboren wurde. ^) ich sah, dass alle lebenden, die unter 
der sonne wandeln, mit diesem zweiten jüngling waren, welcher 



^) Dieser satz ist der einzige unklare am ganzen ausspruch. unter 
wessen regierung? zunächst denkt man: unter der des alten kdnigs, 
dann ist aber das blosse pronomen sehr unklar und hinkend, es kann 
vielleicht auch heissen : trotzdem er zur herrschaft berechtigt war („trotz 
seines königtums'') war er arm, eine ausfuhrung der anfangsworte, so- 
dass der sinn sein würde: er war zwar von anfang an zum throne be- 
rechtigti aber trotzdem in einer elenden läge, dieser sinn würde auf die 
von mir in Vorschlag zu bringende person passen. 



— 147 — 

an seine stelle trat, nicht war ein ende all des volks und 
aller derer, die ihm zufielen, aber die späteren^) fanden keine 
freude an ihm." 

Ein© bemerkung verlangt die zweite stelle, welche bisher 
stets mis verstau den worden ist ich habe bereits früher*) ihren 
sinn dahin bestimmt, dass sie heisseu muss: 

weh dir land, dessen köuig ein knabe ist, und dessen 

fürsten schon am morgen schmausen, 
heil dir land, dessen könig ein mann in streitbarem 
alter ist etc. 

Der hebräische text giebt für knabe das wort ^^3. dass 
das zweite glied den gegensatz dazu enthalten muss, ist selbst- 
verständlich, hier hat der überlieferte text d'^^in-p, was man 
mit „ein söhn von freien" übersetzt hat. das ist kein gegensatz 
und weun man nicht annehmen will, dass der Verfasser des 
ausspruchs auf der untersten stufe menschlicher denk- und 
ausdrucksfahigkeit gestanden habe, so muss man entweder diese 
erklärung als richtig ansehen und ^3 als gegensatz dazu, also 
als „Sklave" fassen, oder aber man muss in d^'^in-p den gegen- 
satz zu „knabe", also „reifer mann" sehen, das erstere wird 
niemand annehmen, denn als gegensatz zu „freier" kann *is^^ 
in dem sinne „sklave" nicht gebraucht werden, also haben wir 
uns nur an d'^^in-p zu halten, „ein söhn von freien", wie man 
gefasst hat, ist von vornherein unsinn, man ist nur ein söhn 
eines freien, und die betreffende Umschreibung für „freier" 
würde in der tat ^in-p lauten, die pluralform von d'^^m be- 
weist also, dass ein wort dastand, dass in dieser Verbindung 
im plural gebraucht wurde, und wenn wir lediglich ein n ein- 
schieben, so haben wir den d"^^ina'p, den „söhn des kräftigen 
Jünglingsalters", den jungen mann in streitbarem alter, 
dass so und nicht anders gelesen werden kann, ergiebt der un- 
bedingt erforderte gegensatz des ausdrucks mit vollkommener 
gewissheit, mit einer gewissheit, welche man nur läugnen 
kann, wenn man dem autor einfach unsinn zutraut. 

Wir haben also als anhaltspunkte : eine zeit, wo ein knabe 
regiert, und wo ein gegenkönig in streitbarem Jünglingsalter 

') 8. auch anm. s. 150. 

^) F. 8. 454. 8. auch OLZ a. a. o. 



— 148 — 

aufgestellt ist, für den der urheber dieses ausspruches eintritt, 
die erste stelle weiss von einem könig, der als jtingling aus 
dem gefängnisse entfloh, um den platz eines alten, der be- 
lehrung nicht zugänglichen, also eigensinnigen, königs ein- 
zunehmen, und der anfangs allgemein anerkannt wurde, um 
dann aber schnell sein ansehen zu verlieren. 

Dass wir nur in der zeit von 200 abwärts zu suchen 
haben, ist ausgemacht, und man sollte meinen, dass bei dem 
verhältnismässig kurzen in betracht kommenden Zeiträume eine 
bestimmung möglich sein müsste. das ist auch der fall, nur 
dass man unbegreiflicher weise überall gesucht, ausser da 
wo es allein möglich ist. unter jüdischen „königen" zu suchen, 
ist von vornherein aussichtslos, wenn man nicht in nachmakka- 
bäische zeit herabgeht, auch das hat man getan, ohne eiiolg, 
denn dass auf Alexander Jannaeus nichts passt, ist klar, auch 
mit den Ptolemäem hat man sein heil versucht, ohne dass man 
aber irgend etwas passendes fand, als allenfalls' das „kind^^ ; alles 
andere trifft deutlich nicht zu. unter diesen zu suchen war wenig- 
stens insofern statthaft, als sie wirklich eine Zeitlang die allein 
in betracht kommenden „könige" d. h. die herren von Judaea 
waren, warum in aller weit ist es denn aber niemand einge- 
fallen, diejenige herrscherreihe zu durchmustern, welche in der 
durch andere merkmale völlig richtig bestimmten entstehungs- 
zeit des buches die allein massgebende war? das sind natür- 
lich die Seleuciden, denn diese waren seit Antiochus dem 
grossen (seit 218) die „könige" und herren von Judaea. es 
erscheint unglaublich, dass niemand auf den gedanken gekom- 
men ist, deren reihe auf die andeutungen hin durchzugehen, 
jedoch es ist mir nicht gelungen, einen versuch dazu in der 
litteratur aufzufinden, auf wen anders sollte denn aber in 
einem werke des zweiten Jahrhunderts angespielt werden, als 
auf die landesherm selbst, deren wechselnde politik von so 
tie^ehendem einfluss auf die entwicklung Judaeas gewesen ist 
und zu den kämpfen zwischen dem hellenismus eines Antiochus 
Epiphanes und der Orthodoxie der Makkabäer in einer zeit führte, 
welche man recht eigentlich für unser buch in anspruch nimmt? 

Hat man sich das einmal klar gemacht, so braucht man 
gar nicht erst zu suchen, um die persönlichkeiten zu finden, 



— 149 — 

welche gemeint sind, der alte thörichte, eigensinnige könig, 
der sich nicht belehren lässt, ist deutlich Antiochos Epiphanes 
selbst, dessen eigen sinn eine hervorstechende eigenschaft war, 
und dessen starrköpfige politik gegenüber dem Judentum auch 
einem dem Hellenismus zugeneigten Juden, der nicht gerade 
parteifanatiker war, bedauernswert erscheinen musste. 

Als Antiochos auf seinem zuge gegen die Parther und 
nach seinem vergeblichen versuche das heiligtum der susischen 
Nana zu plündern gestorben war (164),* übernahm Lysias die 
Vormundschaft für den unmündigen Antiochos V. (Philopator), 
zugleich aber benutzte der söhn von Antiochos Epiphanes' 
bruder und Vorgänger Seleukos, der in Rom als geisel lebende 
Demetrios,^) die gelegenheit um aus Rom zu entfliehen und in 
Tripolis zu landen, er hatte mehrfach beim senat die erlaubnis 
nachgesuchtj jetzt nach hause zurückkehren zu dürfen, um 
seine rechte geltend zu machen, allein in Rom sah man lieber 
den unmündigen kn&ben auf dem throne, vergeblich wies er 
darauf hin, dass er ja von seinem vater als geisel gegeben 
worden sei, und eigentlich seit seines oheims Antiochos Epi- 
phanes' regierungsantritt seine geiselschaft sinnlos sei: der 
knabe auf dem thron war für Rom bequemer als der selbst- 
ständige junge mann, und man verweigerte ihm die erlaubnis 
zur rückkehr. da entfloh er aus dieser gefangenschaft, um 
sich sein königtum zu sichern, wie es Kohelet ausdrückt, 
er landete in Tripolis und hatte so schnellen erfolg, dass er 
Lysias imd den knaben Antiochos in seine gewalt bekam (162), 
„alles fiel ihm zu" sagt unsere stelle, seine herrlichkeit hat aber 



*) Pülybius 31, 12. 21—23. — man wird vielleicht einwenden wollen, 
dass dieser doch nicht unter der regierung des alten königs (Antiochos 
Epiphanes) arm geboren sei. zunächst bleibt ja unklar, auf wen das 
„sein*' in inub^^n geht, und schliesslich braucht der dichter nicht erst den 
taufschein seines beiden vorzuweisen, dann aber ist IZJ'n durchaus 
nicht in dem sinne von arm an gut zu fassen, es bedeutet: „ohne 
einfluss, nicht in einer mächtigen Stellung'', was sich freilich im Orient 
mit „reich" gewöhnlich deckt, vgl. z. b. 1. Sam. 18, 23 und unten s. 157 
die deutung von 9, 15. schliesslich muss man in einem poetischen buche 
die Worte auch etwas cum grano salis auffassen, und wer nicht zu den 
herrschenden, den &'^^^^3^ des Kohelet gehört, oder gar nur im gefängnis 
sitzt, der ist eo ipso 123^. 



— 150 — 

kaum zehn jähre gedauert, dann unterlag er (153 — 150) 
Alexander Balas; „die späteren^) hatten keine freude mehr an 
ihm"; wie seine macht erworben, so war sie wieder verloren 
worden, ein beweis von der nichtigkeit menschlichen strebens, 
als welchen es Kohelet anführt. 

Die art und weise, wie von Demetrios gesprochen wird, 
lässt erkennen, dass der Verfasser des Spruches auf ihn hoff- 
nungen gesetzt hatte, und dass die enttäuschung ihm schmerz 
bereitete, das führt uns zu dem inhalte der zweiten stelle, 
deren deutung sich mittlerweile von selbst aufgedrängt hat. 
denn dass der kAabe, welcher in gegensatz zu dem selbstän- 
digen jüngling2) gebracht wird, und der in den bänden seiner 
übermütigen grossen ist, nur der knabe Antiochos sein kann, 
welcher eben durch Demetrios entthront wurde, bedarf jetzt 
keiner ausführung mehr, ebenso dass hier noch der Verfasser 
parte! ergreift für Demetrios, dessen Schicksal in dem zehn 
jähre später anzusetzenden andern ausspruch beklagt wird. 

Damit können wir die zeit der entstehung des buches als 
so sicher bestimmt ansehen, wie man eben unter den gegebenen 
Verhältnissen es ermöglichen kann; auf jeden fall aber mit 
grösserer Sicherheit als es bei vielen andern ansetzungen alt- 
testamentlicher Schriften der fall ist. wenn wir uns nun noch 
nach den näheren umständen der entstehung und sogar nach 
dem mutmasslichen Verfasser umsehen, so müssen wir uns 
von vornherein klar darüber sein, dass wir uns auf einem viel 
unsichereren boden bewegen, als bisher, wo wir uns wenig- 
stens an ereignisse halten konnten, welche für die weit des 
Verfassers massgebend waren, und die darum in unseren dürf- 
tigen quellen einen grösseren widerhaJl finden konnten, als es 
mit den Schicksalen und lebensbedingungen eines, wenn auch 
an hervorragender stelle stehenden, Juden der fall sein kann. 



^) oder ob es heissen muss Q^^'nn^^*! die andern , die andere partei? 

') Polybius, der ihn persönlich kannte und zur flucht veranlasste, 
lässt ihn 23 jährig sein (31, 12, 5). er ist als kind {vriniog) von seinem 
vater als geisel nach Born gegeben worden und dann während der 
regierung von Antiochos Epiphanes' (175—164) dort gewesen. 






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— 148 — 

aufgestellt ist, iür den der urheber dieses ausspruches eintritt. weki, 

die erste stelle weiss von einem könig, der als jüngUng aus sfe-gy^ 

dem gefangnisse enlllob, um den platz eines alten, der be- jg/^ 
lehning nicht zugänglichen, also eigensinnigen, königs ein- ^Wf/oo 
zunehmen, und der anfangs allgemein anerkannt wurde, um ^^ 
dann aber schnell sein ansehen zn verlieren. ^'^JA 

Dass wir nur in der zeit von 200 abwärts zu suchen ,. '^ 
haben, ist ausgemacht, und man sollte meinen, dass bei dem ^ ^ 

verhältnismässig kurzen in betracht kommenden Zeiträume eineg; ^"' 
bestimmung möglich sein müsste. das ist auch der fall, nui^g^ . ^ " 
dass man unbegreiflicher weise überall gesucht, ausser dt^^L ^ 
wo es allein möglich ist unter jüdischen „königen" zu sucheifr ,, . 
ist von vornherein aussichtslos, wenn man nicht in nachmakk^fr,- ^ ° 
bäische zeit herabgebt, auch das hat man getan, ohne erfoi^j ' .^^^ 
denn dass auf Alexander Jannaeus nichts passt, ist klar, m^ . iat 

mit den Ptolemäem hat man sein bell versucht, ohne dass ^rechi- ' — 
aber iigend etwas passendes fand, als allenfalls' das„kLnd"; ag/,^- f ^ 
andere trifft deutlich nicht zu. unter diesen zn suchen war wai' jy ^ 
stens insofern statthaft, als sie wirklich eine zeiüang die a)i ^- ,, ^ ' 
in betracht kommenden „könige" d. h. die herren von Ju' recieru ' 
waren, warum in aller weit ist es denn aber niemand 3«^^ *„^ ^'^ 
fallen, diejenige berrscherreihe zu durchmustern, welche iit ; "* 

durch andere merkmale völüg richtig bestimmten entstebt^ 7°^ "•^Uti 
zeit des buches die allem massgebende war? das sind -■r» i _' ^t 

lieh die Seleuciden, denn diese waren seit Antiochusete ?'^'^^'*in 
grossen (seit 218) die „könige" und herren von Judaen<f ^ '^Poii- 
erscbeint unglaublich, dass niemand auf den gedanken f-/ //,(^ ^ ^"'j' n 
men ist, deren reihe auf die andeutungen hin durchzv— *""* sa^^ ^ 
jedoch es ist mir nicht gelungen, einen versuch dazii'^y-irä, - 
litteratur aufzufinden, auf wen anders sollte denn ' d«* „j_^-- Sj^ 
einem werke des zweiten Jahrhunderts angespielt yierf^K'^ **bo,' ""'^f 
auf die landesherm selbst, deren wechselnde politik .^^~"***^ , 
tiefgehendem einfliiss auf die ontwicklung Judat 
und zu den käm^ifen zwischen dem hellenismus a 
Epiphanes und der Orthodoxie der Makkabäer h 
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— 154 — 

wird ihm trotz aller Verdammung seitens der frommen zuge- 
standen werden. 

Die art und weise, wie ihn das erste Makkabäerbuch ein- 
führt, giebt bekanntlich keine gewissheit darüber, was er vor 
dem auftreten von Demetrios getrieben hat. das zweite Makka- 
bäerbuch (14, 3) lässt ihn bereits vorher hoherpriester und 
offenbar aus berufenem geschlecht (14, 7) sein und durch 
Judas Makkabaeus verdrängt werden, sodass er bei Demetrios 
schütz sucht die einführung durch das erste buch scheint 
dem jedoch zu widersprechen, denn sonst würde es wol einen 
anderen ausdruck gewählt haben, als „er wollte gern hoher- 
priester werden", auch Josephus, der ihn, wie das zweite 
Makkabäerbuch von Antiochos V und Lysias nach der hin- 
richtung von Menelaos als hoherpriester einsetzen lässt, be- 
zeichnet ihn ausdrücklich als „nicht aus der familie der hohen- 
priester stammend" (Ant. 12, 377). damit stimmt auch das natür- 
liche Zeugnis, welches wir haben, überein, denn 1. Makk. 7, 14 
wird er von denjenigen, welche sich auf ihn verlassen, nur 
„priester aus Aarons geschlecht" genannt, wir werden daher in 
dem m.ehr des zweiten buches keine verlässliche nachricht, 
sondern nur frei erfundenes zu sehen haben, damit fällt aber 
auch das zeugnis, dass er aus dem hohenpriestergeschlecht war. 
er könnte vielleicht ein Tobiade gewesen sein, so viel ist 
jedenfalls durch das zeugnis des ersten buches gesichert, dass 
er der führer der hellenistischen partei war, und aus unserer 
deutung seines programms erhellt, dass er innerhalb der an- 
hänger des Hellenismus für Demetrios gegen Lysias und An- 
tiochos partei ergriff. es könnte für unsere aufstellung 
von Wichtigkeit erscheinen, seine Zugehörigkeit zur hohen- 
priesterfamilie zu erweisen, da wir ja auf die entsprechenden 
angaben Kohelets folgerungen bauen, indessen ist das doch selbst 
im andern falle bedeutungslos, da ein anerkannter hoher- 
priester auf jeden fall sich in poetischer Verkleidung als einen 
könig und Davididen bezeichnen konnte. 

Alkimos war bereits vor seiner flucht der führer derjenigen 
partei gewesen, welche zum Hellenismus hielt und ihre hoff- 
nungen auf Demetrios setzte, da Antiochos und Lysias mit der 
Makkabäerpartei ihren frieden gemacht hatten, um sich gegen 



- 155 - 

Bemetrios zu wenden, es ist selbstverständlich, dass er mit 
seinen anhängern alle Ursache hatte zu fliehen, denn dass sie 
nicht ohne grund bei Demetrios klagten: „Judas und seine 
brüder haben alle deine anhänger umgebracht und verjagt" 
(1. Makk. 7, 6), bedarf keines weiteren be weises, wenn auch 
unsere quelle nur von seinen Schandtaten (7, 16) zu berichten 
weiss, nach Demetrios' sieg wurde er durch ein syrisches beer 
unter Bakchides eingesetzt, ein teil der anhänger von Judas 
machte seinen frieden mit ihm, er soll sechzig priester trotz 
der abmachungen haben hinrichten lassen, ob die biederen 
aber auch ihrerseits die abmachungen gehalten haben? auf 
jeden fall verstand es die Makkabäerpartei vorteil daraus zu 
schlagen, um gegen Alkimos zu hetzen, als daher Bakchides 
abgezogen war, machte sich Judas mit seinen banden sofort 
wieder bemerklich, indem er durch streifzüge den verkehr im 
lande hemmte (7, 24). Alkimos hatte nicht die macht, um dem 
räuberwesen steuern zu können und klagte deshalb beim 
könig, der diesmal Nikanor angeblich mit starker macht sandte, 
um Ordnung zu schaffen, und Jerusalem, wo in Alkimos' ab- 
wesenheit die Makkabäerpartei aufgekommen war, niederzuwerfen. 
Nikanor erreichte nach einigen erfolgen gegen Judas banden 
sein ziel nicht, da er in einem gefechte fiel und sein beer 
infolgedessen vernichtet wurde. Alkimos musste nach Antiochia 
zurückfliehen, um mit einem neuen beere unter Bakchides 
nach Judäa zurückzukehren, diesmal wird es wirklich eine 
ausreichende Streitmacht gewesen sein, denn Judas beiden zogen 
es vor, sich« unsichtbar zu machen (9, 7), sodass er in einem 
Verzweiflungskampf den tod fand, die reste seiner Parteigänger 
verzogen sich unter seinem bruder Jonathan in die judäische 
wüste nach Thekoa (9, 33) und im lande war wieder Ordnung, 
da Bakchides „gottlose leute" d. h. die anhänger der helleni- 
stischen partei als beamte einsetzte (9, 25) und in mehreren 
neu befestigten Städten (9, 50), sowie in der bürg von Jeru- 
salem besatzungen Hess, welche die räubereien der Makka- 
bäer unmöglich machten. Alkimos starb jedoch schon im fol- 
genden jähre (160) an einem schlaganfall. die zeloten sahen 
eine strafe des himmels darin, weil er eine alte mauer im tem- 
pel hatte einreissen lassen (9, 54). 



- 156 - 

Der Schlaganfall kann nicht sofort tötlich gewesen sein, 
selbst das Makkabäerbuch drückt sich so aus, dass man an- 
nehmen muss, er habe noch eine ganze zeit krank und hin- 
fällig gelebt Josephus bestätigt das, denn er lässt ihn noch 
lange zeit {avx}^ag iif^egag) leiden. 

Wir müssen zusehen, ob einige der stellen Kohelets sich 
auf ereignisse oder erfahrungen aus dem leben dieses hohen- 
priesters deuten lassen, dass die tendenz des urwerkes sich mit 
den lebensanschauungen eines mannes deckt, der zum Hellenismus 
hielt und gegen die Makkabäer zum teil vergeblich für geord- 
nete zustände kämpfte, darüber ist man wol einig. 

Der schluss des Werkes (11, 7 — 12, 8) rührt offenbar nicht 
von dem ursprünglichen Verfasser her, sondern ist mit seiner 
aufforderung zum lebensgenuss in den tagen der jugend, bevor 
alter und krankheit kommen, eigentum des „epikuräischen" be- 
arbeiters. da wir aber annehmen müssen, dass diese bearbei- 
tung^) sehr bald nach dem entstehen des werkes vorgenommen 
sein muss, — das Verhältnis zu dem von uns angenommenen 
,herausgeber" kann man nicht bestimmen, er könnte aber fast 



') Der späte Ursprung des buches, das seine jetzige gestalt doch 
bereits lange vor seiner kanonisirung gehabt haben muss, nötigt Ober- 
haupt die verschiedenen bearbeitungen mit den verschiedenen tendenzen 
(s. 143 anm.)) bald nach dem tode von Alkimos anzusetzen, sodass die be- 
arbeiter wussten, wessen werk sie vor sich hatten, so könnte man eine 
sehr schöne anspielung eines gegners in der hineinschmugglung von 10, 
8. 9 finden: „wer andern eine grübe gräbt, fällt selbst hinein, und wer 
eine mauer niederrcisst, den wird eine schlänge stechen" etc. das letztere ist 
in seiner allgemeinheit eine doch etwas gewagte behauptung, aber wie, 
wenn damit auf die deutung augespielt würde, welche die zeloten (s. Makk. 
und Josephus) dem schlaganfall geben, der Alkimos betraf, als er die 
mauer im tempel niederriss? (8, 10. 11 gehören nicht mit 8. 9 zusammen). 
— Eine polemik gegen Alkimos könnte man vielleicht auch in 10, 5—7 

linden : „es giebt ein unheil gleich einer falschen anordnung des 

herrschers": einsetzung von A. durch Demetrios. „der narr ist auf grosse 
höhen gestellt und vornehme stehen auf der Unterstufe (des thrones, s. 
OLZ 1898, 316). ich habe knechte zu pferde gesehen und fürsten, die 
wie knechte auf der erde gingen." das könnte von einem anhänger der 
hohenpriesterfamilie auf A., den emporkömmling gemeint sein, es kann 
freilich ebenso gut umgekehrt von diesem gegen Judas den Makkabäer 
bei dessen zeitweiligen erfolgen gemünzt sein. 



— 15? — 

gleichzeitig sein — so ist es denkbar, dass an Alkimos' Schick- 
sal in seinen letzten tagen dabei gedacht wurde, freilich kann 
es ebenso gut allgemeine Weisheit sein. 

Auf die lebensverhältnisse von Alkimos passen auch die 
verse 4, 7. 8. Alkimos stand allein, von einem erben oder 
mitstreiter wird nichts erwähnt, trotzdem doch anzunehmen 
wäre, dass Deraetrios nach seinem tode einen solchen als hohen- 
priester eingesetzt hätte, gerade das ist auffällig an dem manne 
im gegensatz zu seinen Vorgängern und nachfolgern in der 
hohenpriesterwürde. übrigens möchte ich diese beiden vei*se 
nicht der Urschrift selbst zuschreiben, sondern unserem „heraus- 
geber". sie schlössen (s. Siegfried) ursprünglich mit der diesem 
zuzuschreibenden stelle 4, 13 ff. zusammen und können daher 
passend zu den betrachtungen gezogen werden, welche dieser 
über das leben seines herrn anstellte. 

Dasselbe könnte von 6, 22 gelten. Alkimos hatte sein ziel 
erreicht, als ihm der genuss des erworbenen durch den tod 
entrissen wurde, zu trennen hiervon sind die folgenden verse 
3—6, die nicht von demselben Verfasser herrühren können. 

Von jeher hat man aus 9, 13 — 16 einen anhält zu ge- 
winnen gesucht^): welches ist die kleine Stadt, die von einem 
grossen beere belagert und durch das verdienst eines „armen" 
d. h. nicht in leitender Stellung befindlichen mannes gesetzt 
wird, dem nachher niemand dankt? wenn irgend eine stelle 
des Kohelet eine klage über Ungerechtigkeit der weit enthält, 
die der Verfasser an sich selbst erfahren hat, so muss es diese 
sein, so und nicht anders muss eine solche anspielung lauten, 
nur in dieser form kann ein dichter, der nicht als lyriker vom 
ich reden will, seine eigenen Schicksale berücksichtigen. 

Es fragt sich also, ob aus Alkimos' leben eine Sachlage 
nachweisbar ist, in der er selbst solche erfahrungen machen 
konnte, wenn er zur zeit, als er die betreffende Stadt rettete. 



') Ve» 17 und 18 gehören nicht dazu, sondern sind zusatz des 
,,weisen^' bearbeiters, der in ihnen gegen die vorher geäusserte anschauung von 
der nutzlosigkeit der Weisheit ohne reichtum (vgl. dazu 7, 11. 12 in der 
deutuug von F. s. 352) polemisirt, indem er den lohn der Weisheit im 
bewusstseln ihres eigenen wertes finden will (zur deutung von 16 s. F. 352). 
vgl. OLZ 1898, 314. 



— 158 — 

„arm" war — nebenbei bemerkt wird derselbe ausdruck auf 
Demetrios während seiner zeit in Rom angewandt, ist also da- 
nach zu beurteilen — so kann das nur gewesen sein, ehe er 
hoherpriester wurde, wir sind uns darüber Tjlar 'geworden, 
dass er erst von Demetrios eingesetzt wurde ; zur zeit wo An- 
tiochos V. und Lysias gegen die Makkabäer kämpften, war er 
also noch privatmann. dieser feldzug endete bekanntlich mit 
einer belagerung des Zion: 1. Makk. 6, 51 „und er zog vor 
Zion und belagerte das heiligtum lange zeit und stellte aller- 
hand belagerungswerkzeuge dagegen auf. Koh. 9, 14: „es war 
eine kleine^) Stadt und wenig leute darin; und es kam ein 
grosser könig vor sie und schloss sie ein und errichtete vor ihr 
grosse belagerungswerke". die belagerung endete mit einem 
friedensschluss und abzug des königlichen heeres, da dieses 
gegen den mittlerweile eingetroffenen Demetrios verwendet wer- 
den sollte, wir können nicht anders als annehmen, dass bei 
einer solchen belagerung die hellenistische partei in der stadt 
eine wichtige rolle spielte, sollte ein vertrag zu Stande kom- 
men, so konnte es nur durch ihre Vermittlung geschehen, ihr 
führer muss aber damals bereits Alkimos gewesen sein, da er 
sehr bald darauf eben wegen dieser seiner eigenschaft ge- 
zwungen war, Zuflucht bei Demetrios zu suchen, es ist also 
nicht gut denkbar, dass ein anderer als er damals den ver- 
gleich zwischen der zelotenpartei und den belagerern vermittelte, 
einen grund über Undankbarkeit zu klagen hatte er dann sehr 
bald, denn sobald das syrische beer abgerückt war und durch 
den kämpf mit Demetrios eine hoffnung für Unabhängigkeits- 
bestrebungen winkte, waren die Makkabäer wieder obenauf und 
nötigten den soeben gezwungen als retter in der not benutzten 
sein heil in der flucht zu Demetrios zu suchen, hatte er ge- 
hofft eben durch seine vermittlertätigkeit seine anerkennung 
als hoherpriester zu erringen, so musste er sehen, dass nach 
beseitigung der gefahr die zeloten nicht die geringste neigung 
verspürten, dieselbe Zurückhaltung zu üben, deren sie sich in 



') Ad dem ausdruck ,>kleine stadf' wird man hoffentlich nicht an- 
stoss nehmen, der ist durch die gegensätze (grosses heer, grosse belagerungs- 
werke) bedingt und nur fa9on de parier. 



der not hatten befleissigen müssen, wenn Alkimos gezwungei) 
Tvar, aus der kurz vorher von ihm, wie er meinte, geretteten 
Stadt zu fliehen, so giebt unser ausspruch zweifellos das genau 
wieder, was er damals als seine klage gegen die Makkabäer- 
partei vorbringen konnte. 

aagast 1898. 



V 



Winckler, Forschungen tt^, geciruckt im ociober 1890. 12 



Gog. 



Die einheit des buches Ezecbiel ist so sehr dogma 
unserer Bibelerklärung, dass nach den erfahrungen, die man 
selbst dort macht, wo die inschriften klar und deutlich andere 
zustände erweisen, als bisher angenommen worden, es für 
unnötig erscheint, einen ansturm darauf zu versuchen, denn 
hier, wo die inschriften noch nicht sprechen, und allgemeine 
kenntnis des alten Orients erforderlich wäre, hiesse es, wie nun 
einmal die Verhältnisse lÜBgen, als prediger in der wüste auf- 
treten, wollte man gegen die gemächliche Überlieferung von 
der Väter wissen sich auflehnen, ich verzichte für die folgenden 
aufstellungen daher auf die lange ausführung, welche nötig 
sein würde, um den gesamten Zusammenhang klar zu legen, 
aus welchem heraus sie sich mir ergeben haben, und muss es 
dem guten willen derer überlassen, welche den alten Orient 
verstehen wollen, sich diesen herzustellen, solange die be- 
rufsmässige Bibelforschung von den einfachsten tatsachen keine 
notiz nimmt, wenn sie nicht aus der mitte ihrer „schulen" her- 
vorgehen, wird eine geschichtliche auffassung des alten Orients 
sie sich besser selbst überlassen, wenn sie nicht zeit und mühe 
mit der auseinandersetzung von dingen vergeuden will, deren 
kenntnis als zum elementarwissen gehörig jetzt angesehen 
werden muss und darf.^) 



') Es fei bemerkt, dass dieser aiifsatz bestimmt war, Dach den- 
jenigen zu stehen, welche eine reihe für sich bilden und behandeln: Die 
innere potitik im neubabylonischen reiche, die hcrstellung Judas, die 
reform Nehemias. aus äusserlicben gründen musste er vorher veröffentlicht 
werden, was hier über Alexander und sein Verhältnis zur „kirche", sowie 
über die Stellung der hierarchie gesagt ist, wird dort seine geschichtliche 
erlaaterung finden. 



- 161 -- 

Piir diejenigen, welche gewillt sind historische Urkunden 
einer betrachtung aus dem Zusammenhang der geschichte und 
ihres inhaltes heraus zu unterwerfen, will ich nur folgendes 
bemerken, was bei dem ersten blick auf die viel gedeuteten 
Gogaussprüche sofort zu sehen ist, und was denn auch die 
übliche Bibelforschung hat sehen müssen, um natürlich das 
gegenteil daraus zu folgern, als nach den allgemeinen gesetzen 
menschlichen denkens gefolgert werden kann, weil — sie nun 
einmal unter dem zeichen eines dogmas steht. 

Es ist von Gog als einem aus dem norden kommenden 
furchtbaren völkerbesieger die rede: zu Ezechiels zeit gab es 
eine solche gefahr nicht, die Kimmerier-„Skythen"-gefahr war 
seit 50—100 Jahren vorüber, der geschichtsforscher, der keine 
vorgefasste meinung hat, folgert daraus, dass dann entweder 
die deutung auf eine erinnerung an den Skythensturm oder 
die Urheberschaft „Ezechiels" oder aber alles beides unmög- 
lich ist die Bibelforschung weiss nun — ich führe die werte 
des letzten commentars an — : „mit cap. 37 ist der höh^- 
punkt der verheissung [Ezechiels] erreicht, eigentlich könnte 
damit dieser abschnitt schliessen." man ist sich also klar da- 
rüber, dass es sich hier um ein anhängsei handelt, man merkt 
das ganz sicher aus dem Inhalt heraus, während jeder, der 
gewohnt ist, geschichtliche Urkunden zu betrachten, es auch 
schon rein äusserlich aus dem mangel einer einfügung in den 
durch eine reihe von datirungen gegebenen rahmen sehen 
würde, was folgert man aber daraus? um wieder die werte 
unseres commentars anzuführen; „der eindruck [des Skythen- 
sturmes] war bei allen, die ihn kennen gelernt hatten, unaus- 
löschlich geblieben, und seine erscheinung war so unheimlich 
überraschend gewesen, dass man sich darauf gefasst machen 
musste, ihn eines tages plötzlich wiederkehren zu sehen, es 
scheint, als habe sich dieser gedanke auch Hesekiel tief ein- 
geprägt etc." Schillers „wo sich die Völker selbst befrein" 
würde eine solche betrachtungsweise in der zeit der demagogen- 
hetzen oder in den zeiten industrieller entwicklung der 70 er 
und 80er jähre des 19. Jahrhunderts entstehen lassen, wir 
können wohl darauf verzichten, die weiteren sich daran an- 
knüpfenden Vorstellungen unserer überlieferungsmässigen Bibel- 



10' 



- 162 -- 

iorschong zu verfolgen, und lieber ein weiteres kunätstöckchen 
bewundem. 

^^Theologisch ist dieses stück nach zwei selten hin be- 
merkenswert zum ersten male tritt darin der gedanke hervor, 
dass nach der grossen wende der dinge, nachdem für 
Israel schon die glückszeit angebrochen ist, eine 
neue krisis in aussieht steht etc." es tritt uns nämlich in dem 
Gogabschnitte die tatsache, dass Israel hier {längst aus dem exil 
zurückgekehrt ist, so aufdringlich entgegen, dass sie beim besten 
willen nicht unbemerkt gelassen werden kann, aber das stört 
einen vom dogma besessenen nicht, er bringt es fertig, den 
dichter eines ersehnten Zukunftsbildes eine vereinzelte, diesem 
drohende gefahr von so vielen anderen weit wichtigeren her- 
ausgreifen zu lassen, um nur denjenigen propheten, die eine 
solche gefahr erlebt haben, darin es gleich zu tun. das ist 
ungeföhr dasselbe, als wenn eine der Utopien, wie sie die 
Jetztzeit von einem „zukunftsstaate" hat erstehen lassen, die 
wichtige frage erörterte, wie denn die im ersehnten glücks- 
zustande lebende weit die elsass- lothringische frage lösen 
würde. 

/ Es bedarf keiner ausführung, dass der dichter oder her- 
steller dieses abschnittes in jetziger gestalt, der dem furchtbaren 
6og den Untergang auf den bergen (!) des aus der Zerstreuung 
— und zwar aus der Zerstreuung unter die „Völker", nicht 
aus dem babylonischen exil — wiedergesammelten Israel 
prophezeit, eben in einer zeit lebte, wo ein ,4srael" in seinen 
bergen bereits wieder sass, und wo dieses andrerseits eine Zer- 
streuung über andere Völker ebenfalls kannte. 

Das allein genügt, für den, der sehen will; für den, der 
es nicht will oder kann, ist hier nicht der ort, um eine ele- 
mentargeschichte des Orients zu schreiben, sehen wir uns 
lieber den ausspruch selbst an und werden wir uns über sein 
wesen klar. 

Es gehört nicht viel gefühl für poesie dazu, um zu mer- 
ken, dass wir in unserem abschnitt wirkliche poetische stellen im 
alten rhapsodenstile haben, untermischt mit erläutei-nden bemerk- 
ungen — die dann aber ebenso gut als umdeutende oder 



— 163 — 

falsche erklärungen gelten können — im Byzantinertone, das 
ist z. b. gleich der langatmige zusatz zu ,,6og vom lande Ma- 
gog": „fürst von Bog, Mesech und Thubal", der denn auch 
gewissenhaft jedesmal wiederholt wird, weitere falle unten. 

Es fällt weiter sofort in die äugen, dass das volk und 
land Israel ganz oberflächlich in den poetischen Zusammen- 
hang hineingeflickt ist und dass deren erwähnungen sich dem 
zusammenhange nicht einfügen, das ist so auffallend, dass be- 
reits Bunsen gelegentlich (38, 8) anstoss genommen hat. 

Sehen wir also zunächst einmal von diesen Zusätzen ab, 
um den sinn des alten gedichtes zu bestimmen, es wird 
angenommen, dass Gog aus Magog, aus dem fernen norden 
kommen wird, um die ruhig wohnende weit zu vernichten, 
aber er wird stossen auf das volk, das auf dem „nabel der 
erde", wenn so der ausdruck y^^n ^nit: zu erklären ist, wohnt, 
es wird eine furchtbare erschütterung der ganzen natur ein- 
treten (38, 19 „erdbeben"), alle bände menschlicher Ordnung 
werden gelöst werden (38, 21: eines jeden schwort soll wider 
den andern^) sein), dann aber soll er sein ende finden — offen- 
bar durch die am „nabel der erde" wohnenden, und ein grab, 
welches der nachweit gezeigt werden soll, „angesichts des 
meeres". alle seine mannen sollen ihren tod finden, sieben (!) 
monate soll man brauchen, um ihre leichen zusammenzu- 
schleppen, und wo die suchenden eine davon finden, sollen sie 
einen denkstein aufrichten (29, 18). und zwar soll das ge- 
schehen am „ende der tage" (28, 8) und ist seit den „tagen 
der Vorzeit" verkündet worden (28, 17). 

Das genügt, um völlig klar zu stellen, was der grundstock 
des ganzen ist: ein mythus, dessen deutuug nicht schwer fallt, 
wenn man einmal erkannt hat, dass es sich um einen solchen 
handelt, am ende der tage wird der feind aus dem norden 
kommen, der die auf dem „nabel der weit" wohnenden ver- 
nichten will, und dessen Vernichtung das werden einer neuen 
weit bedeutet, es ist die götterdämmerung, das weltschöpfungs- 
epos der Babylonier, oder wie man es sonst nennen will, dessen 
gedankengang zu gründe liegt. Loki mit seinen genossen, oder 
Tiamat mit den ihren kommt, um die götter, welche auf dem 

^) typisch! 8. Gesch. lur. I b. 124. 



— 164 — 

nabel der erde, d. i. dem götterberg,^) thronen, zu vernich- 
ten, und ihre besiegung lässt eine neue weit erstehen.^) 

Dieser mythus ist aber hier auf einen bestimmten ge- 
schichtlichen fall gedeutet, wie das eben die art der alten poesie, 
und zwar nicht nur der der Israeliten, ist, aber auch dort 
durch beispiele erläutert wird, wie das lied vom ende Helals 
mit seiner anwendung auf Sargons tod.^) diese deutung sieht 
in dem von den alten für das ende der tage vorausgesagten Gog 
eine bestimmte person und drückt hier — zum letzten male 
in der biblischen poesie — den gedanken vom weitenende und 
beginn der neuen zeit in alter poetischer form, noch nicht in 
der priesterlich-hierarchisch gestempelten vom „tage Jahves", 
aus. der alte mythus ist also vom eigentlichen Verfasser unse- 
res liedes kaum in die uns vorliegende gestalt gebracht worden, 
sondern dieser verwendet altes poetisches gut, um es mit seinen 
deutungen zu versehen, um nachzuweisen, dass die person, die 
er im äuge hat, der vorausgesagte Oog ist, und dass man den 
anbruch der neuen zeit jetzt erleben wird. Gog und sein land 
Magog sind ihm also gegebene geschichtliche grossen. 

Er ist aber kein poet, unser ausgräber des alten liedes, er 
ist eine richtige auslegerseele. er versteht es nicht, den alten 
worüaut umzumodeln, durch leichte änderungen ihn der zeit 



^) Id Bi 3, 37 liegt ein poetisches citat vor, welches nur ober- 
flächlich in die erzählung (durch „er wiederholte") eingefügt ist, es ist 
lediglich eine poetische ausschmückung von vers 36. der y^nabel der 
erde'' ist der götterberg — ist die zauberereiche der weltenbaum? 

^) In der griechischen mythologie erscheint der mythus in einer seiner 
gestalten als Gigantomachie. ob der name Gog in einem Zusammen- 
hang damit zu bringen ist, entzieht sich vorläufig meiner beurteilung. 
wahrscheinlicher erscheint mir aber die möglichkeit, dass der name des 
griechischen sintflutriesen Ogyges heranzuziehen ist. der Verlust des 
o braucht weiter keinen anstoss zu erregen, denn bereits in der griechi- 
schen Überlieferung ist das eingetreten, als man die legende vom unsicht- 
bar machenden zauberringe (Plato de rep. 2, 359) von Ogyges uuf den 
Lyderkönig Gyges übertrug (s. Carus Sterne, Tuiskoland S. 132). — zu 
beachten ist übrigens noch, dass im makedonischen königshause zweimal 
der name Gygaia für frauen vorkommt (Herodot 5, 21; 8, 136. Justin 
VII, 4, 5). 

") F. 8. 414 zur deutung Helals s. Gukkel, Schöpfung und Chaos 
B. J32. 



— 165 — 

anzupassen, sondern er giebt einfach die alten ihm im köpfe 
liegenden verse, indem er ehrbar seine prosaweisheit im aus- 
legerstile dazu schreibt, von ihm rührt der zusatz zu „6og im 
lande Magog" her: „fürst von R6§, Mesech und Thubal", er ist es, 
der aus den bewohnem des nabeis der erde oder götterberges 
— das Volk Israel gemacht hat, indem er seine bemerkungen 
so natlos dazu schrieb, dass ihre nichtzugehörigkeit zum wesen 
des ursprünglichen liedes sofort in die äugen springt, was 
er an eigenem giebt, erkennt man leicht an dem mangel an 
färbe und Inhalt, höchtens dass er sich dazu aufschwingt, seinen 
Gog mit einem heerestross zu versehen. 

Das so hergestellte erzeugnis ist dann noch einmal be- 
arbeitet worden, so hat es vor allem ein bussprediger noch 
mit einem schwänz versehen, der das Ttgoad-e Xeiov oTttd-ev de 
dgay^cov fXBOri de xtixaiqa fertig macht, von 39, 22 oder 23 
an wird Israel, das vorher der erlöser der menschheit gewesen 
ist, um es nicht übermütig zu machen, sein Sündenregister im 
bekannten tone noch einmal vorgehalten, dieser schluss interessirt 
uns weiter nicht, er ist nur beachtenswert als ein zeugnis für 
das Vorhandensein einer dritten hand, denn eine solche, ob 
nun dieselbe oder eine gleichartige kann offen bleiben, ist auch 
im text selbst festzustellen, so in dem zusatz 38, 5: „Paras, 
Ku§ und Put sind mit ihnen (!), sie alle mit schild und heim; 
Gomer etc. das haus Thogarma, der äusserste norden etc. — 
sind mit dir (!).^' dass wir es mit einer glosse zu tun haben, 
beweist hier zunächst der ausdruck, der aus der rede fällt, denn 
während bisher Gog in der zweiten person angeredet wird, 
kommt jetzt mit einem male die 3. plur. der urheber dieser anti^ 
quariscben Weisheit hat aus seinen Chroniken richtig Gomer 
und Thogarma als namen für gegenden heraus gefunden, die seit 
dem 8. und 7. Jahrhundert einem fürsten von Muski und 
Tabal gehören konnten, wenn er aber mit Persern, Kuäiten und 
PuV) ankommt, so wissen wir, dass er nicht die geringste Vor- 
stellung weder von diesem noch den folgenden Jahrhunderten 



') Selbstverständlich hat man es fertig gebracht, auch für Paras 
irgend einen afrikanischen namen heranzuziehen, um Ezechiels „echtheit'' 
nicht durch die erwähnung der Perser zweifelhaft machen zu müssen, auf 
eine erörterung kann wol verzichtet werden, zu Put s. F. s. 513. 



— 166 — 

hat, sondern einfach mechanisch die ihm aus andern, auch 
späten, stellen bekannten namen der fernen Völker Put und 
KuS nimmt, vermehrt um die Perser, deren dasein man aller- 
dings nicht gut nicht wissen konnte, wenn er auch nicht weiss, 
woher und wie sie gekommen sind. 

Er, oder wieder ein seinesgleichen, hat aber noch ein 
anderes Stückchen verübt, um unseren erklärern eine nuss auf- 
zugeben, an deren knackung sie wirklich viel archäologisches 
Werkzeug verdorben haben, er hat dem lande Bog das dasein 
geschenkt, dass man in der tat mit ebensoviel berechtigung in 
Bussland wie im elamitischen Bääi suchen kann, aber dort, wo 
es liegen muss : in Eleinasien, neben Muski und Tabal, bis wol 
in alle ewigkeit, vergeblich suchen wird, es ist nämlichgar kein länder- 
name, sondern nichts als der titel, der dem alten 6og beigelegt 
war. der Verfasser bezeichnet ihn nämlich als bim yoiz \oni 
d. i. fürst von Muski und Tabal. diese bezeichnung mit dem 
alten werte für fürst — im gegensatze zu einem könig — 
war in später zeit, wo man auch Daniels benennung als „fürst 
von Kaleb" nicht mehr verstand,^) nicht mehr geläufig, und 
darum setzte unser erklärer, welcher die Paras, Gomer etc. an 
den rand gesetzt hatte, zu länd überall das gewöhnliche wort der 
nachexilischen zeit M*^to3 als erklärung daneben, so entstand 
die lesung nasl* roS, welche nun als „fürst von B6S etc." 
aufgefasst wurde. 

Sind wir so klar geworden über die entstehung der 
heutigen gestalt des ganzen, so erübrigt nur noch festzustellen, 
wen denn der zweite bearbeiter mit seinem „fürsten von Muski 
und Tabal" gemeint haben kann, wer es also war, in dem er 
diese fleischwerdung des von den alten „propheten" besungenen 
(38, 17) Gog sah. 

Wir können die geschichte auf- und abblicken: es giebt 
nur eine erscheinung, auf die alles passt und die man auch 
nur ausser acht lassen konnte, solange man für das orakel an 
„Ezechiels" zeit festhielt wer kann der könig des hohen nordens 
wol sein, der zum fürsten von Muski und Tabal wird — denn 
selbstverständlich sind diese nicht der hohe norden aus dem ei 
kommt, sondern nur von ihm bereits unterworfene länder — 

^) QeBch. 101. I B. 25. 



— 167 — 

wer kann es sein, der der weit des Orients, soweit Israels blick 
ihn umfasst, ein ende zu machen drohte? es ist nur einer 
gewesen — und das ist — Alexander der grosse! und da- 
mit wir nicht beim zweifei privilegirt vorsichtiger forschung 
hängen zu bleiben brauchen, sagt der „dichter^' es auch recht 
hübsch klar, denn neben Magog, dem stammlande, nennt er als 
rückhalt des drohenden eroberers: die bewohner der inseln d. i. 
Griechenland (39, (Med.) 6). 

Damit ist uns aber die zeit der abfassung des Orakels bis 
aufs jähr gegeben: es fällt in das jähr, wo Alexander bereits 
Eleinasien besass, aber Palästina erst bedrohte, also zwischen 
die schlachten am Granikos und bei Issus, und nun gewinnt 
die bezeichnung Gogs als fürst von Muski und Tabal mit 
einem male eine ungesuchte, aber geradezu schlagende erklä- 
rung. wir wissen jetzt, dass Muski Phrygien ist^) und Tabal 
den nördlich und nordöstlich davon gelegenen landschaften ent- 
spricht; mit den beiden namen wird also die herrschaft über das 
innere und nördliche Eleinasien bezeichnet, nach der schlacht 
am Granikos war nun Alexander zuerst südwärts bis Lykien 
gezogen um dann sich wieder nordwärts nach Phrygien zu 
wenden, dort suchte er die königsburg des alten herrscher- 
hauses auf und empfing weiter nordwärts ziehend die huldig- 
ungen von Kappadokien und Paphlagonien (Tabal). an seinen 
aufenthalt in der königsstadt der Gordiaden knüpft sich aber 
eine legende, und das beweist immer, dass hier irgend eine 
geschichtlich bedeutsame tatsache verschleiert wird. Alexander 
soll den knoten des alten königswagens,^) an dessen lösung die 
herrschaft Asiens hing, durchgehauen haben, was heisst das? 
nach allem, was wir jetzt über krönungsceremonien und deren 
bedeutung für eine legitime, d. h. priesterlich und staatsrecht- 
lich, vom gotte anerkannte herrschaft wissen, bedeutet es 
nichts anderes als: Alexander hatte sich dort rite zum könig 
von Phrygien krönen lassen wollen, um damit die ansprüche 



F. II s. 131—136. 

^) Bei der Gordiaamythe (Justin XI, 7) sind zwei zÜge unterschieden, 
welche zur kronungsceremonie gehören: der wagen und das pflügen mit 
den ochsen, zu letzterem ist zu vergleichen, dass sich der könig von 
Babylon (Nbk. Ninkarrakinschr. I 19, KB III 2 s. 47, wo doch land- 



— 168 - 

der alten Phryger- und Hattikönige auf Asien^) zu erwerben, 
aber hier wie in Tyrus^) leistete ihm die hierarchie widerstand, 
aus irgend welchen gründen wurde er nioht rite gekrönt, und 
musste sich begnügen, mit irgend einem machtstreich eine 
nicht vom gotte anerkannte krönung zu Tollziehen. das aber 



m a D D zu übersetzeD ist) ikkaru Babili neoDt (vgl. das pflügen des kaisers 
von China) und dass dem entsprechend Babylon das ikli ^^feid'' Nebos 
genannt wird IV B, 20, 3a, 14. Nebo ist der gott der nachbarstadt, 
welcher bei der ceremonie alljährlich zum besuche Marduks nach Babylon 
kommt, als Gordias beim pflügen von vögeln umschwärmt wird, will er 
zur nachbarstadt (ad consulendos augures vicinae urbis) gehen um 
die auguren zu befragen, als ihm die Jungfrau (d. i. die göttin, offenbar die 
kleinasiatische göttermutter) begegnet, welche als goara artis ex disciplina 
parentum doch aus eben dieser nachbarstadt stammt, wir haben also 
dieselbe erscheinung wie in dem babylonischen dualismus zweier städte 
und der procession mit dem götterbesuch. — die pflügeceremonie ist 
auch in der römischen legende erhalten! bei der gründung Roms 
durch umpflügen des gebietes und bei der einholung des dictators (I) 
Quinctius Cincinnatus, der trans Tiberim (!) seu fossam fodiens . . . seu 
cum araret, operi certe . . . agresti intentus (Li v. 3, 26) gefunden wird. 
— der wagen — in Babylon ein schiff — dient zur fahrt des besuchen- 
den gottes und des königs, der damit als könig proclamirt wird und ab 
solcher seinen einzug in die Stadt hält, der rest davon ist der wagen des 
in die Stadt einziehenden triumphators, während der wagen sonst in 
der Stadt, eben wegen jener seiner bedeutung, verpönt ist. — zum schluss 
der ceremonie finden das grosse göttermahl, das neu Jahrsgelage, und die 
saturnalischen „Sakäer^'scherze statt, als Cincinnatus als triumphator 
einzieht: epulae instructae dicuntur fuisse ante omni um domos, opu- 
lantesque cum carmine triumphali et sollemnibus jocis comisan- 
lium modo currum secuti sunt (Liv. 3, 29). hierzu vgl. man wieder die 
beiden legenden von der einsetzung Abd-elonim's als könig von Sidon 
durch Alexander : nach Justin XI 10, 8 „quem (Abdalonymus) Alexander 
cum operam coUocare ad puteos exhauriendos hortosque inrigan- 
dos solitus esset, misere vitam exhibentum regem fecerat'^ das ist Sar- 
gon von Agade (der wie Moses, Kyros, Bomulus ausgesetzt war) bei dem 
Wasserschöpfer (nak mi) Akki! daneben Curtius IV 3: Abdalonimum 

quendam ob inopiam suburbanum hör tum exigua colentem 

stipe. causa ei paupertatis probitas erat (!), intentusque operi 

diurno strepitum annorum, qui totam Ariam concusserat non exaudiebat 
(! ! vgl. Cincinnatus) subito deinde .... hortum intrant, quem forte ste- 
riles herbas eligens Abdalonymus repurgabat. tum rege eo salutato etc. 

*) ib. s. 137. 

^ B. Beitrag zur Gesch. der Assyriologie in Deutschland s. 22. 



— 169 — 

ist es, was unser mann mit der bezeichnung fürst d. h. nicht 
könig (den nur der gott ernennen kann) von Miiski besagen 
will, ein höhn liegt darin, der bedeuten soll: wie du es nicht 
durchsetzen konntest, zum könig von Muski gekrönt zu wer- 
den, so hast du auch keinen rechtlichen anspruch auf die herr- 
schaft Asiens und du wirst an der macht gottes d. i. der 
hierarchie scheitern, unser ausspruch aber bildet somit das 
dritte zeugnis für den widerstand der hierarchie gegen Alexander 
im bereiche des Perserreiches: in Gordion, in Tyrus und in 
Jerusalem^) hielt man bis zur schlacht bei Issos zu den Per- 
sern, die allezeit so schonungsvoll gegeu die hierarchischen 
ansprüche gewesen waren, erst in Ägypten, im Ammonium, 
konnte Alexander seine anerkennung durchsetzen, darum hat 
er so viel gewicht auf diese gelegt waren es nicht die phry- 
gischen, so waren es die ägyptischen götter, deren ansprüche 
auf die herrschaft über Asien er nun verfechten konnte, mit 
der Sohneserklärung Ammons besass er endlich den histo- 
rischen anspruch auf die herrschaft der einst von den Pha- 
raonen beherrschten und von der hieroglyphischen Überlieferung 
mittlerweile dazu gelegenen und gedeuteten^ länder. 

Es Messe den Zusammenhang der priesterschaften des alten 
Orients unterschätzen, wenn man annehmen wollte, das Ammon- 
orakel habe auf eigene faust gehandelt und sei ohne vorherige 
Verständigung mit den massgebenden stellen vorgegangen, so 
wenig wie ein bischof der katholischen kirche ohne päpstliches 
einverständnis in massgebenden dingen handelt, ebensowenig 
haben das die priesterschaften an den bedeutenden tempeln 
getan, ihre Organisation war ebenfalls international. Alexander, 
dem bisher „die kirche" feindlich gegenüber gestanden hatte, 
muss also mittlerweile Zusicherungen gegeben haben, welche die 
tempel bewogen Persien aufzugeben und sich dem neuen stem 



') Die legende von der aufnähme Alexanders in Jerusalem, welche 
obendrein mit der samaritanischen (vgl. s. 160 anm.) verknüpft ist, bedarf 
keines beweises für ihre Wertlosigkeit, sie ist in ihren ansprüchen ein 
gegenstück zur Estherlegende. 

^) Die lügen der immer wieder abgeschriebenen listen älterer er- 
oberer und die erkiärungskünste der hellenistischen zeit können also auch 
politischen zwecken gedient haben ! 



— 170 — 

zuzuwenden, es ist natürlich nicht mehr möglich mit unserer 
Überlieferung, die keinerlei Verständnis für die nichtmilitärischen 
begebenheiten hat, die tiefer liegenden fäden aufzudecken, wir 
können nicht mehr als vermuten, dass auch erwägungen, die 
hiermit in Zusammenhang standen, Alexander veranlassten, 
sich zuerst nach ügypten zu wenden, dort war die persische 
herrschaft stets am umstrittensten gewesen und die dortigen 
priesterschaften waren am ehesten zu gewinnen. 

Sobald Alexander daher in Ägypten, in Memphis wie im 
Ammonium, mit der priesterschaft sich gestellt hatte, war die 
Sachlage vollkommen verändert, als er nach der schlacht bei 
Gaugamela vor Babylon rückt, zieht ihm die bevölkerung unter 
führung der priesterschaft entgegen und nimmt ihn mit 
offenen armen auf. der papst hatte seinen frieden mit ihm 
gemacht, es ist eine Wiederholung des Schauspieles bei Sar- 
gons und Kyros' einzug,^) die hierarchie hatte die Perser end- 
giltig aufgegeben, und Alexander? er geht sofort daran, den 
Marduktempel wieder aufzubauen, soweit ihn Xerxes hatte zer- 
stören lassen, als er nach dem aufstände Babylons unter §ama§- 
irbä den titel „könig von Babylon'', den Kyros, Kambyses und 
Darius, neben dem „könig der länder" geführt hatten, strich, 
und weiter „setzte er sich mit den »Chaldäern« ins einver- 
nehmen und alles, was sie betreffs des kultes von Babylon ver- 
ordneten, tat er und opferte auch dem Bei nach ihren Vor- 
schriften" (Arrian 3, 16, 4). 

Soviel zur bestimmung des wesens des biblischen Gog. 
dass mit der deutung der mythischen zu gründe liegenden 
Vorstellung von dem Gog, der am ende der tage kommen wii*d 
und dessen kommen das zeichen einer neuen zeit ist, auf 
Alexander keine vereinzelte biblische erscheinung vorliegt, 
sondern dass es sich hier tatsächlich um eine allgemeine, dem 
ganzen Orient gemeinsame, also auch in dessem geistigen cen- 
trum d. h. Babylonien, vertretene und verfochtene meinung han- 
delt, beweisen die legenden der Alexanderromane, die 
„kirche", welche zu Alexander übergegangen war und ihn erst 
für Gog, der sein ende finden würde, erklärt hatte, macht nun 



') Auch bei Bamman-nirari III. s. Saigon bd. I s. XXXVI. 



^ 171 ^ 

den befreier OilgameS aus ihm*) — die gegensätze gehen in 
der mythologie in einander über, in unseren Gogcapiteln haben 
wir also eine gleichzeitige Urkunde der lehren und deutungen, 
welche der einem erlöser und dem erstehen einer besseren 
weit entgegenharrende alte Orient auf Alexander anwandte, 
und welche seitdem in den jüdischen und sonstigen apoka- 
lypsen uns in der form von Prophezeiungen entgegentreten, wie 
sie in den Alexanderlegenden zu rein weltlicher unterhaltungs- 
litteratur, zu romanen werden. 

october 1896. 



') Meissner, Alexander und Gilgamei. 



Psalm 22. 



Die vorgeschlageDen erklärungen haben sich mir alle ungezwungen 
von selbst bei einem vorurteilslosen lesen des psalmes ergeben, es müsste 
wunderbar sein, wenn nicht manche davon bereits von andern gesehen 
worden wären, in den mir zugänglichen handbüchem habe ich jedoch 
nichts davon gefunden, mir liegt hier nur daran, den text zu erklären, 
alle Prioritätsansprüche seien gern anerkannt, solange aber als erklärung 
weiter gegeben wird, was ich vorgefunden habe, halte ich auch Wieder- 
holung von bereits von andern gefundenen nicht für überflüssig. 



2. „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen 
fern *) 

3. Mein Gott, ich rufe bei tage, und du antwortest nicht, bei 
nacht und du kelirst dich nicht an mich. 2) 

4. Aber heilig bist du, wohnend in der gemeinde^) Israels 

5. Auf dich vertrauten unsere väter, sie vertrauten und du 
rettetest sie. 

6. Wenn sie zu dir schrieen, wurden sie gerettet, wenn sie 
dir vertrauten, wurden sie nicht zu schänden. 

7. Aber ich bin ein wurm, kein mann (mehr), ein menschen- 
hohn („höhn von einem menschen'' = unglücklicher) und 
ein volksspott. 

8. Alle, die mich sehen, höhnen über mich, sie schürzen die 
lippen, schütteln den- köpf: 

9. „„Wer auf Jahve blickt,*) den wird er erretten, er wird 
ihm helfen, denn er hat Wohlgefallen an ihm."" 

10. Du bist ja doch meine stärke^) vom mutterleib, meine 
Zuversicht schon an den mutterbrüsten. 

11. Auf dich vertraute^) ich von mutterleib an, vom leib 
meiner mutter bist du mein Gott. 



— 173 — 

12. Halte dich nicht fern von mir, denn die bedrängnis ist 
nahe, denn es ist kein helfer da. 

13. Es umgeben mich viele low en, die starkzahnigen') um- 
ringen mich. 

14. Sie reissen auf gegen mich ihren rächen, ein reissender, 
brüllender löwe. 

15. Wie wasser bin ich aufgelöst, und alle meine gebeine sind 
gelöst, mein herz ist wie wachs, geschmolzen im Innern 
meiner eingeweide. 

16. trocken ist wie mein gaumen®) und die zunge klebt in 

meinem Schlünde, denn in den todesstaub willstdu michlegen.®) 

17. Denn es umringen mich gefängniswächter, es umstehen 
mich eine rotte von bösewichtern. sie haben gefesselt 
meine bände und füsse.^®) 

18. Wenn ich meine wunden^^) zähle, dann sehen sie mir zu, 
sehen ihre lust an mir. 

19. Sie verteilen meine gewänder unter sich, über meine klei- 
der werfen sie das loos.^-) 

20. Aber du, o Jahve, halte dich nicht fern; meine stärke, eile 
zu meiner rettung! 

21. Errette vom Schwerte meine seele, von der band derer, die 
mich gefangen halten mein leben.^^) 

22. Hilf mir aus dem rächen des löwen und von den hörnern 
der wildstiere errette mich. 

23. Dann will ich preisen deinen namen meinen Volksgenossen, 
ich will dich lobpreisen in der gemeinde. 

24. Lobet,* ^) alle Dacfakommen Jakobs, ehret ihn; habt ehrfurcht vor 
ihm, alle nachkommen Israels. 

25. Denn nicht verschmäht noch verachtet er das elend des elenden, und 
nicht verbirgt er sein antlitz vor ihm, und wenn man zu ihm schreit, 
erhört er. 

26. Dann werde ich dir weihen ^^) mein lied in grosser 
Versammlung, nieine gelübde werde ich dir erfüllen, vor 
allen die dich fürchten. 

27. essen sollen die bedürftigen und satt werden, preisen sollen 
Jahve die ihn suchen, leben soll ihr herz ewig.^^) 

28. Es sollen (dann) preisen und zu Jahve sich bekehren alle 
enden der erde, und vor dir sich beugen alle geschlechter 
der Völker, 



29. mü den wortev}^ ^Jahve gehört die herrschaß, er^^ 
regiert die Völker, 

30. sogar^^) neigt sich vor ihm alles gras^^) der erde, es 
beugen sich vor ihm alle kräuter^^) des erdbodens, und 
es biegt^^) sich vor ihm das rohr.^^) 

31. die saat verehrt ihn, und preist ^^) Jahve für ewig**, 
kommen werden sie, ^^) und seine gerechtigkeit erzählen 
dem Volk, das geboren wird in ewigkeit^^) " 

1) fem von meiner hilfe sind „die worte meines geschreis" 
kann natürlich nicht gesagt werden, der ungefähre sinn ist 
klar, welches die ursprüngliche lesart war, muss dahingestellt 
bleiben. 

2) ST^wn «bi „und nicht ist ruhe", eine schöne dichterei, 
die sich so ausdrückt, nachdem sie ein verbum im ersten gliede 
setzte. 1. n"^73^ pi. von rran einer sache gedenken, wie ps. 48, 10, 
wo allerdings der accusativ statt b steht, jedoch scheint es mir, 
als ob in beiden fällen pil. von öi^ zu lesen sei. ps. 48, 10: 
„wir preisen deine gute", hier: nicht errettest du mich (im 
sinne des hiph.). 

3) auf lobgesängen (mbnn) zu wohnen bringt auch ein 
gott nicht fertig. 1. n(i)bnp nach vers 23. 

4) bs „wälze auf Jahve" ! ! 1. b:»n part. von ban assyr. da- 
gälu blicken, das hiermit für das hebräische erwiesen ist.^) 

5) "^riD statt -^n:; ist durch den parallelismus n'^::n?3 als Sub- 
stantiv gesichert „der mich herauszog" von einem unbekannten (!) 
verbum nn:» ist deshalb unmöglich. 

6) „Auf dich war ich geworfen von mutterleib an"!! In 
welcher spräche kann man das sagen, in welchem him es sich 
vorstellen ? 1. "^n^ab-dn hophal von Db'»ö wie Hieb 5, 23 ; » statt 
5 wie in unzähligen fällen. 

^) Ich sehe den beliebten einwand voraus: blil faeisst im hebr. gaü 
nicht ),blicken''. für uns ist hier nur die faauptsache, dass ein part. wie 
,,wer blickt auf Jahve" oder „wer vertraut" gestanden haben muss. dann 
ist aber zu bemerken, dass die stelle ps. 20, 6 ,j\m namen unseres gottes 
wollen wir das panier aufrichten" (denom. von b^l panier) natürlich mit 
LXX „wollen wir gross werden" (bl^:) zu lesen ist, und dass Cant. 5, 10. 
bi:;l insignis nur von der assyrischen bedeutung des verbums aus sich 
erklärt, aber nicht von der zu gründe gelegten, über mbän:» das man 
damit zusammenbringt s. F. s. 293 und vgl. OLZ. 1898, 318. 



— 175 — 

7) wenn die kühe, die starken Basans ihn umringen, 
braucht er sich wol nicht zu fürchten, zudem sind die Basan- 
kühe nie bild der stärke (und daher furchtbarkeit), sondern 
der Ifettigkeit (des übermütigen reichtums). 1. D-^^-^sb] und 
iu:<n?) ■^i'^n«. diese können dann auch den rächen gegen ihn 
aufreissen (v. 14), aber nicht die kühe oder die nichtgenannten 
feinde, welche die commentatoren-bedrängnis aus der luft greift. 
V. 22 weist hierauf zurück. 

8) Die Verbesserung "^dh statt ti'd hat den beifall der er- 
klärer, aber der vergleich „trocken wie eine scherbe ist meine 
zunge" erscheint mir bedenklich. O'nn schorf Dt 28, 27? 

9) erscheint mir bedenklich. 

10) man könnte lesen d statt -"d: „als ob mich hunde um- 
ringten, umstehen mich . . . .". jedoch ergiebt es einen ein- 
heitlicheren sinn, wenn man hier wie in vers 22 D'^NbD statt 
d'^s^D liest und "^d beibehält: denn es umringen gefängnis- 
wächter etc., und haben gefesselt meine bände und füsse. die 
lesart wird besonders durch v. 19 bestätigt, und wir erhalten 
dadurch das erforderte subject. 1. ferner i^nD statt -^^kd, wo 
selbst die erklärer aus dem „wie ein löwe" keinen sinn heraus- 
zubringen vermögen, da ^nD in v. 13 in etwas anderem sinne 
gebraucht war, so nahm ein abschreiber hier anstoss. 

11) Die knochen zählen ist eine volkstümliche deutsche 
redensart, aber passt nicht in ein todeslied. 1. m:n^3^ statt m73iS5^. 

12) eben die gefängnis Wächter, denen die kleider des zum 
tode verurteilten zu teil werden, da das nur von den ge- 
fängniswächtern gesagt werden kann, aber nicht von irgend 
welchen zuschauem, so beweist dieser vers die richtigkeit der 
lesung ü^vkui in v. 17. 

13) statt :nbD 1. «bs (part. kal od. besser kallä' form fa"äl) 
und ziehe das "^ des sinnlosen ■^nT^n*' als 12 dazu, xbs gefangen 
halten, vgl. «bD-rr^n gefängnis, wenn man nicht für :nbD eine 
bedeutung „gefängniswächter" annehmen will. \-n"^n'* „meine 
einzige" d. i. meine seele". wenn man weiss statt schwarz liest, 
kann man leicht den mohren weiss waschen. 1. ■^n-'n. 

14) Man ist versucht, mit vers 23 das lied zu schliessen 
und in dem folgenden einen lobgesang zu sehen, der daran- 
geschlossen wurde, als man das lied in seinem ursprünglichen 

Win ekler, Forschungen 11^, gedruckt im october 1896. 13 



— 176 — 

sinne nicht mehr verstand, und fand, dass das eigentliche lob 
Jahves noch fehle, jedoch sind wol nur vers 24 und 25 von 
einem so denkenden Schreiber eingefügt worden, denn 26 ist 
offenbar die fortsetzung von 23. dafür spricht auch der auf- 
fallige umstand, dass diese verse fehlerlos überliefert sind, also 
von dem Schreiber selbst herrühren, der seine vorläge so wenig 
zu lesen vermochte. 

15) '^nN?: „von dir her mein lied in grosser Versammlung", 
was heisst das? 1. '^nKi lediglich mit der ganz gewöhnlichen 
änderung von 12 in i, dann werde ich dir geben, er verspricht 
sein lied nach der errettung in offener gemeinde Jahve zum 
preis zu singen, der zweite teil des verses verspricht dann die 
erstattung des dankes auch durch reellere dinge als loblieder: 
durch erfüUung der gelübde. — ^^'by statt T^by, d statt n. 

16) vers 27 führt aus, worin die erfüllung der gelübde 
bestehen soll: in Speisung der armen, „ihr herz soll leben": 
sie sollen sorgenfei leben. Dnab statt DDanb- 

Hier ist das ursprüngliche lied zu ende, angefügt ist ein 
schluss in gleicher absieht wie vers 24/25, jedoch muss dieser 
von einer andern band herrühren, mit seiner tendenz: aner- 
kennung Jahves durch die beiden, unterscheidet er sich von 
dem farblosen einschub, wie von dem eigentlichen liede, welches 
nur von dem gefangenen und seinem gelübde handelt, dieser 
Zusatz wirdj^ älter sein als der einschub, da er ebenfalls von 
dem Schreiber — welcher doch wol identisch mit demjenigen 
ist, welcher den psalm in seine jetzige gestalt brachte — nicht 
mehr verstanden wurde. 

17) -^D führt den Inhalt des lobs der Jahve anerkennenden 
beiden an: vers 29— 31a. 

18) btt:i7:i 1. btir: «irr. 

19) nb-*?5N statt ibsN ist anerkannt. 

20) den Schlüssel zum Verständnis giebt yii in vers 31: 
die säat^) verehrt Jahve; dann sind synonyma auch in den drei 
parallelausdrücken in vers 30 zu suchen, statt "»süi 1. «'Jon, statt 



') Hier ändert man einmal den text: „mein same wird ihm dienen'' 
(der des betenden), das ist etw&s rechtes, wenn man vorher die ,,fetten 
der erde", die dann freilich als ,,zum staub hinabsteigende*' bezeichnet 
werden (andere leute sterben aber vielleicht auch?) dienen. 



— 177 — 

'niv : "^1172, statt rr^n «b : in« ib (oder etwa eine f emininform 
von in« ,,rohr"?). sinn: auch das gefühlloseste in der natur 
ehrt Jahve. q 

21) statt idD3i muss ein seltenes wort für „sich beugen" 
stecken, da der parallelismus ein solches dem Schreiber auf- 
drängte, er seine vorläge aber trotzdem nicht zu enträtseln ver- 
mochte, etwa eine bildung wtf^'^^ ein niph. von einem denom. 
von ;öb3 „sich wie im winde beugen? 

22) piel statt pual. 

23) die bekehrten Völker, deren rede soeben zu ende ist. 

24) ntey -^D? 

Die vorläge des Schreibers muss aussergewöhnlich schlecht 
zu lesen gewesen sein, freilich hat er den sinn des ganzen 
in keiner weise verstanden und darum keinerlei anhält gehabt, 
um schwierige stellen zu enträtseln, er hat daher auf jeden 
Zusammenhang verzichtet, und copirt, was er eben zu sehen 
glaubte, wer inschriften unbekannter art und von schlechter 
erhaltung entzifTert hat, deren sinn ihm nicht vorher von anderen 
erklärt worden ist, wird das zu beurteilen verstehen. 

Über den ursprünglichen sinn der lieder braucht kein wort 
mehr verloren zu werden : es ist das gebet um errettung eines 
im gefängnis sitzenden, dem todesstrafe droht, und der sieht 
oder wenigstens dichterisch sieht, wie seine Wächter 
bereits um seine kleider — die ihnen von hingerichteten gebühren 
— würfeln. 

Eine erörterung bedarf aber die person des dichtenden, 
dass dieser eine persönlichkeit von bedeutung gewesen sein 
muss, und dass nicht ein beliebiger märtyrer seines glaubens 
es war, dessen klagen für würdig befunden wurden, in das lieder- 
buch der gemeinde aufgenommen zu werden, ist von vornher- 
ein klar, die ganze haltung der ursprünglichen lieder beweist 
zudem, dass es sich hier nicht um einen glaubenshelden 
handelt, sondern um einen mann, den rein weltliche Ursachen 
in seine läge gebracht hatten, oder richtiger ausgedrückt, um 
einen, der noch nicht gewohnt war, die kämpfe des poli- 
tischen lebens in der form von religiösen aufzufassen oder darzu- 
stellen, das heisst aber, das ursprüngliche lied gehört einer 

13* 



— 178 — 

zeit an, wo es noch ein jüdisches volk gab, und wo das „Juden^ 
tum" noch nicht religiöse sekte geworden war, also der zeit 
vor dem exil. 

In einem liede, welches zu einer zeit entstand, wo es noch 
ein Volksleben gab, können wir aber hinter den werten mehr 
suchen als dichterische phrase. was im munde eines nach- 
exilischen dichters werte sind, welche aus alten mustern ent- 
lehnt und auf seine zeit angewendet werden, also dichterische 
phrase, unter der man alles mögliche verstehen kann, das ist 
für die zeit, wo es noch ein volk und damit noch eigene ge- 
danken und eine eigene entwicklung der dichtung gab, der aus- 
druck für ganz bestimmte Verhältnisse oder ereignisse. wenn 
daher der dichter verspricht, dass er im falle seiner rettung 
seine gelübde einlösen und die armen speisen wolle, so handelt 
es sich hier nicht um eine redensart, die auch ein armer teufel 
im munde führen könnte, dessen vermögen zu einem pfündlein 
wachs für die mutter gottes ausreichen würde, sondern auch 
diese werte bestätigen uns, dass wir es mit einem reichen und 
mächtigen manne zu tun haben, aber sehen wir weiter zu: 
was verspricht er in Wirklichkeit? die armen sollen satt werden 
und alle, die zu Jahve halten, sollen von materieller not befreit 
werden, heutzutage würde man sagen: er verheisst die be- 
seitigung der socialen not seines volkes. wer kann das sagen ? 
doch nur ein sehr mächtiger mann, einer, der einen be- 
stimmenden einflass auf die geschichte seines volkes hat, oder 
dem er wenigstens zugeschrieben werden kann, kurzum der 
sprechende ist ein könig, und zwar ein könig, der kein ganz 
reines gewissen hat in bezug auf seine bisherige regierung und 
besserung für die folge gelobt. 

Damit sind wir so weit, um über den Ursprung des liedes 
feststellen zu können, dass es aus einer bestimmten veran- 
lassung aus der vorexilischen geschichte heraus entstanden d. h. 
natürlich im sinne des betreffenden ereignisses gedichtet worden 
ist, da man nicht ohne weiteres annehmen muss, dass solche 
lieder diejenige geschichtliche person zum Verfasser hatten, der 
sie zugeschrieben werden, unser lied steht also auf einer 
stufe mit dem „Bogenliede" Davids (2. Sam. 1) und mit psalm 60. 
während von diesen das erstere seine stelle in den erzählen- 



— 179 — 

den büchern behielt, letzteres bei seiner Übernahme aus dem 
betrefifönden erzählenden werke wenigstens mit einer einleitung 
versehen wurde, welche die richtige^) deutung bewahrte, ist bei 
unserem liede, als es aus den geschichtlichen büchern, welche 
die quelle unserer königsbücher bilden, herausgelöst wurde, 
die erinnerung verloren gegangen. 

Wenn wir aber uns klar geworden sind, welches die 
Situation ist, die das lied schildert, so haben wir nicht viel 
wähl für die bestimmung des königs, unter dessen regierung es 
wol in den judäischen geschichtsbüchern gestanden haben kann. 

In gefangen Schaft sind von judäischen königen gewesen: 
Joahas, den Necho mit nach Ägypten nahm, wo er starb; Jojachin, 
der von Nebukadnezar nach Babylonien gebracht wurde, wo 
er 36 jähre gefangen blieb, bis ihn Avil-Marduk frei Hess; 
und endlich Manasse, dessen „gefangenschaft in Babylon^' lange 
als erfindung der Chronik angesehen wurde, aber nach den 
anschauungen, wiei wir sie uns jetzt über die quellen der 
Chronik und ihr mehr gegenüber den königsbüchern bilden 
müssen, nicht mehr bei seite geschoben werden kann.^) 

Der erste scheidet davon wol von vornherein aus. an 
Jojachin möchte man schon eher denken, besonders wenn man 
sich vorstellt, welche rolle er für das Judentum gespielt haben 
muss, als er — der gesetzliche träger ihres königstums — wieder 
anerkannt wurde und damit auf eine Wiederherstellung seines 
reiches losarbeiten konnte, waren es doch auch seine nach- 
kommen, welche später unter persischer herr&chaft tatsächlich 
zu regenten in Jerusalem eingesetzt wurden (1. Chron. 3, 17 — 19) 
ob aber gerade seine läge geeignet war, um ihm das versprechen 
der besserung für den fall seiner errettung in den mund zu 
legen, erscheint zweifelhaft, besonders, da wir ja doch nunmehr 
kaum umhin können eine dichtung post eventum anzunehmen, 
es würde nicht recht angebracht gewesen sein, solche Ver- 
sprechungen in den mund dessen zu legen, der tatsächlich nicht aus 
der gefangenschaft frei kam, oder doch wenigstens nicht in 

') S. vorläufig darüber Alttest. Unters, s. 4 F. s. 195, näheres über 
dieses lied und seine bedeutung in Gesch. Jsr. II. 

^) 6. Alttest. Unters, s. 159. Musri-MelubbA-Mk'iu (Mitteil. derV. A. 
G. 1898) 8. 39 ff. 



— 180 — 

die läge kam, seine versprechangen zu erfüllen, immerhin 
könnte diese*möglichkeit offen gelassen werden, besonders da die 
angeführten tatsachen erweisen, dass er im exil und also auch 
in der Überlieferung des Judentums eine rolle gespielt haben 
muss, der die jetzige dürftige Überlieferung über ihn nicht ge- 
recht wird. 

Für Manasse brauchen wir nicht erst zu erörtern, wie 
passend ein solches lied für ihn gewesen sein würde, das be- 
weist die tatsache, dass die spätere zeit dsfs bedürfnis empfun- 
den hat, ihm während seiner gefangenschaft ein besserungs- 
Tersprechen ausdrücklich anzudichten, zu erörtern ist hier nur, 
wie das lied aus dem ursprünglichen zusammenhange an seine 
stelle gekommen ist. da die jetzigen königsbücher von Manasses 
gefangenschaft nichts erwähnen, so muss es — gerade wie sein 
gegenstück psalm 60 — aus der gemeinsamen quelle der königs- 
bücher und der chronik — den von der chronik so oft genann- 
ten büchem der könige^) — übernommen worden sein, dieser 

') Unser königsbuch ist nicht die quelle der chronik, s. Mnsri etc. 
s. 41/42. ich möchte darauf hinweisen, dass die dort kurz angegebenen 
ergebnisse sich vollkommeD unabhängig von unserer frage herausgestellt 
haben, die Wissenschaft der handbücher wird ja voraussichtlich noch 
lange bei der bisherigen anschauung verharren — mindestens solange bis 
sie auch die quellen der geschichte ohne ausnähme benutzen wird, 
denn es handelt sich dabei nicht um litterarische hypothesen, sondern um 
das nicht miszuverstehende zeugnis gleichzeitiger inschriften gegen 
bisherige auf Stellungen, zur entstehung meiner meinung über die uns 
hier beschäftigende frage, welche eine ungesuchte bestätigung jener auf- 
stellungen ergiebt, sei bemerkt, dass der gang der Untersuchung voll- 
kommen der oben beibehaltene gewesen ist. ich habe die textherstellong 
vollständig für sich allein vorgenommen, ohne jeden gedanken an die ge- 
schichtUche veranlassung des liedes. monate danach erst bin ich auf die 
idee gekommen, dass die Situation auf Manasse passt ich habe diesen 
gedanken dann lange gar nicht verfolgt, bis ein bekannter, dem ich meine 
erklärung des textes mitteilte, sofort dieselbe meinung äusserte, die ja 
übrigens nahe liegt, erst dann habe ich geglaubt, doch wenigstens ein- 
mal die frage erwägen zu sollen — bis dahin stand ich betreffs Manasses 
immer noch unter dem eindruck der bekannten zweifei (vgl. Qesch. Isr. 
I, 8. 100). auch dann habe ich vollkommen den oben innegehaltenen 
weg eingeschlagen, ohne an die angaben der chronik über das lied zu 
denken, die mir erst wieder aufitiessen, als ich das dtat nachschlug, eine 
solche reihe ungesucht sich selbst aufdrängender Zeugnisse für geschicht- 
Hche erwägungen darf wohl den ansprach auf besondere beweiskraft machen. 



— 181 — 

quelle entnahm die chronik wie so viele andere gute nach- 
rii^hten auch die von Manasses gefangenschaft, und — das Zeug- 
nis, das wir dort zu finden hoffen könnten, das steht wirklich 
dort, denn die chronik sagt ausdrücklich, dass ein gebet, wie 
das unsrige ist, in dieser quelle gestanden habe (2 Chron. 33, 
13 und 18). wenn man diese quelle und das gebet Manasses 
aber zur zeit der abfassung der chronik noch zur Verfügung 
hatte, dann begreift es sich, wie es in das liederbuch der ge- 
meinde mit andern seinesgleichen kam. die grössere Wahr- 
scheinlichkeit spricht also dafür, dass dies lied uns hier vor- 
liegt. 

febnuu* und B^teinber 1898. 



Zur hamustu. 

(vgl. 8. 91—102.) 

Das mondjahr hat 354 tage, der überschuss des sonnen- 
jahres gegenüber den 12 mondumläufen wird durch die zwölf- 
nächte, die zeit der götterumgänge, ausgeglichen, in Babylon wird 
das Zagmukfest, „die Sakäen^^ durch die bekannten umzüge 
und festlichkeiten gefeiert, bei welchen wie bei den Saturnalien 
„umgekehrte weit" gespielt wird, die sklaven die herren spielen etc. 

Das ausgeglichene mond- und sonnenjahr mit seinen 360 tagen 
und den fünf epagomenen, der hamustu, welche dann eine 
neue einteilungseinheit bildet, kann statt der zwölf nur die 
fünf tage für das Sakäenfest haben, während die Septuaginta- 
legende die zwölf tage^) von der anderen einteilung herüber 
genommen hat, liegt uns auch eine erinnerung an die fünf- 
tägigen Sakäen vor. Diodor (11 2Ö) berichtet über Öemiramis: 
„Etesias aus Enidos hat das vorhergehende über Semiramis er- 
zählt. Athenaios aber und einige andere geschichtsschreiber 
berichten, dass sie eine ausnehmend schöne hetaire gewesen 
sei, und dass sich um ihrer Schönheit willen der könig der 
Assyrer in sie verliebt habe, zunächst habe sie nun im königs- 
palaste nur eine ziemlich untergeordnete Stellung erringen 
können, dann aber sei sie vom könig zur ebenbürtigen gattin 
erklärt worden, als solche habe sie den könig gebeten, ihr fünf 
tage lang die herrschaft abzutreten.*) so habe sie das scepter 
und das königskleid genommen und habe am ersten tage ein 
fest und ein üppiges mahl veranstaltet, wobei sie die fürsten 
und vornehmen überredet habe, mit ihr gemeinsame sache zu 
machen etc. 

Damit ist das festliche begehen der ergänzungszeit sowol 
für das ausgeglichene mond- und sonnenjahr, als für das synodische 
mondjahr erwiesen. 



') s. 8. 101. ») vgl. EBther. 



Aus dem archiv von Ninive. 



1. Meine zeitliche bestimmung der tafel III R 16, 2 
(K 1619 b), welche man stets in Assur-itil-ili's regierung ver- 
legt hatte, und die gleichsetzung von Assur-itil-iläni-ukln-ni mit 
Assarhaddon wird durch K501 (Harper, Assyrian letters No. 113) 
als richtig erwiesen: 

1- An den konig, meiDeo herm, 
2. dein diener Arad-Nabü. 3. heil sei 
dem kÖDig, meinem berrn. 4- Assur 
Sin, Warnas, Marduk, 6- Sarpanit 
Nebo, Tasmit, 6- Istar von Ninive, 
Istar von Arbael, 7. (alle) diese 
grossen götter, 8* welche dein könig- 
tum lieben, 9. mögen 100 jähre dem 
könig, meinem herrn lO. leben ver- 
leiben. II- mit alter und lebens- 
kraft mögen sie den könig, meinen 
herrn, ^2. sattigen. 13. die schick- 
saistafel (?) mit heil und leben i^- 
mögen sie dem könig, meinem herrn, 
bestimmen, i^* am 4. Ijjar sind 
Nebo 16. und Tasmit in ihr ruhe- 



1- A-na §arri bili-ia 2. ardu-ka 
Arad-Nabü S- lu-u sul-mu a-na 
sarri bili-ia ^- Assur Sin Warnas 
Marduk 5. Sar-pa-ni-tum Nabu 
Ta§-mi-tum 6- IStar sa Ninua Istar 
sa Arba*-il 7. il&oi an-nu-u-ti rabüti 
8- ra-i-mu-ti sar-ru-ti-ka 9. IC sanäti 
a-na sarri bili-ia lO. lu-bal-li-tu 

• 

11- si-bu-tu Ut-tu-tu a-na sarri bili- 
ia 13. lu-sab-bi-u 13. igu LU (?) 
sul-mi ba-la-ti u. itti (TA) sarri bili- 
ia lip-ki-du 16- ümu IV kam sa 
arfei Airu Nabu 16- Tai-mi-tum 
ina bit-maial 17. i-ru-bu 18. rf-Is 
8[ar-ru-ti ? 



19. lu (?) 

rs. !• u-bal- gemach 17. eingezogen. 18. . 

2. ina pa-an Nabu 19- rs. i- . . 

3. u-ma-a ilu 2. vor Nebo [und Tasmit] 8 



*• bili'ia ß- sa sarru 

bi-ili 6. nij^i sa 

Assur- bftni-apli mär - safr Assulr , 
T. sa 8amas-§um-ukinmär-sarBabili 
8. sa (amiltu) §i-ru-u-a-itira-at, 9- 
§a AsBur-mu-kin-pali-ia, lO. sa (ilu) 



*• mein berr, 6. wie der 

könig, mein herr, [befohlen hat, ?] 
6. die opfer von Assurbanipal, dem 
königssohne von Assur,') 7. Samas- 
sum-ukin's, dem königssohne von 
Babylon,*) 8. der Siru'a-itirat, 



*) mär sar Asäur und mär sar Babili = königssohn von Assur und 
von Babylon, nicht „söhn des königs v. A.^' ebenso werden Assurbanipai 



'I 



■■) / 



— 184 — 

8ar-8ami-(u)-irsiti-uballit«u. H- ti-I- von Assur-mukiD-pali-ia, lO. von 
mu as-sa-kan niki-su-nu i'<^- u- Assur-itil-Sami-u-irsiti-uballitu-su.*) 
[ma-a? ina] pa-an NabüTas-mi-tum i^- ich erstatte bericfat über ihre 
13- ina bit maial I-pa-a[8j. i*- IC opfer: 12. vor Nebo und Tasmit 
san&ti u-bal-li-tu-8U-nu märt-sa-nu ^3. im ruhegemach sind sie aus- 
binbini-Su-nu etc. geführt, i^- hundert jähre sollen sie 

ihnen leben verleihen, 16- ihren 
kindern und kindeskindern etc. 

Das schretben ist ein bericht über eine der ceremonien, 
welche im Ijjar des Jahres 668 von den kindern Assarhaddons 
vollzogen wurden, als er von der regierung zurücktrat, die 
nennung von §lru^a-ltlrat lässt keinen zweifei mehr, dass die 
bestimmungen a. a. o. richtig sind. 

Die vier söhne Assarhaddons werden bekanntlich auch in 
der Inschrift K 891 (s. KB 11 s. 263) zusammen erwähnt, hier 
sagt Assurbanipal, aus dessen erster zeit dieser text stammt, 
ebenso wie er sonst die einsetzung seines ahu talimu als königs 
von Babylon als sein werk bezeichnet, er habe Sama§-§um-ukin 
zum könig von Babylon, seinen ahu ku^innu, d. i. den noch 
im Jünglingsalter stehenden bruder, A§§ur-mukin-palla und 
den dem knabenalter noch nicht entwachsenen ahu ^ihru AS§ur- 
Itil-Saml-u-irsiti-uballitsu zu „grossbrüdern" ernannt, es ist 
selbstverständlich und wird durch den obigen bericht erwiesen, 
dass auch das bereits eine massnahme Assarhaddons war, wel- 
cher also dafür sorgte, dass die beiden noch nicht „mündigen^' 
söhne zu „grosssöhnen" (märu rabü) erklärt wurden, was es 
aber mit dieser erklärung auf sich hatte, bedarf erst einer be- 



und Samad-§um-ukin in dem vertrage E 448 (Jones 477) bezeichnet, wo 
ihre wagenlenker (mukil asSti) als zeugen angeführt werden: rs. 1—3: 
mukil asAti sa mdr sarri (d. i. Assurbanipal), rs. 4: dito sa mär sar Babiii. 
Peiseb bestätigt, dass der eine der contrahenten dieses Vertrages auch 
auf anderen tafeln um das jähr 668 erwähnt wird, ebenso Bu 84 — 4—26, 
163 (Harper 434) z. 7: ana mär sar As§ur ana mftr sar Babiii ikrubü 
(der brief ist also aus dem jähre 668). 

') AN.^AB ist hier geschrieben, es ist woi nur HI ausgelassen, s. 
die namensform K 511 und in dem berichte K 1055 (Harper 228), welcher 
deutlich ebenfalls in das jähr 668 (oder 669) gehört und an Assarhaddon 
über die fünf jähre lang für Asäur-i-til-sami-u-irsiti-uballit-su^ beobachteten 
omina berichtet. A. war also damals offenbar fünf jähr alt (K 581: 
?ibni!). 



— 185 — 

sonderen ausführung. wie ahu talimu den mitregierendeti 
bruder,^) mäni agaridu den mitregierenden sehn, so bedeutet 
märu resp. ahn rabü den zur erbschaft des thrones berechtigten 
söhn resp. bruder. es wird damit ausgesprochen, dass im falle 
des todes des königs die betreffenden die thronerben sind, so 
war Sanherib von Sargen zum märu rabü d. i. zum thronerben 
ernannt worden, und wird demgemäss mit diesem titel be- 
zeichnet,'^) während beispielsweise ASSur-mukin-palla vor seiner 
ernennung zum märu rabü nur mär §arri genannt wird.^) 

Die ernennung der beiden söhne zu ihrer würde findet 
nach K 581 vor zwei göttern statt, davon ist der name des 
zweiten, vor dem der jüngere zum ahu rabü ausgerufen wird, 
erhalten: Sin von Harran, der des andern gottes, in dessen 
tempel die feier für Assur-mukin-palla stattfindet, ist abge- 
brochen, es kann jedoch kein zweifei sein, dass es Assur war. 
dazu passen der räum des abgebrochenen Zeichens, wie der 
umstand, dass der gott nicht weiter bezeichnet wird, was be- 
deutet das aber? sie werden vor je einem der beiden götter 
ausgerufen, welche die beiden königswürden der Assyrerkönige 
verleihen: Assur die von Assyrien, Sin von Harran die eines 
§arki§Sati, da wir aber im folgenden (No. 2) sehen werden, dass 
Assarhaddon den §ar kiSSati sich vorbehalten hatte, so folgt daraus, 
dass er dem einen einen anspruch auf die thronfolge in Assyrien, 
dem andern als SarkiSgati damit verleihen wollte, wie sein bruder 
§ar-itir-A§§ur als §ar kiS^ati ihm gegenübergestanden hatte, so hatte 
auch er die möglichkeit einer Selbstständigkeit der beiden so 
lange vereinigten reichshälften ins äuge gefasst. 

') 8. den aufsatz ,,Die innere politik im neubabyionischen reiche". 

') K 1062 (Keilschrifttexte s. 41): ana sarri blli-ia . . . lü ialmu 
AsSur etc. ana sarri bÜi-ia likrubü ardu-ka Hunnt karib sarri biii-su 
suimu ana ikurräti ana ikall&ti sa (mätu) Assur gabbu suimu ana Sin- 
a^i-irbä mär sarri rabü . . . suimu ana mär! sarri „dem könig .... sei 
heil. Assur etc. mögen den könig, m. h., segnen. Hunni der karib des königs. 
es gebt gut den tempeln und palästen Assyriens, es gebt gut Sanherib, 
dem thronerben, und den söhnen des königs. vgl. auch K 641 
(Harper 10) ana mär sar Assur rab! bili-ia d. i. den grosskönigssohn von 
Assur = Assurbanipal. 

') K 519 (Harper 108): ana sarri b!li-ia ardu-ka Arad-Nana etc. 
tub siri ana sarri bili-ia iiddinü Suimu addannis ana mär äarri. K 532 
(Harper 109): ana §arri büi-ia arduka Arad-Nana etc. liddinu i^ulmu. 



— 186 — 



2. Assarhaddou blieb nach der krönung seiner beiden 
söhne noch könig. welchen titel führte er als solcher? aus- 
drücklich wird gesagt, dass Assurbanipal zum könig von 
Assur gekrönt wurde, Assarhaddon blieb also §ar ki§§ati. auf 
diese tatsache bezieht sich der bericht über den aufenthalt in 
Harran,^) den ich von anfang an als ein zeugnis, dass der §ar 
kiSSati nach Harran gehört, in anspruch genommen habe, denn 
wenn Assarhaddon nicht mohr §ar kiSSati gewesen wäre, hätte 
er auch nichts mehr im Sintempel von Harran zu suchen ge- 
habt, wie es anderseits seine pflicht war, sich jetzt dort zu zeigen 

Assarhaddon kann sich also 668 nicht mehr §ar ASSur ge- 
nannt haben, da diesen titel Assurbanipal führte, sondern eben- 
so wie einst sein bruder Öar-ltir-A§§ur,*) nur §ar kiSSati. diese 
aus unserer anschauung von der bedeutung der titel sich er- 
gebende forderung wird erfüllt in einem briefe, welcher im 
jähre 668 an die oben erwähnte Siru'a-itlrat gerichtet wurde, 
denn nur diese kann die „tochter des königs" sein, wie die rolle 
beweist, die sie in dem oben angeführten berichte spielt: 

K 476 (Harper 54) 



1- A-na märat §arri 2. bilti-ia 
ardu-ki 3. Nabü-na-din-sum *• ü-mu- 
U8-8U Bil 5. Sar-pa-Di-tum, Nabu, 
6. Na-Da-a u Tas-mi-tum 7. a-na 
balat napeäti sa aar kissati bi- 
ili-ia 8 u m^at sarri biiti-ia u-sal-li 
9- 8ar-pa-nl-tum bilit us-ti lO. Ub- 
ba-ki tu-ti-ib-ki. H- a-ki sa Bil 
u Nabu 12. a-Da tu-ub lib-bi is. §a 
sar kissati bl-ili-ia i^- u märat 
sarri bilti-ia i^- u-sal-lu-u rs. i- 
Eil u Nabu pa-an 2. §a du ti sa 
sarri bl-ili-ia 3* u sa mftrat iarri 
bllti-ia ^- a-na muh-^i-ia &• lis-ku- 

DU. 



1- Ad die königstochter, '^- meine 
herrin, dein diener, 3. Nabü-nädin- 
§um. 4- täglich zu Bil, &• Sarpanit, 
Nebo, 6. Nanä und Tasmit 7. für 
das leben 8- des königs der weit, 
meines herrn, und der königstochter, 
meiner herrin, bete ich. 9* Sarpanit, 

die göttin des lO. möge 

dein herz erfreuen, ii* wie ich zu 
Bil und Nebe 12. für das wolbefinden 
13. des königs der weit, meines 
herrn, i^- und der königstochter, 
meiner herrin, i^- bete, rs. i- so 
mögen Bil und Nebo ein antlitz 
2- der gnade (?) seitens des königs, 
meines .herrn, 3. und der königs- 
tochter, meiner herrin ^> mir ^- zu- 
wenden. 



addannis ana Assur-mukin-palüa (vgl. rs. 11). ebenso K 1200 (Harper 82) 
mÄr sarri (z. 6 u. rs. 2). 83-1-18, 17 (Harper 354) 6. rs. 3. 6. 9. 

^) F. 8. 92. 

•) s. 68. 



— 187 — 

Aus diesem briefe ist ausser der bestätiguug unserer an- 
sieht vom §ar kiS^ati noch einiges andere herauszulesen, da 
er der schrift nach babylonisch ist und die genannten götter 
seinen babylonischen Ursprung bestätigen, so müssen wir an- 
nehmen, dass Siru'a-Itlrat in einem näheren Verhältnis zu Ba- 
bylon stand, wir verstehen daher, warum sie in dem andern 
berichte nach §ama§-Sum-ukfn genannt wird, und werden in 
dieser richtung ebenfalls die erklärung der fragen zu suchen 
haben, welche ihrem schreiben an A§§ur-§arrat zu gründe lagen, 
denn auch dabei handelt es sich um erb- und legitimitäts- 
fragen. es war ihr wol von Assarhaddon eine ähnliche rolle 
zugedacht, wie sie seine mutter Niku'a ebenfalls in Babylon 
gespielt hat. denu dass diese während der regierung Assar- 
haddons grossen einfluss in Babylon besessen hat, und also wol 
bei dem Wiederaufbau von stadt und tempel eine hauptstütze 
der babylonischen partei war, beweisen die an sie von Baby- 
lon aus gerichteten schreiben: 

Bu 80—4—26, 5 (Harper 368) z. 1—9. 

1- A-na um sarri bili-ia 3. ardu- i- Ad die mutter des köuigd, meines 

ki I^irgal-sarr-an-ni 3- lu-u sul-mu faerm, -• dein diener Nirgal-sarräni. 

a-na um sarri blli-ia^NabüuMarduk 3. heil sei der mutter des königs, 

&• a-na um sarri bil-ia lik-ru-bu meines herrn. ^- Nebo und Marduk 

6- Tas-rai-tum sa tap tu i si i ni ^- mögen die mutter des königs, meines 

7. katä-ki lu ta-as-bat 3- 1 lim sanäti herrn, segnen. 6. Tasmit, welche 

sarru-u-tu 3- sa Assur-ah-iddin du- ...?...?. 7. mögen dich leiten, 

ug-li. ^' tausend jähre sollst du das könig- 

tum 9- Assarhaddons sehen. 

Der Inhalt des brief es betrifft auszuführende tempellieferungen 
duUi): minu ina lib dulli illak Samnu tabu di§bu rikki täbüti 
(rikku) §I§ (= marru?) (rikku) ku-nu-pu .... -di-du an-ni-'-u 

. . . -di-I §a dul-li a]m-mar um Sarri tak-[bu-u lu] 

i-bu-u§ „alles was zu der lieferung gehört, reines öl, honig, 

räucherwerk, myrrhe (?)■, hanf^) dieses 

was zur lieferung gehört, [alles] was befiehlt die mutter des 
königs, führe ich aus" etc. 



*) Stucken, Astralmythen s. 5 anm. — cannabis, 



— 188 



K 486 (Harper 303). 
1* A-bit sarri a-Da 2. (amiltu) um 
sarri 8. gul-mu ai-si 4* lu §ul-mu a- 
Da 6- (amütu) um sarri. 6. ina ili sa 
A-mu-si 7. sa tas-pur-an-ni 3. ki sa 
(amiltu) um sarri 9- tak-bu-u-ni lO. a- 
na-ku ioa pi-Ü-ma rs. i* ak-ti-bi 
2. damik a-dan-nis 3. ki sa tak-bi- 
ni 4* a-ua mi-i-ni ^- Ha-mu-ua-ai 
6- ii-la-ak. 



K 523 (Harper 324). 
^' A-Da um sarri bilti-ia 2. ardu- 
ka (I) Apia-a s. Bii u Nabu a-na 
um sarri *• bilti-ia lik-ru-bu 6- a- 
du-u ü-mu-u8-8u 6. Nabu u Na-ua-a 
7. a-na ba-la-ta 8. nap-sa-a-ti 9- u 
a-ra-ka ü-mu ^o. ga sar mätäti blli- 
ia rs. 1- u um sarri bilti-ia 2. u-sal- 

• 

la 3- um sarri bilti-a *• lu-u ha- 
ma-ti ö- (amilu) mär sipri sa du-un- 
ku 6. sa Bil u Nabu 7. it-ti sar 
inät&ti 8. bi-ili-ia 9- it-ta-lak. 



K 825 (Harper 263). 

1- A-na um sarri bili-ia ^* ardu- 
ka (!) Nabü-sum-lisir 2. gamas u 
Marduk ^- sul-mu säum sarri o. bili- 
ia lis-'-a-lu 6. (amiltu) Gal-la-ti 7. ga 
Ina bit Sa-ma-* 8. Ia ina pa-ni-ia 

pak-da-tu 9. ? dul-la 

10. sa attalü i-ba-as-su ii- ina muh- 
hi-su 12. in-ni-ib-bu-us rs.i- um sarri 
um-ma 2, kiri lid-di-nu 3- ki-i pa- 
ni um sarri ^- mah-ru a-na (amilu) 
rab nikasi 5. ga ikalli 6. lip-ki-du 
roa 7. kirri lid-di-nu. 



1* Schreiben des königs 2. an die 
königsmutter. 3. ich bin wol. ^* dir 
sei heil. ^- betreffs dessen, o königs- 
mutter, 6. was du über Amugi 7. mir 
geschrieben hast: 8. wie die königs- 
mutter 9. es wünschte, ^o. go habe 
ich es sofort rs. i- angeordnet. 2. es 
ist in bester Ordnung. 3. wie du 
wünscht, ^wird deshalb(?)6-Hamunai 
kommen. 



1- An die königsmutter, meine 
herrin, 2. dein diener Aplä. 3. Bil 
und Nebo mögen die königsmutter, 
^' meine herrin, segnen, ö. alltaglich 
6« zu Nebo und Nana 7. 8. für das 
leben 9. und Verlängerung der tage 
10. des königs der länder, meines 
herrn, rs. i- und der königsmutter, 
meine herrin, 2. bete ich. 3. die königs- 
mutter, meines herrn, möge froh (?) 
sein, & ein böte mit guter künde 
6- von Bil und Nebo 7. für den könig 
der länder, 8. meines herrn 9. igt 
unterwegs. 

1 -An die mutter des königs, meines 
herrn, 2. dein diener Nabü-sum-lisir 
-• Samas und Marduk 4- bitte ich 
um das wolergehen der mutter, des 
königs, ^- meines herrn, 0- was die 
Gallatu (oder sklavin) anbetrifft, 
2. die im hause Öama', 8. welche du 
mir anvertraut hast, 9. so ist sie . . 
— , die massregeln, lo. wel- 
che die finsternis (von sonne oder 
mond) angehen, ii- so werden sie da- 
für 12. getroffen werden, rs. !• was 
die königsmutter angeht: 2. schafe 
soll man geben. 3. wenn es der königs- 
mutter 3. genehm ist, so möge man 
den Zahlmeister &• des palastes 6- an- 
weisen, 7. dass man schafe gebe. 



— 189 



K 478 (Harper 254). 
1- A-Daum*8arri2. bi-ili-ia 3- ardu- 
ka (!) A-sa-ri-du ^- Nabu u Marduk 
&• a-na um sarri 6- bi-ili-ia lik-ru-bu 
7. ü-mu-us-su 8. Nirgal u La-as 9- a- 
na balät napsäi lO. ga sarri u i^< um 
sarri 12. bl-ili-ia rs. i- u-sal-lu 2. gui- 
mu a-Da mahäzi s. u ikurrfiti 4- §a 
sarri u a-du-u ß- ma-as-sar-tu 6- §a 
sarri bi-ili-ia 7. a-na-as-sar. 



^* Ad die mutier des königs, 
2-meines herrn, S-dein dieuer Asaridu. 
^' Nebo und Marduk &• mögen die 
mutter des königs, 6. meines herrn, 
segnen. 7. täglich 8. zu NergaP) und 
Las 9. für das leben ^o. des königs 
und 11* der mutter des königs ^2. der 
herren (!) rs.i- bete ich. 2. wolbehalten 
sind Stadt J)- und tempel ^- des königs. 
und fi- die beobachtungen 6. ffir den 
könig, meines herrn, 7. werde ich an- 
stellen. 

Alle die schreiben stammen aus Babylonien. es geht dar- 
aus hervor, dass Assarhaddons mutter dort eine art regentschaft 
geführt haben muss. alle die geschäfte, die sie hier zu er- 
ledigen hat, sind solche, wie sie sonst dem könig obliegen, denn 
sie verfügt über die königlichen gelder und hat für die aus- 
f ührung staatlicher opfer zu sorgen, wir werden also anzunehmen 
haben, dass sie während der regierung Assarhaddons, solange 
kein könig in Babylon sein konnte, weil der tempel noch nicht 
fertig war, dort die geschäfte führte, man wird weiter daraus zu 
schliessen haben, dass sie ebenso wie die gattin Assarhaddons 
und mutter SamaS-Sum-ukins^) eine Babylonierin war, und dass 
sie eine hauptstütze der babylonischen politik Assarhaddons 
bildete, so wird immer klarer, wie verschiedenerlei intriguen 
gegen ende von Sanheribs regierung im palaste zu Ninive 
spielten, und wie die babylonische partei dort klug verstanden 
haben muss bei dem aufstände ihren vorteil wahrzunehmen. 



3. K 115 (Harper 258). 

1- A-na sar sarr^ni bili-ia 2. ardu- 
ka Nabü-u-sal-lim '^' Assur öamas 
u Marduk su-Imu 4- sa sarri bili-ia 
liä-'-a-lu 5. nisi-su-nu ina ap-pa-ri 
6. (amilu) Ba-si-hi i-kab-bu-§u-nu-tu 



1- An den kÖnig, meinen herrn, 
2. dein diener Nabü-usallim. s* Assur, 
iSamas und Marduk um das wol- 
ergehen ^- des königs, meines herrn, 
bitte ich. ü. die leute im dorfe 



') Der brief stammt also aus Kutha, und dieses ist die „stadf' z. 3. 
man beachte, dass Nebo und Marduk angerufen werden (für die Baby- 
lonierin — und ev. regentin von Babylon). 

•) F. s. 417. 



— 190 — 

7- ina ü-mu pl. sa §amas-ib-ni 8. XXX- 6- Basi^i sprechen : 7- ^^ur zeit Samas- 

su-DQ (amilu) ki-na-a-ta d- k1-i-ih- ibni's B. waren 30 stammesangehörige 

li-ku-' lO.inaBit-a-muk-kan-Da li-ta- d- davon gelaufen iO. und hatten sich 

sab-' 11- ul i . . . ma ta ti ^3. a^i- inBit-Amukkan angesiedelt, i^- nicht 

su-nu ana^) pa-ni-ni 13. ul i-kar (?) i^- ihre stammgenossen haben uns 

ikbi-'-u-ni i^» su-nu su-nu §a niad- ^^- im stich gelassen (?), i^ sie sind 

da-tu 1^- biltu*) amilu nakru a-na es, welche den tribut, i^- die abgäbe 

mu^-hi-ni 16. il^u-du-ni rs. i- ki-i an den feind für uns 16. getragen 

pa-ni sarri 2- bili-ia ma-^ar ^' a-na haben, rs. i* wenn es dem könig, 

Xudur sa Bit-a-muk-kan-na ^- sarru 2- meinem herm, genehm ist, ^- wolle 

lis-pur ma ^- li-bu-ku-us-tim-'j derkönigzuKudurvonBit-Amukkan 

ma 6- ina btt sarri bfli-a 7. ^a-du-u^) ^- schreiben, ö. dass man sie zurfick- 

lu-si-sib-su-nu'tu 8. ü-mu ma-la su- führt, 6. und im gebiete des königs, 

nu 9. ina Bit-a-muk-kan-na as-ba meines herrn, 7. ansiedelt. 

10. a^-su-nu ii- ul ik-kib-ba-su^) ma 3. solange wie sie 9- in Bit-Amukkan 

12. dul-lu sa sarri 13. bili-ia i^* ul ib- sich aufhielten, lO. haben ihre stam- 

bu-us-su. mesgenossen H- nicht gefrohndet (?). 

12. leistungen fürdenkönig, i^- meinen 
herrn, l^- nicht a,üsgeführt. 

1) ana -\- na statt a-na oder ana versehen. 

2) §A -\- §u. es ist klar, dass es sich nur um biltu oder 
ein ähnliches wort handeln kann, dieses passt auch an der 
bekannten stelle Sanh. U 56: tamarta-Sunu kabittu adi ÖA. §u 
adi mahri-la ßgüni. 

3) statt Ii-bu-ku-u§-it^-w^-tim-ma. 

4) feadü ? cf. hud libbi in den vertragen ? 

5) n 1 von kabäsu in der bedeutung „frohnden"? 

Nabü-usallim ist der fürst von Bit-Dakkuri, der von Assar- 
haddon an stelle §ama§-ibnis eingesetzt worden ist (s. F. s. 497). 
von dem zu seinem gebiet gehörigen dorfe Ba^iht sind dreissig 
bauern unter §ama§-ibni nach Bit-Amukkan entlaufen, wo sie auf- 
nähme gefunden haben, das bedeutet eine Verminderung der Steuer- 
fähigkeit des dorfes, oder Vermehrung der lasten der zurückgeblie- 
benen, da diese nun durch das aufbringen von tribut für den 
,/eind" — es kann sich nur um die elamitischen einfalle unter Assar- 
haddon handeln — stark in anspruch genommen worden sind 
(13 — 16), so dass sie die frohnden für den könig nicht leisten 
konnten, so wird ersucht, Kudur, deo fürsten von Bit-Amukkan,i) 

') von diesem rühren K 82 (Harper 275) und K 6946 (H. 279) 
her. Kudur von üruk (K 81 und K 106ö), sowie der Verfasser von K (fö4 
sind verschiedene personen. i 



— 191 - 

anzuweisen, die entflohenen zurückzugeben. — das schreiben 
ist wichtig wegen seiner aufklärung über leibeigenschaft 

4. Rm 215 (Harper 422). 
1- Ardu-ka Abi-ia-itti-ia 2. a-na i- Dein diener Abi-ia-itti-ia. 2. zur 

di-na-an ^arru-ukin bi-ili-ia 3. lu.u kabinetdentscheiduDg Sargons, mei- 
a-na §arru-uklnbi-iii-ia *• am-ma-a nes herro. 3. an Sargon, meinen 
a-na sarri bl-ili-ia-a-ma 5. Na-tan-nu herrn : *• an den könig, meinen herrn. 
ina (mätu) flamti 6- ih-tai-li-ku u , ^- Natan ist nach Elam 6- entwichen 
7. a-kan-na sabl-su 8. Nabü-sum- und 7. deshalb hat seine leute 
iddi-na (amilu) rab bir-ti 9- i-ta-bak «-^abü-sum-iddinjderfestungsoberst 
u sabi lö- sarri gab-bi ma-l[a it-ti-su ?] 9. weggeschleppt und die königsleute, 
11- i-hal-li-k[u-u-ni] 12. ul u-tar-ra- lO welche (dergestalt) bei ihm sind, 
[su-nu-ti] rs. i- (amlltu) Ka-li .... H- sind (so) verloren/) 12. nicht giebt 

. . . . 2. sa Na-tan-nu u er sie zurück, rs. i- die Kali . . . 

3. it-ti-su a-du-[u iz-za-zu?] 4. ina ....[.. die tochter?] 2. Natans, 

pa-ni-su8U-[u?ma?] 5. uli-man-gur und sind bei ihm und 

ul u-tar-ra [ma] 6. in-na a-du-u a-na [sind] ^- in seinem dienst, er aber 
aarri bi-ili-ia 7. al-tap-ru sarru lik- 5. hört nicht und giebt sie nicht zu- 
bi ma 3. sab! sa Na-tan-nu 9- la i-hal- rfick. 6. deshalb habe ich jetzt an 
li-ik 10. lu-u-tir-ru-nu. den könig, meinen herrn 7. ge- 

schrieben, der konig wolle verfügen, 
3. dass die leute Natans d. nicht weg- 
bleiben*) dürfen, lo. dass man sie 
zurück giebt. 

Natan ist offenbar der eine der sechs scheichs aus Jat- 
buri, die im jähre 710 sich Sargon unterwarfen, als erMerodach- 
Baladan vertrieb und den elamitischen einfluss in Babylonien 
brach (Annalen 281). aus unserem schreiben geht hervor, dass 
Natan bald darauf sich wieder an Suturnahundi anschloss 
und bei diesem Zuflucht suchte, unser brief kann nur in die 
jähre 709—705 fallen, da er noch an Sargon gerichtet ist. 

Der Schreiber Abia-ittia ist offenbar der von Sargon ein- 
gesetzte nachf olger Natans. 

Die Sachlage ist einfach: als Natan flüeht, verfallen seine 
familie, d. h. familienmitglieder und sklaven dem könig. der 



*) halSku weglaufen von sklaven etc. hier dann = verloren gehen 
nicht zur rückkehr gezwungen werden. 

*) vergl. arad-sarrütu in den vertragen, wir könnten sie etwa als 
staatliche leibeigenschaft bezeichnen, denn sie ist eine Unfreiheit 
gegenüber dem Staate, dem „fiscus'' während der sklave privates eigen- 
tum ist.